Die Biere der BOILERMAN BAR. Was ist Craft Beer? Ist Ratsherrn wirklich Craft Beer?

THE BOILERMAN BAR ist bald ein Jahr geöffnet. Und Sie bereitet mir und uns viel Spaß. Es „flutscht“. Sie ist eigentlich immer gut besucht. Und mit der relative positiven finanziellen Entwicklung hätte ich persönlich so schnell gar nicht gerechnet. Andrej Busch und sein Team machen einen guten Job. Und selbst jetzt im Sommer, wenn in anderen Bars die Gäste fern bleiben, ist die Bar dank unseres Außen-Tresens gut besucht. Bald haben wir ein Jahr geöffnet. Und wenn ich auf das Jahr zurück schaue, macht mich die Entwicklung sehr zufrieden.

Das Konzept soll sich ganz bewusst vom Le Lion in vielen Punkten unterscheiden. Die Heizer im Boilerman arbeiten ohne Shaker, dafür mit elektrischen Stabmixern. Sie servieren Highballs statt Smashes und anderer Klassiker. Und Sie servieren Bier. Eine kleine und gute Auswahl an Flaschenbier. Und gerade jetzt im Sommer: Sehr viel Bier.

Im Le Lion haben wir Bier nie „unterstützend“ angeboten. Wir haben eines da. Kronenbourg 1664. Haben es „hochpreisig“ kalkuliert. Der Löwe ist keine Bier Bar. Nichts ist falsch an Bier in einer Bar. Wichtig ist meiner Meinung nach nur, das man ein Konzept hat, und das durchzieht. Eine Classic Bar hat einen Fokus auf Drinks. Man kann wahlweise Bier dazu featuren oder eben nicht. Im Löwen haben wir uns für einen extremen Fokus auf Drinks entschieden.

Als ich mich für vor gut sechs Jahren im Le Lion für Kronenbourg 1664 entschieden hab, gab es neben geschmacklichen Gründen den Hauch des Exklusiven, da 1664 seiner Zeit schwer in Hamburg zu beziehen war. Französisches Bier, passend zu einer Bar de Paris. Warum nicht?

Mittlerweile bin ich nicht mehr ganz glücklich mit der Wahl. Da es kein großes Thema bei uns ist, habe ich dem Wechsel des Bieres nie große Priorität gegeben. Aber unterschwellig hat sich das Bier mittlerweile anders platziert. Kronenbourg 1664 wurde vor einigen Jahren von dem Global Player Carlsberg Group übernommen. Das macht das Bier nicht schlechter. Nur weniger exklusive. Mittlerweile ist es in Hamburg überall gut zu erhalten. Global Player und eine kleine Löwen Bar passen nicht gut zusammen. Daher ist es Zeit für einen Wechsel.

Im Boilerman sieht das ganze anders aus. Dort haben wir einen Fokus auf Bier. Daher brauchte ich eine gewisse Auswahl. Hier ein Blick auf unsere  Boilerman Karte / Bier Auswahl:

DIE BIERE DES BOILERMAN

Auszug aus der aktuellen BOILERMAN Karte


Zu Anfang hatten wir noch Pilsner Urquell und Ratsherrn Rotbier. Die Beiden habe ich ausgelistet. Pilsner Urquell, weil mir hier, ähnlich wie bei Kronenbourg 1664, ein wenig die Exklusivität verloren gegangen ist. Gutes Bier, nach wie vor. Allerdings in der Gastronomie recht verbreitet. Ich muss gestehen, dies ist immer ein zweischneidiger Schritt. Es ist schon merkbar, das unseren Gästen etwas „vertrautes“ für eine schnelle Pilsener Bestellung fehlt. Ich muss da noch mal in mich gehen, was ich statt dessen aufnehme. Ratsherrn Pilsner ist, so zumindest das Feedback von Andrej und Team, nicht jedermanns Sache. Uns gefällt es. Aber es geht ja um den Gast.

Ich finde allerdings auch die geschmacklichen Varianzen beim Pilsener Stil oft und leider minimal. Da scheint wirklich viel über Image und Marketing zu gehen, wenig über den eigentlichen Geschmack.

Das Ratherrn Rotbier lief Null. Zero. Hat niemanden interessiert. Drohte abzulaufen. Daher ausgelistet.

Die aktuelle Bier Auswahl der Boilerman Bar ist somit die oben stehende.
  • Ratsherren Pilsener und Pale Ale,
  • IPA von  der CREW AleWerkstatt, 
  • Tegernseer Hell 
  • und die von Andrej entdeckte und von mir geliebt Großflaschen Serie von Maisel & Friends mit Stefan‘s Indian Ale, Jeff‘s Bavarian Ale und Marc‘ Chocolate Bock.

Pilsener läuft gut. Insbesondere am Wochenende. Das schnelle, unbedachte Bier. Nach wie vor wohl das Synonym für BIER in Deutschland. Wochenende. Man kommt in eine volle Bar. Erstmal ein schnelles Bier im stehen, Pils bitte.

Und dennoch war Pils nie die meistverkaufte Sorte Bier im Boilerman. Die beiden Top Biere im Boilerman: Tegernseer Helles Vollbier und Pale Ale von Ratsherren.

Tegernseer Helles Vollbier läuft unglaublich. „Geschnitten Brot“. Jetzt im Sommer angsteinflößend viel. Wahnsinn.

Pale Ale wird ein wenig von uns gefeatured. Je später der Abend, desto mehr verkaufen wir:

BOILERMAKER


Boilermaker im Boilerman - Share your beer!

Der BOILERMAKER ist leider in der einem oder anderen Bar zu einem dümmlichen Saufspiel verkommen. Der Whiskey wird im Bier versenkt etc. Erschreckende Rituale infantiler Idioten.

Ein ordentlicher BOILERMAKER ist ein Bitteres Bier (Pale Ale für den Einstieg, später den IPA) und die passende Unze American Whiskey  dazu. Man genießt Beide ohne zu „Saufen“. Den Whiskey in zwei, drei genussvolle Schlücken, dazu jeweils ein guter Schluck herbes Bier. Eine tolle Kombination. Wir empfehlen daher zur Unze Whiskey ein Bier zu teilen.

Hier kommen die geliebten Spezialitäten Biere ins Spiel. Das IPA von CREW AleWerkstaat ist fantastisch - Maisels Großbiere ebenso. Es ergeben sich tolle Bier und Bourbon Kombinationen. BOILERMAKER ist ein sehr elegante Art, Bier und Whiskey zu genießen - das hat nichts mit „saufen“ zu tun.

CRAFT BEER für den Boilerman?

Was ich also suche, sind „handgemachte“ Biere. Von kleinen Brauereien. Handwerksqualität. Mit Geschichte, mit Persönlichkeit. Gerne mit Ecken und Kanten. Weniger Pils - mehr Biervielfalt. Kleine Biere für eine kleine Bar. Am Besten nicht überall erhältlich - wir möchten unseren Gästen ja etwas besonderes bieten.

Suche ich CRAFT BEER?  Was ist Craft Beer?

Definition Craft Beer: Die Brewers Association America schreibt :“An American craft brewer is small, independent and traditional.“ (genaue Definition hier: http://www.brewersassociation.org/pages/business-tools/craft-brewing-statistics/craft-brewer-defined )

Und auch auf der Webseite von Ratsherrn heißt es : „Klein, unabhängig und traditionell“ - so definiert die Brewers Association, der Berufsverband der Craft Breweries in den USA, eine Craft Brewery (Handwerksbrauerei) – ... weiter „Craft Beer bildet den Kontrast zur industriellen Massenware.“...
Das ist doch genau das was ich suche: Kontrast zur industrielllen Massenware ...

Verkauft der Boilerman also Craft Beer?

Wenn man in den letzten Jahren und spezielle Monaten nicht ganz mit verschlossen Augen Fachmagazinen und Life Style / Genuss Publikationen gegenübergetreten ist, beschleicht einen das Gefühl, Craft Beer is it! Craft Beer über alles. Wer was auf sich zählt, verkauft Craft Beer...

Bei solchen Wort Spielen ist in der Regel Vorsicht zu genießen. Die Ansätze sind immer gut, später verkommt so etwas  in der Regel zu reinem Marketing Quatsch. „ARTISANAL“ wurde mal vor ich glaube zwei Jahren von einer englischen Publikation zum Unwort des Jahres gewählt - zu Recht. Den irgendwie ist jetzt ja alles ARTISANAL.

Der Handwerker mit Format ist jetzt eine Manufaktur -  Braufactum dann die abadsurdum Führung dessen. Seht her! Wir sind handwerkliches Bier! Quatsch -  der Absender hat für mich nichts mit Handwerk zu tun. Aber gutes Marketing wird es schon richten. Beispiele gibt es viele - sobald solche Wortspiele gehäuft auftauchen, ist Vorsicht geboten. Dem zukünftigen Unwort CRAFT BEER (wie gesagt, Ansatz völlig ok) scheint mir ein ähnlicher Weg beschrieben. Die Großen haben übernommen.

 Dabei zählt für uns doch einzig und allein der Inhalt. Bier bleibt Bier. Wer Floskeln braucht, hat was zu verbergen - so meine Interpretation. Daher ist mittlerweile Vorsicht bei der Verwendung des Wortes Craft Beer angebracht. Das mein grundsätzlicher Vorbehalt.

Aber schauen wir uns doch einmal die Produzenten von Boilerman Bier an. Ich habe ein paar Euros riskiert um mich bei Auskunft und Register Diensten über unser Lieferanten schlau zu machen. Ein interessanter Einblick in die Welt der Brauereien


Die Bier - Lieferanten des Boilerman 


Tegernseer

Allein rauszufinden wer hinter Tegernsser steckt, ist im Netz gar nicht so einfach. Google ist da nicht sofort hilfreich. Final bin ich bei der Herzoglich Bayerische Brauhaus
Tegernsee Kommandit Gesellschaft gelandet. Ein Blick auf die Webseite www.brauhaus-tegernsee.com leitet einen immer wieder um zum herzoglichen Braustübl. Final landet man aber bei  der bei Amtsgreicht München unter HRA 78617 registierten

Herzoglich Bayerischen Brauhaus Tegernsee KG


Gesellschafter und Eigentümer sind

1.) Herzog Max in Bayern (Komplementär)
2.) Herzogliches Brauhaus Tegernsee GmbH (Komplementär)
3.) Herzogin Maria Anna H.G.J. in Bayer ( Kommanditist)

die unter 2.) genannte Gesellschaft ist registriert unter HRB 41385 ebenfalls in München. Alleiniger Inhaber ist Herzog Max in Bayern.

Man sieht: die Tegernseer Brauerei ist fest in Bayrischer Hand. Regional. Gut so. Ehrlich und gut - wie Ihr Vollbier.


MAISEL

Hinter Maisel steht formell die Brauerei Gebrüder Maisels KG (HRA 3017 Registergericht Bayreuth). Gesellschaft / Eigentümer:
1.) Maisel Oscar
2.) Braurei Maisel Geschäftsführungsgesellschaft mbH
3.) Familie Maisel GmbH & Co KG

Die Gesellschaft unter 2.) ist registriert unter HRB 737 ebenfalls in Bayreuth und gehört zu 100% der Familie Maisel GmbH & Co. KG

Die Gesellschaft unter 3.) ist registriert unter HRA 210 in Bayreuth und gehört 4 Familienmitgliedern von Maisel, sich selbst (es lebe das Gesellschaftsrecht) und einer weiteren Verwaltungs-GmbH der Familie Maisel.

Wie und Warum verschiedene Gesellschaften hier auftauchen ist letzen Endes egal, wichtig ist, das Sie alle in Besitz der Familie Maisel sind. Damit ist die Brauerei Masiel ein „wahrer“ Familien Betrieb. Macht Sie, neben dem guten Bier, noch sympathischer.   Außerdem Mitglied in der Initiative DIE FREIEN BRAUER - interessant für jeden, der sich für Biere jenseits der Global Player interessiert.


CREW AleWerkstatt.

Die junge und sympathische Bier Werkstatt aus München firmiert formell unter der Gesellschaft Crew AleWerkstatt GmbH registriert unter HRB 192985 bei Amtsgericht München. Die Gesellschafter sind:
1.) Mario Hanel  (35%)
2.) Timm Schnigula (35%)
3.) Noris Hopfenverwaltungs Gesellschaft mit beschränkter Haftung (30%)

Wenn ich das richtig recherchiert habe, gehört die Noris wiederum zu größeren Internationalen Konzernen mit Fokus auf Hopfen. Ich habe hier einmal die Aufteilung des Stammkapitals hinzugeschrieben. Mit 70% Stimmrecht sind die beiden persönlichen Inhaber und Geschäftsführer in nahezu allen Fällen  des Gesellschaftsrecht handlungsfähig. Für mich macht eine Beteiligung/Förderung an solch einer Bier-Spezialitäten Schmiede durch einen Hopfen fokussierten Investor sehr viel Sinn. Auch diesem Investor sollte an einer Bier (und Hopfen) Vielfalt in Deutschland gelegen sein. Trotz des externen Investors scheint die Crew AleWerkstatt fest in Inhaber Hand. Prädikat:  Craft Beer tauglich. Kleines Start up mit passendem Investor. Sympathisch (vom IPA ganz zu schweigen)


Ratsherrn


Seit mehr als zwei Jahr gibt es die neuen Ratsherrn Biere aus Hamburg. Die Übernahme der alten Traditionsbrauerei Ratsherrn in ich glaube 2010 war schon ein lokales Ereignis. Umzug in die Schanzen Höfe, in die historischen Viehhallen des alten Schlachthofes. Alles super schick. Hamburg hatte endlich seine „coole“ Brauerei. (gut, Astra war ja auch mal cool). Und alles soooo Craft Beer. Die Webseite strotzt vor Craft Beer. Die Flaschen, das Design. Es ist nicht zu überhören: Ratsherrn ist CRAFT BEER ! Wirklich? 

Ich habe mir das ganze mal angeschaut. Das Ergebnis ist für mich ernüchternd.

Inhaber der Ratsherrn Brauerei ist die Ratsherrn Brauerei GmbH. HRB 80191 beim Amtsgericht Hamburg. Gesellschafter:

1.) Nordmann strategische Beteiligungsgesellschaft mbH & Co KG (74,99 %)
2.) Ratsherrn Brauerei GmbH (siehe oben  - Eigenbeteiligung - 25,01 %)

Darüber hinaus gibt es noch eine Ratsherrn Vertriebs GmbH & Co. KG. Deren Gesellschafter und Eigentümer sind

1.) Verwaltungsgesellschaft Ratsherrn Vertriebs GmbH
2.) Ratsherrn Vertriebs GmbH & Co KG
3.) Nordmann strategische Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG
4.) Christoph Markus Miller (Geschäftsführender Gesellschafter von drinks & more (rock Star Energy, Kalte Muschi Weinbrause, Roberto Cavalli Vodka etc)

Die Nordmann strategische Beteiligungsgesellschaft (Inhaber der Brauerei) ist ein Teil der Nordmann Unternehmens Gruppe. Ein Blick in deren Geschäftsfelder verrät - dies ist ein großer Player im Deutschen Getränke Markt. Daran ist nichts verwerfliches -nur wie heißt es so schön auf der Webseite von Ratsherrn Pils „Klein, unabhängig und traditionell“ ... Craft Beer bildet den Kontrast zur industriellen Massenware.“

Hinter Ratsherrn steht kein Gesicht. Keine Person. Damit meine ich nicht die Brauer. Derer gibt es derzeit gleich drei.  Ich rede von der Firma, der Gesellschaft. Es gab mal ein Gesicht. Wolfgang Speth. Er war der Geschäftsführer von Ratsherren, brachte Erfahrung mit von Jever und Radeberger. Das riecht alles ein wenig mehr nach „Großer Player“ als nach Craft Beer, wenn man mich fragt. Vielleicht nicht das Gesicht was man sich zu Craft Beer vorstellt. Jetzt ist er weg.

Wer in die Gesellschaften der Nordmann Unternehmensgruppe eintaucht um Klarheit zu gewinnen, hat viel vor sich, endet  natürlich auch  final oft bei „Familie“ Nordmann. So gesehen ist das ganze dann doch ein Familienunternehmen ?

Das ist am Ende des Tages eine persönliche Geschmacks Frage. Für mich fühlt sich das anders an. Maisel ist seit jeher Qualitäts Bier. Nordmann hat  meiner Meinung nach diverse Geschäftsfelder, Getränke Märkte und Brauereien die Craft Beer eher kontraproduktive gegenüber stehen und wo nicht immer die Qualität im Vordergrund stand, sondern auch Masse und Preis (Kampf). Ähnlich wie Dr. Oetker mit der Radeberger, Gruppe  und ihrem jetzigen Braufactum Engagement.




Kleiner Nachtrag - Lieferanten:

In kürze hoffe ich ein Bier von der ROLINCK Brauerei einzulisten. Das ist ein Bier aus meiner Heimat. Die kleine Privatbrauerei Rolick wurde vor einigen Jahren von Krombacher übernommen und gehört somit nun auch indirekt zu den großen Playern. Aber faire weise sei dazu gesagt, es wird auch nicht mit dem Label Craft Beer geworben. Ich bin gespannt wie ROLINCK ALEX LAGER den Gästen im Boilerman gefallen wird. 


Mein Fazit:

Die einen machen seit jeher gutes Bier - die anderen machen seit jeher gutes Business - und Craft Beer ist jetzt gutes Business. BIG BUSINESS

Für mich ist weder Braufactum  (ist ja euch teilweise nur eine Vertriebsorganisation) noch Ratsherrn CRAFT BEER im eigentlichen Sinne. Das macht Sie nicht zu schlechten Bieren. Es hat nur einen für mich unangenehmen „Marketing“ Nachgeschmack. Internationale und Nationale große Player sind für mich kein Craft Beer. Und wer es besonders laut und oft sagt, weiss das wahrscheinlich auch.

In Zukunft wird noch oft und noch lauter Craft Beer geschrieen. Und grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn wir die Vielfalt, das Kleine, das Handwerkliche unterstützen. Nur vorsicht - nicht täuschen lassen.
 --
Nachtrag:

Bevor sich Craft Beer in Deutschland überhaupt bekannt gemacht hat, hat die "Industrie" übernommen. Das ist schnell und wie ich finde der Bewegung nicht hilfreich. "Craft Beer "sollte Craft Bieren, den "echten" Kleinen, vorbehalten sein.

Rathsherrn ist für mich eine voll auf Craft Beer designte Marke. Die perfekt kreierte Marke. Nur halt kein echtes "Craft Beer""

Ratsherrn ist für mich ein gutes Bier. Die Brauer machen einen ordentlichen Job.  Ich trinke und verkaufe es gerne. Nur das Marketing Atribute Craft Beer und die gesuchte, unterstütze und gewünschte Nähe zum Craft Beer finde ich in diesem Fall nicht passend.
--

Drei  abschließende Fragen an die Leserschaft und ich freue mich auf Antworten:
  • Gibt es eine Empfehlung für ein weiteres Pils im Boilerman bzw. Kronenbourg Ersatz im Le Lion? Muss nicht Deutsch sein...
  • Wie würden Sie Craft Beer definieren?
  • Ist Ratsherrn für Sie Craft Beer? Was denken Sie?

--
Nachtrag:

Die Boilerman Bar bezieht selbstverständlich auch "klein und lokal". Unsere Biere kommen von  der Firma MC Getränke am Beutnerring in Hamburg Harburg.

Kommentare

  1. Ich bin bei meinen Recherchen zu meinem Artikel auf Trinklaune anlässlich der Craft Beer Day in den Schanzenhöfen (http://trinklaune.de/2012/10/29/first-craft-beer-day-in-hamburg/) auch auf Zahlen gestossen:
    "Die American Brewers Association definiert eine Craft Brewery als “small, independent and traditional”, wobei klein in diesem Kontext eine Produktion von weniger als 6 Millionen Barrels Bier bedeutet. Dies entspricht einer Jahresproduktion von etwas mehr als 7000 Hektoliter und deckt sich mehr oder weniger mit der deutschen Definition – das Statistische Bundesamt klassifiziert Brauereien mit einem Produktionsvolumen bis 5000 Hektoliter im Jahr als Kleinbetrieb. Als unabhängig im Sinne der American Brewers Association gilt eine Brauerei solange, wie sie mit nicht mehr als 25% im Besitz der Industrie sind."

    Ich bezweifle, dass Ratsherren die Definition der ABA erfüllt...

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    1. Vorsicht bitte mit den Umrechnungszahlen. 6 Millionen Barrel entsprechen ca. 7,04 Millionen Hektolitern. In USA ist manches ein wenig größer. Nach der US-Definition wäre eine Brauerei wie Warsteiner mit einem Jahresaustoß von 2,8 Millionen Hektolitern nach der Mengendefinition der Brewers Association ebenfalls Craft.
      Wichtiger für einen hiesigen Vergleich ist der Begriff "independent", um die Unterscheidung zu den Industriebieren vorzunehmen.

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  2. Den Trend, dass Pilsbier immer langweiliger wird, weil es halt kaum schmeckbare Unterschiede gibt (natürlich schmeckt ein Jever nicht wie Beck´s) begrüße ich sehr.

    Ich mag es als Gast in einer Bar eine Abwechslung geboten zu bekommen.
    Ratsherrn war/ist nach wie vor für mich so eine Abwechslung.
    Aber um zur Frage an den Leser zurückzukommen: Was ist für mich Craft Beer?

    Ich glaube man darf das nicht zu streng definieren. Klar heißt es im eigentlichen Sinne vielleicht traditionell handwerklich und familiär. Aber solange ich einen Unterschied schmecke und es mir Spaß macht, ist es mir egal ob ich das Bier von Ratsherrn, Flensburger, Beck´s oder der Achouffe Brewery trinke. Ich freue mich einfach, das pilsfremdes Bier in Deutschland Fuß fasst und genieße es, neue Biere kennenlernen zu dürfen.

    Wenn ich nur noch darauf achte, wer hinter einer Marke steht, und auf alles von Global Playern unter der Schutzhülle familiär verkauft wird verzichte, habe ich bald kein angenehmes Leben mehr denke ich.

    Lebensmittelskandale gibt es genug, da finde ich das "Craft" auf der Bierflasche noch verkraftbar. Sollen sie machen.



    Mein absoluter Favorit: La Guillotine, ein belgisches Triple der Brauerei Huyghe in Melle, Belgien. http://www.delirium.be/158/our_brewery


    Nicht jedermanns Sache, in Tests nur mittelmäßig bewertet, aber für mich das größte.

    So soll es sein.

    Liebe Grüße
    Heinrich

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  3. Ich hatte hier auf Korsika gerade einen sehr schönen Abend mit Pietra Pils. Regional verwurzelt, französisch und es hebt sich geschmacklich durchaus angenehm ab. Ich finde, es passt zum Löwen.

    Beste Grüße
    Sebastian

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  4. Waldhaus oder Rothaus Tannenzäpfle aus black forest, würde ich am liebsten listen......gut geschrieben Herr Meyer ! Gruß Juri

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  5. KUDDEL aus HH. Nennt sich nucht craft beer. Ust aber meines wissens unabhängig!

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  6. Die Brauerei Bosch aus Bad Laasphe habe ich immer sehr gemocht. Und sie ist seit 300 Jahren im Familienbesitz.
    www.brauerei-bosch.de

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  7. Die Biere von Bosch hören sich gut an ... finde auch deren "Propeller" Biere interessant - insbesondere das Statement zu "Wir sind KEINE Microbrewerx..."
    http://www.propeller-bier.com/

    Danke an Alle für die Tips bislang

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  8. Ein kleiner Tipp, locally authentic und auch etwas anders:
    http://www.groenwohlder.de/index_.php
    Zwar gibt es auch hier Pils, das auf Großanlagen in Massenqualität produziert wird, doch der Ansatz ist meiner Meinung nach höchstinteressant und vielleicht eine Überlegung wert.
    Ansonsten stelle ich mich in ein, zwei Jahren gerne mal als königlicher Löwen-Lieferant vor, wenn unsere Heimbrau-Versuche ausgereifter sind! :)

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  9. Ich mag besonders Stauder (www.stauder.de)! Und nicht alleine deshalb, weil es aus meiner Heimat (Essen) kommt.
    Es wird (nahezu) nur regional vertrieben und unterscheidet sich, wie ich finde, von dem Einheitsgebräu der "Großen". Allerdings ist es deshalb auch nicht unbedingt jedermanns Sache.
    Stauder bietet auch noch ein Helles an. Das Borbecker Dampfbier. Auch sehr zu empfehlen.

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  10. Danke Jörg Meyer, sehr sehr gut geschrieben und recherchiert.
    ich war am wochenende auf den von ratsherrn organisierten craft beer days in berlin.
    die nordmann/ratsherrn gruppe plant nämlich mit dem alten mädchen nach berlin rüberzuschwappen. cleveres marketing von ratsherrn sich im kreise von wirklichen craft beer brauern zu präsentieren, muss man schon sagen.
    Am besten geschmeckt haben mir übrigens die ales von fritzale aus bonn. sehr knackig! nächste woche präsentieren sich 19 US-craft beer brauereien auf dem berliner bierfestival. bin mal gespannt...

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  11. Mal wieder ein super Artikel.
    Für mich ist Craft Beer vor allem Bier, dass noch traditionell in kleinen Brauerein gebraut wird. In meiner Heimat Oberfranken gibt es fast in jedem Dorf ein bis zwei Brauereien (Meine Heimatstadt hat 10.000 Einwohner und 10 Brauereien). Diese würden sich niemals das Logo "Craft Beer" auf die Flasche schreiben, aber ich denke das ist genau das, was Craft Beer ausmacht. Kleine, gute handwerkliche Brauereien, die es nicht nötig haben ihr Produkt mit bestimmten Labels zu versehen. Das Bier wird gekauft und getrunken wegen des Produkts und nicht wegen eines Marketinglabels.

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  12. Spannender Artikel, wobei ich der Ansicht bin, dass man 'Craft' auf den Herstellungsprozess und nicht auf die Größe eines Unternehmens ableiten sollte. Wie bei Spirituosen wird oft der Fehler begangen, dass kleinen Betriebe automatisch mehr handwerkliche Qualität zugetraut wird, obwohl ihre Produkte in den allermeisten Fällen einen viel höheren Grad an Inkonsistenz aufweisen als die der großen. Im Bier-Bereich ist das sicherlich weniger krass als bei Gin oder Bourbon, nichtsdestotrotz finde ich, dass die Herangehensweise, 'Craft' mit einem geringen Kapital-Vermögen statt mit einer bedachten Herstellungsweise in Verbindung zu bringen, nicht der richtige Weg ist. Nur weil Cheval Blanc zu LVMH gehört, machen sie noch lange keinen faden Industriewein. Nur weil ein Micro Distiller sehr klein ist, schmeckt sein für 6 Monate in 15-Gallonen-Fässern gereifter Whiskey nicht automatisch besser - auch wenn er das fünffache eines wesentlich ausbalancierteren Standard-Bourbons kostet. Ich sehe Craft-Beer daher mehr als Idee auf das Rückbesinnen auf bestimmte Hefesorten, lange Gärzeiten und einen speziellen Ausbau, weshalb Ratsherrn und Braufactum meines Erachtens problemlos als Craft-Biere herhalten können. Die aktuelle Definition der Brewers Association ist ein erster Ansatz, der der einsetzenden Geschmacksrevolution im Bierbereich jedoch ungenügend tut, geht sie jedoch von Größe und nicht von Qualität aus. Dass dieser Ansatz aus trinkromantischen Überlegungen äußerst reizvoll erscheint, steht außer Frage, nur wird mittels dieser Definition dem eigentlich Entscheidenden, dem Geschmack, ungenüge getan.

    Thomas Domenig

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  13. Ahoi Jörg,

    zum Ersatz im Le Lion kann ich das Aalener Löwenbräu Löwenpils empfehlen: http://www.aalener.com/geniessen/sortiment/aalener-loewenpils

    Nicht nur, dass hier der Löwe auf der Flasche prankt, es ist auch ein mit Saphirhopfen kaltgehopftes Pils und damit dem Kronenburg (das in meinen Augen ein ziemlich flaches Ettikettenbier darstellt, aber das ist vielleicht Geschmackssache) in geschmacklicher Tiefe weit überlegen.
    Bei 4,5% ist es dabei hervorragend frisch und trinkbar.

    Ansonsten bin ich persönlich auch großer Fan der Schönramer Biere in all ihren Ausprägungen.

    Zum Thema Craft Beer machen wir uns schon eine ganze Weile Gedanken (zum Beispiel hier: http://www.bier-index.de/kolumne/was-ist-eigentlich-craftbeer/ oder hier: http://www.bier-index.de/kolumne/handwerksbier-gleich-craft-beer/).
    Ich denke ich werd den Artikel von 2012 auch mal wieder ein bisschen entstauben und aufpolieren und deine Ansätze dabei unter die Lupe nehmen.

    Besten Gruß
    Robert

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  14. Spannende Beobachtungen und folgerichtige Überlegungen, lieber Jörg. Ich denke, genau diese Fragestellungen werden uns künftig noch intensiver begleiten.
    Dazu gönnt man sich ambesten ein schönes Pils und so möchte ich auch meine drei Favoriten dieses Stils nenne, die ich mir (nicht ganz uneigennützig) in einigen weiteren Bars wünschen würde. Einige wurden oben bereits genannt, alle sind auch in 0,33 Flaschen erhältlich, was in meinen Augen die geeignetste Flaschengröße im Barbetrieb ist: 1. Waldhaus Diplom Pils, 2. Schönramer Pils, 3. Augsburger Herrenpils.
    Cheers, Peter

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  15. Guten Tag Herr Meyer

    Würden Sie so als Kostprobe ein paar bewährte Bier-Bourbon-Kombinationen offenlegen? Ich bin ein grosser Bourbon-Enthusiast und bin am Konzept Boilermaker interessiert (in heimischen Gefielden habe ich diese (Drink-/)Trink-Kategorie bisher noch nie auf einer Barkarte erspäht...

    Freundliche Grüsse aus der Schweiz
    Rodrigo

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  16. Weil es zur Mixology-Debatte passt, die ich etwas verschlafen habe und ich gerade den aktuellen Bourbon Country Reader von Chuck Cowdery lese, ein Eintrag über die neue Craft-Serie von Jim Beam:

    "[...] Can a large spirits maker - one of the largest - also be craft? The answer depends on your definition on 'craft.' If it just means 'small,' then no. Nothing Beam does is genuinely small. But if craft means making special product in relatively small quantities that bear the distinctive mark of the artisan who made them, then why not? Some distillers will no doubt just slap the word 'craft' on something ordinary, but those who do are exposed sooner or later. [...]"

    MbG, Thomas Domenig.

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