05.08.2011

Was verdient ein Bartender …? Teil 5. Warum Bar Owner Ihre Arbeitsverträge checken sollten. Bar/Tender als Marke

Ein Bartender arbeitet in einer Bar. Richtig, oder? Nun ja. Zum Teil. Eigentlich ist das schon eine recht genaue Umschreibung des Berufsbilds Bartenders. Aber dennoch, hat sich dort in letzter Zeit etwas geändert. Sicherlich, es gab und gibt bei "Bar" unterschiedlichste Betätigungsfelder. Bar ist nicht gleich Bar. Café, Club, Restaurantbar, Hotelbar, Pool Bar, Casino Bar, Beach Club, Espresso Bar um nur einige zu nennen. Und dann kommt noch Event und Catering dazu. Show und Flair Bartender. Die Vielfalt ist beachtlich.
Und dennoch hat sich gerade "Branchen intern" einiges verändert. Der Brand Event hat das Spielfeld betreten. Brand Event? Nun ich rede hier nicht von der Markteinführung eines neuen Automobils oder Smartphones. Sicherlich auch, oft lukrative, Brand Events für Caterer. Ich rede hier von Brands aus dem Bereich Bar. Spirituosen Brands vorne an. Aber auch das ganze drum herum um die Bar. Zubehör, Gläser, Eis, Tools, Bücher ...etc. Das ganze drum herum. Das Bar Business.
Was hat sich hier geändert? Global, aber auch in Deutschland ist folgendes passiert: Die Industrie Brands (das Bar Business) haben für sich erkannt das Ihnen erfolgreiche Bars, aber auch einige Bartender (Microbrand Bar und Bartender) bei der Vermarktung Ihrer Produkte innerhalb der Branche durchaus behilflich sein können.  Das heißt Sie haben erkannt das eine erfolgreiche Bar und ein namhafter bzw., gut vernetzter Bartender in unserem kleinen Mikrokosmos Bar Business Ihnen einen Mehrwert verschaffen können, der es wert ist, diese über den Wert Ihrer eigentlichen Arbeit hinaus zu bezahlen. Kurz: Die Marke Bar und die Marke Bartender spielen in unserem Business zunehmend eine Rolle.
Sicherlich, der ehrbare und anständige, vielleicht auch etwas konservative Bartender unter Ihnen wird die Hände über dem Kopf zusammenschlage.  Bartender ein Brand? Was soll denn diesee Quatsch?
Richtig, ich kann Sie ja verstehen. Aber Sie können es drehen und wenden wie sie wollen. Menschen nehmen Sie wahr. Gerade innerhalb der Branche, gerade seit Web 2.0 und Social Media. Sie können das gerne Ihren Leumund nennen - wenn Ihnen Brand zu bsurd erscheint. Und das ist auch etwas Charmanter. Am Ende des Tages sind Sie als guter, aufgeweckter, kommunikativer Bartender ein Brand. Punkt. Nennen Sie es wie Sie wollen. Und ein Brand hat seinen Wert. Gerade für unsere Bar Business, gerade für Spirituosen Brands. Sie sollten das erkennen. Viel mehr noch, auch die Bar sollte das erkennen.
In kürze: Brands promoten Ihre Spirituosen etc.. Bar und Bartender werden ein klein wenig zu (Rock) Stars innerhalb der Branche. Dies kann ein lukratives Geschäft werden. Oft SEHR kurzfristig, darüber gilt es nachzudenken. Gute Tagessätze sind aber ein Geschäft.
Tagessätzte von mehr als 400,00/500,00 € sind bei namhaften Multiplikatoren der Branche hier zulande der Anfang. Wir verlassen hier den Bereich wo der eigentliche Wert der Arbeit gezahlt wird. Tagessätze von 1000,00 € und darüber hinaus sind derzeit bei Bartendern nationale Spitzenklasse.  Mehrere 1000,-  € pro Tag sind in unserer Branche absolutes  internationales, Spitzenniveau.  Dieses wird von einigen Dutzend Bartendern Global derzeit erreicht.
Und man darf diese Werte nicht auf die Goldwaage legen. Es gibt eine Menge Spielraum. Gerade bei Internationalen Event kommt viel zusammen. Aber dennoch werfe ich Sie mal in die Runde - so undifferenziert wie sie sind.  Ich glaube, ich habe da etwas Erfahrung.
Wir sind hier noch weit entfernt von fernsehbekannten Köchen. In Deutschland sind Summen von 10.000 € pro Tag für Events von bekannten Köchen schon ein recht hoher Satz, werden aber realisiert. 5000,- € sind da keine Seltenheit.
International, Jamie lässt grüßen, werden 20.000 und mehr angesetzt.  Ich rede hier nicht von Werbeverträgen und Kompanien, so etwas wird individuelle verhandelt.
Wir sehen. auf der anderen Seite, können gastronomische Berufe: Koch, Sommelier und Bartender, sehr lukrative sein. Der Bartender hat hier allerdings ein Problem. Alkohol wird im Fernsehen nicht kommuniziert. Die TRINK Show scheint politisch unkorrekt. Der Koch ist die Spitze dieser Schöpfung. Das Format Koch Shows erschöpft sich zwar gerade und der Mark ist ziemlich satt aber immerhin - noch steht er an der Spitze.  Der Sommelier ist geduldet. Wein ist "cool" und gesellschaftlich akzeptiert. Wein hat nach außen hin einen gewissen interlektuellen Charakter (was für ein Quatsch) und damit eine Wertigkeit. Der Sommelier darf schön brav an der Seite des Starkoch aufschlagen und 10 Minuten was über Wein erzählen. Immerhin. Das sichert ihm sicherlich ein gesundes Mittelfeld in der Lücke zwischen Top Tagessatz Bartender und Top Tagessatz Fernsehkoch. Der Barkeeper bleibt draussen. Spirituosen im Fernsheen - no way! Verlogene, feige Welt. Aber wir finden schon unseren Weg. Innerhalb unserer Branche steigt der Bedarf an talentierten Multiplikatoren und damit deren Tagessätze bereits.
Neben dem Bartender wird eher noch die Bar als Marke, gerade außerhalb unserer Branche, wahrgenommen. Wenn heute eine Spirituosen Marke Ihren Brand Event in einer Stadt machen möchte, besteht für Bars zunehmend durchaus die Möglichkeit, deutlich höhere Raummieten etc. bei solchen Veranstaltungen zu erzielen. Wenn du DIE (neue) Bar in der Stadt bis, der Platz wo der Brand einfach stattfinden muss, und der am besten noch von keinem anderem Brand "verbraucht" wurde, dann viel Spaß beim ausloten des Preises. Und nicht zu tief ansetzen bitte. Sei mutig!
Die Marke der Bar ist darüber hinaus auch öfter das Bindeglied in ein breiteres Publikum. Wenn die Bar "Die Bar" einer Stadt ist, wichtiger Teil des Nightlifes etc., wird Sie sich diesen Faktor hoffentlich dementsprechend bezahlen lassen.
Also, wir haben die talentierten Bartender, und die Bars selbst, die mehr und mehr, derzeit noch innerhalb unsere kleinen Branche Bar Business, als Marke wahrgenommen werden.
Das sind doch gute Nachrichten oder? Da liegt etwas Geld auf der Strasse...
Langsam an. Eine Marke muss aufgebaut und geführt werden. Mit strenger Hand. Das erfordert Disziplin und Weitsichtigkeit. Meine Empfehlung für Bar Owner: Arbeitsverträge überarbeiten. Und dies bitte mit einem Rechtsanwalt. Für meine nachfolgenden Ausführungen übernehme ich keine Haftung.
Grundsätzlich können Nebentätigkeiten nicht grundsätzlich verboten werden. Das steht zwar in einigen Verträgen, ist aber nicht rechtskräftig. Wenn ein Bartender seinem Nachbarn im Garten hilft (schlechtes Beispiel für die Großstadt Berufe...),  auch gegen eine Bezahlung, kann man dies als Arbeitgeber nicht verbieten. Solange die allgemeine Arbeitsleistung nicht nachweislich leidet.
Anders hingegen sieht es bei berufsnahen Nebentätigkeiten aus. Die können sehr wohl eingeschränkt werden. Und das möchte ich dem geneigten Barbetreiber empfehlen. Ich habe die Arbeitsverträge des Le Lion kurz nach Eröffnung überarbeiten lassen und seit dem schließe ich jede Form der Tätigkeit im Bereich Spirituose, Bar, Schulung, Catering, Consulting etc. aus. Generell. Sie sollten das auch machen.
Ein Stammgast sucht einen Bartender für seinen Abend zu hause, kleiner Empfang. Oder ein paar Bartender veranstalten eine Party in der Stadt, laden viele Bartender aus der Stadt ein, lassen sich von befreundeten Spirituosen Partner die Party mit Ware sponsoren und machen so ein zwei Scheine "nebenbei". Wollen Sie das?  Hinzukommen die genannten Brand Events. Brands sind immer auf der Suche nach jungen Gesichtern die in der Szene hohe Multiplikatoren darstellen. Ihre Bartender machen dort ein paar Scheine extra. Wollen Sie das?
Gut, zum einen bin ich der Meinung das dieses ganze Feld mit zum Arbeitsbereich eines angestellten Bartender gehört. Die Bar sollte die Rechnung stellen, nicht der Bartender. Aber vielleicht sind da nicht unbedingt große Summen zu holen. Sie könnten ihren Bartender ja auch machen lassen, die zwei, drei mal. Hat er sich verdient.
Ich rate davon ab. Wichtiger ist Ihre Markenführung. Ich möchte die Marke Le Lion führen können. Ein wichtiger Teil dieser Marke sind unsere Mitarbeiter. Und ich möchte kontrollieren können, gerade weil diese Bereich Bar als Brand größer wird, wie unsere Bar nach außen dargestellt wird. Vielleicht planen Sie im zweiten, dritten Jahr den Ausbau zum kleinen privat Caterer, deshalb möchten Sie wissen, das ihre Bartender nicht privat für Gäste (oder schlimmer noch Caterer, Kollegen) arbeiten. Ich selber möchte kontrollieren ob und mit welchen Brand ich welche Deals mache. Wenn ein Bartender von uns sich, sei's auch nur indirekt, auf Grund von Freiware für Partys somit bei einem Brand verpflichtet, möchte ich das wissen und gegebenenfalls (besser in der Regel) unterbinden.
Und außerdem, wenn es zum Thema Brand Event kommt, man möge mir verzeihen, versauen einige Junge Kollegen die Preise. Das kurzfristige schnelle Geld, oder auch ein gewisser "Ruhm" im Kreise der Kollegen,  scheint hier manchmal im Vordergrund zu stehen. Kein Vorwurf, aber Erfahrung der letzten Jahre. Hier gilt es Preise aufzubauen und zu halten. Im Gegenzug müssen Sie sicher stellen, das Qualitative Arbeit abgeliefert wird, um diese Preise zu rechtfertige und ihre Bar richtig präsentiert wird.
Daher muss ich als Bar Eigner, der die Marke meiner Bar entwickeln möchte, jeden Alleingang eines einzelnen Bartenders unterbinden.
Stellen Sie sich einmal vor ein Bartender des Le Lion würde für einen Energy Drink Promotion Events machen. Nicht gut, oder? Selbstverständlich sollte ich als weitsichtiger Bar Eigner Interesse daran haben, das sich auch die Bartender weiter entwickeln. Und zur Marke Bartender, oder dem Leumund des Bartenders, wie sich dieser Entwickeln kann und dieser aufgebaut werden kann, später mehr.
Wichtig für Bar Eigner und Team: Die Marke der Bar ist der Fokus. Die Marke des einzelnen Bartenders hat sich da unterzuordnen.
Vielleicht erscheint Ihnen das hier alles zu hochtrabend. Auch ok. Meine Empfehlung ist nur: ändern Sie Ihre Arbeitsverträge. Sie müssen das ja nicht einschränken, sie sollten nur gegebenen falls die Möglichkeit dazu haben. Frei nach der Devise: Schön, drüber gesprochen zu haben ...
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Wichtiger Edit# : Mein Horizont ist beschränkt und einseitig. Ich bin mir sehr sicher, das Kollegen die stark im Flair Bartending sind, deutlich höhere Tagessätze erzielen (könnten). Das steht die Show, nicht der Alkohol, im Vordergrund. There is no business like Showbusiness...