28.11.2012

Musik für die Bar: Señor Coconut

Ich liebe Cover-Versionen. Wer zu Gast im Le Lion ist, wird ein Lied davon singen können. Ich weiss nicht genau warum. Aber ich liebe die Idee, Bestehendes zu verändern. Trifft, soweit ich das beurteilen kann, auch auf die Drinks aus meiner Feder zu: Gin Basil Smash, Albermarle Collins und Padovani  - um nur einige zu nennen. Coverversionnen von Whiskey Smash, Albermarle Fizz und Rusty Nail.

Vor einigen Wochen bin ich auf die Musik von Señor Coconut gestoßen. Der Name allein schreit danach, in der Bar abgespielt zu werden.




27.11.2012

Von der Komik...

Vor ein paar Tagen lief es über die Ticker. Die Financial Times Deutschland wird in Kürze eingestellt. Das ist bedauerlich.

Ich kann nicht sagen das ich Sie auch nur annähernd  regelmässig gelesen habe. Aber beim gelegentlichen Griff in die Zeitungsauswahl beim morgendlichen Café Paris Heißgetränk hat Sie, etwas Zeit vorausgesetzt, mich nie enttäuscht.Sie hatte es so etwas Großes. Financial Times. Klang irgendwie nach London, New York oder Tokyo.

Außerdem, das darf nicht unbedacht bleiben: Der Gruner und Jahr Verlag ist ein Hamburger Unternehmen. Mehr als 300 Personen werden entlassen. Sicherlich auch der eine oder der andere, der einmal den Löwen besucht hat. 

Wie gesagt. Sehr bedauerlich.

Die Experten, ich zähle nicht dazu, sind sich in Ihren Statements einig. "Die FTD hat den Journalismus verändert" - "Auch wenn Sie wirtschaftlich kein Erfolg geworden ist, hat Sie Ihr journalistisches Ziel dennoch erreicht" um nur einige zu Nennen. 

Und dennoch, für einen Außenstehenden wie mich, hat das ganze ein "komisches" Moment. Das führende Wirtschaftsblatt des Landes, tägliche Pflichtlektüre für zehntausende Wirtschaftslenker und Denker, voll guter Informationen und Meinungen zum Thema, hat seit seiner Existenz einen dreistelligen Millionenbetrag versenkt. Wow. 

Und während ich darüber nachdenke, ob eine Wirtschaftszeitung auch wirtschaftlich sein muss, so der Glaubwürdigkeit halber, schweifen meine Gedanken ab.

An all die Gastro Consulter, Berater, Mysterie Checker die Bar Ownern Ihre Hilfe anbieten, aber noch nie eine Bar selber eröffnet und erfolgreich über Jahre geführt haben.

An all die Brand Ambassadore, Brands, Brand Events, Referenten, Schreibern/ Fach-Journalisten, Agentur Damen und Herren, den selbsternannten Gastrosophen und den sendungsbewussten "Connaisseuren", die uns Bartender jede Menge Tips, Tricks und Meinungen aufdrücken wollen, nur eines nie waren, bzw. nicht mehr sind: Bartender. 

Glaubwürdig war da der eine oder andere noch nie bzw. ist es schon lange nicht mehr… dafür aber komisch! 

Einige von Ihnen wollen uns Ihre Version von BAR aufdrücken, die praxisferner nicht sein könnte. Wir sollten diese falschen Propheten ablegen. Unter Kategorie "Unterhaltsam" - und weitermachen wie bisher. Nacht um Nacht, Gin Tonic um Gin Tonic.

19.11.2012

Neulich, an der Bar...

Ich zum Bartender:"Ich hätte gern einen Cynar Tonic..."

Bartender:"Entschuldigung, wir haben nur Fentimans Tonic..."

...

Keine weiteren Fragen.




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18.11.2012

Martini Time: Spicy bitte!


*Leseanleitung*

(Der Autor empfiehlt das Abspielen des eingebetteten Audio/Video Materials. Er ist der Meinung es katapultiert den Leser in eine brauchbare Stimmung. Abgerundet wäre das Lesevergnügen mit einen eiskalten Martini in Hand. Dem geneigten Leser steht es also frei, sich vor der eigentlichen Lektüre des Haupttextes einen Martini zu mixen. 

Ein Vodka Martini, das sei an dieser Stelle erwähnt, ist dabei indiskutabel. Man würde hier nicht von einem Martini sprechen, sondern eben von einem Vodka Martini. Dies sein der Form halber erwähnt. Beim Stimmungs-fördernden Audio/Video Material handelt es sich um ein Stück des Australischen Jazz Ikone Vince Jones. Vince Jones hat, ohne es wahrscheinlich zu wissen, den Autor dieser Zeilen seit vielen vielen Jahren, bei vielen vielen Martinis, begleitet. Der Autor möchten jedem Martini Liebhaber die Musik von Vince Jones empfehlen. Ausnahmslos. Sein Song "Martini Time", leider nicht frei zugänglich gefunden, sollte in keiner bauchbaren Trinker Sammlung fehlen. Doch nun zum Haupttext )



Martini Time: Spicy bitte!



Ich mag Gin. Ich liebe Gin. Schon immer. Na gut, "The Lower Saxony KORN Years" lassen wir mal außen vor. Ich war jung und brauchte das Geld. Aber danach: Gin.

Und ich mag Martinis. Ich meine echte Martinis. Keinen kalt gerührten Vodka.

Seit Jahren werden die von mir bestellten Martinis in sämtlichen Bars besser. Gott sei Dank. Eiskalte Gläser, guter Gin, mehr Mut zum Vermouth, mal ein passender Cocktail Bitter, hier und da eine Zeste. Gut so.

Doch, wir müssen Vorsicht walten lasen. Gin ist der neue Vodka. Und so treffen wir auf immer verspieltere Kandidaten, mit immer mehr Botanicals, zu immer höheren Preisen.  Bei einigen wenigen Modernen Gins ist all das gerechtfertigt. Bei vielen aber auch nicht.

Ganz zu schweigen von immer verspielteren Bartendern. Nicht jeder Martini braucht einen oder zwei Cocktail Bitters, nicht jeder eine Variation an Zesten. Ein Martini muss zunächst einmal eiskalt sein. Und cool!

Weniger ist mehr. Die beste Zutat für einen guten Martini, die in den meisten Bars leider vergessen wird, ist guter Jazz. Und ein sparsamer Bartender. Nicht beim Gin. Aber sparsam an Worten und Gesten.

Vor einigen Wochen trank ich ein Glas Darnley's View Spiced London Dry Gin und war angenehm überrascht. Kraftvoll, würzig. Und er schrie mich an: "It's Martini Time".

60 ml kalter Darnley's View Spiced London Dry Gin und 10 ml Noilly Prat liessen das Eis im Rührglass knacken. Und das musste reichen. Kein Bitters. Keine Zesten. Martini halt.

Gin & Vermouth. Punkt.

Und diese Mischung, ich nenne Sie zur internen Kategorisierung den "Spiced Martini", gefällt mir. Gerade jetzt, wo die Temperaturen draußen auf unter null Grad fallen.

Darnley's View, seine Sicht der Dinge, was Gin betrifft, scheint sich mit meiner in weiten Teilen zu überschneiden. Neben seinem handwerklichem Geschick scheinen er und ich der Meinung zu sein, das guter Gin nicht teuer sein muss. Das macht Ihn mir sehr sympathisch. So sympathisch wie seinen Gin. Den kann ich jedem Martini Liebhaber empfehlen. So wie Musik von Vince Jones.


14.11.2012

Hamburger Bar Geschichte(n): 17 Jahre später

Es muss 1995 gewesen sein. Ich war 20 Jahre jung, Auszubildender im Elysee Hotel und regelmässiger Stammgast in Harry's  New York Bar Hamburg. "Learning by drinking". Nach wie vor eine gute From der Horizonterweiterung, wurde später in der Old Fashion Bar weiter ausgebaut.

Es war ein sonniger früher Abend. Ich ging gerne am frühen Abend in die Bar. Da war Zeit für ein Gespräch. Zu späterer Stunde erlegte ich mir selbst immer ein "Schnauze halten, zugucken" auf - ein wenig Grund Gastro Erfahrung brachte ich seinerzeit mit.

Aber am frühen Abend war Zeit für ein Gespräch. Und ich war dankbar, das die Halbgötter in Weiß, das legendäre Barteam der HNYB Hamburg, mich wahrnahm und gewillt war, mich in den Kreis der Gesprächswürdigen aufzunehmen.  Ich muss gestehen, ich habe diese Musse nicht bei jedem Zwanzigjährigen, der heute vor meinen Bars sitzt. 

Ich betrat also die Bar und traute meinen Augen nicht. Peter Kallweit begrüßte mich mit einem breiten Lächeln. "Sieht gut aus, oder?"

Peter war kahlgeschoren. Mit Ihm das gesamte Barteam. Fünf Bartender lachten mich an. Mit frisch rasierten Glatzen. 

Wow. Ich erfuhr, man hatte eine Wette verloren. Gegen einen betuchten Stammgast.  Eine echte Barfly. Einer Trinker und Könner sondergleichen. Man beschrieb mir diesen Gast. Wahnsinn. So muss es zugehen an der Bar. Wetten waren in der guten alten Zeit existentielle- man wollte sich ja schließlich nicht über Drinks unterhalten. Einige Jahre später fand ich eine Erstausgabe von Frank Meiers "Artistry of Mixing Drinks" von der Ritz Bar Paris. Ein "Kapitel" wurde diesem Thema gewidmet. Erstklassig. Ich musste an die Profis in Harry New York Bar denken.

Der betuchte Stammgast, gefühlt sah ich ihm im englischen Zweisitzer vorfahren, hatte bei einer Champagner launigen Nacht mit den Jungs gewettet. Es ging um das Wetter. Eines der großen Thema an jeder guten Bar. Man einigte sich auf ein Datum. Die Wette lautete: Wird es an diesem Tag in Hamburg regnen? Ja: Team Harrys New York Bar rasiert sich Glatzen. Nein: Der Stammgast kauft den Jungs zum Feierabend fünf Flaschen DOM und legt nen Tausender in die Trinkgeldkasse. (Ich muss dem heute Zwanzigjährigen Leser jetzt nicht erklären das es sich zu dieser Zeit um DM handelte - oder?)

Was für eine Weltklasse Wette. Erstklassig. Darum geht es in einer guten Bar. Besondere Momente erzeugen. Mit vollem Körpereinsatz. Ich war begeistert. Peter Kallweit, Enrico Wilhelm und der Rest der Bande liessen die Haare wieder wachsen. Joseph behielt die Frisur bis heute bei. Es gab an dem Abend noch viele Drinks. Und viele Geschichten. Wie jeden Abend. Vom Barteam oder von den Gästen. Ich war selig. Wie so oft in dieser Bar. Ich liebte diese Bar. Wobei es am Ende des Tages nur eine Ansammlung von Flaschen und Möbeln war. Aber ich liebte dieses Team und die verrückten Gästen umgeben von diesen Flaschen und Möbeln. Und dem Pianisten. 

Verdammt, ich könnte jetzt einen Martini vertragen!

Vor ein paar Tagen traf ich das gesamte Barteam wieder. Was für ein Abendessen! Es flogen uns die alten Geschichten um die Ohren. 17 Jahre später. Ich war wieder selig. Ich hätte dort ein paar Stunden länger sitzen bleiben können. 

Wir warfen uns die Kamellen um die Ohren. Ich sagte: "Und wist Ihr noch, die Wette mit dem Stammgast soundso? Haare ab?". Die Fünf guckten mich an und lachten.  Peter sagte : "Aeh, den gab es nie. Wir waren am Vorabend nach der Abend noch einen trinken. Großer Abend und am Ende waren wir alle  blitze blanke blau. Da haben wir beschlossen uns die Haare abzuschneiden. Die Jungs haben mich um 10.00 Uhr morgens aus dem Bett geholt und zum Frisör geschleift - einer der Manager ist ausgerastet, da haben wir ne Geschichte draus gemacht."

Da war es wieder. Das Grinsen der Fünf wie vor 17 Jahren. Den Schalk im Nacken. Ich musste lachen - 1:0 für Team Harry's New York Bar. Dieses Team bleibt magisch. Selbst nach 17 Jahren, selbst ohne Bar.

Und wenn ich jemanden in Zukunft von der erstklassigen Harry's New York Bar Hamburg erzählen werden, werde ich bei der Wetten Version bleiben. Es geht um Geschichten. Denn Sie werden Geschichte schreiben.