20.02.2013

Die Markteinführung von Tanqueray Malacca Gin Limited Edition - weder chaotisch noch gehypte.

Malacca Car


Anfang Februar kam die lang ersehnte Remake Edition des Tanqueray Malacca Gins nach Deutschland. Um den 6.2.2013 erschienen die ersten Preise in den Onlineshops. Ich veröffentlichte eine Screenshot von BARDEALER.de der seiner Zeit die Flasche mit 119,00 € anbot. Deutlich über dem erwarteten Preis. So sammelte ich die Tage Screenshots und Preise.

  • Der Hauslieferant der Löwen, die Weinquelle, ging mit hanseatischer Gelassenheit das Thema an und seine Flaschen für 36,90 überlebten ein paar Stunden im Online Shop, dann waren Sie ausverkauft.
  • Auf der Hanse Spirit bot Dirk Becker ein paar Flaschen feil, so haben mir Kollegen berichtet: ca. 45,- € die Flasche.
  •  Bottleshop.de startete Online mit 41,99 € - am Abend war die Flasche bei 99,90 €. Einige Tage später erhaschte ich einen Screenshot für 149,99 €. Heute steht der Artikel für 119,99 € im Shop, allerdings mit dem Zusatz "AUSVERKAUFT".
  • Der gleiche Händler (Münchner Getränke Service GmbH) betreibt einen e-Bay Webshop wo man Ihn auch für über Hundert Euro zum Sofort Kauf fand. Die Angebote sind verschwunden, es scheinen sich Käufer gefunden zu haben.
  • Heute bietet Spirituosen-Superbillig im Shop Flaschen für 68,85 € an. 
  • Ebenfalls heute findet man auf ebay Angebote von Spirituosen-Raritäten.de Thomas Radermacher Berlin für 129,10 € "Sofort-Kaufen".
  • Auf einem Foto des ebay-Anbieters "Tequiller01" sind heute 7 Flaschen der Edition zu sehen, der Preis beträgt 69,90 € pro Flasche bei "Sofort Kaufen".
  • Der Private Verkäufer "lesist" biete eine Flasche per ebay Auktion bis zum 23.2.2013 an. Startgebot: 70,00 €, derzeit keine Gebote.
  • Derzeit finde ich keine Angebote von anderen Ländern auf ebay.
  • Auf Hood.de bietet derzeit der private Verkäufer "collector-09" eine Flasche für 159,99 € "Sofort-Kaufen" an.
  • Spirituosentheke.de hat auf seiner Facebook Seite eine Foto mit einer halben Palette Tanqueray Malacca veröffentlich. Der Untertitel lautet:"Heute wurden wir mit 22 Kisten des limitierten Tanqueray Malacca beglückt. Jetzt muss der Gin nur noch kurz durch kalkuliert werden und dann steht er in den kommenden Tagen bei uns im Shop zum Verkauf. http://www.spirituosentheke.de/gin/gin-marken-1/tanqueray-gin.htmlEin Klick auf den Shop zeigt, das derzeit kein Malacca angeboten wird. So eine Kalkulation kann eine haarige Sache sein und sich schon einmal über Wochen hinziehen. Vielleicht habe ich es auch einfach nur verpasst und die 132 Flaschen wurden bereits beim Händler abgekauft. 

Vielleicht macht man hier auch das, was viele zu machen scheinen: Abwarten.

Soviel zur aktuellen Malacca Preis Situation in Deutschland. Ein unterhaltsamen Vergnügen. 

Marco Beier / der MIXOLOGY MAGAZIN Blog übt Kritik. 

Vor ein paar Tagen nun veröffentlichte Marco Beier im Mixology Blog eine Artikel mit der  Überschrift:

"Tanqueray Malacca - Vom eigenen Hype überholt?"  

Dort nun holt Herr Beier ein wenig aus und verteilt Seitenhiebe auf DIAGEO und die zuständige Agentur. Es wäre lange nicht klar gewesen, in welchem Preissegment sich dieser Gin ansiedeln würde. DIAGEO schien bei dieser Einführung eher Lehrling als Meister gewesen zu sein. Die Aktion wirke nicht sorgfältig geplant, er stellt sogar infrage ob dieser "unkontrollierte Hype" eventuelle gar gewollt sei? Man verliert sich in Sichtachsen und beklagt die Fotoqualität des ausgesandten Pressematerials. 

"Und dann das Roll-Out. Keine Samples an Medien, Blogger oder meinungsbildende Bartender". LVMH wird für seine gelungen Einführungen diverser Limited Editions im Vergleich gelobt. Die Mixology übliche "Offenlegung" verrät  zum Schluss : "Mitglieder der MIXOLOGY-Redaktion haben sowohl Malacca der sündhaft teuren Sammler-Version Prae-Relaunch als auch Malacca der Wiederauflage verkostet. Für diesen Artikel spielten unsere Verkostungsnotizen keine Rolle…."

Nach der Lektüre des Artikel war ich etwas unsicher. Redet Herr Beier hier von gleichem Produkt und der gleichen "Einführung" die ich beobachten konnte? Spaß beiseite. Es mögen unterschiedliche Eindrücke bei so einer Sache entstehen. Konkrete Beispiele, die das ganze fundamentiert hätten, fehlten mir in Marcos Text. Meine Eindrücke waren ganz andere.

Malacca für den Löwen

Malacca Lion

Schon vor einigen Monaten kontaktierte mich DIAGEO Global und lud mich zum internationalen Launch des Malaccas nach London ein. Ich sagte ab - zuviel Termine derzeit, diverse Reisen geplant, Prioritäten sind zu setzen.

Vor gut zwei Monaten dann kontaktierte mich Heiko Tagawa und fragte mich, ob ich Interesse hätte, einige Flaschen des Malaccas für die Bar Le Lion zu beziehen. Seinerzeit sagte er mit, das Produkt wird um die 30,- € liegen, ohne Gewähr, aber so als grobe Richtung. Ich sagte ihm zu.

Vor ca. drei, vier Wochen wurde es konkret. Über andere Märkte und Angus Winchester hatte ich erfahren, das Malacca sozusagen ein "Bartender" Projekt ist. Eine Limitierte Auflage die in erster Linie den Bars zur Verfügung gestellt werden soll. Sozusagen ein "Danke Schön" an den On-Trade - für Premium Objekte die mit Premium Spirituosen arbeiteten. Nunmehr teilte mir Heiko mit, das ich 30 Fl. pro Objekt vorbestellen könnte, dank BOILERMAN sozusagen jetzt 60 Fl.  Bei Bezug über Lühmann würde mein Preis ca. 35 - 40 € sein. Wieviele Flaschen ich gerne Vorbestellen möchte? Ich entschied mich für die volle Menge. 14 Tage später war die Ware bei Lühmann, der Preis war etwas geringer und somit völlig in Ordnung. Ich belud ein Car2go Smart, verdoppelte damit wahrscheinlich seinen Wert. Einen Tag später war die Ware im Keller und dank Bankeinzug mein Firmenkonto um ca. 2000,00 € erleichtert.

Kein Chaos, keine Hektik, Nichts. Auch von anderen Hamburger Kollegen hörte ich ähnliches. Auch von Kollegen aus anderen Städten. Die echten Fachhändler hat die Flaschen einfach nicht in die Shops eingelistet weil sie zu überwiegend "normalen" Preisen unter der Hand an die Bar &  Bartender geben. 

Einige ärgerten sich im Nachhinein, das Sie nicht mehr vorbestellt hatten. Aber ist das ein Fehler von DIAGEO? Sicherlich, die Kapitalbindung, gerade für kleine Bars, ist bei diesem Vorgehen nicht unerheblich. Aber ansonsten lief alles wie am Schnürchen. Zwei Telefonate und eine email von Heiko, ein Telefonat mit der Weinquelle. 10 Kisten ins Lager tragen. Fertig.

Ich habe ein paar Tage gebraucht, bis wir den Malacca Martini als Bartenders Choice auf die Karte gebracht haben. Seitdem verkaufen wir Malacca. Ganz Luehmann Style mit hanseatischer Bedachtheit. Wir werden Malacca nicht künstlich verknappen oder abwarten ob sich der Preis nach oben entwickelt. Die Flaschen werden aufgemacht, ausgeschenkt und wenn Sie ausverkauft sind, sind Sie ausverkauft.  So einfach ist das. Vielleicht werden die letzten Malacca Drinks eher an Stammgäste verteilt, selbstverständlich ohne "limitierten" Preisaufschlag. Soweit zum Löwen.

Irrungen und Wirrungen

Doch zurück zu Marcos Text. In Hamburg kein Chaos. Keine Spur. War es in München so anders? Ist es DIAGEOS "Fehler" wenn wenige Händler das Produkt zu hohen Preisen in die Shops stellen? Ich finde nicht. Zum Glück leben wir in der freien Marktwirtschaft. Die Nachfrage bestimmt den Preis. Ein fantastisches System. Das sich einige Händler mit überhöhten Preisen nicht zwingend einen Gefallen tun, ist ein anderes Thema - und doch möchte ich eine Lanze für Sie brechen: 

Eine limited Edition ist für einen Händler oft auch ein undankbares Geschäft. Vom Hersteller (DIAGEO) als "Danke Schön" gedacht. In Deutschland aber vertreibt DIAGEO keine Produkte direkt an die Gastronomie. Man ist auf Händler für den Vertrieb angewiesen. Wenn nun beispielsweise einige hundert Flaschen für verschiedene Gastronomen der Stadt beim Händler angeliefert werden, finde ich es ein ganz normales herangehen, das man dem Händler auch einig Flaschen "zur freien Verfügung" zukommen lässt. Dieses Phänomen betraf übrigens auch die von Marco benannte TWITTER Konversation zwischen mir und Angus, die wir später über private Nachrichten zu Ende geführt haben. Angus hatte sich schlichtweg gewundert, warum überhaupt Flaschen in den Handel gekommen waren - das war nämlich nicht in allen Märkten so.

Jetzt hat also ein Händler einige Flaschen besonders guten Stofffes und es bleibt die Frage, was tun? Sie wie Lühmann zum fairen Preis in den Shop stellen? Hätte ich wahrscheinlich nicht gemacht. Das Produkt war in Stunden ausverkauft. Von Jägern und Sammlern die sonst nie bei Lühmann bestellen. Ich hätte es wahrscheinlich als "Draufgabe" guten Kunden einzelnend angeboten. Wenn man schon keinen Monitären Vorteil mit solch einer Lieferung hat, dann nutzt man Sie zumindest zur Stammkunden Bindung oder ähnlicher Wertschöpfung.

Andere Händler haben sich für einen deutlich teureren Abverkauf entschieden. Da könnte man nun mit erhobenen Zeigefinger den Anstand solcher Händler in Frage stellen - aber auch das finde ich in der Regel zweifelhaft. Denn ein Großteil der Anklagenden ärgert sich doch nur, das er/sie nicht möglichst viele Flaschen für kleines Geld kaufen konnten um diese dann später teuer Weiterzuverkaufen oder seine Sammlung aufzuwerten. Diese Moral schient mir in weiten Teilen verlogen. 

Der Löwe kauft regelmässig beim Shop bardealer.de . Und wenn dieser jetzt seine Flaschen Malacca teuer zu Geld machen will, ist mir das vollkommen Recht. Wir kaufen regelmässig bei barrealer.de denn einige Preise sind dort unschlagbar. Dem interessierten Gastronom sei nahegelegt, das der Shop ab gewissen Mengen auch Gastro Konditionen anbietet. Für mich also alles in Ordnung. Zum Glück lebe ich im Kapitalismus, zum Glück entscheidet der Markt. Ich werde das nicht strafend werten.  

Ist dieser freie Markt, die freie Preisfindung, nun also die Schuld von DIAGEO? Ich denke nicht. Der Vergleich zu LVMH hinkt meiner Meinung nach gnadenlos. Die ARDBEG und CO's  bringen eine Sonderedition nach der anderen raus. Haben sich mit Ihren Member Clubs etc.  Ihren eigenen Sammler und Connaisseur Vertriebskanal aufgebaut. Und konzentrieren sich mit voller Breitseite auf private Freaks, Jäger und Sammler. Ganz im Gegensatz zur MALACCA LIMITED EDITION. Da sind die Empfänger Bars und Bartender. Und das ist ein lobenswertes Zeichen! Szenenapplaus für diese Idee an DIAGEO.

FMCG sind ein dreckiges Geschäft. In der Regel werden wir Bars & Bartender benutzt mit einem einzigen Ziel: So schnell wie möglich viel Umsatz im Fach- und Einzelhandel bzw. C&C. Vertrauern und Marke in der Bar aufbauen, dann rauf auf die Handels - Überholspur und Sch..ss auf die Bars.  Ganz selten gibt es da Ausnahmen. Und das sollte viel öfter geschehen. Die Malacca Limited Edition ist da ein kleiner Schritt, der mir sehr gut gefällt. 

Sicherlich, bei den im Raum schwebenden 3000 Flaschen für den deutschen Markt wird nicht jede Bar eine Flasche bekommen haben. Und auch nicht jeder Bartender.

Der eine oder andere Bartender nimmt sich eine Flasche oder zwei mit nach Hause. Ein für die Sammlung, eine zum Trinken. Dabei sollten wir Sie in den Bars öffnen und ausschenken. Als Belohnung für unsere tollen Gäste und Stammgäste. DIAGEO gibt uns damit einen USP zurück. Etwas - was in der Regel nur in einer Bar getrunken werden kann. Das ist ein charmantes Toll - in Zeiten des Gin-Hypes.  Danke dafür von mir. Ich hoffe die Idee findet Nachahmer. Wenn Bars und Bartender statt Connaisseuren, Jägern und Sammlern mit einzigartigen Produkten unterstützt werden, lobe ich mir das sehr. Möge es Nachahmer finden. Und mögen die Bartender Ihre Flaschen aus der Homebar aussortieren und Ihren Gästen zu großartigen Martinis einschenken.

Zurück zu den Wurzeln: Es geht um Bars und Bartender - nicht um den Medien Zirkus! 

Ein paar Zeilen haben mich bei Marcos Artikel besonders irritiert. Der Mann ist Bartender, das geschätzte Magazin Mixology immer "Bartender Nah". Dieser Artikel lies das in meinen Augen manchmal nicht ganz erkennen. 

Magazine, Blogger und "meinungsbildend Bartender" sind immer nur Vermittler. Sie nehmen Informationen auf und geben Sie weiter. Oft gefiltert, mit Ihren Meinungen versetzt. Wenn jemand den direkten Weg gehen kann, werden diese "Vermittler" in manchen Fällen überflüssig. Daher hat mich der Satz:  "Und dann das Roll-Out. Keine Samples an Medien, Blogger oder meinungsbildende Bartender" irritiert. Das ist doch großartig!

Warum wertvolle Flaschen vergeben? Man will doch keinen reinen medialen Hype erzeugen wollen? Wozu, wenn das Produkte für sich spricht und der Weg bekannt ist? Ich zähle mich einmal völlig überheblich zu den "meinungsbildenden Bartender" und freue mich, hier übergangen worden zu sein. Wir sollten uns mal selber nicht zu wichtig nehmen. Ein unorthodoxer Weg - Warum nicht? Für Bartender doch perfekt. Sind Bartender somit plötzlich zum wichtigsten Medium für eine (limitierte) Flasche geworden, und nicht der Medien Hype - was wollen wir mehr? 

Statt dessen vertieft sich Marco in Fotoqualität - kritisiert  "Sichtachsen" … Hallo? Wen zur Höhle sollte so etwas interessieren? Außer Medientreibende. Das ist doch ein wenig Marketing Quatsch. Ohne Bedeutung. Nicht eine kostbare Zeile wert.

Dahingegen verrät die sog. "Offenlegung": "... Für diesen Artikel spielten unsere Verkostungsnotizen keine Rolle…" . Und das ist bedauerlich. Denn das wäre das einzige, was mich an einem Artikel über Malacca aus Bartender Sicht wirklich interessiert hätte. Schmeckt das Original wie der Remake?

Ich habe ein Flasche Original Malacca gefunden und bestellt. Ich werde Ihn mit ein, zwei Bartender im Vergleich zur neuen Limited Edition verkosten. Ich bin bespannt. Denn das interessiert mich wirklich. Sie nicht auch?