24.07.2012

30 Jahre Schumann's Bar in München...

Schumann's Bar

 

Gestern Abend ist München in den Hofgarten spaziert. Das Schumann's hatte zum Sommerfest geladen. Und es gab einen ganz besonderen Grund: Das Schumann's ist 30 Jahre alt geworden.

Mich erreichte Herr Harrasser eMail einige Tage zuvor. "Herr Meyer, wir würden uns freuen, wenn Sie kommen….". Ich musste nicht zweimal überlegen. Wenn Charles und seine Schumänner einladen, hat man alles stehen und liegen zu lassen!  Man füllt den Champagnerkühlschrank auf, schreibt eine Notiz und hängt sie an die Höhle, äh...  an die Tür des Löwen:

"Ich bin bei Charles. Helft Euch selber! Champagner ist im Kühlschrank...."

Seit Wochen ist das Wetter großartig, fantastischer Sommer - es regnet jeden Tag. Was wünscht man sich mehr. Wenn man eine Bar betreibt. Jeder Regentropfen verwandelte sich im Sommer Abends ins Bares - wer braucht schon Beeachclubs?

Nun, im ICE nach München, hatte ich mich doch gefreut, das das Wetter gut war. Ein Schumann's Gast, einer aus dem inneren Kreis, kam am Wochenende ins Le Lion und verriet, das die Gästezusagen mittlerweile 700 überschritten hätte. Also wäre ein wenig gutes Wetter und Hofgarten charmant. 

Ich hatte den Fehler gemacht, keinen Bekannten in den Hotels in München anzurufen, sondern über HRS zu buchen. Kleines Boutique Hotel, 700 Meter vom Schumann's - absolute Katastrophe. Aber was soll es. Letzten Endes plante ich keinen großen Aufenthalt in diesem Abzocker Witz von Zimmer. Frischmachen - darum ging es. Und bei besten Wetter flanierte ich im Sonnenschein zum Schumanns.

Als ich gegen halb acht beim Schumann's ankam, traf man auf hunderte gute gelaunter Damen und Herren. Elegant, so stand es auf der Einladung. Und das Bild, was sich einem bot, war fantastisch, irgendwie nicht von dieser Welt. Zauberhaftes Wetter, wunderschöne Menschen, hunderte.

Um und im Schumann's, mehrere Bars im Hofgarten, eine bis auf den letzten Mann aufgestockte Schumann's Brigade in blütenweißer Uniform zwischen den immer mehr werdenden Gästen. Es lag der berühmte Münchener Italo Flair über dieser Szenerie. Die Menschen waren Dankbar, das das Wetter Ihnen dieses Geschenk machte. Sie waren dankbar, das Charles befohlen hatte "Zieht auch anständig an" und sie waren dankbar, das die Weiße Brigade in gewohnter Gelassenheit und Profession sie mit Drinks und kleinen Speisen versorgte. Alle waren gekommen um Danke zu sagen. Danke an Charles und sein Team. 

Denn Sie wussten, ohne Ihn, wäre diese Stadt nicht, was sie ist. Sie wäre kleiner, provinzieller, langweiliger, ein Nest an der Isar. Soviel zum Offensichtlichen. Hinzuzufügen sind tausende von Einzelschicksalen. Die Geschichten, die jeder der Anwesenden mit Charles und oder seiner Bar verbindet. All die kleinen und großen "Danke Charles, Danke Schumann's Bar" Geschichten dieser Stadt. 

Die erste halbe Stunde vermied ich Gespräche mit all den ganzen bekannten Gesichtern. Ich hielt mich an meinen guten Glas Champagner fest, was Kostas mir am Eingang serviert hatte und mit dem Ruf "Jungs, Meyer ist da, holt Champagner nach!" an der Aperitif Bar quittierte. Mit diesem Glas stand ich nun im Hofgarten, und genoss diese einmalige Szenerie. Gänsehaut. Diese Vielzahl von unterschiedlichen Menschen und Charakteren, geballt an einen Platz, war nicht von dieser Welt. Es spielte ein Band. Jazz rundete dieser surreale Szenerie ab. 

 

IMG 1894

 

Der Hofgarten füllte sich enorm, die Gläser leerten sich regelmässig und die Weiße Brigade füllte Sie nach. Stetig, konsequent, lässig aber immer mit einem Lächeln.  Ich bin mir sicher das zu Kernzeiten an die 2000 elegante Gäste den Hofgarten und das Schumanns besuchten. Und jedem wurde irgendwann klar, das die Anzahl der Gäste über allem erwarteten liegen würde. Aber, 30 Jahre Training zahlen sich aus. Man vertraut auf Charles und das Team, behält die Ruhe, und weiss, das es was zu trinken geben wird.

Gerüchten zuflogen kämpften zwei, drei ältere Herren im Smoking mit harten Bandagen am Kücheneingang um einen der heiß begehrten Teller Fleischpflanzerl zu ergattern. Das, so kann ich beruhigen, lag nicht am mangelnden Benehmen der Herren, sondern ausschließlich an der unglaublich guten Qualität des Essens.

Herr Möhring, Bartender Kollege und an diesem Abend zuständig an der Moscow Mule Bar, verriet mir um 20.00 Uhr, das man gut 250 Liter des legendären Schumann's Ginger Beer gebraut hatte, um dann um ca. 22.00 Uhr dessen Ausverkauf zu verkünden. Ähnliche Meldungen kamen von diversen Außenposten an diesem Abend. Und man möge mir glauben, noch NIE in dieser Welt, ist eine Bar so stilvoll leer getrunken worden, wie das Schumann's gestern. 

Charles Schumann nahm sich die Zeit, mich herzlich zu begrüßen, gab der Presse Interviews und sorgte sich, eigentlich wie an jedem Abend, um das Wohl seiner Gäste. Nach Mitternacht beeindruckte er mich dann gleich zweimal: 

Zum einem verkündete er um 00.30 Uhr "So, jetzt müsst Ihr nach Hause gehen, wir sind leer getrunken". Großartig. Nicht ein Gemaule von den immer noch viele hunderte Personen starken Gästeschar. Nein, Standing Ovation für Chalets und sein Team.

Und fünf Minuten später sah ich Charles, in weißer Schürze, Jacket abgelegt, wie er mit seinem Team die Gläser im Aussenbereich einsammelte. Und ich dachte mir, "Meyer, werde ich jemals diese Größe haben?". 

Charles Schumann hat mich mit in die Bar gebracht. Indirekt. Mich inspiriert. Das Feuer geweckt. Ich kann mich noch sehr gut an die Abende erinnern, wo ich in meiner Ein-Zimmer-Lehrlingsbude in Hamburg eine Jazz Scheibe auflegte und immer und immer wieder in seinen drei Büchern gelesen habe. Meine Erste Bar LE BON LION ist ein Tribute an die Kurzgeschichten DER GUTE LÖWE aus seinem Buch. Vieles kommt von Ihm.

Und viele seiner Lehren sind mir heute noch wichtige Massstäbe bei meiner täglichen Arbeit. Irgendwann um das Jahr 2000 gab es dann ein Tagesseminar mit Charles Schumann. Das waren noch die Zeiten, bei denen man ich glaube 70 € als Teilnehmer zum Seminar dazugezahlt hat, statt dieses geschenkt zu bekommen. Und ich habe keinen Euro bereut. Ein Tag mit  Charles Schumann. Wow, großartige Geschichten. Und die Person Charles hat mich ebenso beeindruckt wie seine Bücher. Es folgte  meine  Zeit im Le Bon Lion und im Le Lion und sehr viele Besuche in Schumanns neuer Bar. Ein Besuch von Charles im Le Lion - Red Basil Smash testen. Heute kennen wir uns gut - hätte ich das an all den Abenden in meiner Lehrlingsbude je gedacht?

Wo sonst, in diesem Land oder diesem Kontinent, findet man eine so gut besuchte Bar, an der jeden Abend dutzende von Bartendern unsere Profession leben und perfekt ausüben und die aufgrund Ihres unbeschreiblichen Gäste Mix ein gesellschaftlicher Verdichtungspunkt ist?  Nirgends, glaube ich. Nicht in dem Umfang. Außer in München. Bei Charles.

Dieser Charles, der bei eigentlich jedem Besuch im Schumann's irgendwo mitarbeitet. Seit 30 Jahren. Ein kurzes Hallo, ein kurzes Gespräch, und zurück an die Arbeit. So wie gestern Abend. Vielleicht kann mich Herr Kappes am dreißigsten Geburtstag des Le Lion daran erinnern, das ich mit Ihm und dem Rest des Team zusammen aufräume, falls ich mich gerade in die Menge stürzen möchte.

Das beeindruckt mich. Es gibt dutzende von "bekannten" Bartendern. Consultern und schlimmere Auswüchse in unserer Branche. "Missionierende" die auch mal hinter einer Bar standen.  Manchmal "Journalisten" /Schreiber die sich Dank ihrer ein, zwei Jahren hinter irgendwelchen Tresen zu großen Meinungen und Urteilen über unseren Beruf hinreisen lassen.

Und es gibt Charles Schumann. Der fast jeden Abend in seiner Bar steht. Mit Siebzig. Und arbeitet. Mit seinem fantastischem Team. Ich denke nicht weil er muss. Sondern weil er will. Weil man nur so ein Bartender ist. Und weil man nur so ein wahres Vorbild ist. 

Danke Charles und danke an Euch Schumänner. Danke das es Euch gibt. Ihr seid mein Ansporn.