04.04.2013

Hundstage

*Click*

Die rote Lampe leuchtet. Dezent. Aber wahrnehmbar. Das leise Klicken hören die Löwen in der Regel durch die größte Geräuschkulisse. Zumindest nach einigen Monaten, besser noch Jahren, der Konditionierung.

Die rote Lampe sorgt zum einem für die besondere Atmosphäre im Löwen. Andererseits zerstört Sie diese im Einzelfall. Ist man gerade im Gespräch mit dem Gast, kann ein *Click* so eine zerstörende Unruhe auslösen.

*Click* - Die Tür ruft.
*Click* - nach wenigen Sekunden fängt Sie an zu schreien...
…nach mehreren Sekunden brüllt Sie einen an: "ÖFFNE MICH!"

 Der ahnungslose Gast, just im erquickenden Gespräch mit einem Löwen verwickelt, ahnt noch nicht, das dieser Ihm spätestens drei Sekunden nach dem *Click* keine wirkliche Aufmerksamkeit mehr schenkt. Ein Plötzliches "Entschuldigung - ich muss zur Tür" beendet das Gespräch abrupt.

Das Auge riskiert einen Blick durch den Spion, die Tür wird geöffnet, ein "guten Abend" folgt. Und da stehen Sie nun. Zu viert. Plus Hund. Denn haben Sie versteckt. Hinter dem vierten Gast. Dabei ist er gar nicht zu verstecken. Denn er ist nicht klein. Sie vermeiden den Augenkontakt und beginnen an einem "Vorbeizustürmen". Augen auf den Boden, ein gestammeltes "Guten Abend".  Schnell rein, den Hund hinter sich her. Zack Zack.

 Diese Situation haben wir immer wieder. Jetzt zum Sommer hin wird es wieder mehr werden. Nicht weiter tragisch. Natürlich kann man einen Hund mit zur Bar nehmen. Natürlich sollte man damit rechnen, das dieser nicht zwingend erwünscht ist.

Ich persönlich finde einen Hund in einer Bar unnatürlich. Der gehört da für meinen Geschmack nicht hin. Der Arme. Man könnte also an der Tür ganz einfach fragen: "Guten Abend, wir haben einen Hund dabei, ist das ok?"

Statt dessen: Augen auf den Boden, Versuchtes durchschleichen - erinnert mich an die frühe Schulzeit - . So tun als wenn kein Hund da wäre - oder besser noch, so tun als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt einen Hund mit in die Bar zu nehmen. Ist es aber nicht. Nicht in einer Bar Bar Bar. Spät Nachts. In einer Großstadt.

Es kommt, was kommen muss. Ein höfliches: "Oh, verzeihen Sie, den Hund können Sie leider nicht mit in die Bar nehmen…" wendet das Blatt in Sekunden. Die ehemals verlegenen Bodengucker fixieren einen. Was fällt mir ein? Eine Welle der Beleidigung rollt an. Nicht immer. Es gibt da ja auch verständnisvolle Herrchen und Frauchen. Aber oft. In der Regel ohne eine Chance. Kopfschüttelnd und unter wehenden Fahnen der Beleihung wird das Lokal verlassen. Der "arrogante Fatzke" wird noch im Abgang weiter beleidigt.

Der Hund tappert treu hinterher. Sein Schwanz wedelt. Naja, denkt man sich, während man zu seinem Stammgast zurückgeht und mit einem "Wo waren wir stehengeblieben?" das Gespräch wieder aufnimmt:  Zumindest dem Hund hat man einen großen Gefallen getan.

So von Löwe zu Hund.