07.09.2011

"Steuerfalle" Trinkgeld- Trinkgeld kann steuerpflichtig sein - Gefahr für Gastronomen und Bar Betreiber

In meiner Artikelserie "Was verdient ein Bartender" habe ich mein, und die Gehälter unserer Bartender "offengelegt". Ebenso habe ich darüber geschrieben, welche Trinkgelder in unserer Bar verdient werden. Im Vorfeld habe ich mir erlaubt zu recherchieren, wie die aktuelle Steuersituation in Bezug auf Trinkgeld aussieht. Gemeinhin gilt: "Trinkgeld ist Steuerfrei". Doch Vorsicht, das könnte sich als gefährliches Halbwissen herausstellen. Was gerade größeren Gastronomen und Hotelier eventuelle zu hohen Nachzahlungen verpflichtet.

Wer sich in das Thema einließt, wird feststellen, das Trinkgeld fahrlässig seit dem 1.1.2002 als "steuerfrei" gesehen wird. Wenn ich mich recht eingelessen habe* ist dies allerdings nicht richtig.

"Steuerfrei sind seit dem 1.1.2002 Trinkgelder, die Arbeitnehmer anlässlich einer Dienstleistung von Kunden oder Gästen freiwillig erhalten, ohne dass hierfür ein Rechtsanspruch besteht. Das Trinkgeld muss vom Kunden oder Gast für eine Leistung dem Arbeitnehmer freiwillig als eine honorierende Anerkennung gezahlt werden und dem Arbeitnehmer unmittelbar zugute kommen…."

so aus einem Text bei Steuertipps.de

Und diesem und weiteren Links zum Thema, wird erklärt, das man mit dem Begriff Trinkgeld aufpassen muss. Trinkgeld ist nur unter bestimmten Bedingungen steuerfrei. Es gilt sozusagen, den steuerrechtlichen Definitionen von Trinkgeld zu entsprechen.

In vielen, gerade größeren Betrieben, wird das Trinkgeld gesammelt und am Ende der Schicht, Woche, des Monats nach einem Schlüssel ausgezahlt. Oft wird dieses noch, sozusagen betrieblich angewiesen, durch einen Mitarbeiter erledigt. Damit befindet man sich meines Wissens  steuerrechtlich auf sehr dünnem Eis. Durch diese Art Tronc verliert das Trinkgeld seinem erwähnten Charakter und wird zum Lohn gerechnet. Neben der Lohnsteuer werden sich dann in Kürze auch die Vertreter der Sozialabgaben melden. In größeren Betrieben kommen so schnell mehre Tausend Euro pro Monat zusammen. Auf einige Jahre gerechnet kann man da mit fünf,- bis sechsstelligen Nachzahlungen rechnen.

Ich möchte hier eindeutig klarstellen, das ich keine Kompetenz besitze hier irgend jemanden steuerlich rechtskräftige Hinweise zu geben und verweise an Steuerberater etc für rechtskräftige Auskünfte.

Dennoch erscheint mir diese bislang wenig beachtete Definition von Trinkgeld einer genauen Betrachtung notwendig. Hinzu kommen "Grauzonen". Was ist wenn das Personal am Ende der Schicht den Tip unter sich aufteilt, eventuelle einen prozentuellen Satz ohne Anweisung der Geschäftsleitung an Küche/ Spüle/ Service etc abgibt? Würde dies schon ausreichen, um Trinkgeld seinen steuerfreien Charakter zu nehmen? Wenn dies ohne Wissen der Geschäftsleitung passiert - ist diese dann dennoch für eventuelle Nachzahlungen haftbar? Fragen über Fragen...

Es gilt dies von Fall zu Fall zu prüfen und mit seinem Steuerberater zu klären. Eines ist nur klar: Steuerfrei ist Trinkgeld pauschal nicht. Jeder Bar Owner sollte eindeutige Regelungen treffen, die dafür Sorge tragen, das die Handhabung des Trinkgeldes steuerlich nicht als Wandlung in Gehalt ausgelegt werden kann.

Innerhalb eines hart arbeitenden Teams mag diese Regelung dann nicht mehr gerecht ausfallen - aber man kann davon ausgehen, das das Finanzamt diese Argumentation nicht wirklich interessiert.