04.08.2011

Über den Verlust der Kommentar Kultur - verfluchte Soziale Medien

Früher war alles besser ...

Was waren das für Zeiten. Der Bitters Blog. Stephan Berg startete Ihn Ende 2006. Und kurze Zeit später stieß ich dazu. Die anderen Gast Autoren gaben auf (oder fingen erst nie an). Und Berg und Meyer teilten sich den Kuchen auf. Büro Süd und bureau Nord wurden gegründet und von dieser Zeit an wurde im Blog alles rund um die Bar besprochen.  Es gründete sich eine neue kleine deutsche Bar Szene. Und zwei Jahre lang durften wir uns als deren inoffizielles "Leitmedium" sehen (diesen Begriff habe ich von einem Magazin für die Szenen Gastronomie geklaut, weil er so herrlich übertrieben ist). Zum offiziellen Medium hatte sich das Magazin für Barkultur

Wir schafften gelegentlich Zugriffszahlen von 100 Lesern pro Post. Wo hoo! Aber das tolle an dieser kleinen, eingeschworenen Gemeinde. Diese kleine Kreis kommentiere was das Zeug hält. Da wurden Meinungen ausgetauscht und über Tage besprochen. Es kamen ein paar Blogs hinzu. Mixology war ja eh schon da (und gern gelesen) Christian Niefanger zum Beispiel, Arnd Henning mit dem  (ursprünglichem) Bartender Lab. Man sprach von den "Bar Blogs"

Es kamen mehr und mehr Blogs dazu. Es traten Änderungen ein. Stephan und ich stelten den Bitters Blog ein, und mit der Zeit veränderte sich das ganze. Heute gibt es viele Blog von Bartender oder Connaisseuren - aber immer seltener bemühe ich meinen Google Reader diese anzusteuern. Ein bischchen ist die Luft raus. Überangebot? Oder einfach mein veränderter Fokus?

Gefühlt befasst sich heute nahezu jeder Post mir  Produkt Vorstellungen (oft auch nahe an der PR), deren Verkostungen und der Berichterstattung über irgend welche, manchmal langweiligen, Events von Spirituosen Firmen. Sicherlich, es gibt Ausnahmen. Gut so. Aber in der Summe ist die Luft raus. Bar Blogs ade ...

Die Szene ist tot, es lebe die Szene.

Und "unser" Online-Verhalten änderte sich. Es kamen viele Social Media Accounts dazu - allen voran FACEBOOK. Dort findet heute ein Großteil des Ausstausches statt. Und das ist in der Regel recht unterhaltsam.

Und dennoch, gerade ist es mir wieder bei der Artikelserie "Was verdient ein Bartender..." aufgefallen, hat das auch seine schlechten Seiten . Es gilt den Verlust der Kommentar Kultur zu beklagen. Der Verlust des digitalen Diskurses - fern ab von "I Like" und drei Sekunden Interesse. Kurz:  Egal auf welchen Blog man schaut - die Kommentare fehlen.

Und auch bei der Serie "Was verdient ein Bartender"  erhalte und lese ich auf Facebook Kommentare und Stellungnahmen mit fantastischen Meinungen. Aber diese Meinungen werden untergehen. Für immer verloren, für Minuten auf Facebook wichtig - das wars. Dann wieder weg. Was für ein großer Verlust!

Ich würde mich freuen, wenn die Damen und Herren die in den vergangenen Tagen so tolle Kommentare zum Thema auf Facebook verfast haben, diese hier unter den Posts als Kommentare posten würden. Sie sind es wert zu lesen. Tolle Geschichten und Meinungen - eine echte Bereicherung für meinen eindimensionalen Blickwinkel.

Meine Bitte. Kommentiert wieder in den Blogs ( Und am wichtigsten natürlich in meinem!).  Es geht sonst soviel verloren. Und diejenigen von Euch, die mir so großartige Emails zum Thema geschrieben haben, setzt Sie Bitte als Kommentar in den Blog. Ich wünsche mir den Diskurs. Nur braucht der Struktur. Kommentare im Blog sind struktiert, nachvollziehbar und bleibt erhalten. (keine Angst, wenn man sich anmeldet, kann man diese auch bearbeiten und löschen, falls man nach einem Tag doch nicht mehr so glücklich drüber ist)

Blogs leben von Kommentaren. Heute erreichen meine Post auf jrgmyr.com bei guten Post 500 und mehr Leser am ersten Tag. Bei Verdienstoffenlegungen bin ich bei fast 2000  :) in den ersten 24 Stunden. Und fast kein Kommentar weit und breit. Verstreut über soziale Medien, findet man diese überall. Und Sie sind es wert gelesen zu werden. Also, Zeit für einen Diskurs...

 

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Ein kleines Edit: Es gibt natürlich auch einige großartige, teils neue, Blogs. Dazu in Kürze mehr.