29.08.2012

Mixology Bar Awards 2013: Nominierte der Long List in der Kategorie „Barkarte des Jahres“


Seit nun mehr drei Jahren, habe ich das Vergnügen, Mitglied der Mixology Bar Awards Jury zu sein. Die Aufgabe, das haben mir die letzten zwei Jahre gezeigt, ist keine leichte. Das zeigt die Kritik aus den Reihen derer, die man als Kollegen kennen und schätzen gelernt hat. Unsere Absicht ist klar: Jedes Jahr die Arbeit unserer Kollegen auszuzeichnen, hervorzuheben, sie als Anregung und Inspiration vorzustellen. Über unseren Tellerrand, über unsere Szene hinaus bekannt zumachen. Das gelingt uns von Jahr zu Jahr besser. Die Awards und das Mixology Magazin höhlen den Stein durch steeten Tropfen. Die Awards gewinnen an Gewicht, der Barguide tut sein übriges. Schon heute tragen viele Kollegen die neuen Auszeichnungen voller Stolz, nutzen Sie für Pressearbeit und um Interessierten zu Recht den Erfolg oder die Einzigartigkeit Ihres Projekts zugänglicher zu machen. Kein "Preis" für die Bar Branche hat für mein Gefühl einen höheren Stellenwert aus die Mixology Bar Awards in Deutschland. Zeit für Champagner!

Und dennoch haben Awards auch immer eine Dunkle Seite:

Die Wellen schlagen jedes Jahr wieder hoch. Da werden die Goldwaagen rausgeholt, coole Bartender werden zu zickigen Verlierern und selbst unbedarfte Versprecher auf der Bühne werden mir noch nach Jahren nachgetragen und bedeutungsschwanger gedeutet. Awards sind ein Tanz auf einer extrem scharfen Rassier Klinge. Den guten Willen, den alle Beteiligten dabei haben, kaufen einem neidische und missgünstige Kritiker einfach nicht ab - egal wie transparent man das ganze macht. Und wir sind sicherlich noch nicht am Ende der Gestaltungsreise angekommen.

Die Nominierungen sind für mich der eigentliche Preis. Ich wiederhole es noch mal, um sicher zu gehen, das es verstanden wurde: Die Nominierung ist der Preis. Glückwunsch von mir an alle Nominierten in allen Kategorien! Ihr habt es verdient!

 Sicherlich, bei zehn zu nennenden Namen, gab es mindestens fünf, die da auch noch reingehört hätten. Aber irgendwo ist Schluß. Diese Zehn können mit Fug und Recht von sich behaupten, in Ihrer Kategorie zu den Besten des Landes zu zählen. Ihre Arbeit ist Vorbild, Anregung und Inspiration. Sie sind Richtungsweisend, dabei kann die Richtung bei jedem dieser Zehn eine ganz andere sein.

Die Barkarten, die ich studieren durfte, waren alle pures Lese und / oder Design Vergnügen. Jede auf seine Art. Standing Ovations an die Zehn. Ich erhebe mein Glass auf soviel Kreativität, Design, Kunst und Fleißarbeit.

Doch jetzt genug der Vorworte: "Ladies and Gentleman....

Gemeinsam mit Mixology, Magazin für Barkultur und verschiedenen Bar- und Cocktailblogs präsentiert jrgmyr.com die Nominierte der Long List in der Kategorie „Barkarte des Jahres 2013“.

Long List Mixology Bar Award 2013 – Kategorie „Barkarte des Jahres“



Kriterien Barkarte des Jahres

Eine Barkarte ist ein hochkomplexes Gebilde und soll daher in seiner Gesamtheit subjektiv bewertetwerden. Zu berücksichtigen sind folgende Eigenschaften:

- Konzept und Stimmigkeit (Besitzt die Karte ein Konzept? Passt es zu Location, Team undRegion?)

- Inhaltlicher Aufmachung und Aufbau (sinnhaft, nachvollziehbar, vollständig)

- Bezeichnung und Texte (Lesbarkeit, Rechtschreibung, Verständlichkeit, Sprache, Versatilität

- Aufmachung und Optik (Design, Haptik, Materialien, Bewerbung Specials, Kreativität etc.)

- Produkt- und Getränkesortiment (Einflüsse und Inspiration, Zusammenstellung vs. Umfang)




Die Nominierten

Amano, Berlin


Becketts Kopf, Berlin


Capri Lounge, Köln


Hefner Bar, Berlin


Hoppers, Frankfurt


L. Bar im Gastwerk Hotel, Hamburg


Lebensstern, Berlin


Ona Mor, Köln


Schoellmanns, Offenburg


Shepheard, Köln



Das Mixology Magazin veröffentlich alle Ihm möglichen Barkarten hier auf dem SCRIBD Account - ein Blick lohnt sich - Inspiration ist garantiert


Die Nominierten aller Kategorien finden Sie zusammengefasst auf Mixology Online:

http://mixology.eu/aktuelles/veranstaltungen/mixology-bar-awards-2013-nominierte-long-list/


16.08.2012

Früher war alles Besser. RIP Barkultur. Von der Liebe.

Heute dachte ich: Würde sich doch besser niemand für Barkultur interessieren, so wie früher. Was waren das für lustige Zeiten.

John, wenn ich es richtig verstanden habe,  Geschäftsführer IMG - Warsteiner Gruppe, hat hier auf meine LE ROC Kritik geantwortet. Ich werde ihm, wenn ich die Zeit finde, ein paar Gegenargumente liefern. Es lebe der Disput! Und er soll hier gar nicht als Schuldiger durch Dorf getrieben werden. Sein gutes Recht zu Antworten, lobenswert, mit guten Argumenten. Nur, als ich las, dacht ich: Was waren das doch früher für schöne Zeiten, als sich keine Mensch für "Barkultur" interessiert hat. Heute darf ich  dann mit der Marketing Abteilung von Warsteiner über die Barkultur debattieren, bis vor kurzem hat es in diesen Dimensionen noch niemanden interessiert.

Früher wars toll. Man hat sich für irgendwelche nicht zu bekommenden Produkte interessiert, Sie mit unglaublichem Aufwand und Kosten (und oft nicht ganz legal) bezogen, hat Sie interessierten Gästen und Kollegen gemixt, man hatte ein außergewöhnliches Trinkerlebnis, wurde hoffentlich auf ein wenig berauscht und das war ein runder Abend. Es gab Gespräch, Rausch, Geschmackserlebnisse, Passion, Leidenschaft und Liebe. Toll.

Dann haben wir Bartender versucht, diese Faszination zu verbreiten. "Barkultur", "Mixologe" und andere Kunstworte wurden geschaffen bzw. wiederbelebt um die Liebe zu verbreiten. Wir haben versucht Händler und Hersteller zu überzeugen: "Dieses Produkt ist wichtig, Ihr solltet es so machen etc."  Und es hat keinen interessiert. Wir haben weiter gemixt, getrunken, Spaß gehabt. Wir haben wilde Parties veranstaltet, die ersten BCB's liefen durch Land, man traf sich zur BAR in London die Traveling Mixologists hatten unvergesslicher Abende in München, Köln, Berlin und Hamburg.

Doch mit der Zeit verstanden die Großen besser. Agenturen und PR Agenturen wurden eingeschaltet, anfangs noch ziemlich weit weg von der "Szene", mittlerweile ganz dicht dran. Ein paar clevere Player fingen an, Bartender für sich zu engagieren, was ich bis heute als sehr angenehm empfinde. Schließlich kommuniziert man hier auf Augenhöhe und man ist vor Missverständnissen sicher. Viele kleine Nischenprodukte kamen auf den Markt, vieles wurde verfügbar, alles plötzlich nahezu überall erhältlich. Bartender organisierten sich neu in  Clubs und Zirkeln und arbeiten eng mit einem Großteil der Industrie zusammen. Man veranstaltete Events und Tasting besser als so manche PR Agentur. Oder es wurden, Stufe 2.0 gleich als Zirkel oder Rat von der Industrie gegründet. Man nimmt die Szene im Handstreich und die lässt sich gerne nehmen. Alle wollen ja nur das Beste für die Barkultur ... Altruismus, wohin man schaut.

Heute bekommt man als Bartender in einer der bedeutenden Bar Städte Deutschland dutzende Einladungen pro Monat zu solchen Veranstaltungen. Die Industrie ist so was was dicht dran an der Szene, das Sie sie bald erdrücken wird, oder schon hat. Die Barkultur ist in diesem Zirkus schon vor einiger Zeit zu Grabe getragen worden. Keine Angst, ich zeige nicht mit dem Finger auf andere, ich war und bin Geburtshelfer und Sargträger der ersten Stunde. Aber manchmal, so wie heute, denke ich gerne ein paar Jahre zurück. Als die Leidenschaft brannte. Und sich keine Sau für Barkultur interessiert hat.

Barkultur ist in aller Munde. Sie ist über den Tellerrand der Fachblätter geschwappt. Wir sind umgeben von ehemaligen Bartender, die vor 5 Jahren auch mal nächtelang Drinks verkauft haben und uns heute als Redner, Trainer, Blogger oder Artikelschreiber immer wieder ermahnen, das der arrogante Mixologe, der Mad Professor hinterm Tresen nicht zu suchen hat. Und dann muss ich lachen, denn ein Teil der Herren kenne ich persönlich seit  Jahren und durfte Sie früher arbeiten sehen. Als Sie Feuer in den Augen hatten, Leidenschaft und Liebe! Und zum Glück so wahren, wie Sie es heute predigen nicht zu tun. Arrogant, Hochnäsig, Leidenschaftlich, Stolz, Bartender.

Und mir treiben ein paar "Junge" die Tränen in die Augen. Mit Ihren Meinungen und Kritiken an und über Bartender. Halten vielleicht seit fünf Jahren ein Shaker endlich richtig rum im Aushilfsjob ode glauben sich ihr Halbwissen durch Old Fashion ersoffen zu haben und urteilen über erfahrene Kollegen. Über jahrelange Profis ohne einen blassen Schimmer, was dieser Beruf, die Nächte hinter einer Bar, seit 10 oder 20 Jahren, 5 bis 6 mal die Woche, überhaupt bedeuten.

Und dann sind da noch die umtriebigen, vernetzen Kollegen aus Bar und Agentur.  Die mir ob meines Facebook Austrittes alle unterbreiten wie sehr Sie das ganze doch auch nerve, Facebook sei ja nur noch Underground Business, aber Sie könnten es sich nicht erlauben: Sie müssten die Szene Monitoren, das seien Sie ihren Auftraggebern schuldig.

(Regieanweisung: Der Autor übergibt sich im Geiste)

Ich frag mich, was man da groß monitoren will? Die paar Foto uploads vom letzten Brand Event? Gucken was der Mitbewerber macht?  Das was wir früher einmal Szene nannten und zu dem mir vor 5 Jahren 40, 50 Gesichter aus dem Lande sofort eingefallen sind,  ist zum großen Theaterstück geworden. Große Besetzung, die meisten hinter Masken mit anderem im Sinn, einige wenige leidenschaftliche Akteure

Und alle reden von Barkultur. Und fast alle wollen einem irgendwas verkaufen. Der Zirkus hat schon lange abgehoben, er beschäftigt sich nur noch mit sich selbst. Ob es jemand merken wird, wenn man sich heimlich raus schleicht und einen Drink nimmt? Auf die gute alte Zeit? In einer ruhigen Bar? Bei einem freundlichen Bartender, der seinen Manhattan akkurat mixt. Natürlich mit Bourbon, Rye ist halt schwer zu bekommen. Und wir würden wieder Trinken und reden. Uns berauschen, die Atmosphäre genießen, interessante Frauen und Männer studieren und kennenlernen, uns der Musik hingeben. Ein bisschen von der legendären Barkultur schnuppern. Den eins ist gewiss: Wenn es jemanden gibt, der am wenigsten von der Barkultur versteht, scheinen das heute gelegentlich Ihre Protagonisten zu sein.

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Ich habe mir gerade dieses unglaublich Video der Traveling Mixologists in der Trinkhalle 2007 angeschaut. Helmut Adam hart am Interview :-) Seit ca. 4 Jahren nicht mehr gesehen... ich werde melancholisch.

" Jigger in your Ass! "



Link: Traveling Mixologists Backstage in Munich

10.08.2012

DER FEINSCHMECKER: Das große Gin & Tonic Tasting.

Verschwiegenheit ist Pflicht wenn der Feinschmecker testet. Aber eine klitze-kleine Empfehlung möchte ich hier an Bartender, Gin & Tonic Liebhaber und Profi Trinker aussprechen.

Am Anfang der Woche wurden im TASTING ROOM 11 Tonic Water "blind", und mehr als 30 Gin Sorten pur, getestet. Wir haben uns dann auf die Suche gemacht, nach der perfekten Gin Tonic Kombinationen.

Meine Empfehlung für Euch Liebhaber des geliebten sophisticated Highballs: Den FEINSCHMECKER im Auge behalten und bei der kommenden Gin & Tonic Ausgabe zuschlagen. Es lohnt sich.

Mein persönlicher Überraschungskandidat bei den Tonic's sei Preis gegeben - Britvic Tonic - im geliebten und einzig sinnvollem 125ml Tonic Gebinde. Die Wahl des Englischen Königshauses - was will man mehr !

Es gab noch viel mehr Überraschungen und Erfahrungen. Ich könnte hier zwei Seiten schreiben. Aber das sei dem FEINSCHMECKER überlassen - ich freue mich auf die Ausgabe. Danke noch mal ans FEINSCHMECKER TEAM für die inspirierenden Nachmittag.


P.S. Der Feinschmecker überarbeitet gerade auch sein Online Angebot. Verantwortlich für die Umsetzung zeichnet sich hier unter anderem Julian Finn. Er schnuppert gerade beim Redaktionsalltag des Feinschmeckers und ihm auf twitter zu folgen, bringt ein paar interessante Einblicke: @hdsjulian

Links: 

Fachblatt für Gin & Tonic Kultur: www.der-feinschmecker.de

Bezugsquelle Britvic (Und Fever Tree, und Fentimans Tonic) : http://www.greatbritishfood.de

08.08.2012

Ein Manifest für Bars und Bartender - 1984 - Vom SPIEGEL und ACHIM F. EBERHARDT

Eigentlich wollte ich hier über Musik schreiben. Darüber das ich ein paar neue Entdeckungen für den Löwen aufgetan habe.  Zum Beispiel zwei Alben von Jamie Cullum.



Ich wollte "eröffnen" mit einen Lobgesang auf den Jazz. Dann fiel mir Luis Buñuel ein. Sein letzter Seufzer. Seine Vision von einer Bar. Die Schule der Einsamkeit. Keine Musik, eiskalte Martinis. Wie recht der Mann hat. Also, vielleicht doch keine Musik?

Das war mein Plan. Aber manchmal kommt es anders als man denkt. Aber, das bringt uns Bartender nicht aus der Ruhe. Das ist unser Leben.

Ich begab mich ins Netz, auf die Suche nach diesem fantastischen Buñuel Textes. Diesem Manifestes für eine heute fast utopische und doch so sehr gebrauchte Version einer Bar. Und fand etwas ganz anderes.

Ein Manifest. Für die Bar. Von 1984. Aktueller denn je. Von Achim F. Eberhardt. Meinem stillen Mentor. An dessen Bar ich einige Jahr lang sitzen durfte. Und was ich dort sah, weckte das Feuer für die Profession in mir.

Wer Herrn Eberhardt kannte, wird seine Stimme, seinen Sprachwitz und seine Eloquenz zwischen den Zeilen finden und sich ein Lächeln nicht verkneifen können. Er wird für einige Minuten zurückversetzt, in die einzigartige Atmosphäre, die dieser legendäre Bartender in seinem Räumen verbreitete.

Es ist die Rede von "neuen" Trend - Zitat "Gruppenweise fällt die aufgekratzte Jeunesse in die Getränke-Center ein, lauter "gepflegte und freundliche Jungs und Mädels" , von der Rückbesinnung auf alte Klassiker und Qualität im Glas. Von der Liebe zum Beruf, den Schwierigkeiten und den Regeln einer guten Bar. Fast 30 Jahre alt der Text und er könnte aktueller nicht sein.

Meine Leseempfehlung, ein Manifest für unseren Berufsstand: "Mit Zombies ins Bermuda Dreieck" SPIEGEL MAGAZIN 1984

Link clicken, Musik anstellen und eine Zeitreise zum einzigartigen Achim F. Eberhardt geniessen. Ach ja. Ein Gläschen Rum in der Hand könnte nicht schaden...

DIAGEO's World Class is raising the bar: 100.000$ for the best Bartender. Are we going "Dog and Pony"?



This picture is traveling the social media bartender community this days. Tim Philips, a great bartender from Australia, won the 2012 World Class competition.  Congratulation to Tim, well done sir, well deserved.

And on this picture DIAGEO AUSTRALIA is announcing a PRICE for 2013 - 100.000$ for a new bar/project. This is an amazing RAISE for us bartender. Never ever some brand has supported a bartender with this among of money in a competition.

DIAGEO's World Class is becoming one of the, maybe THE, leading global bartender event in our world. Pulling out a 100.000 $ price money from DIAGEO DOWN UNDER is amazing - but also makes me feel uncomfortable.

I have never attended a serious Bartender Competition as a competitor. And I never will. And I like, that our trade become a little bit more attention. Chef's are the Media Gurus and they catch in lots of attention and money. Wine guys and sommelier do well, but the dirty old bartender is always last in line (O wait, I spotted the waiter behind him). But as we all know, Bartenders a the cool guys. So time for them to catch up. And thanks to the Industry to give us a platform.

But on the other side, I am afraid that this one day maybe becomes a "xxx got Talent" Show. The big Bartender Circus, spread on Media. And I am not sure if this is the way, I would like to see my trade promoted. I like our trade, I love my job. I hate Talent Shows and Media Bullshit when it comes the mass entertainment.  Raising the Bar with 100.000 $ and more price money is amazing. Let's just make sure, nobody is creating the big bartenders dog and pony show.

What do you think?

07.08.2012

Trinken - In Hamburg - Zufällig...



Hamburg ist eine Hotelbar-Stadt. So habe ich diese Hansestadt vor 15 Jahren kennen gelernt. In den Hotelbars servierten alt gediente Herren in weissen Jacken Drinks, die mir seiner Zeit nicht zeitgemäß erschienen. Mit Klasse und Eleganz.

Leider haben einige Hotel Bars in den letzten Jahren das Personal getauscht. Das Durchschnittsalter ist 20+, was grundsätzlich nicht schlimm ist, nur nicht dieses gewünschte "Gestandene-Person-Image" als Sparringspartner hinter der Bar aufkommen läßt.

Nun denn. Heute war ein anstrengender Tag, mit Höhen und Tiefen. Charmant war der Besuch von David Wiedemann, der eine Thomas Henry Schulung im Tasting Room gab. Anstrengend waren andere Sachen. Aber davon nicht zu wenig. Hat ja keiner gesagt, das es leicht wäre, eine Bar zu betreiben.

Kurz vor 18.00 Uhr entschied ich mich für den Besuch der Hyatt Hotel Bar. Und wurde angenehm überrascht! Es wurde umgebaut, im März diesen Jahres. Gefällt mir gut. Die Apples Bar ist somit wieder vollends auf meiner Gute-Hotel-Bar-Drink-List aufgenommen.

Der eigentliche Grund meines Besuches: Alberto Costa, seit 6 Jahren Barchef in der Apples Bar. Er ist ein Garant, ein Kontrapunkt zur 20+ Generation. Alte Schweitzer Schule.

Ich wollte Ihn einladen. Zum Club de Cantineros Abend in Hamburg. Ich setzte mich an die Bar und bestellte einen anständigen 47% Vol Gin mit Fentimans. Aperitivo sozusagen. Alberto bewirtete die Bar, dazwischen führten wir ein nettes Gespräch unter Kollegen. Ich lud ihn ein und trank in Ruhe meinen Gin & Tonic, und genoss es, Alberto bei der Arbeit zuzusehen.

Hinter mir saß eine Gruppe Amerikaner, es wurden Martinis bestellt. "Auch nicht schlecht" dachte ich und sah Alberto dabei zu, wie er ein ungewöhnlich hohes, schmales Rührglas kalt rührte und die Zeremonie der kultivierten Martini Zubereitung einläutete.

Verdammt. Ich hörte diese leise Stimme in mir. "Warum nicht noch einen Martini trinken?" sagte Sie. "Einen kleinen, ach komm, das geht schon..." Puh. Eigentlich wollte ich ins Bureau, es lag Arbeit für Zwei auf dem Tisch. Andererseits hatte der Tag wirklich Nerven gekostet. Einer kleiner Martini, zur vollendeten Entspannung?

Der Schwerpunkt der "neuen" Apples Bar ist neben einer Seite interessanten Signature Drinks, Vodka und Champagner. Aber selbstverständlich gibt es auch eine kleine, aber feine, Gin Auswahl. Mein Blick fiel auf Monkey 47, den ich als eigenwilligen Martini sehr schätze.

Ich bestellte einen Monkey 47 Martini ohne weitere "Anweisungen". Sicherlich: ein Spiel auf Leben und Tod!  Allerdings kann man nur so die Stilistik der Bar kennen und eventuelle lieben lernen, und außerdem wog ich mich bei Alberto in sicheren Händen.

Kein Vermouth, nicht einmal der Schatten einer Flasche, traf diesen Martini. Eine ordentliche Menge Monkey 47, einige Dash Orange Bitter wurden lange im Rührglas kalt geschlagen, fernab jeglichen Pseudo Japanese Bartending Gehabes. Kurze Zeit später stand ein eiskaltes Glas vor mir, getopt mit einer winzigen Zitronen Zeste, die erahnen ließ, das der Mixer verstanden hatte:  zuviel ist zuviel und zuwenig einfach nicht genug.

Die Kräuter Aromatik des hier veredelten Schwarzwald Destillates traf mich angenehm hart. Zwei große Schlücke später, "Quick, while it's still laughing at you", das Glas somit fast geleert, schaltete ich in den Entspannungsmodus um. Ich legte das iPhone beiseite, strich langsam mein ernst gemeintes Vorhaben, den Montag Abend im Bureau zu verbringen und genoss die Musik.

Ich beendete den Martini mit den Worten "ich nehme gerne noch einen" und dachte an Dorothy Parker: "...two at the very most" - Recht hatte die Dame!  Unter den Host würde ich es heute nicht mehr schaffen, aber ein einzelner  Martini erschien mir ein unlogische Abendgestaltung. Jetzt konnte ich mir zumindest sicher sein, das ich einen leichten Rauschzustand genießen dürfte. Das erschien mir Sinnvoll und das Beste, was man an diesem  frühen Abend um kurz nach sieben machen konnte.

Der Genuss des zweite Martinis brauchte etwas mehr Zeit. Die Temperatur im Glas stieg an, der Drink wurde anspruchsvoller. Die Kombination von einsetzendem Rausch und wahrnehmbaren Geschmacksveränderungen am Gaumen genoss meine volle Aufmerksamkeit, und alles weltliche um mich herum trat in den Hintergrund. Ich dachte gerade, das so ein unerwarteter aber erweiterter Aperitif durchaus als nächstes eine sorgfältige Planung eines Abendessens forderte.  Da klingelte plötzlich das Telefon. Thorsten Husmann am Apparat.

"Jörg, ich bin auf dem Weg zum DEHOGA Sommer Empfang im Garten des Anglo German Clubs - hast Du Lust mitzukommen?"

"Gibt es da nen anständiges Büffet?"

"Ja, klar"

"Ich bin in 15 Minuten da"

06.08.2012

Der Club de Cantineros: Berufung Bartender und die Wiederentdeckung eines wahren Daiquiri Klassikers: Santa Marta



Vor mehr als zwei Jahren habe ich im "Tower" gesessen. Hamburger Bartender wissen was damit gemeint ist:  Das turmförmige Hochhaus an der Hindenburgstrasse mit dem Fledermaus-Logo auf dem Dach - der Sitz von Bacardi Deutschland. Und ich stieß auf offene Ohren!

Seit mehr als einem Jahrzehnten schlummern Schätze aus Kuba und anderen Ländern aus den 20er bis 60er Jahren in meinem Bücherregal und alle "sprechen" seiner Zeit von einer legendären Bartender Vereinigung, dem "Club de Cantineros". Selbst Trader Vic nennt den Club de Cantineros eine Wiege seiner Tiki - Rum - Drink Kultur. Die kubanischen Bartender von 1924 bis 1959 gehörten zu den besten der Welt. Und es gab eine natürliche Verbindung zum Hause Bacardi - den bevor das Haus Bacardi zwangsweise nach der Machtübernahme durch Fidel Castro Kuba verlasen musste, war es einer der größten Förderer dieser professionellen Bartender.

So konnte ich vor zwei Jahren Bacardi Deutschland für das Projekt Club de Cantineros begeistern und seitdem haben Yvonne Naber, Steffen Lohr, Thorsten Husmann und meine Wenigkeit ein kleines Projekt daraus entwickelt. Und in diesen Wochen starten wir in die zweite Runde, was mich sehr freut.

Im letzten Jahr habe ich die Geschichte des Club de Cantineros (CdC) Revue passieren lassen und zusammen mit der CdC Task Force im  Bacardi Speakeasy  und auf den Bühnen zum Bar Convent 2011 interessierten Bartendern vorgetragen.

Und je tiefer man sich in die Geschichte des Clubs "gräbt" um so mehr wird klar: Ziel der damaligen Organisation war es, den Beruf des Bartenders zu einer angesehnen, ernsthaften Profession auszubauen. Was dem CdC auch bis zur Revolution in unglaublichem Umfang gelungen war.

Diesen Gedanken im Kopf, die Förderung der Berufung Bartender, haben Thorsten Husmann, Steffen Lohr und Herr Meyer ein neues Konzept für das zweite Jahr geschmiedet. Wir wollen in mehreren Treffen im gesamten Land professionelle Bartender zusammenbringen und uns über unsere Berufung austauschen. Yared Hagos und Philip Bischoff konnten als Gastredner gewonnen werden. Sie werden den Kollegen von Ihrer Arbeit erzählen. Von Ihren Alltag, Ihrer Selbstständigkeit, Ihrem Job, Ihren Aufgaben, den ups and downs unserer, ihrer Berufung. Dabei bilden Ihre Vorträge nur die Inspiration für ein späteres Q&A.

Wir wollen durch das Land ziehen und über die "Berufung Bartender" berichten, Kollegen zusammenbringen und Sie erzählen lassen. Zuhören, Anregungen sammeln und dann, wo möglich, Hilfestellungen und Anregungen zu geben.

In Kürze geht es los, die ersten Einladungen gehen die Tage raus. Unser Blog bekommt ein kurzes Facelifing und wird das alte, neue "Zuhause" des Club de Cantineros. Wer, wie wir, in der Berufung Bartending mehr sieht als einen unbedarften Aushilfsjob, eine echte Profession, ist eingeladen, uns im Blog oder auf unserer Facebook Page zu folgen, oder sich hier für unseren Club de Cantineros eMail Verteiler einzutragen.

Ich freue mich auf kommende Jahr CLUB DE CANTINEROS. Und es gibt etwas aus unserem ersten Jahr, was mich besonders stolz macht: die Wiederentdeckung der Daiquiri Variante SANTA MARTA.

Im Club de Cantineros Blog hatte ich hier erstmals zum SANTA MARTA geschrieben: SANTA MARTA - ein echter Cantinero!

Ich habe diesen Drink aus der Bibel der Cantineros von 1948 ausgegraben und er ist simple und elegant. Und was mich wirklich freut, man findet Ihn auf immer mehr Barkarten. Es scheint, das die Perfektion der alten Kubanischen Bartender nicht nur mich beeindruckt hat.

Ich hoffe in Kürze, beim Club de Cantineros - Steffen Lohr und ich freuen sich!

Jorge, Cantinero




Email Verteiler Club de Cantineros

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03.08.2012

Word of mouth ... Wenn Star Wars Geek Shops mit Fahrradkurieren kommunizieren würden.


Glücklicherweise besteht mein Tag nicht nur aus der Arbeit hinter der Bar. Es gibt wichtigeres: zum Beispiel das Organisieren einer Kinder Party! Motto "Star Wars".

Meine Frau fand gestern diese Weltklasse Star Wars Laserschwert Lollies. Da sie knapp an Zeit war, bestellt Sie einen Fahrradkurrier um die Lollys abzuholen. Beim Bestellen fragte Sie die Vermittlung, ob der Kurier das Geld auslegen könnte. Als meine Frau sagte, es sei für Lollys, war der Kurier-Vermittler ob des Betrages verwirrt und fragte: "Wie viel Lollys sind das denn?" Als Sie ihm erkläre, was das für Lollies sind (Laserschwerter halt - sie leuchten in der Farbe des Laserschwertes, wenn man einen Knopf drückt) hörte Sie am Ende des Telefons nur "Wie Geil ist das denn ...? ".

Als der Kurier ca. zwei Stunden später lieferte, sagte er lachend:"Wow, Sie hätten sich das Kollegen Treffen im Laden mal ansehen müssen. Laserschwert Lollos sind jetzt ausverkauft. Der Auftrag inklusive Erklärung lief über den Funk und viele Radkuriere, Star Wars Geeks sondergleichen, haben sofort einen Umweg über den Grindel gemacht... "

Also, wenn ihr "Paket" in Hamburg gestern länger gelaufen ist, wissen Sie jetzt warum!

Die einzig sinnvolle "Werbung" für eine gute Bar ist Word of Mouth. Gut natürlich, wenn man den richtigen Gast auch erreicht. Der Star Wars Shop am Grindel sollte vielleicht mal über Kurier Kommunikation nachdenken.


Lollys gab es bei: http://www.anderewelten.de

02.08.2012

KRAFT WERT DREI GIN - 60% Vol. aus Hamburg in Hamburg

Gerade Kraft Wert Drei Gin aus Hamburg probiert. Die wohl angenehmste Botanical Beschreibung, die ich seit langem bei Gin gelesen habe: Wacholderbeeren, Koriandersamen, Zitronenschalen und Alkohol - davon nicht zuwenig: 60% Vol.

Erhältlich bei Hamburgs Under Dog Gin Dealer:

Casa del Habano
Burchardstr. 15
Chilehaus
Hamburg

www.thecigarsmoker.com

01.08.2012

Aus der Reihe Marketingblüten - Heute: LE ROC - die neuen Bitterlimonaden von IBG / Warsteiner - Ob es Bartender mögen werden?

Ich habe bislang noch keine offizielle Pressemitteilungen zum Thema LE ROC gesehen, aber diesen ersten Shot auf einem Bildschirm erhaschen können. So sehen Sie den eventuelle aus, die neuen Bitterlimonaden ( Tonic Water , Bitter Lemon , Ginger Ale)  aus dem Haus IGB / Warsteiner:



Zwei Gedanken kamen mir beim Betrachen der Flaschen:

1.) Ich hoffe Sie schmecken besser als Sie aussehen. Vielleicht habe ich auch einfach nur den Trend  verpasst, das Bitterlimonaden jetzt in der grell bunten Flasche mit Pfiff serviert werden ...  Naja.

2.) Viel interessanter fand ich die Formulierung "Bartender's Club Selection". Da muss unser ehrwürdiger Berufsstand mal wieder für die Marketingstrategen der "Großen" herhalten. Und das hätte Sie besser sein lassen sollen. Sicherlich, Detlev Doof und seine Mannen, lassen sich eventuelle im LEH davon beeindrucken lassen, das hier der "Bartenders Club" ausgewählt hat. Mir als Bartender stößt so etwas schon im Vorfelde übel auf. Sich selber Vorschusslorbeeren verpassen, ist leider uncool. Könnte mal jemand auf den Buzzer schlagen ....?

Ich wurde vor einigen Monaten von einer Agentur angefragt, ob ich für Le Roc Filme zur Barkultur machen wollte etc. Ich hatte dankend abgelehnt. Zum Glück.

Anerkennung bei Bartendern muss man sich verdienen. Der Ausgangspunkt ist ein gutes Produkt. Das kann ich noch nicht bewerten. Unsympathisch finde ich es, mit einem selbsterschaffenen Label a la "Bartenders Choice" sein bis dato unbekanntes Produkt zu versehen.

Die Bartender Deutschlands werden entscheiden. Ich würde sagen: Für den Anfang, werte IGB / Warsteiner, schon mal einen Fehler gemacht. Ich finde es schon anmassend, wenn ein Verein wie die DEUTSCHE BARKEEPER UNION, bei dem lediglich ein paar tausend Bartender organisiert sind, sich berufen fühlt die DEUTSCHE COCKTAILMEISTERSCHAFT statt den Jahresmixwettbewerb der DBU.e.V auszurufen.

Wenn sich nun aber eine Bitterlimonadenhersteller herausnimmt, seinem Kunden suggerieren zu wollen, sein Produkt sein die erste Wahl der Bartender, dann hat er eventuelle die Rechnung ohne uns Bartender gemacht.