28.02.2015

Eine neue Bar in Berlin: Lost in Grub Street: Big Bowls. Short Drinks. • Über GERMAN GIN - und was nach Gin kommt - zumindest für mich.

tl:dr In aller Kürze: Ich war am letzten Sonntag in Oliver Eberts neuer Bar in Berlin trinken. LOST IN GRUB STREET. Mir hat es sehr gut gefallen. Sie sollten diese Bar besuchen. Allerdings müssen Sie Ihre Vorstellungen von einer "Bar" zuhause lassen. Einen Gin Basil Smash finden Sie dort nicht. Auch Ihren Lieblings Gin Tonic werden Sie sehr wahrscheinlich nicht finden. Es gibt keine Shaker. Ach ja, und auch keine Bar! Ich hatte einen großartigen Abend. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird diese Bar insbesondere dem einen oder anderen "Berliner" nicht gefallen. Sie hat nichts zu verschenken und verschenkt doch nahezu alles. Sie ist schön. Und Hochwertig. Und liegt zentral in Mitte. Sie ist ruhig und edel. Und ungewöhnlich. In ihr kann man sich verlieren, wenn man in der Lage ist, aus seinem Erwartungskonstrukt auszubrechen. Wenn Sie so ein zugezogener Hamburger wie ich sind, wird Ihnen dieser Bar aller Wahrscheinlichkeit nach gefallen. Vielleicht liegt meine Liebe für die LOST IN GRUB STREET auch einfach daran, das Oliver und ich in echten KORN Regionen aufgewachsen sind und gutes Handwerk zu schätzen wissen. Es folgt hier nunmehr ein Text meines Besuches im versuchter epischer Breite. Falls Sie keine Zeit für soviel Zeilen haben, nehmen Sie sich zumindest die Zeit das LOST IN GRUB STREET zu besuchen. Und lassen Sie Ihre Stereotypen zu Hause.



LOST IN GRUB STREET
täglich 18.00 Uhr
Jägerstraße 34
10117 Berlin

Tel: +49 30 20603780
info@lostingrubstreet.de

www.lostingrubstreet.de



Selbst ein Glas Böckenhoff's Edel Korn schmeckt in der GRUB STREET besser...




Sonntag Abend - Endlich in Berlin. Ich brauchte einen Drink. Dringender als ich bei Beginn meiner Zugreise erwartet hatte.

IC 1717 stand fast zwei Stunden in Hamburg am Gleis. Die nicht zu beneidende Schaffnerin wurde nicht müde stets freundlich den sichtlicht genervten Reisenden die immer gleiche Frage zu beantworten. Dafür gebührt Ihr Lob. "Person im Gleis Bett" sagt das DB APP.  Suizide am Sonntag. Im Abteil war es nicht mehr auszuhalten.

Also stand ich an der Tür, hatte mein Rollkoffer zum Notsitz umfunktioniert und genoss die "Frischluft" - zumindest das, was die Hamburger Bahnhofshalle davon übrig lies. Die Kopfhörer waren im Ohr, das digitale Device immerhin noch zu gut 50% geladen. Ich hörte einen Podcast und beobachtete Menschen. Und diese heldenhafte Schaffnerin. Innerlich hatte ich mich bereits mit Ihr "verbrüdert". Es gibt gewisse Parallelen zwischen Schaffnern und Bartendern. Oberflächlich würde man diese Berufe der Kategorie Dienstleistung zuordnen, als Profi auch oft dem katastrophalen Umgang vom "Kunden" mit "Dienstleistern". Zu beobachten wie heldenhaft und stets gut gelaunt diese Dame einen Dummen Spruch nach dem anderen einsteckte und nichts an sich ran liess war beeindruckend. Allein zu sehen wie unfreundlich, gehetzt und egoistisch sich Menschen in solchen Alltagssituationen verhalten, erschreckend.

Ich brauchte einen Drink.

Die Türen schlossen sich und der völlig überfüllte IC-Wahnsinn startete nach Berlin. 100 Minuten Reisezeit, auf den Gängen pressten sich die Reisenden, die Laune sank, die zwischenmenschlichen Verfehlungen nahmen zu. Ich schaltete von Beobachten auf Abschalten, drehte die Lautstärke des "Device" auf und schloss die Augen. In Berlin angekommen war eines klar:

Ich brauchte einen DRINK!

Zum Glück war das eigentliche Ziel dieser Reise ein Besuch einer neuen Bar. Ich erhielt von Oliver Ebert vor ein paar Tagen eine Nachricht. "Bist du zur Berlinale in Berlin? Wir eröffnen eine neue Bar...". Leider rief die Arbeit im eigenen Haus. Ein paar Tage später hatte ich es jetzt geschafft. Natürlich "undercover" - ohne Anmeldung. Sonntag Abende sind perfekt für so einen Bar Besuch.

Ich machte mich auf ins LOST IN GRUB STREET. Ich hatte nach Olivers Nachricht schon mal im Netzt geschaut und mir seine Karte studiert. Und bei dem wenigen was es zu lesen gab, bekam ich das erstmal seit langem wieder Neugier auf eine neue Bar. Das MUSSTE ich mir anschauen! Diese kleinen Dinge in Verbindung mit dem was Oliver und seine bezaubernde Frau Christina in den vergangenen Jahren in Berlin in ihrer Bar BECKETTS KOPF geschaffen hatten, konnten nur Neugier wecken. Denn was aus dem Hause Ebert/Neves kommt, ist bekanntermassen höchstes Niveau.
LOST IN GRUB STREET ist ein Ort der Trinkkultur, in dem es darum geht, die Zeit zu verlieren. In Gemeinschaft um riesige Punch Bowls oder vor Cocktail-Miniaturen.
Das Impressum verriet das Oliver bei dieser Bar einen Partner mit im Boot hat. Werner Schmid. Und das seine Liebe zum Detail nicht vor profanen kaufmännischen Zwängen halt macht.  Name der Gesellschaft: Gastronomie Gesellschaft Wert und Schöpfung mit beschränkter Haftung.

Ich war gespanntB was mich erwartete. Alles andere als eine "normale" Classic Bar. Soviel war klar. Ich sass im Taxi und fuhr Richtung Jägerstrasse 34.

"Ich bin kein Berliner!"

Berliner, zumindest solche die in der Regel nach außen als Berliner wahrgenommen werden oder wahrgenommen werden wollen, sind lustige Gesellen. Diese "Berliner" sind im Normalfall zugereist, wohnen seit ein paar Jahren in der Stadt, reden in jedem dritten Satz von Gentrifizierung und in jedem Satz über Stadtteile bzw. Kieze. Das Lebens eines sog. "Berliners" dreht sich zu 100% um solche Kieze. Mitte, Kreuzberg, Schöneberg, Charlottenburg...

Der gemeine Hamburger versteht das in der Regel nicht. So zumindest ich als zugereister Hamburger. Und es interessiert uns nicht. Dieses Stadtteildenken mit all seinen Kliesches und vermeintlichen Behaftungen ist kleingeistig. Das liegt uns nicht.

Das einzige was man als Hamburger wissen muss: Wenn Sie in Berlin Taxi fahren, sollten Sie zum Strassennahmen auch die PLZ bzw. den Stadtteil kennen. Einige Strassennamen gibt es in Berlin nämlich doppelt. Wenn Sie dann noch die charmante Berliner Schnauze und die speziellen Geflogenheiten der echten Berliner Taxifahrer mit Humor nehmen ("Hör'n se ma uf mit "Karte" - Bahrjelt lacht Meester!") steht einer gastronomischen Entdeckungstour in dieser Stadt der großen Vielfalt nichts entgegen.

Ich fuhr also nach "Mitte". Um die Ecke vom Auswertigen Amt. Knapp 100 Meter Luftlinie vom Hotel Du Rome. Großstädtische Architektur. Berlin einmal nicht "abgefuckt". Ich mag das. Die vermeintlich "echten" Berliner haben da immer ein Problem. Sie nennen so etwas Öde und Langweilig. Mir gefällt das. Ein klein wenig Hamburg. Nur in groß. Eine echte Metropole halt. Bei aller liebe zu Hamburg kann man das natürlich nicht vom "Tor zu Welt" behaupten. "Törchen" wäre recht - soviel Aufrichtigkeit muss sein.

Ich steige also aus dem Taxi aus und fühle mich ein klein wenig wie in Hamburg. Durch dunkles Glass erkennt man eine dunkle Bar. Eine schwere Tür wird mir geöffnet, ich betrete die Bar und weiss genau in diesem Moment das ich heute Abend keine andere Bar mehr besuchen werde. Es ist dunkel, schwer, elegant, edel, modern. Jazz trägt mich an meinen Tisch. Endlich denke ich. Endlich wieder mal eine Bar in Berlin, jenseits der großen Hotels, die aufwendig und edel gefertigt wurde.

Eine Bar lebt von Ihrem Gastgeber, den Bartender und Ihren Gästen. Sie formen die Atmosphäre. Das kann reichen. Und ich mag auch diese Bars die eventuelle mit weniger Budget aber viel Herzblut mit diesen drei Komponenten betrieben werden. Aber zur dem genannten Trio kann sich auch als Vierter Protagonist  "Edel und gutes Design" schmiegen. So wie hier.

Diese Bar ist jung. Sonntags fast leer. Das Trio hat sich noch nicht ganz formiert. Das braucht Zeit. Aber ich geniesse schon das schwere, dunkle Design. Und entdecke Rainer. (Sie wissen schon, den Steve McQueen der Restauranteure). Am Tisch. Eigentlich würde er immer an der Bar sitzen. Aber es gibt ja keine. "Warum auch nicht?" denke ich. Ich sehe ein Glas Pale Ale vor Rainer. "Muss das Heidepeter sein". Schließlich hatte ich die übersichtliche Karte vorab gelesen und hatte einen diabolischen Plan geschmiedet. Ich wollte heute Bier und Schnaps trinken! Und freute mich, das mein Trink-Genosse Rainer schon auf der richtigen Spur war.

Das Lost in Grub Street verkauft primär Brände und Destillate  von kleinen handwerklichen Betrieben aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Und befriedigt damit ein wachsendes Interesse von mir.

Ich bekomme dauernde diese fragwürdigen Anfragen - "Was ist der nächste Trend, nach Gin? Wermut?". Ich beantworte diesen Quatsch nicht mehr. Trends sind Humbug. Aber der nächste "Trend" ist klar. Obstbrände und Destillate. Nur diejenigen, die in der Regel nach "Trends" fragen, werden das eh nicht verstehen. Also behalte ich es für mich. Und trinke immer mehr davon und mit immer größerer Freude.

"Lüt und Lüt".

Dazu gerne ein gutes Bier.  Wenn zu finden, dann  eines was von sich selber nicht dauernd als Craft Bier spricht und heisse Luft in die Blase bläst. Man sollte gutes, handwerklich gefertigtes, gerne regionales, Bier trinken. Jede Falsche die neben den großen Internationalen Produzenten hergestellt und verkauft wird ist eine gute Flasche. Und viel mehr muss über Bier in meiner Meinung auch nicht geredet werden.  Aber ein gutes Bier passt gut zu Obstbränden und Destilatten. Ohne Frage. Also bestelle ich ein Berliner Pale Ale und eröffne mit 2 cl der Schwarzwälder Bergaprikose aus der Stählemühle. Für geschenkte 15,00 €. Würde ich Oliver Ebert nicht kennen, bliebe die Frage ob diese neue Bar eine Art gemeinnützige Schulverein zur Förderung besseren Trinkens sein sollte. Weil Ihr guter Stoff geradezu verschenkt wird.  Die eine oder andere Berliner Bar versucht  sich in der Tat an so fragwürdigen Vereinskonstrukten um in erster Linie Steuern etc. zu umgehen. Aber natürlich kein Oliver Ebert. Guter Kaufmann, gute Kalkulation. Mögen die Gäste verstehen welche Schätze Ihnen hier zu fairen Preisen serviert werden

Ich genieße nun also mit Rainer unseren Lüt und Lüt 2.0. Als Niedersache geschult in dieser Kombination. Ursprünglich 0,2 Pils und alter Korn. 20 Jahre später Handwerks-Bier und Welt beste Destillate. Rainer trinkt einen Lavendelgeist, ebenfalls von der Stählemühle.

Die Stählemühle ist schuld. Besser gesagt Christoph Keller. Schuld an allem. Auch an meinem "neuen" Trend. Angefangen hat es mit Gin. Den Herr Keller hat den Monkey 47 kreiert. Die Idee zum Monkey Gin ist als Produkt meines Wissen nach die vom geschätzten Alexander Stein. Ohne Ihn wäre Monkey sicherlich nie so populär geworden wir er heute ist. Denn dazu gehört sicherlich mehr als der reine "Saft". Aber der Saft muss halt auch schmecken und dieser Affen-Saft wurde von Herrn Keller komponiert. In der Stählemühle. Ob er heute noch dort produziert wird, ist ob der Mengen und der "Größe" der ursprünglichen Stähle Mühle Destillier Apparatur schwer zu beantworten. Aber in kurze wird Monkey eine eigene Destille im Schwarzwald eröffnen. Man darf gespannt sein. Ich freue mich drauf. Und freue mich das der Siegeszug des Affens ungebremst ist. Global.

Denn Stein und Keller haben es verdient. Und Sie haben nach meinen Verständnis die eigentliche und echte Revolution im Gin vorangetrieben. Die Fertigung von Gin nach handwerklicher Destillations Kunst auf kleinen Obstbrand anlangen. Mögen die alt, ehrwürdigen Häuser aus England immer die Tradition gewahrt haben. Mögen die sogenannten "New Western Gins" wie Hendricks, Martin Miller etc. die Ginvolution weiter voran getrieben haben. Und ich mag Sie alle. Aber Christoph Keller hat eine Kategorie erschaffen, die es bislang im Sprachgebrauch noch gar nicht gibt, aber die meiner Einschätzung nach sich fest in die Hirne der Gin-Liebhaber brennen wird. Den GERMAN GIN. Gin aus Deutschland. Handwerksgin von Obstbrennern und Destillateuren. Echte Kunst. Sicherlich ist dieser Begriff ungerecht. Den in der Schweiz und Östereich gibt es ebenso fantastische Brenner. Vielleicht schaffen wir eine sprachliche Differenziertheit, die das wieder gibt. Ich befürchte nur, das es eine so schöne Alliteration ist und der Mensch zu Vereinfachung neigt, wird GERMAN GIN in irgend einer Form bleiben. Und Keller und Stein sind schuld. Das ist ungerecht. Denn Sie waren nicht die ersten die Gin nach dieser Methotik im GSA Land produziert haben. Aber die Besten und Erfolgreichsten. Punkt.

Und mit den Wegbereitern kommt die Vielfalt. Und das ist gut so, auch für die Wahrnehmung von German Gin. Und die authentischen, echten werden bleiben. Stephan Garbe mit Gin Sul aus Hamburg zum Beispiel. Handwerkskunst, kombiniert mit Lokalität und Persönlichkeit.

Doch zurück zur Stählemühle. Dem Ursprungs Ort von Monkey 47. Wem der Gin gefällt, sollte sich einmal mit der Geschichte von Christoph Keller und seinen Stähle Mühlen Produkten befassen. Und plötzlich wird klar das GERMAN GIN nur eine Art und Weise guter, Obstbrand ähnlicher, Destillations Kunst ist. Ich trinke Monkey Gin mittlerweile am Liebsten gut gekühlt, zur Not auf einem Stück Eis. Weil er perfekt ist. Zum pur trinken. Sicherlich, er hat die Kraft auch in dieser Tonic Limonade zu dominieren. Und gemixt ist er, richtig verwendet, auch exellent. Aber pur ist er mein eigentliches Vergnügen.

Und da ist es die logische Schlussfolgerung das wir bei Obstbränden & Edel Destillaten enden.  Beziehungweise Sie die nächste Station meiner lebensumfassenden Trink Reise sind. Die finale Station des GIN-Jounrey.

Übrigens schmecken viele Obstbrände ganz fantastisch mit Tonic. Falls Sie sich "pur" nicht trauen sollten sozusagen. Für den Einstieg.  Den ohne Tonic wäre Gin plötzlich nicht in aller Munde. Doch ich verabschiede mich langsam von Gin & Tonic. Niemals ganz. Er ist mein flüssiger Begleiter, seit ich urban Trinke, und wird es immer bleiben. Nur mag ich Gin Tonic kernig. Wachholdrig. Ehrlich.

Und viele von den modernen Gin Sorten, gerade die änständigen, handgemachte GERMAN GINS, sind zu gut gemacht, um Sie immer mit Tonic zu trinken. Und wenn man sich dann z.B. mit der Geschichte von der Stählemühle und der Art und Weise wie Christoph Keller destilliert, beschäftigt, erkennt man, das Monkey 47 Gin nur ein sehr kleiner Teil des Möglichen ist. Die handwerkliche Perfektion und Gedanken hinter den Stählemühle Produkten können Sie als professionellen Trinker nur reizen und in die Welt des Destillates ziehen.

Und nun sitz ich hier, mit Rainer in einer dunklen edlen Bar in Berlin und trinke ein Destillat nach dem anderen. In Ruhe. Und natürlich nicht nur von Keller. Hiebel. Liebl. Schätzlehof, Schulten's Siedlerhof. Denn selbstverständlich ist Keller nicht allein. Es gibt viele sehr gute Destillateure. Und viele machen das auch schon länger als Keller. Aber Keller und Stein haben die Brücke geschlagen. Von handwerklichem Gin zu echter Destillationskunst. Ich wandere mit Freuden auf dieser Brücke und hoffe das noch der eine oder andere Gin Freund auch mal sein Tonic auf der einen Seite der Brücke stehen lässt und wir uns auf der anderen Seite zuprosten.

Auf dieser Seite der Brücke fliegen erstmal viele kleine Gläser um mich und Rainer. Auf dem Tisch steht eine Flasche Gin Sul. Ein Gastgeschenk zu Eröffnung. Einer der Bartender hat uns nach unserer Ankunft heimlich bei Inhaber verraten. Oliver Ebert ist gekommen, begrüßt uns, trinkt mit uns. Großartig. Er nickt wohlwollend ob der Destillationskunst der Hamburger. Es werden die nächsten Destillate gereicht. Hiebl's "Limoneras Birne" erreicht meine Geschmacksknospen und ich verliebe mich. Was für ein Tropfen. Er zergeht zart auf der Zunge wie der feinste Williams Sour der je gemixt wurde.

"Warum mixen wir das eigentlich noch?" denke ich beseelt. Und genau damit wird auch klar, warum Destillate wahrscheinlich die Popularität von Gin & Tonic nicht erreichen werden. Zum einen ist das eigentliche Vergnügen beim Gin & Tonic natürlich das Fachsimplen über all die Gin und das zu kombinierende Tonic. In Kombination mit Glasform, Eis und eventuellen Zugaben wie Zesten etc. gibt es da einfach einen bunten, unterhaltsamen Setzbaukasten. Nichts was fertig ist. Der Gast kann rumspielen. Und das ich auch gut so. Obstbrände/Destillate mit Tonic schmecken ganz fantastisch. Bei "einfacheren" Qualitäten finde ich es erfrischend.  Aber wer Tonic auf ein gutes Edel Destillat macht vielleicht auf etwas falsch. Und gute Destillate sind teuer. Eigentlich werden Sie selbst von den Produzenten verschenkt. Aber Sie haben Ihren Preis. Sie "wirken" teuer und sind dabei oft Geschenke. Muss man verstehen. Und natürlich mögen. Aber Edel Destillate zu Mixen wird aus diesen Gründen nicht die Regel werden. Die "Limoneras Birne" versöhnt mich damit.

Und so sitze ich, ganz im Glück, mit Rainer und Oliver um einen Tisch. Pale Ale und Destillate beflügeln uns. Ein Bartender rollt den Barwagen an den Tisch, den PUNCH WAGEN und serviert uns eine Mischung aus Destillaten. Kleines Glas, großes Vergnügen. Wir reden und reden. Und trinken und trinken. Und ich habe einen schönen Abend. Einen ganz fantsatsichen. Bin verliebt in Destillate und Olivers neue Bar.

Neben den Destillaten gibt es in der Bar eine sehr kleine Auswahl von gemixten Drinks und das Vergnügen gemeinsam PUNCH BOWLS am Tisch zu genießen. Zubereitet vom Wagen, am Tisch. Sehr beeindruckend, aber es bleibt bei unseren einem "mixed" Drink. Heute wird pur getrunken.
Ich wünsche mir, das das ungewöhnliche Konzept von genug Gäste wertgeschätzt wird.

An diesem Abend kommen nur ein paar Gäste. Es bleibt ruhig. Eine Gruppe von 8 um Mitternacht. Etwas aufgekratzt. Reisende der Nacht. Sie interessieren sich nicht für das Konzept. Muss man ja auch nicht. Blick auf die Karte - Frage an den Barkellner. "Seid Ihr hier jetzt so Gesundheitsmässig oder so - mit diesem ganzen Kram hier ... Hmmm". Der Kellner erinnert mich an die Bahnschaffnerin. Mit stoischer Gelassenheit nimmt er das, pardon, "dumme Gelaber" hin, bleibt freundlich, gewinnt die oberflächlichen Gäste für sich. Es fliesst schließlich Champagner und ein Gin Tonic. Sie sitzen und es wird gelacht. Vielleicht wird es Ihnen doch auf Dauer gefallen. Vielleicht nicht. Die Zeit wird es zeigen.

Muttiges Konzept. In Kombination mit "keiner" Bar finde ich es doppelt mutig, bietet das Möbel "Bar" doch oft Zeit und Raum für notwendig Erklärung, dort baut man oft eher Vertrauen auf und gewinnt Gäste für das Haus.

LOST IN GRUB STREET wird in der Regel keine Alltags Bar für jeden Tag. Aber eine Bereicherung für die Stadt. Und das mutigste was jemand meiner Meinung nach seit langem in Berlin eröffnet hat.

Wir trinken Champagner. Billy Wagner hat den für seinen Freund Oliver ausgesucht. Die Berliner haben Billy in der Weinbar Rutz lieben gelernt. Und jetzt hat er ein außergewöhnlichens Restaurant eröffnet. NOBELHART UND SCHMUTZIG. Sicherlich als Restaurant Konzept die mutigste Eröffnung der Stadt. Ich wäre gerne vorab dort Essen gegangen. Aber Sonntags geschlossen. So habe ich doch noch was von Billy serviert bekommen: guten Champagner.

Wir bestellen Stullen. Unglaubliches Brot mit deutschen Käse und eingelegtem Obst. Dazu eingelegte Rote Beete. Auch ohne Restaurant wird der Abend Nobel, Hart und gleich auch Schmutzig.
BRUTAL LOKAL ist die Devise des Restaurants. Und irgendwie auch bei LOST IN GUB STREET.

Einer guter Abend neigt sich dem Ende. Oliver Ebert und ich stellen fest, das wir Beide aus den großen, wahren Korn Regionen dieses Landes kommen. Niedersachen und Westfalen. Oliver serviert einen Schürschluck. Korn aus der Heimat. Nun mehr geschult von den edelsten Destillaten des Landes kann dieser Korn Brenner mithalten. Eine feine Karamelnote aus dem Korn gewonnen. Handwarm. Lecker. Ich denke an ROSCHE Korn und die Heimat. Und diese neuen "Korn ist jetzt cool" Produkte. Nein. Ist Korn nicht. Er wird auch nie Trend. Gott bewahre. Aber gut gemacht schmeckt er. Vielleicht lande ich am Ende meiner Lebenslangen Trink Reise doch wieder bei einem Glas Bier und einen gutem Korn. In vielen Jahren. Ich freue mich drauf, dann auch neben Oliver zu sitzen. Einem sympatischen Westfalen in Berlin, einem begnadetem Bartender und mutigen Unternehmer.

Viel Erfolg der "Lost in Grub Street" - Ich werde mich hoffentlich noch oft in der Jägerstrasse verlieren

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#Edit:

Bevor ich missverstanden werde: Es gibt eine Menge nicht abgefuckter Bars in Berlin. Und ich liebe auch abgefuckte Bars. Zumindest einige. Alles hat seine Zeit. Und ich liebe eine Menge Berliner Bars. Ich liebe eine gute Geschichte. Und Stereotypen in so einer Geschichte...

20.02.2015

Wie ein Drink entsteht: @portweindame #port15




Kennen Sie die Portweindame? Fachlich korrekt wäre @portweindame. Aber wer die Portweindame kennt, weiß das Ästhetik vor fachlicher Korrektheit einzuordnen ist. Also spare ich mir das @. Es geht um Schönheit. Nicht um Twitter oder ähnliche Banalitäten.

Die Portweindame kommt von Zeit zu Zeit in meine Bar, das Le Lion. Sie ist eine Erscheinung. Eine schöne Erscheinung. Eine Schönheit. Und dennoch fällt Sie nicht sofort auf. Sie ist nicht laut, sondern elegant. Sie sitzt oft an der Bar. Immer gut gekleidet. Eine wahre Freude.

Sie sitzt dort im Gespräch mit anderen gut gekleideten Menschen. Dezente Gespräche, minimale Gesten, Ruhe, Eleganz und Klasse. Die Portweindame lebt in Ihrer eigenen Welt. Ich mag diese Welt. Sie nennt sie "das Portweinland".

Zitat Portweindame:


Schöne Kleider, gut sitzende Anzüge, Hüte, Pelz und Cocktails – das Portwein-Land ist ein Land, im dem Stil kultiviert wird. Das ist so oberflächlich!, möchten Sie da vielleicht insistieren. Und Sie haben natürlich Recht, einerseits. Andererseits auch nicht, denn es gibt sie, die Menschen wie mich, die ein Grundbedürfnis nach Schönheit haben. In der Provinz, in der Enge, in „Das haben wir schon immer so gemacht“-Umgebungen gehen wir ein und verkümmern. Wir brauchen die schönen Cafés, große Museen in der Nähe und Clubs, in denen wir sein und tanzen können, wie wir wollen. Die Oberflächlichkeit ist also verbunden mit einem tiefen Bedürfnis.

Morgen, am 21.2.2015 hat die Portweindame geladen. Ins Portweinland. Nach Hamburg. Die Veranstaltung nennt sich "Bei Anruf Port! ... oder Maria Cron. #port15".

Auf dem eben noch banalisiertem Twitter habe ich davon gelesen. Und habe mich angemeldet. Den Hausschneider besucht. Einen neuen Anzug machen lassen. Ein Dreiteiler. Schwarz! Um sicher zu gehen. Smoking oder Frack war nicht herauszulesen. Für einen Stresemann war es deutlich zu spät am Abend angesetzt. Ein Dreiteiler wird es richten.

Den Flieger zu Lobb gebucht. Neue Schuhe waren notwendig. Auf dem Weg zurück zum Airport noch Einstecktücher bei Smith erworben. Rückflug dann über Italien. Gute Krawatten sind Mangelware. Nun war ich bereit. Bereit für einen Besuch im Portweinland.

Und dann geschah es. Die Portweindame wünschte sich einen Drink. Sie werden es nicht glauben: Mit Portwein! Und mir wurde die Ehre zuteil, einen Drink der Portweindame zu widmen.

Seit Tagen nun öffnete ich während meiner Schicht eine Flasche Six Grape Portwein nach der anderen. Und gab Anweisungen an Mario. Mix mir doch mal zwei Teile Port mit einen Teil x und einen Teil y....  Versuche gab es viele. Und es war nicht leicht.

Wir reden hier schließlich von einen Drink der der Portweindame gut zu Gesicht steht. Klasse, Eleganz, Perfektion! Und das mit Portwein. Im Le Lion haben wir lediglich eine Sorte Portwein. Roten selbstverständlich. Wir reden hier nicht von profanem Port und Tonic Getrinke oder ähnlichem -  Gott bewahre! Es geht um Portwein. Klassisch. Rot!

Grahams Six Grape ist ein fantastischer Port. Fein und elegant. Allerdings zum Mixen gar nicht so einfach. Schwerere, süßere, simplerere Tawnys und Rubies würden hier wahrscheinlich oft eher Brilleiren. Aber ich wollte keinen zweiten Port kaufen. Wo kommen wir denn da hin! Ich wollte eine Art Klassiker für die Portweindame kreieren. Und sicher stellen, das Sie in jederzeit im Le Lion bestellen kann. Mit dem feinem elegantem Six Grapes. Nicht diesem süßen Marmeladen Port aus dem Supermarkt Regal.

Und ich mixte. Mario mixte. Wir probierten aus. Ich versuchte Kombinationen mit Rye, Williams Schnaps, Cacao und anderen Kombinationen. Viele!  Einige haben sehr gefallen. Aber ich war nicht zufrieden. Es war nicht elegant genug. Nicht genug Klasse.

Heute Abend mixte ich einen Bentley Cocktail. Ein wahnsinnig guter Drink. Aus dem Savoy Cocktail Book. Kreiert für das Englische Sieger Team beim Rennen von Le Mans. In den zwanziger Jahren. Er enthält Dubonnet und Calvados. Zu gleichen Teilen oder mit einem Hauch mehr Calvados. Und plötzlich hatte ich eine Idee für meinen Portweindame Drink. Die Eleganz eines Bentleys, sozusagen mit Portwein.

Herr Kappes mixte auf Anweisung gleiche Teile Port und Calvados. Das Ergebnis war etwas zu alkoholisch, der Portwein blieb ein wenig auf der Strecke. Ruby und Tawny hätten hier gegen gehalten. Aber der feingeistige Six Grape nicht.

Herr Kappes regte die Beigabe von Peychaud Bitters  an - für jeden waschechten Hanseaten sicherlich der erste Wahl, wenn ein Bitter gefordert wird. Aber es brachte uns nicht weiter. Irgend eine Winzigkeit fehlte dem Drink. Wir versuchten viele Barlöffel von irgendwas. Und kamen nicht vom Punkt. Ich probierte die Mischung. Stundenlang. Ich änderte das Mischungsverhältnis auf 2 Teile Six Grapes zu 1 Teil Calvados. Wow - was für ein Unterschied. Jetzt ein deutlicher Portweindrink. Aber eben auch der feine Geschmack des guten Calvados. Ich wurde zum Jäger. Nach dem Dritten Aroma im Portweindame Drink. Bitter, Amaro, Likör. Alles versucht. Nichts geht wirklich. Viel auf den ersten Schluck besser, beim Zweiten dann eher doch nicht.

Und dann dachte ich: Warum eigentlich mehr? Zwei Zutaten sind Perfektion! Es ist zwar weder effekthaschend noch PR tauglich, aber der Drink hatte alles. Er ist ganz Portweindame. Zwei ehrwürdige  Zutaten, vermählt im Glas. Ohne irgend etwas was ablenkt. Nicht einmal eine Zeste oder ein Bitter. Ganz sicher kein Eiweiss. Keine hausgemachten Sirups. Und ganz sicher kein neuerzeitlicher Humbug wie die Smoking Gun -  Oh nein! Keine Showtime. Sondern ein guter Drink!

Man braucht Mut zu einem Zwei-Zutaten-Drink. Sich damit vor den geneigten Trinker zu stellen bedarf durchaus einer Portion gesunden Selbstbewußtseins.  Und je mehr ich darüber nachdachte, umso besser wurde der Drink. Und je öfter ich diese "simple" Mischung trank,  komplexe Aromen vom feinem Six Grape und ein nicht zu unterschätzender Körper vom gereiften Calvados, desto besser gefiel mir der Verzicht auf mehr.

Ich kam zum Entschluss das ein Portweindame Drink genau so und nicht anders sein muss. Zwei Zutaten. Guter Port und edler Calvados. Irgendwo zwischen Apertive und ausgewachsenem Drink. In einem kleinen Glas serviert. In einer guten Bar. Ich höre Jazz. Und sehe gut angezogene Menschen. Ich nehme einen Schluck und meinem Grundbedürfnis nach Schönheit ist genüge getan.


PORTWEINDAME
2 Teile Grahams Six Grape Portwein
1 Teil Calvados. Domaine de la Vectière, Hors d'age

zubereitet im Rührglas, serviert in einem Cocktail Coupette oder Portwein Glas.





Appendix:

Beseelt von meinen guten Drink wälzte ich alte Cocktail Klassiker. Gab es diese simple Kombination schon einmal? In der 1917er Ausgabe von Hugo Enslins Recipes for Mixed Drinks gab es etwas ähnliches. Der TINTO COCKTAIL. 1 Teil kräftiger Ruby oder Tawny Port und zwei Teile Applejack . Der Name mag eine Hommage an die Heimat von Laird's Applejack in New Jersey sein.

20.01.2015

Happy Birthday GIN SUL - der "Lack-Zistrosen 75"

Heute rief mich Stephan Garbe an. Ob ich Ihm das Rezept von der French 75 Version verraten könnte, die ich Ihm und seinen Gästen letzte Woche in der Winchester Bar gemixt hatte.

Spontan entschieden wir uns im Löwen zu einen kleinen Geburtstagsvideo und servieren die spezielle GIN SUL French 75 Version. Der "Lack-Zistrosen 75".



Diese Version ist Gin betont. Man schmeckt den Gin Sul und sein dominates Botanical, Lack-Zistrose, deutlich heraus. Gut so. Nach Löwen Art sozusagen.

"Lack Zistrosen 75"  / THE COMMON GUM CISTUS 75
75 ml Gin Sul (im Video sind es 70 ml - aber 75 machen ja doppelt Sinn!)
25 ml frischer Zitronen Saft
15 ml Monin Rohrzucker
shake
Silberbecher, Eiswürfel,
60 ml Champagner, aufwiesen,
Zitronen Zeste
Servieren und Genießen

Mehr von Lack-Zistrosen, Stephan Garbe und Gin Sul auf http://bildungstrinken.com/10-stephan-garbe-gin-sul/

Mehr über Champagner Cocktails
http://bildungstrinken.com/13-champagner/



Ich werde gelegentlich gefragt, ob wir einen "Deal" mit Gin Sul haben, weil ich den Gin des öfteren feature. Nein, haben wir nicht. Der Deal heißt Sympathie. Ich mag den Gin, die Tatsache das er wirklich in Hamburg hergestellt wird, die Tatsache das ich Ihn deswegen besonders gut und viel verkaufen kann, die Story, das ganze drum herum, sogar den sicherlich recht hohen Preis.

Aber alles in allem mag ich vor allem Stephan Garbe. Die Bar ist ein PEOPLE BUSINESS. Das ist bei Spirituosen in der Regel nicht zwingend anders. Zumindest bei den sympathischen.

Happy Birthday Stephan! Good Job - Viel Erfolg weiterhin!

15.12.2014

Der Steve McQueen der Restauranteure. Danke Rainer!

Das Companion Magazin liegt in allen twenty five hours hotels in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Wien und Zürich aus.
Photo by Robbie Lawrence


Es ist Montag Abend, kurz vor 23.00 Uhr. Ich sitze im Bureau. Endlich. Ich war am Tag schon einmal hier, aber so wirklich viel, geschweige denn irgend etwas von der ewig wachsenden "zu erledigen" Liste, habe ich nicht geschafft. Das Tagesgeschäft hat mal wieder alle Pläne zerschossen. Telefon, Telefon, Telefon und Dinge um die man sich kurzfristig kümmern musste.

Gerade kam ich endlich wieder in der Innenstadt an und beschloss mir einen Café für die Nachschicht zu gönnen. Ich traf einen guten Bekannten am Tresen des Cafe Paris und er zeigte mir das neue "Companion" Heft der twenty five hour hotels. Auf der ersten Seite, Titelbild, mein "Companion" und Mitinhaber der Lion Barbetriebe GmbH,  Rainer Wendt, The Tastemaker.

Und jetzt sitze ich hier am Schreibtisch und sollte die nahezu unendlich erscheinende "zu erledigen" Liste abarbeiten. Aber ich blättere im Heft, lese über Rainer, lasse ein paar „unserer gemeinsamen“ Stationen im Kopf revue passieren und schenk mir einen Pappy van Winkle ein und trinke auf Rainer.

Ich freue mich über den Text und die gelungen Bilder. Denn eines ist klar: Rainer ist der Steve McQueen unter den Gastronomen. Nur halt etwas cooler. Es gibt in der Hamburger Gastronomie sicherlich niemanden der lässiger ist und trotzdem nach dem Besten strebt. Er ist für mich einer der erfolgreichsten Gastronomen - nur zum Glück kein Gastronom. Gott bewahre!

Und sicherlich gibt es niemanden mit dem ich besser zusammen arbeiten könnte. Im Winter 1997 haben wir uns kennen gelernt. Und ehrlich gestanden bin ich mir nicht sicher ob wir seit dem mehr Stunden zusammen gearbeitet oder zusammen getrunken haben. Und wir haben das in der Regel voneinander getrennt (nahezu...)

Aber wenn man so etwas wie ein gutes Restaurant oder eine gute Bar gestalten und vorantreiben möchte, geht es halt um harte Arbeit aber auch Nachtträumereien bei geistigen Getränken. Ohne so etwas bauen Sie ein wirtschaftlich erfolgreiches Franchise Restaurant. Aber keinen Ort mit Seele.

Und man braucht Geduld. Denn ohne solche Partner, die Geld investieren, beflissen welches nachschiessen und auch im dritten und vierten Jahr nicht nervös werden, wenn die BWA noch kein wirkliches Plus zeigt, funktioniere eine anständige Bar nicht. Zumindest nicht, wenn Sie etwas außergewöhnliches auf die Beine stellen wollen. Das dauert. Und kostet Geld. Der Durchschnitts-Unternehmer wird da halt nervös. Im zweiten oder dritten Jahr.

Und wenn Ihr Geschäftspartner in solchen Zeiten beim gemeinsamem durcharbeiten des Jahresabschlusses fragt: "Was ist eigentlich diese Position:  ca. 2000,- €,  von Confis Express?" und sie antworten "Cocktailkirschen... die Besten die es gibt." und er dann nicht die Augen verdreht, sondern nach einem kurzem Moment, wo er wahrscheinlich nach Fassung ringt, sagt "Ah ja, stimmt. Die sind sehr gut.... Wollen wir einen Manhattan trinken gehen?" - dann sollte man gelegentlich das Glass auf eben solche Menschen erheben. Denn ohne Sie wäre die Welt ärmer an großartigen Plätzen.


Danke Rainer.

18.09.2014

Der Barconvent Berlin BCB eine reine Fachbesucher Messe - in 2014 kein Einlass für "Connaisseure" und "Hobby Mixer" ?

Gestern hat Helmut Adam* im Namen des Mixology Magazins  einen wie ich finde recht überraschenden Text in der größten deutschen Online Community für "Hobby Mixer" und  sog. "Connaisseure" zum Thema BCB veröffentlicht.  Demnach werden in diesem Jahr für viele gerade aus dieser Community überraschend die "Zugangsbedingungen" für den Barconvent Berlin geändert, bzw. "strenger" ausgelegt.

Zitat vom Text von Helmut Adam aus dem C&D Forum:


"Werte C&D-Forumsmitglieder!


Eigentlich wollte ich diesen Post früher verfassen, aber die letzten Wochen haben uns im Verlag mit Deadlines ordentlich auf Trab gehalten. Heute erhielten wir ein E-Mail von einem C&D-Mitglied, der sich nach Bar Convent und Abonnement erkundigte. Das gab den Auslöser, hier in den bestehenden Pfad zu posten.

Der Bar Convent Berlin wächst enorm und rückt damit auch in den Fokus von Publikumsmedien, was nach der Auswertung der Besucherzahlen von 2013 (und sicher auch durch Word of Mouth) zu einem Anstieg bei nicht direkt dem Fach zuordbaren Besuchern führte. Das ist zwar im Gesamtbild noch ein sehr kleiner Anteil, die Messe musste aber entsprechend reagieren und den Filter verstärken.
Konkret bedeutet das, dass es sowohl im Vorfeld bei Ticketkäufen im Internet als auch vor Ort an der Tageskasse Prüfungen und Kontrollen gibt und geben wird. Als derjenige im Convent-Team, der Mixology vertritt, habe ich in Abstimmung mit meinen Partnern erreicht, dass Mixology-Abonnenten - aufgrund der bestehenden Tradition - vom Fachfilter ausgenommen sind. Nichtsdestotrotz kommunizieren wir diese Tatsache nicht offensiv.
Korrekt ist, dass die Tickets für Abonnenten bei Angabe der Abonnentennummer 20 Euro kosten. Abonnements, die jetzt abgeschlossen werden, sind für diesen Bar Convent nicht mehr wirksam, sprich: bekommen keinen Rabatt. Hier ein paar Fakten:
Jemand hat bereits ein Ticket gekauft? Am Einlass zum Bar Convent kann ein Fachnachweis verlangt werden. Ist der Besucher nicht in der Lage, diesen zu erbringen, wird kein Einlass gewährt. Erstattung wird es selbstverständlich geben.
Jemand hat bereits ein Ticket gekauft und keine klare Fachzuordnung angegeben? Jemand aus dem Convent-Team kontaktiert möglicherweise in einer Prüfphase den Käufer und fragt einen Nachweis ab. Kann dieser nicht erbracht werden, gibt es eine Erstattung. ..... "
 (hier ein Link zum gesamten Verlauf der Diskussion und Helmuts vollständigem Text)


Die Diskussion zum Thema nimmt langsam Fahrt auf. Wie ich finde gibts es berechtigte Kritik von Seiten der vermeintlich "Ausgeschlossenen", denn in der Vergangenheit wurde dies "offener" gehandhabt und eine "Änderung" wurde jetzt auch nicht eindeutig im Vorfeld kommuniziert.

Jahrelang wurde der Barconvent  aus einer Mischung von Bartendern und "Hobby" Enthusiasten, geboren aus der Mixology Community, getragen. So zumindest meine persönliche Einschätzung. Diesen Philosophie Wechsel finde ich daher überraschend.

Es mag dafür viele Gründe geben: die Wertigkeit der Messe gegenüber den Ausstellern, den Fachmedien und den Mitbewerbend erhöhen. Sicherlich steuerliche Aspekte und weitere behördliche Auflagen die zu erfüllend sind.  Steuerliche Absetzbarkeit von "Kosten" z.B ist nur bei definitiver "Fachmesse" möglich  (was den erwähnten Zugang für Abonnenten allerdings in Frage stellt)

Im letzten Jahr hatte ich auch erstmals das Gefühl das ein kleiner Teil der Besucher die Möglichkeit zum masslosen Konsum alkoholischer Getränke durchaus erstrebenswert fand - was mir in den Jahren zuvor niemals aufgefallen war. Allerdings sind mir eher "Bartender" und Fachbesucher aufgefallen, die sich hier nicht im Griff hatten.  Es ist das gute Recht des Veranstalters sein "Baby" zu pflegen. Es ist sogar seine Pflicht. Die Frage ist nur, wie und ob man die richtigen aussortiert.

Der Barconvent ist mittlerweile die größte und wichtigste Fachmesse für die Bar Branche in Europa -  ich bin einer bekennender Fan des Barconvents - auch wenn "er" sich geändert hat. Ich glaube sogar, eine "harte" Tür,  ähnlich einer guten Bar, würde ihm gut tun.

Es ist ein "schwieriger" Grad mit den Hobby Mixern und sogenannten Connaisseuren. Einerseits haben "Sie" die Szene glücklicherweise "durchsetzt". Einige von Ihnen sind beachtete Schreiber, Blogger bzw. Referenten geworden. Und viele von Ihnen sind gute Gäste in unseren Bars. Andererseits verstehe ich vollends den Fokus auf "reine" Bartender.

Zusammen mit Bacardi habe ich vor einen paar Jahren den CLUB DE CANTINEROS ins Leben gerufen. Und eine von mir gestellte Bedingungen war und ist: Diese Veranstaltungsreihe soll sich ausschließlich an Bartender richten. Keine Blogger, Connaisseure oder sonstige ebenfalls an der flüssigen Welt interessierten Menschen. Die Teilnehmer sollen Abend für Abend hinter der Bar stehen, einen harten aber fantastischen Job ausüben. Nicht zum Hobby, nicht "so ab und an mal hinterm Brett". Sondern Bartender durch und durch.

Und dennoch: Was ist eine "echter" Bartender, was ein echter Fachbesucher? Und hat eine "gemischte" Community nicht auch in der Vergangenheit zum Erfolg von Mixology, Barconvent und unseren Bars beigetragen? Das Interesse an einem guten Drink und Qualität war ein gemeinsamer Nenner diese Community - eigentlich egal ob man da Bartender, Gast oder Produzent war.

Es bleibt spannend - wie diese Diskussion weiter verläuft. Es ist ein klarer "Ausschluss" eines Teils der Jahrelang aufgebauten "Community".  Ich bin gespannt ob und wie sich so etwas "meistern" lässt.

Einer der Kommentatoren fragte, ob Arbeitsverträge mitgebracht werden sollen. Ich denke nicht. Im Prinzip hat jede größere Fachmesse dieses Problem. Eigentlich lässt sich ein gutes Besucherfeld nicht wirklich definieren. Wer hinein will - wird definitive hin kommen. Etwas Kreativität ist gefragt um sich als Fachbesucher "darzustellen"

Es ist wie jeden Abend in der Bar. Weder der Anzug, die Hipster Brille, die Kreditkarte oder sonstige Zugehörigkeit bzw. Äußerlichkeiten garantieren das man "gute" Gäste hat. Und selbst "Bartender" möchte man nicht immer in seiner Bar als Gäste haben. Einige können sich benehmen, andere nicht. Wie auch auf dem Barconvent. Man möchte in seiner Bar und auf seiner Fachmesse eine tolle, interessante Mischung an großartigen Gästen. Das ist "einfach", wenn man alle kennt oder selber an der Tür steht.

Ab einer gewissen Größe muss man dann skalieren und definieren. Das Team an der Tür kennt seine Gäste nicht mehr sondern checkt ob Definitionen erfüllt werden. Besser wird es in der Regel dadurch nicht. Anders ist es aber auch nicht mehr möglich. Es seihen Sie nur, um Auflagen zu erfüllen.

Ich wüßte selber nicht, wie ich dieses "Luxusproblem" von großer Nachfrage beim Barconvent lösen sollte. Es ist schon schwer genug, das jeden Abend an einer 50 Plätze Bar zu meistern.

Ich bin gespannt wie das Team um den Barconvent und das Mixology Magazin diese "Aufgabe" bewältigen wird und wie sich der Barconvent ändern wird...


*Helmut Adam ist ebenfalls Gründer und Gesellschafter der Firma, welchen den BCB (Barconvent Berlin) veranstaltet. 

11.09.2014

Cus D'Amato Cocktail von Mario Kappes, 2014, Le Lion • Bar de Paris



Ich trinke gerne und regelmässig alkoholische Getränke. Ob all der konsumierten Drinks findet man nur selten etwas beeindruckendes "Neues". Eine Mischung, die einen verstummen lässt. Die beeindruckt. Welche die volle Aufmerksamkeit verlangt und man sie Ihr gerne ob des Ergebnisses schenkt.  

Heute war so ein seltener Glücksfall. Mario Kappes hat mir seinen Cus D'Amato serviert. Das Ergebnis hat mich begeistert. Ich habe sofort entschlossen das der Cus D'Amato auf die Löwen Karte MUSS! 

Bis wir festgestellt haben, das es den benötigten Whisky nicht mehr ganz problemlos gibt. Er ist an vielen Ecken bereits vergriffen oder ausgetrunken. Einer der besten Sherry Cask Highlands der für das Geld ( 50,- bis 60,- €) zu kaufen war. 

Wir werden alles daran setzten, ein paar dutzend Flaschen zu organisieren. Falls Sie den Drink probieren möchten, versuchen Sie es gar nicht erst mit einem anderem Whisky. Hoffnungslos. 

Sollten Sie eine Flasche 1993 / 2013 Oloroso Sherry Cask aus dem Hause Glenfarclas Ihr Eigen nennen, oder noch eine ergattern können: mixen Sie sich einen Cus D'Amato.

Cus D'Amato Cocktail
Rührglas, extra kaltes Eis:
• 60 ml Glenfarclas Oloroso Sherry Cask
• 20 ml Liquore Strega
•   5ml D'Arbo Himbeersirup
Stir, strain in Cocktailschale, enjoy.

05.08.2014

Finally: Shindig - a great social Network for Drink Explorers, Cocktail Geeks and Freaks - The Community for Drinkers!


Wohoo ! Finally I found a "Social Network" to my taste. No stupid cat things, no politics, no sports,  no Bullshit.  Some of the "BIG" Social Networks have just become to big and boring. Not "cool" anymore...

But tonight, Nico de Soto was at Le Lion • Bar de Paris and showed me his newest digital playground: a Social Network just to share your drinking experience in great bars with your friends. Its just about Cocktails, Beer, Spirits and Wine - nothing else. And this is what I was looking for!

Shindig - The Community for Drinkers



Go Drink Exploring - Shindig for iPhone from Shindig on Vimeo.


I played around with Shindig tonight and liked it. So I signed up and will start to upload my drinking safaris on Shindig. Why? Because thats one of the only things  I love to share with people from all over the world. Drinking good drinks in good bars and letting others know where you can have a good drink... Thats what Social Media was made for - not for your stupid cats pictures.

If you like to join - download the Shindig Drinking App and look for me as "Joerg Meyer"

Can't wait to see you drink somewhere in the world!

http://www.shindig.me

20.07.2014

A Traveling Mixologists needs your help ...

If you know what is behind  THE TRAVELING MIXOLOGISTS, I would like to ask you for help. I just pulled out my old bartenders traveling bag, which I used to use for this events and became a little bit sentimental...

And I realized that I have lost most of the videos and photos I had from our Traveling Mixologists events. I use to store all the videos at sevenload, which used to be the german youtube. But this b********* (swearword) at sevenloads have decided time ago to delete all old content and it looks like I somehow mist this notification. And because of severals mac changes and some harddisk break downs and one thievery I somehow realized that I missed most of the video, photo footage .... damn!

So, I would like to ask you: Do you still have Photos or Videos from our Traveling Mixologists sessions?

If so, I would be very happy if you can send them to me. Email, dropbox, wetransfer or upload to youtube etc... whatever. Please let me know at joerg {at.} jrgmyr.net or any chanel you prefer.

Thank you - looks like I owe you a Basil Smash!


12.07.2014

R.I.P Charlie Haden - thank you for your help building my dream

When you build a bar, you need lots of things. You need money for sure. But that is just money. You need time, patience, luck, stainless steel, wood, pipes, light and paint. You need to fight against people. And you need to make a team. You need to find friends for your bar - people who love your  bar. Your day needs 28 hours. You need glasses, shakers, ice and people. You need humor and you need to laugh, best about yourself. And you need music.

And while you build your bar, you need to find the time to sit down, late at night, on your own, and listen to "your" music. You need to day and night dream and imagine how this all will feel when your bar is open and how you will run it. You have to close your eyes and dream it. While listening to "your" music.

When I build my bar Le Lion • Bar de Paris I have very often listen to Charlie Haden. And very often to my favorite Album of all times.  "Night and The City" by Charlie Haden and Kenny Baron, Recorded at the Iridium Jazz Club in NY City in 1996.

I have dreamed with your music for hours, you haven given me great advice gentlemen.

Today I got news that Charlie Haden died. I always had a dream, that one day I will build a Jazz Bar and invite my favorite Players. Charlie Haden and Kenny Baron were top of this "Who to invite" to my Jazz-Bar list. I need to catch up with this dream. The list is becoming shorter. Sorry Mr. Haden - maybe we can catch up on my dream when I am following you.

R.I.P Charlie Haden, and thank you for helping me building my dream.





10.07.2014

Happy Birthday Gin Basil Smash



July 10th is the birthday of my Gin Basil Smash - so today this juniper soaked liquid aphrodisiaca is 6 years old - Happy Birthday my friend!

If you love him like I do, feel free to come at 6 pm this evening to Le Lion - Bar de Paris. I will spend a Gin Basil Smash and have sonething I want to show you!

And if you celebrate somewhere else in the world - please send me a picture or video and enjoy a Basil Smash!

See you tonight....