27.07.2013

Die Biere der BOILERMAN BAR. Was ist Craft Beer? Ist Ratsherrn wirklich Craft Beer?

THE BOILERMAN BAR ist bald ein Jahr geöffnet. Und Sie bereitet mir und uns viel Spaß. Es „flutscht“. Sie ist eigentlich immer gut besucht. Und mit der relative positiven finanziellen Entwicklung hätte ich persönlich so schnell gar nicht gerechnet. Andrej Busch und sein Team machen einen guten Job. Und selbst jetzt im Sommer, wenn in anderen Bars die Gäste fern bleiben, ist die Bar dank unseres Außen-Tresens gut besucht. Bald haben wir ein Jahr geöffnet. Und wenn ich auf das Jahr zurück schaue, macht mich die Entwicklung sehr zufrieden.

Das Konzept soll sich ganz bewusst vom Le Lion in vielen Punkten unterscheiden. Die Heizer im Boilerman arbeiten ohne Shaker, dafür mit elektrischen Stabmixern. Sie servieren Highballs statt Smashes und anderer Klassiker. Und Sie servieren Bier. Eine kleine und gute Auswahl an Flaschenbier. Und gerade jetzt im Sommer: Sehr viel Bier.

Im Le Lion haben wir Bier nie „unterstützend“ angeboten. Wir haben eines da. Kronenbourg 1664. Haben es „hochpreisig“ kalkuliert. Der Löwe ist keine Bier Bar. Nichts ist falsch an Bier in einer Bar. Wichtig ist meiner Meinung nach nur, das man ein Konzept hat, und das durchzieht. Eine Classic Bar hat einen Fokus auf Drinks. Man kann wahlweise Bier dazu featuren oder eben nicht. Im Löwen haben wir uns für einen extremen Fokus auf Drinks entschieden.

Als ich mich für vor gut sechs Jahren im Le Lion für Kronenbourg 1664 entschieden hab, gab es neben geschmacklichen Gründen den Hauch des Exklusiven, da 1664 seiner Zeit schwer in Hamburg zu beziehen war. Französisches Bier, passend zu einer Bar de Paris. Warum nicht?

Mittlerweile bin ich nicht mehr ganz glücklich mit der Wahl. Da es kein großes Thema bei uns ist, habe ich dem Wechsel des Bieres nie große Priorität gegeben. Aber unterschwellig hat sich das Bier mittlerweile anders platziert. Kronenbourg 1664 wurde vor einigen Jahren von dem Global Player Carlsberg Group übernommen. Das macht das Bier nicht schlechter. Nur weniger exklusive. Mittlerweile ist es in Hamburg überall gut zu erhalten. Global Player und eine kleine Löwen Bar passen nicht gut zusammen. Daher ist es Zeit für einen Wechsel.

Im Boilerman sieht das ganze anders aus. Dort haben wir einen Fokus auf Bier. Daher brauchte ich eine gewisse Auswahl. Hier ein Blick auf unsere  Boilerman Karte / Bier Auswahl:

DIE BIERE DES BOILERMAN

Auszug aus der aktuellen BOILERMAN Karte


Zu Anfang hatten wir noch Pilsner Urquell und Ratsherrn Rotbier. Die Beiden habe ich ausgelistet. Pilsner Urquell, weil mir hier, ähnlich wie bei Kronenbourg 1664, ein wenig die Exklusivität verloren gegangen ist. Gutes Bier, nach wie vor. Allerdings in der Gastronomie recht verbreitet. Ich muss gestehen, dies ist immer ein zweischneidiger Schritt. Es ist schon merkbar, das unseren Gästen etwas „vertrautes“ für eine schnelle Pilsener Bestellung fehlt. Ich muss da noch mal in mich gehen, was ich statt dessen aufnehme. Ratsherrn Pilsner ist, so zumindest das Feedback von Andrej und Team, nicht jedermanns Sache. Uns gefällt es. Aber es geht ja um den Gast.

Ich finde allerdings auch die geschmacklichen Varianzen beim Pilsener Stil oft und leider minimal. Da scheint wirklich viel über Image und Marketing zu gehen, wenig über den eigentlichen Geschmack.

Das Ratherrn Rotbier lief Null. Zero. Hat niemanden interessiert. Drohte abzulaufen. Daher ausgelistet.

Die aktuelle Bier Auswahl der Boilerman Bar ist somit die oben stehende.
  • Ratsherren Pilsener und Pale Ale,
  • IPA von  der CREW AleWerkstatt, 
  • Tegernseer Hell 
  • und die von Andrej entdeckte und von mir geliebt Großflaschen Serie von Maisel & Friends mit Stefan‘s Indian Ale, Jeff‘s Bavarian Ale und Marc‘ Chocolate Bock.

Pilsener läuft gut. Insbesondere am Wochenende. Das schnelle, unbedachte Bier. Nach wie vor wohl das Synonym für BIER in Deutschland. Wochenende. Man kommt in eine volle Bar. Erstmal ein schnelles Bier im stehen, Pils bitte.

Und dennoch war Pils nie die meistverkaufte Sorte Bier im Boilerman. Die beiden Top Biere im Boilerman: Tegernseer Helles Vollbier und Pale Ale von Ratsherren.

Tegernseer Helles Vollbier läuft unglaublich. „Geschnitten Brot“. Jetzt im Sommer angsteinflößend viel. Wahnsinn.

Pale Ale wird ein wenig von uns gefeatured. Je später der Abend, desto mehr verkaufen wir:

BOILERMAKER


Boilermaker im Boilerman - Share your beer!

Der BOILERMAKER ist leider in der einem oder anderen Bar zu einem dümmlichen Saufspiel verkommen. Der Whiskey wird im Bier versenkt etc. Erschreckende Rituale infantiler Idioten.

Ein ordentlicher BOILERMAKER ist ein Bitteres Bier (Pale Ale für den Einstieg, später den IPA) und die passende Unze American Whiskey  dazu. Man genießt Beide ohne zu „Saufen“. Den Whiskey in zwei, drei genussvolle Schlücken, dazu jeweils ein guter Schluck herbes Bier. Eine tolle Kombination. Wir empfehlen daher zur Unze Whiskey ein Bier zu teilen.

Hier kommen die geliebten Spezialitäten Biere ins Spiel. Das IPA von CREW AleWerkstaat ist fantastisch - Maisels Großbiere ebenso. Es ergeben sich tolle Bier und Bourbon Kombinationen. BOILERMAKER ist ein sehr elegante Art, Bier und Whiskey zu genießen - das hat nichts mit „saufen“ zu tun.

CRAFT BEER für den Boilerman?

Was ich also suche, sind „handgemachte“ Biere. Von kleinen Brauereien. Handwerksqualität. Mit Geschichte, mit Persönlichkeit. Gerne mit Ecken und Kanten. Weniger Pils - mehr Biervielfalt. Kleine Biere für eine kleine Bar. Am Besten nicht überall erhältlich - wir möchten unseren Gästen ja etwas besonderes bieten.

Suche ich CRAFT BEER?  Was ist Craft Beer?

Definition Craft Beer: Die Brewers Association America schreibt :“An American craft brewer is small, independent and traditional.“ (genaue Definition hier: http://www.brewersassociation.org/pages/business-tools/craft-brewing-statistics/craft-brewer-defined )

Und auch auf der Webseite von Ratsherrn heißt es : „Klein, unabhängig und traditionell“ - so definiert die Brewers Association, der Berufsverband der Craft Breweries in den USA, eine Craft Brewery (Handwerksbrauerei) – ... weiter „Craft Beer bildet den Kontrast zur industriellen Massenware.“...
Das ist doch genau das was ich suche: Kontrast zur industrielllen Massenware ...

Verkauft der Boilerman also Craft Beer?

Wenn man in den letzten Jahren und spezielle Monaten nicht ganz mit verschlossen Augen Fachmagazinen und Life Style / Genuss Publikationen gegenübergetreten ist, beschleicht einen das Gefühl, Craft Beer is it! Craft Beer über alles. Wer was auf sich zählt, verkauft Craft Beer...

Bei solchen Wort Spielen ist in der Regel Vorsicht zu genießen. Die Ansätze sind immer gut, später verkommt so etwas  in der Regel zu reinem Marketing Quatsch. „ARTISANAL“ wurde mal vor ich glaube zwei Jahren von einer englischen Publikation zum Unwort des Jahres gewählt - zu Recht. Den irgendwie ist jetzt ja alles ARTISANAL.

Der Handwerker mit Format ist jetzt eine Manufaktur -  Braufactum dann die abadsurdum Führung dessen. Seht her! Wir sind handwerkliches Bier! Quatsch -  der Absender hat für mich nichts mit Handwerk zu tun. Aber gutes Marketing wird es schon richten. Beispiele gibt es viele - sobald solche Wortspiele gehäuft auftauchen, ist Vorsicht geboten. Dem zukünftigen Unwort CRAFT BEER (wie gesagt, Ansatz völlig ok) scheint mir ein ähnlicher Weg beschrieben. Die Großen haben übernommen.

 Dabei zählt für uns doch einzig und allein der Inhalt. Bier bleibt Bier. Wer Floskeln braucht, hat was zu verbergen - so meine Interpretation. Daher ist mittlerweile Vorsicht bei der Verwendung des Wortes Craft Beer angebracht. Das mein grundsätzlicher Vorbehalt.

Aber schauen wir uns doch einmal die Produzenten von Boilerman Bier an. Ich habe ein paar Euros riskiert um mich bei Auskunft und Register Diensten über unser Lieferanten schlau zu machen. Ein interessanter Einblick in die Welt der Brauereien


Die Bier - Lieferanten des Boilerman 


Tegernseer

Allein rauszufinden wer hinter Tegernsser steckt, ist im Netz gar nicht so einfach. Google ist da nicht sofort hilfreich. Final bin ich bei der Herzoglich Bayerische Brauhaus
Tegernsee Kommandit Gesellschaft gelandet. Ein Blick auf die Webseite www.brauhaus-tegernsee.com leitet einen immer wieder um zum herzoglichen Braustübl. Final landet man aber bei  der bei Amtsgreicht München unter HRA 78617 registierten

Herzoglich Bayerischen Brauhaus Tegernsee KG


Gesellschafter und Eigentümer sind

1.) Herzog Max in Bayern (Komplementär)
2.) Herzogliches Brauhaus Tegernsee GmbH (Komplementär)
3.) Herzogin Maria Anna H.G.J. in Bayer ( Kommanditist)

die unter 2.) genannte Gesellschaft ist registriert unter HRB 41385 ebenfalls in München. Alleiniger Inhaber ist Herzog Max in Bayern.

Man sieht: die Tegernseer Brauerei ist fest in Bayrischer Hand. Regional. Gut so. Ehrlich und gut - wie Ihr Vollbier.


MAISEL

Hinter Maisel steht formell die Brauerei Gebrüder Maisels KG (HRA 3017 Registergericht Bayreuth). Gesellschaft / Eigentümer:
1.) Maisel Oscar
2.) Braurei Maisel Geschäftsführungsgesellschaft mbH
3.) Familie Maisel GmbH & Co KG

Die Gesellschaft unter 2.) ist registriert unter HRB 737 ebenfalls in Bayreuth und gehört zu 100% der Familie Maisel GmbH & Co. KG

Die Gesellschaft unter 3.) ist registriert unter HRA 210 in Bayreuth und gehört 4 Familienmitgliedern von Maisel, sich selbst (es lebe das Gesellschaftsrecht) und einer weiteren Verwaltungs-GmbH der Familie Maisel.

Wie und Warum verschiedene Gesellschaften hier auftauchen ist letzen Endes egal, wichtig ist, das Sie alle in Besitz der Familie Maisel sind. Damit ist die Brauerei Masiel ein „wahrer“ Familien Betrieb. Macht Sie, neben dem guten Bier, noch sympathischer.   Außerdem Mitglied in der Initiative DIE FREIEN BRAUER - interessant für jeden, der sich für Biere jenseits der Global Player interessiert.


CREW AleWerkstatt.

Die junge und sympathische Bier Werkstatt aus München firmiert formell unter der Gesellschaft Crew AleWerkstatt GmbH registriert unter HRB 192985 bei Amtsgericht München. Die Gesellschafter sind:
1.) Mario Hanel  (35%)
2.) Timm Schnigula (35%)
3.) Noris Hopfenverwaltungs Gesellschaft mit beschränkter Haftung (30%)

Wenn ich das richtig recherchiert habe, gehört die Noris wiederum zu größeren Internationalen Konzernen mit Fokus auf Hopfen. Ich habe hier einmal die Aufteilung des Stammkapitals hinzugeschrieben. Mit 70% Stimmrecht sind die beiden persönlichen Inhaber und Geschäftsführer in nahezu allen Fällen  des Gesellschaftsrecht handlungsfähig. Für mich macht eine Beteiligung/Förderung an solch einer Bier-Spezialitäten Schmiede durch einen Hopfen fokussierten Investor sehr viel Sinn. Auch diesem Investor sollte an einer Bier (und Hopfen) Vielfalt in Deutschland gelegen sein. Trotz des externen Investors scheint die Crew AleWerkstatt fest in Inhaber Hand. Prädikat:  Craft Beer tauglich. Kleines Start up mit passendem Investor. Sympathisch (vom IPA ganz zu schweigen)


Ratsherrn


Seit mehr als zwei Jahr gibt es die neuen Ratsherrn Biere aus Hamburg. Die Übernahme der alten Traditionsbrauerei Ratsherrn in ich glaube 2010 war schon ein lokales Ereignis. Umzug in die Schanzen Höfe, in die historischen Viehhallen des alten Schlachthofes. Alles super schick. Hamburg hatte endlich seine „coole“ Brauerei. (gut, Astra war ja auch mal cool). Und alles soooo Craft Beer. Die Webseite strotzt vor Craft Beer. Die Flaschen, das Design. Es ist nicht zu überhören: Ratsherrn ist CRAFT BEER ! Wirklich? 

Ich habe mir das ganze mal angeschaut. Das Ergebnis ist für mich ernüchternd.

Inhaber der Ratsherrn Brauerei ist die Ratsherrn Brauerei GmbH. HRB 80191 beim Amtsgericht Hamburg. Gesellschafter:

1.) Nordmann strategische Beteiligungsgesellschaft mbH & Co KG (74,99 %)
2.) Ratsherrn Brauerei GmbH (siehe oben  - Eigenbeteiligung - 25,01 %)

Darüber hinaus gibt es noch eine Ratsherrn Vertriebs GmbH & Co. KG. Deren Gesellschafter und Eigentümer sind

1.) Verwaltungsgesellschaft Ratsherrn Vertriebs GmbH
2.) Ratsherrn Vertriebs GmbH & Co KG
3.) Nordmann strategische Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG
4.) Christoph Markus Miller (Geschäftsführender Gesellschafter von drinks & more (rock Star Energy, Kalte Muschi Weinbrause, Roberto Cavalli Vodka etc)

Die Nordmann strategische Beteiligungsgesellschaft (Inhaber der Brauerei) ist ein Teil der Nordmann Unternehmens Gruppe. Ein Blick in deren Geschäftsfelder verrät - dies ist ein großer Player im Deutschen Getränke Markt. Daran ist nichts verwerfliches -nur wie heißt es so schön auf der Webseite von Ratsherrn Pils „Klein, unabhängig und traditionell“ ... Craft Beer bildet den Kontrast zur industriellen Massenware.“

Hinter Ratsherrn steht kein Gesicht. Keine Person. Damit meine ich nicht die Brauer. Derer gibt es derzeit gleich drei.  Ich rede von der Firma, der Gesellschaft. Es gab mal ein Gesicht. Wolfgang Speth. Er war der Geschäftsführer von Ratsherren, brachte Erfahrung mit von Jever und Radeberger. Das riecht alles ein wenig mehr nach „Großer Player“ als nach Craft Beer, wenn man mich fragt. Vielleicht nicht das Gesicht was man sich zu Craft Beer vorstellt. Jetzt ist er weg.

Wer in die Gesellschaften der Nordmann Unternehmensgruppe eintaucht um Klarheit zu gewinnen, hat viel vor sich, endet  natürlich auch  final oft bei „Familie“ Nordmann. So gesehen ist das ganze dann doch ein Familienunternehmen ?

Das ist am Ende des Tages eine persönliche Geschmacks Frage. Für mich fühlt sich das anders an. Maisel ist seit jeher Qualitäts Bier. Nordmann hat  meiner Meinung nach diverse Geschäftsfelder, Getränke Märkte und Brauereien die Craft Beer eher kontraproduktive gegenüber stehen und wo nicht immer die Qualität im Vordergrund stand, sondern auch Masse und Preis (Kampf). Ähnlich wie Dr. Oetker mit der Radeberger, Gruppe  und ihrem jetzigen Braufactum Engagement.




Kleiner Nachtrag - Lieferanten:

In kürze hoffe ich ein Bier von der ROLINCK Brauerei einzulisten. Das ist ein Bier aus meiner Heimat. Die kleine Privatbrauerei Rolick wurde vor einigen Jahren von Krombacher übernommen und gehört somit nun auch indirekt zu den großen Playern. Aber faire weise sei dazu gesagt, es wird auch nicht mit dem Label Craft Beer geworben. Ich bin gespannt wie ROLINCK ALEX LAGER den Gästen im Boilerman gefallen wird. 


Mein Fazit:

Die einen machen seit jeher gutes Bier - die anderen machen seit jeher gutes Business - und Craft Beer ist jetzt gutes Business. BIG BUSINESS

Für mich ist weder Braufactum  (ist ja euch teilweise nur eine Vertriebsorganisation) noch Ratsherrn CRAFT BEER im eigentlichen Sinne. Das macht Sie nicht zu schlechten Bieren. Es hat nur einen für mich unangenehmen „Marketing“ Nachgeschmack. Internationale und Nationale große Player sind für mich kein Craft Beer. Und wer es besonders laut und oft sagt, weiss das wahrscheinlich auch.

In Zukunft wird noch oft und noch lauter Craft Beer geschrieen. Und grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn wir die Vielfalt, das Kleine, das Handwerkliche unterstützen. Nur vorsicht - nicht täuschen lassen.
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Nachtrag:

Bevor sich Craft Beer in Deutschland überhaupt bekannt gemacht hat, hat die "Industrie" übernommen. Das ist schnell und wie ich finde der Bewegung nicht hilfreich. "Craft Beer "sollte Craft Bieren, den "echten" Kleinen, vorbehalten sein.

Rathsherrn ist für mich eine voll auf Craft Beer designte Marke. Die perfekt kreierte Marke. Nur halt kein echtes "Craft Beer""

Ratsherrn ist für mich ein gutes Bier. Die Brauer machen einen ordentlichen Job.  Ich trinke und verkaufe es gerne. Nur das Marketing Atribute Craft Beer und die gesuchte, unterstütze und gewünschte Nähe zum Craft Beer finde ich in diesem Fall nicht passend.
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Drei  abschließende Fragen an die Leserschaft und ich freue mich auf Antworten:
  • Gibt es eine Empfehlung für ein weiteres Pils im Boilerman bzw. Kronenbourg Ersatz im Le Lion? Muss nicht Deutsch sein...
  • Wie würden Sie Craft Beer definieren?
  • Ist Ratsherrn für Sie Craft Beer? Was denken Sie?

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Nachtrag:

Die Boilerman Bar bezieht selbstverständlich auch "klein und lokal". Unsere Biere kommen von  der Firma MC Getränke am Beutnerring in Hamburg Harburg.

26.07.2013

Der Feinschmecker nennt es die "Meyer-Kur" - das Gin & Tonic Tasting Löwen Style!

Freunde des Löwen kennen unsere legendären "Sieben ab Sieben" Abende und andere Tasting Formate des Löwen. Ich freue mich, in Zusammenarbeit mit dem Feinschmecker, ein Gin &T onic Tasting der unterhaltenden Art anbieten zu dürfen - der Feinschmecker hat es charmant die "Meyer-Kur" getauft - großartig!


Am 17. August und am 7. September probieren wir 10 Gins und 5 Tonics und tauchen für drei Stunden ganz tief in unseren gebliebten Highball ein.

Ganz wichtig: Weder ich noch das Le Lion können Reservierungen für dieses Gin & Tonic Tasting der Extra Klasse annnehmen. Die Reservierungen laufen EXKLUSIVE (!) über den Feinschmecker. 

Infos und Anmeldungen bei Frau Siggi Gerhards. Tel: 040 43 37 39 65  - email: events@der-feinschmecker-shop.de

Dank an den Feinschmecker - das werden zwei schwungvolle Abende.

Falls Sie sich grundsätzlich für Taastings im Le Lion interessieren, melden Sie sich bitte auf meinem Verteiler "Für die Freunde des Löwen" hier an: FREUNDE DES LÖWEN



22.07.2013

Über "echte" Bitterlimonaden: Cocktailbitterlimonaden! Erfrischungen in der Hitze

Angostura - Lemon, Lime & Bitters
Ich sitze in meinem Appartment im Treasure Beach Hotel in Barbados und lausche den Wellen der Karibik. Wie jeden Tag hier. Mittags, von 11.00 bis ca. 15.00 Uhr ist es in der Sonne einfach zu heiß. Also sitze ich hier. Lese, lausche und trinke LLB.

Addie the Boilermaker hatte LLB glücklicherweise bei einem gemeinsamen Tankstellen Besuch hier in St. James entdeckt. Und ich musste gleich ein paar Flaschen / Dosen kaufen. Gute Entscheidung.

Bei LLB handelt es sich um Angostura Lemon Lime and Bitter. Und mir gefällt es. Es ist etwas süß, der Zitrus Geschmack etwas künstlich, aber für eine 0,89 Barbados Dollar Dose an der Tankstelle ein brauchbares Getränk. Eiskalt muss es sein. Und Rum ist ein passender Filler für LLB. Die Angostura Note ist absolut wahrnehmbar. Und ich bilde mir ein, das es nach vier Tagen Selbstversuch ein perfektes Antidot für die übliche halbe Flasche Rum vom Vorabend ist.

Seltsamer weise ist der Begriff BITERLIMONADE in Deutschland ja für Tonic, Lemon & Co. reserviert. Gut, ich glaube LLB enthält ähnlich viel Zucker wie diese üblichen Bitterlimonaden was Sie ja grundsätzlich alle sensorisch eher Süß als Bitter platziert. Aber LLB enthält ebend eines, was Bitterlimonaden nicht enthalten: Cocktailbitters.

Sicher, fern ab von Dosen Getränken á la LLB ist eine echte, handgemachte Cocktailbitterlimonade die wie ich finde passenste Erfrischung an heißen Tagen. Frischer Zitrussaft, etwas Zucker, Soda/Mineralwasser und gehörige Dashes von Cocktail Bitters .

Frische Bitter Limonaden sind in meinen Augen ein toller Weg, die geschmackliche Tiefe eines Cocktail Bitters zu testen. Angostura mag ich gerne , Peychauds ist gut, TBT's Creole Bitter funktiert ebenfalls toll - die Vielzahl ist, dank der Cocktailbitterswelle, recht groß.

Aber als Dose?

Stephan & Alexander - wie sieht es aus? Wollt Ihr nicht den FMCG Softdrink Markt einsteigen? TBT Bitterlimonaden?

Der Limonaden Markt in Deutschland wird gerade von diesen aus Bartender Sicht eventuelle  "falschen" Bitterlimonaden überschwemmt. Thomas Henry war hier Pionier - jetzt kommt die breite Masse von Warbacher, Kromsteiner und Co. Und selbst die Zweite Reihe Energy Drink Hersteller von "effect" (MGB) sind jetzt mit GOLDBERG & SONS auf den fahrenden Zug aufgesprungen.  Stellen Großraumdiskotheken jetzt wirklich auf Gin & Tonic um?

Aber echte Cocktailbitterlimonaden sind mir in Deutschland unbekannt. Falls ich irre, bitte ich um Hinweis. Schweppes produziert ebenfalls einen Lemon Lime and Bitters - ich habe Ihn in Deutschland allerdings noch nie gesehen. Der Ursprung des LLB Bottled Drinks liegt in Australien und Neu Seeland verrät das Netz. Bis Deutschland scheint er es noch nicht geschaft zu haben.

Dabei liegt der Nutzen doch auf der Hand: Er ist der ideale Partner für einen guten Rum. Sven Sudeck und Borco haben ja schon einmal den genialen Coup gelandet, einen perfkten Filler auf Ihre Produkte zu kreieren. Die Paloma Limoande für den Milenario Tequila. Das fand ich kreative. Das zehnte  Tonic nicht ganz so sehr.

Herr Sudeck, wie siehts aus? Eine hauseigene LLB zu Abuelo und Cockspur Rum?

Am Ende des Tages ist das alles nicht mein Geschäft. Ich sitze hier, lausche der Karibik, öffne noch ein LLB. Vielleicht schmeckt er mir auch nur so gut, weil ich es in dieser Atmosphäre genieße.

Aber eine frisch gemachte Cocktailbitterlimonade. Nicht aus der Dose, mit frischen Ziturssaft. Das scheint mir nach wie vor eine der besten Erfrischungen an heißen Tagen zu sein.

Ich befürchte, ich muss mal ein kurzes Fachgespräch mit dem Bartender hier führen. Nach der zweiten Dose bleibt dann doch ein etwas pappiger Nachgeschmack. Handwerk bleibt ungeschlagen. Ich brauche eine handgemachte Cocktailbitterlimonade. Und darum gehts ja nun einmal.

--

Bevor ich es vergesse: Addie The Boilermaker schreibt ein lesenswertes Onlinejournal:

www.the-boilermaker.com



21.07.2013

About the movie: "HEY, BARTENDER" by Douglas Tirola and a new bar to visit in NY

***
Short reading instruction: If you read this before prepping or after your shift in your bar, mix yourself a propper drink. If you read this at home or on the road, a healthy measure of whiskey in a tumbler or a well filled hip flask will do the same job. Turn on the youtube video and listen to the audio while reading and drinking. This will not change the quality of my lousy english, but hopefully it will distract you enough not to realize it..."



***
a few week ago I had the outstanding pleasure of watching the movie "HEY, BARTENDER".

Wow. I need a drink. Still.

I am not a big fan of long reviews.  I like to have it quick and dirty. I am a bartender. And to serve you this as a shot: I LOVE THIS MOVIE. If you somehow related to bartending or bartenders - you should watch it.

Buy it, travel for it, try to make it happen. Donate for it. What ever. And please, where ever you meet Mr. Triola in a bar on this planet, buy him a drink!  A big thank you to Mr. Tirola for setting this up. When ever you come to Hamburg - I promise here and now - we take care. Let me know!

So, what is "Hey Bartender" all about?

to me, in general, it is a great story about two bartenders. One is an Ex-Marine,  Mr. Steven Schneider.

How he became a bartender, changed to Employees Only in NYC, worked around two years as an apprentice at EO , visiting TALES OF THE COCKTAILS with the Employees Only Team, wining  the Award of WORLDS BEST BAR and finally became a principal bartender.

Listen to Steve Schneider, watching his progress is already a great story. But this is filled with great interview, statements and videos on the job with the greatest people of our industry. But we can't break with an old  MLHNY rule - "No Name dropping, no Star fucking"...

The number of great bartenders and owners, colleagues and friends here is hugh. And they give great quotes. Steves Story, The Employees Only Story, mixed up with all this great people and listen to what they have to say is a great cocktail. A perfect serve.

But, next to all this is another "hero" of the show. He gives this breathtaking world  his point of view. He runs a bar - Dunville's in Westport. He is far away from the "modern bartender & mixologists  society".  He is serving his neighbors, has lot'a of regulars, and is spending his time with them. In the beginning he is kind of saying "Why should I travel to New Orleans and listen to speakers about an industry where I am successfully in since 20 years?" - and he is so right. So you see him dealing with his customers, making them happy, serving them a good time.

But somehow Mr. Tirola made him visiting Tales of the Cocktails in 2011. And it is great to see someone getting in touch with this crazy part of the bartender world and soaking in inspiration. And after three days, you can feel that this may have changed his view on the job. He is still very critic,  doesn't like all of it ("This is maybee the first drink I have tried in these days, which I could serve to my customers") and this is the greatest part of it.

But he picks his parts out. And I have the feeling that he might change things in Westport soon (or did already). And following a honest, hard working bartender during this movie, seeing how he get in touch with "our" world, listening to Dale de Groff and others, takes his parts out - is fantastic to watch at.

The Film tell the Story of how all began. The new Cocktail Movement. For sur in America. IT gives Tribute to Dale, and Audrey,Julie, Sasha, David etc...

For sure, most people from other countries will complain about this. It is a little bit like Tales of the Cocktails. TOTC and the Awards is an american event - the same with this film. But I think its good to keep this all for the records - in general I highly agree with the story told here from 2000 on in New York.

It took Mr. Tirola quite a long time to publish this and as I have heard, William Grant and Son has become a supporter of this film - at least for all the events when they now show this film all over america in local, handpicked movies.

But still, you hear lots of voices from the whole industry and I have really enjoyed this film.

"Hey Bartender" - pour yourself a drink and sit down for a movie night!

And for sure - on my next US Trip I need to visit this bar DUNVILLE'S in Westport. I do like this bartender - need to spend some time and a few drinks with him.

12.07.2013

Gin - 2013 - in Deutschland. Malacca im Supermarkt: Was nun, Bartender?

EDEKA Niemerszeins - Lange Reihe 110 - Malacca für 59,99 € im Supermarkt


Vor ein paar Wochen, die ersten schönen Sommer Abende, "sprang" ich kurz in den EDEKA Niemerszeins, Lange Reihe 110.  Picknick & BBQ standen auf dem Programm und es fehlten noch einige elementare Zutaten.

Ich eilte also durch das neuste Flagschiff der Niemerszeins Märkte und war, wie üblich bei den Herren, beeindruckt vom neuen Markt. Beim Gin Regal musste ich, ob der Eile, stoppen. "Wow" dachte ich, "es hat sich was verändert im Supermarkt" und schoss ein schnelles Bild.

Bestandsaufnahme einer Gin Auswahl in einem "Premium" Supermarkt in Hamburgs Innenstadt 
(21 Regal Plätze) :





Die oben stehende kleine Aufstellung zeigt die Auswahl des, ich nenne es einmal "Premium" Supermarktes im Vergleich zu zwei Fachhändlern. Die Fachhändler sind in der Regel bei fast allen Produkten "günstiger" - Interessant ist der Vergleich bei den beiden Sonderabfüllungen. Der Supermarkt ist bei den beiden Sonderabfüllungen Malacca Gin und Monkey 47 Destillers Cut im Vergleich zum Fachhandel deutlich günstiger. Aber auch sonst lässt die Auswahl des Supermarktes einige interessante Rückschlüsse auf die aktuelle GIN Situation Deutschland Off-Trade zu.

Ein paar  absolut subjektive Beobachtungen:


  • Grundsätzlich: WOW. Was für eine Auswahl! Wer hätte das gedacht. 10 von 10 Punkten an Team Niemerszeins. Es hat sich eine Menge zum Thema Spiritusoe im LEH getan. 
  • 1/3 der Regalfläche "Gin" ist "Deutscher" Gin
  • Von den 18 unterschiedlichen Gins kosten 3  bis 20,00 €, 7 weitere bis 30,00 €, erneut 4 bis 40,00 €  (umgerechnet auf 0,7ltr Fl.). Ein Groh der Auswahl kostet zwischen 24,99 € und 40 €
  • Um die 30,00 € pro Flasche scheint  hier somit "normal" für einen guten Gin 
  • Zu den einzelnen Marken:
    • Monkey 47 Gin ist derzeit für mich einer der erfolgreichsten Gins am Markt. Auch hier 3 Regalflächen für Ihn. Das kann ich problemlos auf meine Bars übertragen. Selten, bis noch nie, habe ich in den vergangenen Jahren einen eindeutigeren Brand-Call von Seiten der Gäste gehört. Interessant ist dabei, das ich noch nie einen einzigen ernstzunehmenden Kommentar bezüglich des recht hohen Preises wahrgenommen habe. Wir reden hier über nahezu 70 € Literpreis für einen Gin. Auch im Le Lion ist er der erfolgreichste Gin im Gin & Tonic als Brand-Call (und ist mir 18,00 € pro Drink ebenfalls hochpreisig)
    • Kraft Wert Gin, ein formell Hamburger Gin, schlägt dem Preisfass den Boden aus. Knappe 88,- € der Liter für die 60% Fassstärke. Ich selber habe den Gin im Feinschmecker Gin & Tonic Tasting empfohlen. Seinerzeit hatten wir noch keinen Preis und Geschmacklich ist der Gin durchaus interessant. Ich selber verkaufe den Gin in keiner Bar. Die 37,5 % Variante erschliesst sich mir nicht - Beide sind mir zu teuer. Bislang gibt es keinen Brand Call - bzw. Nachfragen in meinen Bars. Daher scheint mir eine Einlistung überflüssig. Im LEH scheint das Thema Hamburger Gin allerdings wichtig und richtig. Ein paar Vertreter dieser Gattung drängen derzeit auf den Hamburger Markt. Bislang hat mich keiner, Ausnahme der oben genannten Fassstärke, nachhaltig beeindruckt. Eine alternative 60% Gin Empfehlung an dieser Stelle: Finsbury Dry Gin 60% Vol. Derzeit z.B. bei Weinquelle für 19,90 der Liter (!). Wahrscheinlich ähnlich hanseatisch wie Kraft Wert Gin - zumindest liegt der Import fest in hanseatischer Hand - bei der Firma BORCO Markenimport.
    • Gansloser Black Gin - Für mich persönlich nur erfolgreich im Schatten der MONKEY 47 / deutsch Gin Welle. Extrem seltener Brand-Call in unseren Bars. Wir führen Ihn nicht mehr. Im LEH danke Herkunft anscheinend verkaufbar. 
    • THE DUKE GIN konnte mich nie geschmacklich überzeugen. Das Produkt erscheint mir rauh und unfertig. Fairer Weise muss ich sagen, das mein letztes bewusstes Tasting sicherlich mehr als ein Jahr her ist. Vielleicht hat sich ja was getan. Wir haben den Gin in unseren Bars. Er ist, ob meines persönlichen "Nichtgefallens", ein gelegentlich aufkommender Brand-Call. Gerade an den Wochentagen haben wir viele Geschäftsleute aus München zu Besuch. Ein Stück "Heimat" in Hamburg sozusagen. 
    • Hendrick's Gin. Hier einer der wenigen "Zwei Regalplätze" Gins. Zu Recht! In den letzten drei Jahren ein sehr starker Brand-Call in unseren Bars geworden. Henrick's hat Deutschland erobert. Die ersten kleinen High End Bars listen das Produkt ob der Beliebtheit / Verbreitung aus. Z.B. meines Wissens: THE PARLOUR in Frankfurt. Ähnliche Stimmen bei den ersten Löwen Stammgästen. Im Rausche des derzeitigen Gin Wahns, den Henrdicks sicherlich massgeblich mit eröffnet hat, scheint der Gin ob seiner Beliebtheit beim Profi Trinker schon ein "zu allgegenwärtig" Label zu bekommen. Hendrick's und die Gurke im Gin haben einen raketenartigen Erfolg hinter sich. Vielleicht zu schnell um cool zu bleiben? 
    • Saffron Gin. Unerwarteter Weise auch zwei Regalplätze. Wenn man drüber nachdenkt, völlig zu recht. Der Gin ist interessant und außergewöhnlich. Sowohl im Gin & Tonic als auch im Mix-Drink. "Underdog Gin" zu mittlerweile gutem Preis Leistungs Verhältnis.
    • Tanqueray London Dry. Das Image dieses Gin ist ungebrochene Gin Coolness. Klassisch, Qualität und Zeitlos. Auch im Le Lion einer der meist vermixten Gins. Es gibt Wochen wo wir 12 - 18 Flaschen verbrauchen. Value und Image for Money. Ich kenne keinen Bartender, der einen ordentlichen T&T ablehnt. 
    • Tanqueray Ten. Nach wie vor in unseren Bars ein eher seltener Brand Call. In Deutschland hat es die No. 10 in meinen Augen nie aus der Nische geschaft. Interessanter Weise stellt sich die mittlerweile angestrebte Positionierung von Tanqueray zu Tanqueray 10 nunmehr auch preislich dar. Früher war der Preisunterschied zwischen den beiden Produkten deutlich geringer. Nach wie vor einer meiner Martini Gin Lieblinge. Allerdings ist der aktuelle Erfolg des Gins an der Home Bar denke ich absolut auf Gin & Tonic zurück zu führen. 
    • Malacca Gin. Während der eine oder andere Fachhändler nach wie vor dreistellige Beträge für den Remake aufrufen, gehen die EDEKA Kaufleute hier lobenswert emotionslos vor und bieten den Gin im Verhältnis günstig an. Offizieller Ausgabe Preis lag in Deutschland bei ca. 30 €. DIAGEO hat hier für meinen Geschmack ein wenig sein "Versprechen" gebrochen. Malacca war ein "Tribute" an den On Trade hieß es seiner Zeit. Für Bars und Tender. Das der eine oder andere Fachhändler ebenfalls bedient wurde, konnte ich nachvollziehen (insbesondere da DIAGEO keinen eigenen Vertrieb hat). Das dies "Geschenk an die Bartender" nun bei EDEKA steht, mag den einen oder anderen Gin Freund und Connaisseur begeistern. Ich persönlich empfinde es als unglücklich. Im Le Lion haben wir seiner Zeit 60 Flaschen bezogen. Der Brand Call ist  nach kurzer Welle enorm abgeflacht. 
    • Gin Mare. Wachsender Brand-Call in meinen Bars. Für mich verständlich, da der Gin mit Tonic deutlich hervorsticht. Love it or hate it. Hochpreisig, wird aber in meinen Augen als wertig wahrgenommen.
    • The London No. 1 Original Blue Gin. Haben wir nicht in unseren Bars - daher fehlt mir ein Vergleich. Aber die Listung hier im Regal erschließt sich mir. Warum 10 ähnliche London Dry Gin's im Supermarkt die der "Experte" unterscheiden kann? Hier sind einfachere Kriterien gefragt. Saffron (andere Farbe) " BLUE" Gin etc. 
    • Finsbury Platinum Gin. Für mein dafürhalten einer der besten Value for Money Gins in Deutschland. Der meist verkaufte Gin in der BOILERMAN BAR. Da es eigentlich kein wahrnehmbares Marketing gibt, wundert mich die Einlistung hier im Edeka ein wenig. Spricht für den Home-Gin Trinker. Er kann Qualität auch ohne Marketing erkennen. 
    • Beefeater 47. Ähnlich wie Finsbury Platinum. Guter Value für Money Gin. Neben Tanqueray der meist vermixte Gin im Le Lion. Wer 1,50 im Edeka mehr riskiert, kauft neben guter Qualität und erfreulichen 47 %Vol einen Hauch internationalen Bekanntheitsgrad. Nichts spricht gegen einen Beefeater & Tonic - außer schlechtes Tonic!
    • Mombassa. Wow. Überraschungs Gin im Sortiment. Gefühlt hatte ich Ihn immer noch abgelegt unter Nischen Gin, nur im Ausland zu bestellen.  Ein Blick ins Netz verrät, das er mittlerweile auch in Deutschland verfügbar ist. Im George Hotel Hamburg hatte ich seiner Zeit ein paar ordentliche Martinis mit dem Gin. Ihn jetzt sozusagen "gegenüber" der fünf Sterne Hotelbar im Supermarkt zu sehen - hat mich überrascht und erklärt eine Menge, wie sich das Spiel in Zukunft ändern wird. 
    • Bulldog Gin. Ich selber habe dazu keine nennenswerten Erfahrungswerte. Wir hatten Ihn mal in der Bar. Geschmacklich für mich uninteressant. Keine Nachfrage. Ever. Null.
    • Pink 47. Über diese Listung habe ich mich gewundert. Mit seinen fast 25 Euro liegt er deutlich über den Value for Money Gins Finsbury Platinum und Beefeater 47. Allerdings für mein dafürhalten keine nennenswerte Markenpräsenz. Mich würde interessieren ob das Produkt sich dreht. Wer mag es kaufen? Girly Gin wegen Name und Farbe? Ich kann geschmacklich nichts gegen das Produkt anführen. Brauchbarer Gin. Aber mir persönlich fehlt das "zweite" Argument. Und da finde ich bei anderen Gins ein besseres Preis Leistungs Verhältnis.
Da fehlt doch einer ? Wie sich das Spiel langsam verändert...

Wenn man über die erfolgreichsten Gins der vergangenen Jahre nachdenkt, fehlen hier zwei große Kandidaten. Gordons Dry Gin und Bombay Sapphire. Die Entscheidung Gordon's hier nicht einzulisten liegt auf der Hand. Gordons Gin in Deutschland, mit seinen 37,5, % Vol, hat sich eindeutig als "einfacher" Supermarkt Gin platziert. Passt doch somit - mag man denken. Wir reden hier aber über einen Schicky Lacky Supermarkt in Hamburgs Innenstadt. Nicht Grundversorger sondern Einkaufserlebnis. Gordon's Gin hat zuviel Preiskämpfe in zu vielen Supermarkt und Discounter Regalen hinter sich. Wer was auf sich hält: als privater Gastgeber als auch als Supermarkt, bietet seinen Gästen und Kunden Gin jenseits dieses ausgetrampelten Pfades an. Ein Supermarkt der auf sich hält möchte nichts anbieten was Sie sonst im Supermarkt finden - gefällt mir.

Dabei, das Vergnügen sollte man sich als Gin Liebhaber gönnen, ist die 47 % Vol. Gordon's Gin Variante in meinen Augen nach wie vor ein anständiger Tropfen. (Erhältlich im Fachhandel). Gordon's 47% Vol ist Gin Tradition pur. 

Ganze Marketing und Off Trade Manager gehören angekettet und ausgepeitscht, weil Sie, ach wie klug, der Meinung waren, ein erfolgreiches Produkt gehört verändert, um im Supermarkt so richtig durchzustarten. Ein erfolgreiches Produkt ändert man nicht. Niemals. Gordon's wurde für die Supermärkte geopfert. Nicht weiter tragisch. Tanqueray Gin aus gleichem  Haus hat ja den Klassiker Status übernommen.

Was ich allerdings nicht erwartet hätte, ist das "Fehlen" von Bombay Sapphire. Dieser Gin hat vor mehr als einem Jahrzehnt den Markt revolutioniert. Nie war ein Gin erfolgreicher. Nach Ihm kamen die "zweite" Welle neuer Gins. im kleinem Tanqueray 10, später, Riesenwelle, Hendrick's. Dann, heute, schließlich der Wacholder Tsunami, oder nennen wir es besser die (Gin) Vielfalt. 

Bombay Sapphire hat leider aus Bartender Sicht den gleichen Fehler gemacht wie Gordons. Der Alkoholgehalt wurde in Deutschland auf 40 % Vol. gesenkt. Im Duty Free und einigen Märkten gibt noch den von Bartendern und Gin Freunden geschätzten 47 % Vol. Gin. Bislang ist es uns trotz sehr widriger Umstände immer noch gelungen, die 47% Vol. Variante im Le Lion unseren Gästen anzubieten. Und das, so finde ich, ist ein sehr ordentlicher Gin. Ganz zu schweigen vom alten Bruder, dem Bombay Dry.

Wer sein Produkt ändert, um Supermärkten und dem LEH zu gefallen, wird somit, ach wie wunderlich, zum Supermarkt Produkt. Dumm nur, wenn Supermärkte kein Supermarkt Ware mehr wollen.

Da ändert sich das Spiel. Als ich den Barbaublog schrieb habe ich unsere Philosophie so definiert:  Wir wollen keine Produkte anbieten, die der Gast auch im Supermarkt findet. (Sicherlich, es gab da Ausnahmen - Campari z.B.)... Das scheinen Supermärkte heute  interessanter Weise auch nicht mehr zu wollen.

Was nun, Bartender? 

Doch, wenn wir diesen Gedanken zu Ende denken, wo geht die Reise hin? Einen Großteil der oben im Edeka gelisteten Gin's steht auch in meinen Bars. Und das ist auch gut so. Und Gin im Supermarkt wird mehr werden. Warum? Weil es sich gut verkauft! Weil Edeka und andere merken, wie einem derzeit Gin aus den Händen gerissen wird. Und Tonic. Derzeit noch in festen Händen des Fachhandels. Der Edeka hatte Thomas Henry Tonic neben Schweppes im Angebot. Ein Blick zu Spirituosen Wolf in Hamburg zeigt: Acht Tonics sind kein Problem. Tendenz steigend.

Tonic Auswahl - Spirituosen Wolf - Hamburg, Schanze

Der Handel wird lernen. Tonic wird nach dem Gin sicherlich ein nächstes großes Thema.

Vor einigen Tagen traf ich einen Stammgast des Le Lion in einem Café. Kurzer Small Talk - einige Fachfragen.  Der Mann hat mittlerweile 3-4 Tonics zu Hause. Und locker 15 - 20 Gin's. Dazu jetzt die passenden Eiswürfel Formen etc. Glauben Sie mir: Der Mann ist normal. Gin Tonic ist nur ein RIESEN THEMA geworden. Zu Hause. In der Agentur. Aufrüsten ist angesagt. Qualitätsbewusstsein. Zumindest der Wille mehr Geld zu bezahlen. Und er ist kein Einzeltäter. Nicht bei den Löwen Stammgästen. Begrüßenswert! Und doch stellt sich die Frage für den Bartender: Was nun?

Wenn unsere Gäste bald die größere Auswahl an Spirituosen zu Hause stehen haben, womit wollen wir Sie dann noch beeindrucken?  Alles wird immer schneller Verfügbar. Gut so. Allerdings geht ein wesentlicher Faktor für die Bar verloren: Das unbekannte Produkt.

Vielmehr eine andere Frage die wir uns stellen sollten: Was macht meine Bar neben exklusiven Spirituosen besonders für meine Gäste? Hier gilt es zu fokussieren!

Der Bartender, der sich vielleicht etwas zu selbstsicher an sein Backboard lehnt und seinen Gast mit seinen 50 oder 100 Gin's beeindrucken will, sollte in Zukunft wieder etwas selbstkritischer werden. Vielleicht ist das schon in Kürze ein alter Hut. Wer allerdings seinen Gin & Tonics sorgfältig zubereitet, angemessen kalkuliert und mit einem Lächeln in außergewöhnlicher Atmosphäre serviert darf sich weiterhin entspannt zurücklehnen - wenn er denn die Zeit dazu findet.

Wir verkaufen Atmosphäre -  Getränke bleiben die spannendste Nebensache der Welt in einer guten Bar!

Es ist auch eine eher philosophische Frage bis wie weit wir dieses Spiel spielen wollen und in wie weit es Sinn macht.  Wie viel Gin macht Sinn?

Die Gegenseite rüstet auf ...




10.07.2013

Happy Birthday GIN BASIL SMASH


Five years ago, in July 2008, I created the Gin Basil Smash. This last five years, he made a little travel all over the world. 

"Happy Birthday little green drink"

Cheers - this one is to you!