09.01.2009

BLOOM GIN - Mein persönliches Ende des 47% Wacholder Gin Absolutismus.

Gestern Abend - " 50% Bonded Rye Nacht"  in Guten Löwen. Spät nach Mitternacht. Bartender kommen aus den Bars der Stadt für einen Night Cup. Stefan ruft an :
"Mach gerade Feierabend und komme gleich rüber. Schon Beefeater 24 probiert?"
"Nein"
"Ok. bring ich mit..."

Gesagt, getan. Kurze Zeit später: Aperitife Rye Cocktail "Red Hook". Dann Beefeater 24. Stefan ist schon seit Wochen voll auf begeistert. Ich kann nach kurzer Probe seine Begeisterung nicht ganz teilen. Kein schlechtes Produkt - aber in meinen Augen auch nicht mehr. Es fehlt irgend etwas, was diesen Gin einzigartig macht.  Wie schön, das Geschmack unterschiedlich ist. Ich schenke Ihm Bloom Gin ein, hatte mir Matthias Eikerling vor einigen Tagen zugeschickt. Nicht Stefans Geschmack. Verhaltene Begeisterung.  "Nö ... kann ich nicht viel mit anfangen". Ich allerdings denke: "Bloom hat was... irgend etwas interessiert mich an diesem absolut untypischen Gin". Doch fangen wir von vorne an:

Vor einigen Tagen bekam ich eine Recht große Lieferung von Matthias Eikerling /Spirits Worldwide. Da er mittlerweile erfolgreich Fentimans Tonic und Ginger Beer vertreibt und ich diese beiden Vertreter Ihrer Gattung mehr als Schätze, wollte er mit Muster zuschicken - weitere Fentimans Produkte. Das ich jeweils 24 Flaschen pro Muster erhalte, ahnte ich nicht.
Victorian Lemonade, Dandelion,  Curiosity Cola*, Mandarin and Seville Orange Jigger und Shandy stehen seit dem in meinem Büro. Ungefragt hatte er einige Flaschen von Greenalls Gin beigelegt. Seit kurzem importiert er auch Greenalls Gin und weitere Produkte aus dem Hause. Greenall ist einer der großen Destiller in UK. Bombay Saphire wird hier produziert und abgefüllt, viele Eigenmarken für große Ketten (Tesco etc.) und der klassische Greenalls Gin. Seit kurzem hat Greenalls einige neue Produkte im Portfolio. Unter anderem Bloom.

In dem Paket lagt nun also unter anderem eine Flasche Bloom Gin. Um es kurz zu machen: Die Flasche ist "Porno". Gelungenes Design, sexy, gefällt mir.  Andererseits ist eine zu durchdesignte Flasche immer ein Indikator für mittelmässigen, überteuerten Inhalt. Also erste Zweifel meiner Seits. Ein Blick auf Etikett.“ 40% Vol.“ !!!  "Oh mein Gott" mein zweiter Gedanke "wieder so ein Leichtfuß Design Gin, der nichts mit „echtem“ Gin zu tun hat“. Im Prinzip hatte der Gin schon keine Chance mehr bei mir. Gelobt sei das unberechtigte Vorurteil.

Nun, Gin ist einerseits DIE Spirituose vieler Bartender. Wacholder über alles, gerne in 47% Vol. oder mehr, gilt als State of the Art. Oder fast schon als Dogma. „Gin braucht Alkoholgehalt um das Aroma zu tragen“ habe ich schön öfters gehört und auch selber als Philosophie weiter gegeben. Seit heute habe ich mich etwas von diesem Gin Dogma befreit!

Nicht das Sie mich missverstehen. Ich liebe eine kräftige Wacholder Note im Gin. Wenn ich auf eine einsame Insel jeweils nur eine Sorte jeder Basisspirituosen mitnehmen dürfte, würde ich sicherlich keinen BLOOM Gin mitnehmen. In meinem Koffer wäre derzeit eine Flasche BOODLES Gin. Oder Tanqueray, Beefeater etc. (Die Vodka Flasche hätte ich ausgekippt und mit Hendrick‘s befüllt).

Auch spricht tatsächlich wenig gegen viel Alkohol. Die meisten 40 Prozenter sind mir zu „leicht“. 37,5 % und andere Verstöße gegen geltendes Menschenrecht sei Supermarkt Massenware vorbehalten - und sollte nichts in einer Bar zu suchen haben.

Desweiteren bin ich weiterhin sehr kritisch was die Entwicklung im Gin Markt angeht. Ein Blick rüber nach UK, ins Portfolio der großen Händler, zeigt die Vielfalt. Über 70 Sorten Gin sind keine Seltenheit. Tendenz steigend. Viele „neuzeitliche“ Vertreter. Designte Flasche, wenig Wacholder, „neue“ Botenicals und Aromen. Von Weinblüte und Affenbrot Baum zu Drachenfrucht, Grapefruit, Korinander, Tee, Veilchen, Mandeln, Fenchel um nur einige wenige zu nennen. Am besten 10, 14 oder mehr in einer Sorte Gin. Preisgefügte 30,00 plus. Das meiste schlicht weg nicht schlecht -  aber zu teuer. Gefühlter Wodka mit Botenicals - aber Gin?

Im Prinzip gehört nun Bloom genau zu dieser Kategorie Mode - Design - Gin. Im Prinzip ... aber irgendwie hat der Hund es geschafft, meine Aufmerksamkeit zugewinnen. Bloom macht  eine eindeutige Aussage. Seine floralen Aromen sind sehr stark, er positioniert sich eindeutig und selbstbewusst jenseits des herkömmlichen Gins.

Vier Botenicals verhelfen Ihm zum diesem einzigartigen Geschmack. „Created from juniper, chamomile, pomelo and honeysuckle ...“ so Greenalls. Ein leichter, floraler, frischer Geschmack. Als wir vor Tagen die Flasche im Le Lion aufmachten tranken wir zum Feierabend im kleinen Kreis Bloom mit Tonic. Sofort aus vieler Munde: „Katastrophe, Geht gar nicht, das  ist kein Gin and Tonic...“. Ich  für meinen Teil musste widersprechen. Mir hat er gefallen. Zugegeben, es ist kein Gin and Tonic im klassischem Sinne. Aber ich fande ihn sehr erfrischend und die florale Note hat mich in diesem Fall angesprochen. Vielleicht ein echter Einsteiger GT. Damit werden Sie an ihrer Bar viele Gäste, die behaupten Sie mögen keinen Gin and Tonic, gewinnen können. Vielmehr fand ich, er lädt ein zum trinken. Vielleicht ging es mir nur an den zwei Abenden so (Gestern haben wir Ihn dann leergemacht - Nachschub ist bestellt) - aber Bloom Tonic scheint mir gefährlich zu sein. Er hat zwar nur 40 % Vol. aber man ist schnell beim zweiten und dritten. Um kurz mit den Worten eines dreckigen Kapitalisten zu sprechen: Betriebswirtschaftlich nicht ganz uninteressant. Ein Gin Tonic fürs Club Geschäft  - oder den Beachclub vielleicht. Mein Interesse war auf jeden Fall geweckt.

Ausschlaggebend für mein volles Interesse allerdings war der gestrige „Rye“ Abend im Guten Löwen. Torben Bornhöft kam zum Feierabend in den guten Löwen rüber und ich fragte Ihn ob er Lust auf einen Night Cup hätte.  „Kennst Du schon Bloom?“. Kurze Probe und er meinte: „Vielleicht als Silver Gin Fizz ?“. Wow .. gelungener Erster Versuch. Die florale, frische Note ergänzt diesen Klassiker und lässt in Ihn ungewöhnlich glänzen. Es folgten Selbstversuche an diversen Klassikern - bis hin zum Martini. Einige waren nicht gelungen, andere gut, wieder andere, wie z.B. der Silver Fizz, sehr gut, wenn auch ungewöhnlich und eher „neu“ im Geschmack.

Warum auch immer - Bloom hat mein Interesse am Experimentieren mit „neuen“ Gin Typen geweckt.  Ich bin gespannt, ob sich noch der eine oder andere Klassiker auftut, der mit Bloom eine neue, interessante,  Note bekommt.  Wenn die nächsten Flaschen eintreffen - werde ich mich noch an ein paar Klassikern versuchen.


P.S. In kürze aus gleichem Haus: Berkeley Square - Authentically Superior London Gin. Ich bin gespannt.

* Die Fentimans Proben stapeln sich noch immer in meinem Büro. Einzig und allein Curiosity Cola haben wir probiert und Sie ist eine absolute Empfehlung. Im 125 ml Gebinde natürlich der interessanteste Filler für einen Longdrink mit Cola - wobei durch einen leichte Ginger Note nicht zu jeder Spirituose passend. Dennoch - Kaufempfehlung!