21.11.2013

persönliches Trinkprotokoll - Boilerman Bar


Persönliches Trinkprotokoll: 

Location: The Boilerman Bar.
Uhrzeit: ca.19.00 - ca. 24.00 Uhr
BiD (Bartender im Dienst): Dr. Busch

Verzehr:
- 11 x Dubonnet Highball
- 2 Espresso
- Mineralwasser, unzählige
- 1 Fl. Rolinck Lager Bier
- 1 gut geschenktes Glass Bollinger
- Zwischendurch eine Pizza von Al Volo am Boilerman Tresen.


Eine volle Bar, charmante Gäste, gute Gespräche. Ab 21.00 platzt der Boilerman langsam aus den Nähten. Nicht schlecht für einen Mittwoch denke ich und bestelle wieder einen Dubonnet Highball.

Ich beobachte unsere Gäste. Ausgelassene, entspannte Stimmung. Viele Rauchen jetzt. Die ersten zwei, drei Highballs fordern Ihr Nikotin. Ich habe heute ca. 5000€ für den Umbau der Lüftungsanlage überwiesen - Das Ergebniss ist beeindrucken. Ich geniesse die "gute Luft", beobachte, bestelle einen Dubonnet Highball.

Am Ende des Abends waren es 11. Kein Rausch, aber berauschende Stimmung. Dubonnet Highball ist das Mittel der Wahl. Fantastischer Drink. Um mich rum, nach 4-5-6 "erwachsenen" Highballs, fällt der eine oder andere in den Rausch. Lässt sich fallen. Gibt sich der Droge hin.

Ich bleibe Herr der Lage. Vom Alkoholgehalte her war es ca. eine Flasche Wein. Über 5 Stunden.

Dubonnet, Piçon, Cascade Highball. Die alten Bücher sind voll davon. Und wenn man sie richtig zubereitet schmecken Sie unglaublich gut.

Mir scheint, als wußte man früher viel vom eleganten Trinken. Auch früher fingen die Folgetage oft um 6.00 Uhr morgens an. Weinhaltige Highballs sind eine kleine Offenbarung. Und einen Teil des Weinschorle trinkenden Eppendorfs konnten wir davon schon überzeugen.



20.11.2013

Warum nur warum...?

...reden Bartender in Ihrer Bar am Gast immer so oft über Drinks. Und Zutaten.

In einer guten Bar sind die Drinks immer perfekt und die Zutaten erstklassig - das bedarf keiner Betonung!

Zeit für die wichtigen Themen!

19.11.2013

Über Internationale Bartender/Cocktail Wettbewerbe

Internationale Bartender/Cocktailwettbewerbe von Spirituosen Firmen haben einen großen Stellenwert in der Bartenderwelt bekommen. Beängstigend groß. Zu groß. Die Geister, die wir riefen...

Jeder ist der größte, ernstzunehmenste, wichtigste Wettbewerbe der Bartender Welt. So zumindest die Selbstwahrnehmung und Selbstdarstellung der Veranstalter.  Das Wunsch und Realität hier oft weit auseinander liegen, stelle ich immer wieder, immer häufiger fest. Größe hat halt noch nie was mit Qualität zu tun gehabt.

Vor einigen Wochen erhielt ich eine email von den Veranstaltern eines solchen weltklasse Wettbewerbes. Inhalt ungefähr: 

"Hallo Jörg, wir starten mit einem neuen Jahr von xxxxxx. Wir möchten Dich wieder für die Jury in einigen Ländern gewinnen. Dies und das sind die Rahmenbedingungen. Wir haben diese email an eine Vielzahl von Judges geschickt. Falls Du also Interesse hast, in diesem Jahr wieder dabei zu sein, freuen wir uns von Dir schnell zu hören. Es ist first come, first serve. ....

Mit freundlichen Grüßen

Die Super Duper Bartender Wettbewerbs Zirkus Macher! "

Ich habe gerne und sofort abgesagt. Wer seine Jury mit Massen-emails nach dem Prinzip First come, first serve aussucht, scheint mir keine wirkliche Idee hinter dem Wettkampf zu haben. Es geht ja eh mehr um die Youtube Clicks und Facebook likes.  Ich bin dann mal raus, aus diesem Zirkus. 

18.11.2013

Ist Ihre Bar-Existenz bedroht? Qype heißt jetzt Yelp. Abgelegt unter: Vermeidung von Abhängigkeiten.

Irgendwie ist es fast an mir vorbei gegangen. Wäre ich nicht vor ein paar Tagen via Twitter auf einen Link aufmerksam geworden. Yelp hat Qype gekauft. Das hatte ich mitbekommen. Ich hatte auf beiden Portalen einen Account um unsere Öffnungszeiten, Zahlungsmöglichkeiten etc korrekt anzulegen. Diese Acounts mussten vor ein paar Wochen "zusammengeführt" werden.  Denn Ende Oktober "verschwand" Qype von der Bildfläche. Yelp hatte übernommen. 

Qype, als auch Yelp, hatten mich in der Vergangenheit öfters angerufen, um mir Premium Mitgliedschaften zu verkaufen. Jedes Jahr das gleiche Gespräch. Das bisherige Geschäftsmodell dieser Portale erscheint mir total unlogisch. Denn das schlimmste, was man hier als Unternehmen machen kann, ist "Werbung" zu kaufen. Platzierung. Uncooler geht es nicht. Der totale Verlust der Glaubwürdigkeit.  Das war immer ein No go für mich. Ich habe die Daten auf den Portalen gepflegt, den schließlich, das will ich Ihnen nicht abstreitig machen, sind bei einem gewissen Klientel diese Portale beliebt und führen zu Suchanfragen nach Adresse etc. Hier sei übrigen die neue Statistik Funktion von Yelp einen Blick wert. Interessant, wie ich finde. Außerdem versuche ich, negative Beschwerden die "Hand und Fuß" zu scheinen haben, auch wenn es sich oft um Missverständnisse handelte, zu beantworten (Wenn es denn die Zeit zulässt)

Yelp hatte also bislang in Deutschland keinen nennenswerten Stellenwert. In Amerika sind Sie Marktführer. Mit der Übernahme von Qype sind Sie nun meiner Einschätzung nach auch Marktführer der Bewertungsportale in Deutschland. Und seit Ende Oktober ist Qype digitale Geschichte.

Vor ein paar Tagen stieß ich nun auf diesen Link: Qype-Übernahme durch Yelp: Löschen von positiven Bewertungen durch Yelp? Und auch im Yelp-Forum hagelt es wehen der Übernahme des Qype Inhalts und der dort abgegebenen Bewertungen hier mit Geschichten von geschädigten Geschäftsinhabern Kritik.

In Kürze: Bei der jetzt erfolgten Immigration der Qype Bewertungen in die Yelp Profile der Geschäfte wurden die Bewertungen nicht eins zu eins übernommen. Sie wurden durch einen "Filter" geschickt. Und es entsteht der Eindruck, als wurden viele, überwiegend positive Bewertungen, gelöscht. Die Negativen hingegen bekommen oft mehr Gewicht. So der Anschein der Kritiker.

Heute nun telefonierte ich mit ein Yelp Mitarbeiter  - es ging um die Account Umstellung, ich erhielt nach wie vor Emails mit der Bitte  meine "Geschäfte" auf Yelp zu registrieren, ich hatte dies aber schon erledigt. Wo ich Ihn nun schon am Apparat hatte, fragte ich Ihn nach diesen Online diskutierten Problemen.  Er bestätigte mir diese, konnte diese aber auch recht plausibel erklären:
  • Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es die, bzw. eine der größten Zusammenführungen der Online Geschichte was den Inhalt dieser beiden Webseiten betrifft. Bei solch einem Projekt, so finde ich persönlich, sind Fehler "möglich". Sie dann abzuarbeiten allerdings auch "nötig".
  • Yelp hat einen Filter mit 36 (?) Punkten kreiert. Die Idee dahinter ist, solche Bewertungen auszufiltern, die durch die Geschäftsinhaber selber forciert wurden. Sprich man hat Kunden und Freunde gebeten das Geschäft positive zu bewerten. Meine Frage wie man so etwas denn feststellen will, wurde natürlich nicht beantwortet. Geschäfte bei denen die positiven Bewertungen "organisch" statt mit Druck gewachsen sind, sollte der Filter nicht (so hart) treffen.
  • Le Lion hat jetzt 67 Beiträge auf Yelp und in der Summe 4,5 Sterne. Auf Qype waren es ca. 150 Beiträge (bin mir nicht mehr ganz sicher), davon ca. 10 mit weniger als 5 Sternen. Ich finde das alles nicht tragisch und will mich nicht beschweren. Ich erwähne dies, da ich nicht ein einziges mal in irgendeiner Weise eine einzige Qype Bewertung beeinflusst habe. Der Filter scheint nicht ganz so ideal zu funktionieren, wenn mehr als 50-60 Prozent verschwinden. Aber wie gesagt. Mich stört es nicht!  Man darf solche Bewertungsportale halt nicht zu wichtig nehmen. Dazu gleich mehr.
  • Der Mitarbeiter erklärte mir, das die Immigration noch nicht ganz abgeschlossen ist. Accounts und Bewertungen noch teils geprüft werden und somit in Kürze eventuelle wieder "mehr" Bewertungen auftauchen.
  • Außerdem, und das ist nicht ganz unwichtig: Wenn ich Ihn richtig verstanden habe, müssen auch die User, die die Bewertungen abgegeben haben, von Qype auf Yelp wechseln. Wenn Sie dies unterlassen, bleiben deren Bewertungen nicht sichtbar. Das erscheint mir fair. Und wenn man bedenkt wie viele früher aktive Qyper heute etwas besseres zu tun haben, werden halt nicht alle "alten" Kommentare freigeschaltet.
Ich glaube die Boilerman Bar hat es nicht ganz so hart getroffen. Ehrlich gestanden bin ich mir nicht sicher, wie viele Bewertungen wir da vorher bei Qype hatten. Unseren Eppendorfer Nachbarn Al Volo hat es soweit ich das sehen kann "härter" getroffen. Fast alle Bewertungen gelöscht (nur noch 7 da) und jetzt von 5 auf 3,5 Sterne.

In der Online Diskussion geht es teils heiß her. Von Existenz Bedrohung ist die Rede. Und an diesem Punkt wird meiner Meinung nach 1.) mächtig übertrieben oder 2.) der Falsche verantwortlich gemacht.

Sicherlich kann man von Yelp erwarten, das Sie diese Immigration anständig durchführen. Und es sieht so aus, als wenn da nochNachholbedarf ist.  Mich konnten die Argumente im Telefonat heute aber auch überzeugen. Erst mal abwarten. Und nicht hektisch werden.

Aber wenn hier von Existenz Bedrohung die Rede ist, hat man sein Geschäft auf die falschen Säulen aufgebaut. Egal ob Qype oder Yelp, egal ob Premium Kunde oder nicht - wenn ich meine Existenz wissentlich in die Hände fremder Portale gebe, scheint mir ein Fehler im Geschäftsmodell vorzuliegen.

Bewertungsportale sind "nice to have" - mehr nicht, zumindest Inhaltlich. Man kann Sie ignorieren, sie pflegen, sich um sie kümmern. Man sollte Sie wie erwähnt nicht unterschätzen was das "verzeichnet sein" angeht. Die mobile Generation sucht Adressen etc. von "unterwegs". Ein Korrektes Profil erscheint mir förderlich. 

Muss man alles auch gar nicht pflegen und beachten, wenn man seine Gäste hat und der Laden läuft. Das hängt sicherlich auch von der Größe der eigenen Unternehmung ab.   Aber eines darf man auf gar keinen Fall: Von Fremden Portalen abhängig sein. Ähnlich wie von anderen großen Online Portalen wie Facebook etc. 

Selbst wenn ich bei FB eine Page mit 40.000 und mehr likes habe, kann diese mir morgen dort einfach genommen werden - oder hat man die AGB's mittlerweile geändert? Wenn Ihnen Ihre Facebook Page genommen wird, können Sie dann immer noch mit Ihren Gästen kommunizieren? Nein? Zeit für Plan B!

Wenn ein großer Anteil Ihres Umsatzes wirklich von Bewertungsportalen abhängig ist, sollten Sie schleunigst daran arbeiten, das zu ändern. Man darf als Unternehmer nicht von Fremden abhängig sein, oder man muss um diese Abhängigkeit wissen und sich dann nicht beschweren.  Das muss man immer im Hinterkopf haben. Die beste Werbung, die Lebensversicherung für ein gutes Geschäft, ist gute Arbeit und die daraus entstehende Mund zu Mund Werbung. Zufriedene Kunden. Mühsame Arbeit. Jeden Tag ein paar mehr. Es dauert, und irgendwann sind es genug. 

Da kann dann jedes Bewertungsportal der Welt schreiben was es will. Der Laden brummt dann auch mit ein, zwei oder drei Sternen. 

Ich finde also, bei all der Diskussion um diesen Filter "Fehler" bei Yelp, darf man als Geschäftsinhaber seine eigenen Fehler nicht ausser Acht lassen. Und außerdem: Nichts ist für die Ewigkeit. Die Karten werden neu gemischt. Finde ich persönlich auch reizvoll. Ich begrüße sogar eine Bereinigung der Bewertungen. Auch wenn die Umstellung noch nicht ganz rund läuft. Ich bin gespannt, wie Yelp seine Arbeit fortsetzen wird und ob es Ihnen gelingt, mit anderen Geschäftsmodellen als mit Werbung Geld zu verdienen.  Neue Besen kehren gut, sagt der Volksmund. 



P.S. Wenn Sie irgendwo im Text ein Help finden, machen Sie ein Yelp draus. Diese Autokorrektur des Online Editors treibt mich in den Wahnsinn. Eine Abhängigkeit die ich irgendwie nicht abstellen kann...

17.11.2013

Drogen dealen in der Bar. Ueber: Drogen, Gin und Tonic, falsche Bitterlimonaden, Goldberg Tonic und eine Hommage an den Gin und Soda

Bartender, so hört man oft, sind die letzten "legalen" Drogendealer. In der Regel handeln wir eine (noch) "legale" Droge: Alkohol.

Kokain, "kolumbianischer Feinstaub", ist in vielen, gerade urbanen Bars ein Thema. Leider. Ich finde Kokser ein erbärmliches Völkchen. Selbst wenn die Tender und die Bar dieses Übel nicht unterstützen, sprechen die Feinstaub Reste in den Waschräumen der einen oder anderen Bar eine eindeutige Sprache. Die Leistungsgesellschaft fordert Ihren Tribut.

Aber neben der "gewünschten" Droge Alkohol und dem von einigen Gästen konsumierten Übel Kokain dealt jede klassische Bar mit der grössten und gesundheitsschädlichsten Droge überhaupt. Seit je her. 

Die Sterblichkeitrate bei Missbrauch dieser Droge schlägt Alkohol um Längen, die Verbreitung und Abhängigkeit ebenso. Volksdroge Nr. 1. Ich selber bin abhängig. Die Rede ist vom Zucker.

Wenn ich mir den Konsum in unseren Bars anschaue und die wöchentlichen Bestellungen an Liter flüssigen Zuckers aufaddiere ist klar: Zucker Missbrauch ist  auch Gang und Gebe in unseren Lokalen. Ganz zu schweigen von all dem anderen "zuckerhaltigen" Zutaten.

Machen wir uns nichts vor. Wir Bartender erfreuen uns seit Jahren an dem gewandelten Trinkverhalten. Klassiker haben es auf die Karten geschaft - und auch in Köpfe unserer Gäste.
Wir haben viele Drinks der 80er als zu Süß verteufelt. Einige der "neuen", jetzt gerne getrunken "Klasiker" sind was Zucker angeht aber oft auch ein Wolf im Schafspelz.

Ein Grossteil dieser nun beliebten Bestellungen enthält Zucker. Selten wenig. Oft als "frisch" verkauft mittels Zugabe von Zitrussäften. Sweet & Sour ist das Mittel der Wahl, um das Ganze angenehm zu verstecken.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich mag solche Drinks. Liebe Sie. Gin Basil Smash lässt grüssen. Ich schätze mal ein durchschnittlicher Basil Smash, so wie jeder Sweet and Sour Drink, enthält zwischen 25 und 45 Gramm "reinen" Zucker. Zwei, drei Drinks gleich eine Tafel Schokolade. Mit Zitronenaroma. Nur um das Ganze mal zu verbildlichen.

Und Ihnen ist klar das Alkohl eine Menge Kohlenhydrate enthält... also wir reden hier nicht von den 5-6 cl ordentlichen Gin. Das ist ein weiteres Thema. Ich wollte hier jetzt nicht das Thema Kalorienzählen beim Trinken aufmachen (Ein aktuelles Foto des Autors an dieser Stelle würde hier meine Glaubwürdigkeit unterstreichen...)

Nun ist es wie mit jeder Droge. Massvoll ist das Zauberwort.

Und am Ende der Nacht ist das die eigentliche Aufgabe des Bartenders. Massvoller Konsum, bzw. dazu anzuleiten, dem masslosen auch gekonnt einhalt zu gebieten. Sei es jetzt Droge Alkohol oder Droge Zucker. Der Gast braucht gelegentlich Führung. Nicht von oben herab. Elegant, so das er es eigentlich gar nicht merkt.

Gäste bestellen neben den beliebten Sweet and Sour Drinks jetzt u.a Old Fashioneds, Moscow Mules und Unmengen von Gin and Tonic.

Das ist zu begrüssen. Allerdings reden wir bei all diesen jetzt erfolgreichen Drinks auch immer über Zucker-haltige Drinks. Old Fashioned ist Alkohol mit einen 10-20% extra Zucker Schuss. Moscow Mule, der sophisticated "Verdränger" des Vodka Red Bull, ist in erster Linie eins: Sehr viel Zucker (Im Gingerbeer).

Und auch wenn Ginger Beer vielleicht nicht ganz zu den Ur-Bitterlimonaden gehört, wird es heute doch oft zu diesen gezählt. Und damit kommen wir zur erfolgreichsten Bitterlimonade der klassischen Bar: Tonic. Und somit zum Besteller: Gin & Tonic.

Deutschland wird unbestreitbar von einer Gin & Tonic Welle überrollt. Der Gin & Tonic hatte den Ruf des klassischen Longdrinks der Bar. Wenn uns jemand noch vor 10 Jahren gesagt hätte, Gin & Tonic wird "Groß", hätten wir ihn belächelt. Dieser Drink galt nicht als Massentauglich - er war früher eher Erkennungszeichen von lichtscheuen Barflys.

Heute wird in Deutschland Gin & Tonic getrunken. In den Bars und zu Hause. Erst gab es die Vielfalt an Gin, seit einigen Jahren die Vielfalt an Tonic. Jetzt haben Beide zusammen Ihren Weg gemacht.

Dafür von mir ein Standing Ovations. Beim diesjährigen Bambi hatte ich genau 2 Nachfragen nach "Vodka Red Bull" und wir servierten mehrere hundert Hendrick's &  Tonic. Wow.

Aber ich bin mir nicht sicher, ob der grosse Erfolg des Gin & Tonic neben dem Gin Hype und dem coolness Faktor nicht schlicht und einfach einer simplen Tatsache geschuldet ist: Zucker. Läßt sich die Klasse eines Gin & Tonics mit seiner Geschichte Marketingseitig gekonnt in Szene setzen, muss jedem von uns klar sein: Heutiges Tonic hat mit der ursprünglichen Idee von Tonic Water imemr weniger gemeinsam.

Es gibt viele neue Tonic Water. Und fast alle haben (zusammen mit den "Alten" die oft mit der Zeit Ihre Rezeptur geändert haben) eines gemeinsam: Sie enthalten heute sehr viel Zucker. War Tonic früher "Chinin Water" (Bitter, und man konnte ob der medizinalen Wirkung nicht Unmengen trinken) ist es heute halt eher Limonade. Bitter ade.

Ich denke, der Gin Tonic wurde in den letzten Jahren auch wegen der modernen, süssen Limonade "Tonic" so erfolgreich. Zucker sells baby! Und ich befürchte, in der heutigen Zusammensetzung tragen nahezu alle Bitterlimonaden mit den Aufdruck "Tonic" diesen ein wenig zu Unrecht.

Mittlweile rollt die nächste "me too" Tonic Welle durchs Land. Viele neue Tonics kommen auf den Deutschen Markt. Z. B. Goldberg von MBG.

MBG ist meiner Meinung nach groß und bekannt geworden, weil man sehr erfolgreich auf bestehende Trends aufspringt und diese dann gut kopiert und perfekt vermarket. Effect (Energy Drink Kopie von Red Bull) ist ein erfolgreiches MBG Produkt. Mexikanisches Bier, Prosecco und Hugo Holunderblüten Aromen ebenso. Dieses Kopieren und Perfektionieren ist nicht zwingend Innovative, MBG aber wie ich denke damit sehr erfolgreich. 

Wenn MBG ein Goldberg Tonic auf den Markt bringt, scheint deren Marktforschung grünes Licht gegeben zu haben. Tonic wird somit Großraumdiscotheken und Massentauglich. Nischenprodukte sind nunmal nicht die Stärke von MBG. Aber Masseprodukte verstehen Sie. Nichts Falsch daran. 

Wie man in einer Goldberg Pressemitteilungen verlautbaren lässt:

"Crispy , tasty, different: Die innovative Unternehmensgruppe MBG International Premium Brands GmbH, Paderborn, stürmt mit einem neuen Player im Bittersoda-Segment die deutschen Bars: GOLDBERG & SONS. Die vier charakterstarken Sorten Bitter Lemon, Tonic Water, Ginger Ale und Intense Ginger begeistern Gastronomen, Bartender und Gäste mit purem Premium-Geschmack und intensiven Flavours. Dabei überzeugt GOLDBERG vor allem durch seine hervorragenden Fähigkeiten als Stand-alone-Bitterlimonade." (Quelle:  Pregas)

Die Fähigkeit zur "Stand Alone Bitterlimonade" (Ich liebe Marketing Abteilungen für solche Wortschöpfungen) ist für mich vor allem eins - eine süßliche Limonade. Angepasst an einen breiten  Markt. Damit Sie auch als Limonade schmeckt. Aber damit ist MBG mit seiner süßen Schöpfung GOLDBERG TONIC nicht allein. Warsteiner hat Le Roc auf den Markt gebracht und der Branchenführer Schweppes hat seine Rezeptur über Jahre zu einer Limonade "verkommen" lassen. In kürze bringt Schweppes Edellimonaden im Retro Gedanken als Extra Linie. "Altes Rezept" etc. Man darf gespannt sein. Alle die auf den fahrenden Tonic Zug aufspringenden "Me too Tonics" haben aber wie ich finde eines gemeinsam. Sind sind süße Limonaden für den Massenmarkt.

Ich selber liebe Gin & Tonic. Und ich mag auch viele der "neueren", lieblichen Tonic Limonaden die vor ein paar Jahren auf den Markt kamen. 1724, Thomas Henry oder Fever Tree z.B. .  Aber ich stelle fest, das ich mit diesem neuen Limonaden oft nur ein, zwei Gin & Tonics mag.
Ich mixe mir persönlich mittlerweile oft Gin, Tonic mit etwas Soda Wasser. Viel Gin, etwas Tonic, etwas Soda. So gefallen mir die "neuen" Gin and Tonics ebend oft besser. Gerade an Abenden wo es mehr als zwei Gin and Tonic werden.

Und ich finde immer mehr Gefallen an einen Highball (Boilerman lässt grüssen) Namens Gin & Soda. Wir bemerken im Le Lion auch vermehrt Gäste, die neben Gin & Soda auch Gin auf Eis bestellen. Pur. Perfekt! Die positiven Ausläufer der Gin Craze.

Bei all dem Gerede und Hype um Gin & Tonic sollten wir uns als "dealer" vor Augen führen, das wir eine Menge Zucker an den Mann, die Frau bringen.

Und der aktuelle Gin & Tonic und Moscow Mule Erfolg ist in meinen Augen ebend auch im hohen Zuckergehalt dieser Getränke begründet. Das denkt man bei einem Gin & Tonic auf den Blick nicht - ist aber so. Seine Historie läßt den ordentlichen Anteil Zucker nicht vermuten. Er hat sich gewandelt. Zur Limonade der "besseren" Gesellschaft (Das Volk trinkt Vodka Energy...). Der Zucker ist allerdings bei Beiden ein großer gemeinsamer Nenner.

In der Bar wurde schon immer Alkohol durch Zucker schmackhafter gemacht. Zucker ist eng mit der Geschichte der Bar und der des Cocktails verbunden. Es spricht nichts dagegen. Nur sollte man es sich auch von Zeit zu Zeit vor Augen halten. Und wer das eine oder andere Gummibärchen Wasser verteufelt, sollte einmal schauen, was er so täglich an seine Gäste ausschenkt.

Bitte: trinken Sie weiter Gin & Tonic! Aber probieren Sie mal einen Gin & Soda Highball. Oder Gin auf Eis. Stufe Drei des Gin Hypes sozusagen. Martinis brauche hier nicht mehr erwähnen, oder?

Ich finde, trotz der Vielzahl an Tonics , es ist noch Platz im High End Segment: für ein Old Skool Tonic Water. Mehr Tonikum statt Limonade. Mit sowenig Zucker wie möglich und soviel Chinin wie sinnvoll.  

Es ist noch Platz für eine echte Bitterlimonade.

16.11.2013

Bill Deck im Interview


Vor gut einem Jahr wurde ein Interview mit Bill Deck veröffentlicht - irgendwie ist es mir erst in den letzten Tagen "aufgefallen".





Zu Bill Deck hege ich eine besondere Beziehung. Im ersten Jahr meiner Ausbildung, 1995, besuchte ich oft und gerne die mittlerweile geschlossene Harry's New York Bar in Hamburg.

Der Barchef dieser Hamburger Institution, Peter Kallweit, wurde mir zu einem grossen Vorbild und stellte mich zwei Jahre später für meinen ersten Bar- Job ein.

Peter schenkte mir seiner Zeit den Harry's New York Bar Cocktailkalender von und mit Bill Deck. Mr. Deck war mit seiner 1974 eröffneten Harry's New York Bar München auch Lizensgeber für die HNY-Bar's in Hamburg und auf der MS Europa. 

Ich hatte sozusagen Herrn Deck damit als Cocktail - Pin Up in den ersten drei Jahren in der Küche meiner kleinen ersten Wohnung hängen. Beim Umzug kam dieser Kalender leider abhanden - ich verfluche noch heute die beiden Umzugshelfer für diesen Verlust.

Wie dieses Video Interview zeigt, war Herr Deck ein "Meilenstein" für die deutsche Bar.

Er etablierte die Bosten Shaker, das Chilie Con Carne und hatte einen nicht ganz unbekannten Bartender, der das Handwerk bei Ihm erlernte, names Karl Georg. 

Viele andere Anekdoten rund um die flüssige Geschichte der Stadt und diese Bar - ich liebe solche Interviews.

Mario und ich hatten beim letzt-jährigen Club de Cantineros Event ein paar "magische" Stunden mit Herrn Deck und seinem Team in der nunmehr Pussers Bar.

Geschichten vom Feinsten, vorgetragen von einer Legende unserer Branche, stets freundlich, unterhaltsam und mit Bill Ramsey Akzent - unbezahlbar!

Der Abend endete unten im Piano Bereich. Mario spielte für uns Klavier, die Pusser's Brigarde versorgte uns mit ausgezeichneten Drinks und Bill Deck feuerte eine Geschichte nach der anderen in die kleine Gruppe. Ein außergewöhnlicher Moment, den ich jedem von Ihnen Wünsche.

Daher eine dringende Empfehlung: Besuchen Sie Bill Deck bei Ihrer nächsten München Visite.


15.11.2013

Neues Bartender Magazin: Berlin 8cl


In den vergangenen Wochen habe ich oft in Berlin übernachtet. BCB, Tribute to Bambi, Zuckerhut, Bambi etc.

Ich habe immer in verschiedenen Hotels gewohnt und war jedes mal überrascht das dort diese mir bis dahin unbekannte Bar Zeitschrift "Berlin 8cl" ausliegt.

Erfreut über die Tatsache das das Standard Ausschankmass im Berlin nunmehr 8 cl beträgt, wirkte das nähere Studium des Fachblatts etwas ernüchternd...

#Doppelbilder_fuer_Bartender



14.11.2013

Fachzeitschriften und Ihre Glaubwürdigkeit

Von Zeit zu Zeit pflege ich eine anachronistische Gewohnheit: Ich lese sogenannte „Newsletter“.  Jens O Brelles ART LAWYER ist so ein favorisierter Newletter.
Zugegeben. Keine typischer Bar oder „Trink" relevanter Inhalt. Gut so.

Im aktuellen Newsletter schreibt O. Brelle von einem  Gerichtsurteil im Zusammenhang „Kennzeichnungspflicht gesponserter Beiträge“. Es geht hier um eine vom aussterben Bedrohte Gattung: Printmedien. Und darum, das diese Dinosaurier öfters, oder leider mittlerweile oft,  „verdeckte“ Advertorials veröffentlichen. Auftrags-Artikel von Anzeigenkunden, Artikel nach Kundenwunsch. Schleichwerbung. Diese Artikel sind aber nicht einwandfrei als solche kennzeichnen.

Unweigerlich und unmittelbar musste ich beim Lesen von Brelles Zeilen an den deutschen, europäischen und auch globalen Markt der Fachzeitschriften für Drinks, Bars und Bartender denken. Diese Advertorials in Print und Online (in verschiedensten Formen) sind hier Gang und Gebe. Und werden natürlich in den allermeisten Fällen eben sowenig oder unkorrekt gekennzeichnet.

In den letzten Jahren habe ich öfters an größeren, runden Besprechungstischen gesessen. Meine Meinung war gefragt. Für diverse Projekte oder Kampagnen von Spirituosen-Herstellern bzw. deren Agenturen oder jenen, die es werden wollten. Diese dort gewonnenen Einblicke in die „Käuflichkeit“ unserer Fachmedien, und mit welcher Selbstverständlichkeit diese diskutiert wurden, hat mich Anfangs irritiert. Und von den Agenturen etc. keine Form des Unrechts-Empfindens. Das hat mich fast noch mehr interessiert.  „Wir schalten hier die und die Anzeigen und bekommen dann die Print Story und das Blog Feature „obendrauf““ und andere Deals sind Agentur Normalität. Wahnsinn.  Nach wie vor empfinde ich solch ein Gebaren als nicht richtig, und wie Brelles Artikel zeigt, auch als formell „gesetzeswidrig“. Schön, wenn Sie wie in Brelles Fall die Mitbewerber gegenseitig anzeigen. Mich würde interessieren ob und wie der Auftraggeber bestraft würde. Den ihr Verhalten ist in meinen Augen ebenso verwerflich.

Ich will hier nicht mit erhobenen Zeigefinger stehen. Die Käuflichkeit als solches ist in meinen Augen kein Problem. Schließlich verfolgen die Herausgeber in der Regel (auch) wirtschaftliche Interessen. Und da stehen insbesondere Printmedien nach wie vor vor einem ungeahnten Umbruch. Ihnen Fehlen Ideen, wie man „anständig“ sein Geld verdient.

Das große Problem dabei ist diese „Heimlichtuerei“ beider Seiten. Die offensichtliche „Dummheit" der Anzeigenkunden, solche Artikel zu bezahlen, und die des Mediums, solche Dienstleistungen „anzubieten“ (Man findet Sie in der Regel nicht in den gedruckten Mediadaten)

Dummheit deswegen, weil der dadurch entstehende Schaden für Brand und Publikation meines Erachtens auf lange Sicht sehr hoch ist.

Beide Seiten verspielen im jovialen Schulterschluss Ihr höchstes Gut: Glaubwürdigkeit.

Wenn ich heute ein durchschnittliches deutsches „Bar/Drinks/Spirituosen/Bartender“ Fachmagazin durchblättere, kommen mir i.d.R. 25-50% aller Beiträge gesponsert oder „gekauft“ vor. Es werden sicherlich real deutlich weniger sein. Aber in der Regel sind solche Advertorials so einfach zu erkennen, das das Blatt mit jeder Ausgabe mehr Glaubwürdigkeit verspielt und offenkundig seine Leser für minderbemittelte, nichts ahnende Kundschaft hält.

Ebenso wie der Brand. Der hier doch einerseits um Kunden und „Anhänger“ wirbt, im Umkehrschluss aber mit solchen Advertorials die Aussage trifft :“Ihr seid doof und merkt es nicht, wir sind clever und veräppeln Euch"

Das ist respektlos. Von oben herab. Das Gegenteil von Augenhöhe. Aber: Man merkt es. "F**K YOU !" denkt man da eher als Leser und hebt den geistigen Mittelfinger.

Das führt dann unweigerlich dazu, das man von Ausgabe zu Ausgabe „das schlimmste“ annimmt. Und man liest ein Advertorial nach dem anderen heraus, wo wahrscheinlich gar keins war:
Ist die Glaubwürdigkeit erst mal ruiniert, publiziert es sich recht ungeniert.

Und auf der anderen Seite hilflose  Spirituosen Hersteller mit einen Stab an „besten" Agenturen die für solche einen Kindergarten Quatsch auch noch vier- und fünfstellige Budgets bezahlen. Wer soll solch eine Firma denn noch ernst nehmen? Sie verspielt Glaubwürdigkeit und Sympathie statt sich diese wie geplant zu „erkaufen“.

Sympathie und Glaubwürdigkeit kann man sich nicht erkaufen, die muss man sich erarbeiten. Die Welt hat sich verändert. Get used to it.

Ich würde mich freuen, wenn die Fachmagazine in Zukunft Ihr Artikel eindeutig kennzeichnen würden. Vielleicht bin ich dann überrascht, das die Anzahl der Advertorials viel geringer ist, als von mir angenommen. Aber einen Trickbetrüger traut man nunmal nur kurze Zeit. Das hohe Gut Vertrauen ist schnell verspielt und lang- und mühsam aufgebaut. Das gilt für den abendlichen Service hinter der Bar ebenso wie für Hersteller von Spirituosen und Medien.

Marketing Abteilungen von Spirituosen Herstellern neigen zu altertümlichen Weisheiten. Pouring Verträge sind ähnlich kurzfristig gedacht wie Schleichwerbung. Und auch hier verspielen Brand und Bar oft Ihr einen guten Teil Ihres Vertrauens. Aber das ist hier heute ein anderes, sicherlich ähnliches, Thema.

Ich weiss, wie man einen Drink zu angemessenem Preis verkauft und am Ende des Tages damit seinen Lebensunterhalt bestreitet. Der Weg ist und war nicht immer leicht. Er ging oft kurzfristig auf Kosten des Profits. Aber er ging nie auf Kosten der Glaubwürdigkeit. Das ist unternehmerischer Suizid.

Respektlose, uns für Dumm verkaufende, Schleichwerbung ist in meinen Augen eine recht kurze Sackgasse für ein Fachmedium. Nicht ohne Grund habe ich nahezu alle Abonnements etc. gekündigt.

Ich mag Fachmagazine. Ich liebe Sie. Ich will schleichwerbefreie bzw. aufrechte Fachmagazine. Sie sollen werben. Aber anständig. Und ich bezahl dafür gerne gut. Und zwar nicht nur: My two Cents.

12.11.2013

Ich habe Appetit - Vom Fehlen eines Wortes - über den Beruf des Bartenders.

Ich habe Appetit. Appetit ist etwas Feines. Appetit ist ein elegantes, charmantes, lustvolles Verlangen. Appetit ist etwas Gesundes und Gutes. Wem er fehlt, gilt als krank. Wem er vergeht, hat schlechte Laune. Appetit ist fein, zart, dezent.

Appetit hat einen großen Bruder. Es ist der Hunger. Er ist gröber. Reine Natur. Hunger ist ein notwendiges Gefühl. Ihm fehlt jeder Glanz. Er ist reiner Zweck.  Er gehört zum Leben. Ein Automatismus, eine Notwendigkeit. Kein großes Thema. Hunger fehlt die Eleganz. Ebenso wie Durst.

Durst ist ebenso eine Notwendigkeit der menschlichen Existenz. Wer durstig ist, sollt einen großen Schluck Wasser trinken. Das lindert das elementare Verlangen.

Doch warum nur lässt sich in der deutschen Sprache ein lustvoller „Appetit“ nicht „flüssig“ ausdrücken?  Der Wunsch nach einem gutem Getränk. Flüssiger Appetit fehlt in unserem Wortschatz. Das elegante, lustvolle, charmante, feine Gefühl nach einem guten Getränk. Warum nur?

Der Mensch hat Hunger und Durst. Im Extrem frisst und säuft er. Der Appetit ist eine Kunstform. Eine kulturelle Errungenschaft. Diese Kulturform hat das Fressen domestiziert. Es elegant gemacht. Gesellschaftsfähig. In seine Schranken gewiesen. Um dann zu wachsen. Fein und filigran. 

Das Wort für den „flüssigen Appetit“ fehlt. Das ist bedauerlich. Denn es würde den Beruf des Bartenders perfekt umschreiben.