11.07.2012

Mixology Bar Awards 2012 - Die Nominierungen, Barkarte des Jahres und Tony Montana

Es ist vollbracht. Sonntag traf sich die Jury der Mixology Bar Awards 2012. Ein arbeitsreicher Tag, ein schwungvoller Abend. Es zeichnet die Jury aus, das die Mitglieder allesamt eine sehr späte Samstag Nacht hatten. Dienst am Gast! Der Espresso Verbrauch in der Arbeits-Bar des Restaurant Schneeweiss war ungewöhnlich hoch, das Arbeitstempo, dank des Jury Vorsitzenden Gregor Scholl, ungewöhnlich schnell und effektive. Vielleicht trieb uns indirekt der in Aussicht gestellte respektable Aperitife - dazu später mehr.
Die Mixology Bar Awards entwickeln sich von Jahr zu Jahr weiter. Ich habe mich sehr gefreut, das in diesem Jahr ein Vorschlag aus meiner Hand aufgegriffen und vertieft wurde. Der Rahmen wurde geändert. Die Awards 2012 finden im Rahmen eines Seated Dinners statt. Ich verspreche mir sehr viel davon und zolle den Organisatoren Respekt, diesen Schritt gegangen zu sein. Zeitgleich zum gesetzten Dinner mit begrenztem Karten Kontingent gibt es in Berlin eine Award Party mit, nennen wir es "EM like": Public Viewing.
Zum andern feilen Jury, Barworkz und Mixology jedes Jahr an dem Nominierungs Procedere und der Gewinner Ermittlung. Denn, auch wenn der eine oder andere Kritiker bzw. enttäuschte Nicht-Gewinner schnell von Klüngel, Vetternwirtschaft und anderen Vorwürfen eines unfairen Systems redet, bemühen wir uns jedes Jahr, das System zu verbessern.
In diesem Jahr wurde der Einfluss der sogenannten Beiräte verstärkt. Es gibt drei Arten von Beiräten: Industrie, Gastro und Medien. Mehr als 60 Stimmen aus diesen Kreisen, sowie die Stimmen der Jury haben Namen und Bars für die einzelnen Kategorien bewertet. Aus diesen Listen ergaben sich die Top 10 der Nominierten. Aus den finalen Top 5 konnte die Jury Ihre Favoriten einzeln und geheim wählen. D.h. Alle Nominieren und die einzelnen Gewinner der Kategorien stehen bereits jetzt fest.
Allerdings sind uns als Jury Mitgliedern die Gewinner, im Gegensatz zu den Nominierten, nicht bekannt. Sanjay von Barworkz und sein Rechner haben die Stimmen zusammengeführt und wissen um die Gewinner. Wer es also nicht mehr abwarten kann, möge Sanjay "knacken" oder seinen Rechner hacken. Viel Spaß dabei.
In diesem Jahr gibt es eine neue Kategorie. Barkarte des Jahres. Das Studium der vielen Exemplare war ein Vergnügen. Von Geschichtsbüchern über Designstudien. Die Mischung ist entscheidend, ich bin gespannt wer das Rennen gemacht hat.
Frau Hindermann, Victoria Bar Berlin,  brachte ein beachtenswertes Exemplar mit:
Barkarte des Jahres?

Wird es DIE Barkarte des Jahres?
Nach getaner Arbeit lud uns Herr Scholl in die Chapel Bar Berlin. Es wurde ein selten gewordener Booth High and Dry Gin Martini gemixt. Der Sherry Fass gelagerte Wacholder Brand spülte die Müdigkeit vom Vortag und Vormittag weg. Er küsste uns wach.
Am frühen Abend war es in der Chapel Bar noch eher ruhig. aber die Bar gefällt mir gut. Das war definitive nicht mein letzter Besuch hier.
Chapel Bar

Es ging in Ritz Carlton, Check In und zweiter Aperitif im Curtain Club. Es folgten ausgezeichnetes und langes Dinner im THE GRAND BERLIN - dazu gute Drinks von Kai, ehemals Butchers Bar. Unser Abschluss bei einem alten Bekannten:  Oliver Ebert, Becketts Kopf - Bar zur Verfeinerung der Sinne.  Frau Hindermann führte Gabányi und Co. noch auf ein bis zwei Abschlussbiere in ein paar Berliner Gaststätten, ich war raus.
Umso verwunderter war ich am nächsten Morgen zum Frühstück: Stefan, mit Sonnenbrille, und Markus Blattner waren "frisch"  im Frühstücksraum anzutreffen. Das Frühstück im Hotel ist mir immer wichtiger Bestandteil jeder Bar-Show. Dort habe ich in den vergangen Jahren immer wieder stundenlange Gespräche mit fantastischen Personen unserer Branche geführt und diese kennen und lieben gelernt.
Nun sass ich also neben Stefan und Markus und ich verschob im Kopf meine Zug-Abfahrt um ein bis zwei Stunden. Gut so. Großartige Geschichten aus der Bartender Welt. Ich bin süchtig nach solchen Geschichten. Und Gabányi servierte meine Droge perfekt.
Kostprobe gefällig?
Im alten Schumanns gab es an vielen Tischen eine feste Sitzordnung. Einige der Stammgäste hatten Metallschilder an Ihren Plätzen. "Ihr" Tisch!
"Die Arbeit war ein Spaziergang" so Gabányi, " das einzig Anstrengende war das Platzieren der Gäste und das Tisch Managment". Ein Ecktisch gehörte sozusagen dem Barteam. Den hielten Sie immer frei für Ihre Lieblinge. Der Tisch war grundsätzlich reserviert und auf dem Reserviert Schild stand "Reserviert für Tony Montana". Öfter fragten unbekannte Gäste ob Sie dort Platz einnehmen könnten. Selbstverständlich nicht. "Wir haben es völlig übertrieben. Das war eigentlich "unmenschlich"", so Gabányi. " Andererseits, geben solche Geschichten einer Bar erst Ihren Ruf".
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"Entschuldigen Sie, kommt dieser Tony heute Abend noch?"
"Tony, nein, der kommt nicht mehr, der kommt nie!"
"Könnten wir dann dort Platz nehmen?"
"Nein, das ist Tony's Tisch!"
"Wir würden aber so gerne ein, zwei Flaschen guten Champagner trinken…."
"Dann trinken Sie den wohl heute im Stehen…"
Gast, diskret: "Hören Sie, hier sind fünfhundert Mark fürs Team. Das sind wichtige Gäste für mich, für würden einfach gerne Platz nehmen"
Der Gast wurde gebeten zu gehen…
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Diese Geschichten sind das Salz in meiner Suppe. Der Grund warum es immer wieder Sinn macht, Kollegen aus Deutschland und der ganzen Welt zu treffen. Bei all den langen Stunden, der schlechten Bezahlung und den anstrengenden Abenden, haben wir einen wundervollen Beruf.  Wir stehen am Ende der nächtlichen Begehrlichkeitskette. Wir bedienen Tony Montana.