12.05.2011

New Yorks „Dümmste“ Cocktails – Über den Umgang mit Journalisten #1


Die New York Post sorgt diesen Morgen für einen „gefällt mir“ Sturm auf meinem FACEBOOK Neuigkeiten Stream. Verständlicher Weise. Denn der Artikel:

 „New York's silliest cocktails"    spricht uns aus der Seele.

Salvatore Tafuri findet den Artikle sicherlich nicht ganz so charmant. Und wahrscheinlich denkt er, das Brian Niemietz ein „Dummer“ Kerl sei. Hinterhältig vielleicht. Und das ist aller Wahrscheinlichkeit noch die milde Variante seiner Verfluchungen.

Doch der Reihe nach. Brian Niemietz schreibt einigen, vielen (?), zumindest wie mir scheint einer „wachsenden“ Masse, von uns Bartendern aus der Seele.

Und einige bekommen Ihr „Fett“ weg. Dale de Groff wird zitiert mit der Aussage: Fat Washing für Cocktail Ingredients sei „Downright Silly“. Albert Trummer wird ein wenig vorgeführt in seiner neuen Theater Bar und seinen Tintenfisch Tinten Houdini Drinks. 20 minütige Eis Diamanten im Little Branch werden erwähnt.

Und Doug Quinn vom P.J Clarke's wird zu meinem heutigen Zitatkönig gekrönt. Kostprobe gefällig?

  • „There are some bartenders that get carried away with what I call culinary masturbation“ 
  • „You can't make drinks with an eye dropper“ 

Also, alles in allem ein unterhaltsamer Text. Siehe die dutzende von „likes“ bekannter Größen aus unserer Branche. Und mir gefällt er auch. Schwungvoll in den morgen, ein wenig bashing kann nicht schaden. Und wie oft habe ich ähnlich absurdes nun auch schon hinter Tresen gesehen. Und mir still und leise gedacht „Was für ein Affenzirkus, kann ich jetzt ENDLICH meinen Drink bekommen?“

Aber, neben all den „likes“ auf FB, von denen einige Ihrer „Inhaber“ noch vor wenigen Jahren (Monaten?) das Absurde auf den Bühnen der Barshow dieser Welt gepredigt haben, zeigt mir der Artikel doch wiedereinmal: Vorsicht beim Umgang mit Journalisten.

Glauben Sie etwas, unser aufrechter Kritiker, Herr Brian Niemietz, hat unseren gebrandmarkten Bartender Kollegen Salvatore Tafuri wie folgt kontaktiert :“Hallo Herr Tafuri, ich würde gerne eine Geschichte machen, über die dümmsten Cocktails New Yorks, hätten Sie Lust der Star dieser Geschichte zu werden?“ . Was glauben Sie ? Hat er so gefragt?

Sicherlich nicht. Er wird Salvatore angerufen und Ihm den Mund wässrig gemacht haben. „Mensch, Sie machen da doch so coole Cocktails mit Tintenfish Tinte und so. Haben Sie da noch mehr im Petto? Ich würde drüber gerne ne grossartige Geschichte machen“.

Und unserer Freund Salvatore ist schön leichtgläubig ins offene Messer gelaufen. Nur zu verständlich, denn wer möchte nicht in den Medien stehen. Die Gier macht Blind. Kann man es Ihm übel nehmen. Jung an Jahren, im Melting Mixologists Pott New York City.

Aus meinem persönlichen Umgang mit Medien habe ich einiges gelernt.

Oft werden Dinge aus dem Zusammenhang gerissen oder es wird falsch zitiert. Bislang war zwar eher selten ein riesig großer faux pax dabei, aber dennoch. Bei vielen Interviews wird man so dargestellt, wie einen der Journalist gerne sehen möchte, bzw. wie man in die Geschichte passt. In d er Regel, zumindest bei redaktionellen Beiträgen eher sehr selten, wird einem kein Belegtext zum korrigieren bereitgestellt. Friss oder Stirb ist die Devise. Wenn man bei dem Spiel mitmacht, muss man seien Gegenüber wirklich gut einschätzen können, ob zumindest seine Absichten integer und sein Können ein gewünschtes Resultat zulassen. (Vom Blatt für das er schreibt und dessen Stil ganz zu schweigen)

Journalisten wollen die eierlegende Vollmilchsau, die große Story, den BUMM. Die Realität, weil zu blass, ist ihnen oft egal. Es soll bunt, knallig, reisserisch, neue etc. sein. Ein gut gemachter Gin Fizz, Getränk der Götter, interessiert die nicht. Wenn es dampft ist das für den volksnahen oder besser gesagt auflagenstarken Schreiberling das richtige. Wenn das Blatt etwas anspruchsvoller ist, darf der Knalleffekt gerne feingeistiger sein (Wer von Ihnen hat gerade an Basilikum gedacht? Frechheit ;-) ) . Nur da sein muss er. Der Knalleffekt. So zumindest für die meisten Artikel und Journalisten.


Vor kurzem wurde ich nach einem Aperitif gefragt. Meine Antwort: simple, einfach, vergessen, unterschätzt, gut gemacht fantastisch: Americano.

Ich bekam folgende e-mail zurück: 
  • … „wir sind zu dem Schluss gekommen, dass ein reiner Alkohol-Drink (ein klassischer Aperitif also) vielleicht doch etwas hart ist. Schöner wäre eine sommerlich-leichte Spritz-Variation, die man auch nachmittags um fünf schon trinken kann, obwohl man erst um acht essen geht oder nur Häppchen serviert. So etwas wie der Hugo – nur eben individuell und von Ihnen.“ 

Nicht das man mich missversteht. Die Dame die mir diese Email geschickt hat war sehr charmant und wir haben eine Hugo freie Alternative gefunden zu der ich stehen kann. 

Das Blatt ist toll, die Damen toller, alles in Butter.
Aber, unter uns: Was sollte man besseres um fünf trinken können als einen Americano?

Man sollte also höllisch aufpassen, für was (wenn) man seinen Namen, seine Bar, seien Drink hergibt. Sonst steh ich bald noch im Aperol Spritz Special. Und das will man ja auch nicht (oder ebend im „Hugos* Hitze Helfer Heft“?)

Hätte der gute Slavator vorher etwas gegooglet, hätte er den Braten vielleicht gerochen. Die NEW YORK POST ist ein reisserisches Blatt. Die Grundstimmung zu unserer Profession, war schon bei Telling Cocktales zu lesen. Would you pay $20 for a Cocktail zeigt das man es gerne recht einfach hat. Und unser Autor brilliert mit Artikeln wie Spring for drinks (best happy hour drinks) und Money saving sips. Brot und Spiele - ja ja ...

Wie gesagt. Im Kern ist an dem Artikel ja eine Menge wahres dran. Und es spricht nichts gegen günstige Cocktails und meinet wegen auch eine Happy Hour (Wer es braucht). Aber dies eindimensionale, flache draufgehaue mit der plakativen „Dümmster Cocktail“ Keule, ist auch nicht mein Fall.

Daher, bei der nächsten Presseanfrage vorher die Suchmaschinen befragen. Und Vorsicht, beim Umgang mit „dummen Journalisten“ - die gibt es nämlich auch. Wobei einige nciht unbedingt Dumm im eigentlich Sinne des Wortes sind. Vielleicht einfach unfair, selbstverliebt, über Leichen gehend. Die gibt es nämlich ebenso. Und die nächste Presse Anfrage nach Ihren „großartigen“ Drinks könnte eine hinterhältige sein.