31.07.2012

Trinken - in Hamburg - Teil 2


Es ist 18.00 Uhr, ich bin auf dem Weg zurück in mein bureau und ich lenke meine güldene Vespa 500 Meter vor meinen eigentlichen Ziel auf die Auffahrt des George Hotels. Der Tag war anstrengend und ich habe mir einen Aperitivo verdient. Diese in Deutschland oft vergessene Kulturform des 18.00 Uhr Americanos wird hier gepflegt - nein gelebt.

Bei Sonnenschein auch an der Rooftop Bar mit wunderschönen Außenalster-Blick.

Zusammen mit Campari serviert das Team um Maestro Massimo jedem Gast, der zwischen 18.00 und 20.00 Aperitivo trinkt, eine köstliche Antipasti Auswahl.

Tolle Bar, Rooftop, charmantes Team, guter Drink und Antipasti - was braucht man mehr? Um 18.00 Uhr? In dieser wunderschönen Stadt?

Haben Sie es erraten?

GIN !

Und damit sind wir bei zweiten Grund, der jeden George Bar Besuch rechtfertigt. Ohne Vespa würde er gute Americanos in perfekte Negronis verwandeln. Die Auswahl stimmt jeden Profi Trinker seelig.

Zusammen mit ein wenig (!) Tonic sowieso der perfekte 18.00 Uhr Drink.

Vor kurzem im George eingetroffen, zwei fantastische "artisan, handcrafted" Vertreter:

ST. GEORGE - Botanivore Gin
45 % Vol. - Kalifornien

Brooklyn Gin - Small Batch
40% Vol. - Warwick NY


Die Probe schreit nach Martinis. Ich muss die Vespa schieben...

28.07.2012

Trinken - In Hamburg - Teil 1

Vor einigen Wochen, Ende Juni, hatte ich einen Samstag Abend in Hamburg sozusagen "frei". Das ist selten und rar bei meinem Beruf.

Wir nutzten den freien Abend um einem Bekannten, der in Kürze nach Hamburg zieht, ein wenig von Hamburg zu zeigen. Es waren die ersten schönen Sommer Abende im Jahr und wir entschlossen uns, am  späten Nachmittag, mit einem Fahrrad bewaffnet, ein wenig das Hamburger Nachtleben zu erkunden. Aperitife und Dinner gab es in der Altstadt. Langsam aber sicher zog es die kleine Rad-Reise-Gruppe Richtung Schanze. Das Wetter war erstklassig und die Stimmung schrie geradezu nach einem Bier, im Freien, unter Menschen! Sprich: dem Schulterblatt.

Auf dem Weg dahin störten nur diese zu tausenden angereisten Herren. 50+ und Mitten in der midlife crisis. Auf  ihren amerikanischen Mofa's waren Sie zum Zahnarzt oder sonst einen Freiberufler - Kongress angereist und verpesteten seit zwei Tagen die Akustik meiner Stadt mit Ihren peinlichen Gefährten - nun denn.

Die Schanze bot das erwartete Bild. Und erstaunte unseren Gast erwartungsgemäß. Tausende von Menschen flanierten und sassen auf der geschaffenen Piazza und genossen das gute Wetter und die Gastronomie. Hinzu kam: Es war Samstag Abend und auf allen voll besetzten Terrassen schauten die Gäste einem der letzten EM Spiele zu. Glücklicherweise fielen ein oder zwei Tore. Diese entspannte und dennoch Fußball begeisterte Geräuschkulisse war nicht von dieser Welt.

Wir ließen Anfangs die voll besetzten Restaurantterrassen aus und tranken in den Bars ein Bier. Ich genoss diese einmalige Atmosphäre, das unbeschreibliche Gewimmel aus wirklich bunt gemischten Menschen. Ich erkannte ein paar Gäste des Löwen. Hier und da ein anderes Gesicht. Alle waren entspannt. Es wurde dunkel, der Fußball war vorbei, tausende Menschen blieben auf der Strasse. Die Stimmung einzigartig. Summer in the City!

Ich dachte mir: Mensch Meyer, du warst lange nicht mehr hier. Gut, sicherlich, mehrmals Mittags, zumindest in den Seitenstrassen. Aber Abends ? Am Wochenende? Im Sommer? Lang, lang ist es her.

Ich genoss diverse unterschiedliche Biere, immer Flasche, und ließ meine Gedanken schweifen. Glücklicherweise hatte der Rest der Gruppe sich viel zu erzählen und so fiel es gar nicht auf, das ich mein Bier genoss, die Szenerie beobachtete und mir so meine Gedanken machte.

Die Schanze, insbesondere das Schulterblatt, zählt denke ich zu den "großen" Ausgeh-Bezirken unserer Stadt. Das Menschenaufkommen, dessen Mix und die Stimmung sind beeindruckend, Das Publikum:  legere, locker, cool, hipster, alternative, bunt gemischt  alles und nichts. Anzugträger eher eine absolute Seltenheit. Auch ich war an diesem Abend "undercover" - also ohne einen meiner geliebten Anzüge. Und das war auch gut so.

Die Gastronomien am Schulterblatt gelten für den Laien als Goldgrube. Der Betrieb, bzw. die "Fülle" pro Abend wird glaube ich nur von einigen Ecken im Rotlichtbezirks übertroffen. Und ich habe für mich überlegt: Würde ich gerne einen Laden hier betreiben?

Nach zwei bis drei Analyse Bieren stand meine Entscheidung fest: Nein. So charmant so ein Besuch auf der Schanze auch ist, er sei ausdrücklich jedem empfohlen, so wenig ist das dauerhaft etwas für mich. 

Ich habe versucht einen Unterschied zwischen den Läden festzustellen. Sicherlich, wer genau hinschaut findet einiges. Nur so für mich, an diesem einem Abend, wirke alles sehr ähnlich. Was mir fehlte, ist Gastronomische Vielfalt. Man möge mich nicht falsch verstehen: Es gibt Cafés, Kneipen, Bars, Italiener, Spanier, Currywurst etc. Aber doch, gerade was das trinken angeht, alles sehr dicht beieinander. Für so einen alten dicken Kellner wie mich.  Wahrscheinlich auch oder insbesondere der Fülle wegen.  Flaschenbier - immer unter 3,00 €. So in meiner Sommerlaune wirkten, vereinfacht gesagt, alle Läden gleich. Soundtapete, Bier, ab und zu ein brauchbarer Longdrink. Das war's. Wo war der USP? Wo der Unterschied, der Grund, außer der Lage, das sich der Gast genau entscheidet einzig und allein in diesen einen Laden zu gehen. 

Wir zogen weiter zu einem alten Klassiker: der Bar Rossi, am Ende des Schulterblattes. Der Laden war gut gefüllt, hob sich angenehm vom der Biermeile am Schulterblatt ab und servierte ein paar ordentliche Longdrinks.

Als wir hier aufbrachen wurde ich unerwartet  daran erinnert, was für ein hartes Geschäft unser Gewerbe ist. Es war Samstag Abend, mittlerweile kurz nach Mitternacht, die Schanze immer noch mit tausenden Menschen auf der Strasse gefüllt, die Bar Rossi sehr gut besucht. Ein ganz paar Schritte weiter traf mich dann der Schreck. Wir gingen an einer Bar vorbei, von der ich immer schon gehört hatte. Nur Gutes. Von den Kollegen. Und ich hatte es bislang noch nicht geschafft. Anfang des Jahres neu eröffnet. Gute Drinks, gut eingerichtet etc. Aber:

Kein Gast. Nicht einer. Um halb eins. Am Wochenende. Das tut weh. Und 30 Meter weiter tummeln sich die Menschen. 

Nun den. Wir fuhren Richtung Ottensen und hielten noch ein paar mal auf ein kleines Bier an. Und irgendwie zogen sich diese Art "Flaschenbier-in-der-Hand-und-alle-stehen-rum-aber-warum-nochmal-genau-hier?"Läden bis tief nach Ottensen hinein. Vielleicht lag es am Wetter.  Aber es geht ja nicht immer um den Laden, die Bar. So genoss ich die Stimmung, die kühlen Biere und die erstklassige Gesellschaft.

Und so kurz nach zwei fiel es mir ein! Wer Ottensen kennen gelernt haben will, kann das nur von sich behaupten, wenn er das BLAUE BARHAUS besucht hat. Auf ging es...

Schon wenige Sekunden nachdem ich mein Fahrrad angeschlossen hatte und die Tür des skurrilen blauen Hauses öffnete, überkam mich ein gutes Gefühl. Ich betrat den ersten "echten" Laden an diesem Abend. Eine Bar. Gut gefüllt. Mit komplett unterschiedlichen Gästen und eigenwilligerer Musik.

Es gab eine anständige Getränkekarte und mir wahr plötzlich danach, was ich eher selten mache, Cocktails zu trinken. Irgendwie wirkte hier alles vertrauenserweckend. Wir bestellten Drinks, drei Runden, und alle waren erstklassig.

Die Suche nach einer anständigen Bar war an diesem Abend langwierig, aber ja auch nicht gefordertes Ziel. Dennoch somit für mich ein guter Abschluss.

Das Blaue Barhaus ist ein der Klassiker in Hamburg Ottensen. Eine Stadteilbar, wie Sie perfekter in Ottensen meiner Meinung nicht sein könnte. Wer im Kopf nicht über seine Stadtteilgrenzen hinweg kommt, sollte besser nicht hierhin kommen. Als ich vor nicht ganz 20 Jahren nach Hamburg kam, servierte das Blaue Barhaus  die ganze Nacht Happy Hour Capirinhas in 0,6 ltr Gläsern - und ich trank nicht wenige davon !

Und ich hatte großartige Zeiten schon in meiner Ausbildung. Heute betreibt ein ehemaliger Stammgast meiner alten ATLAS Bar das Blaue Barhaus. Markus Kohn. Es hat sich viel geändert. Gut so. Was sich nicht geändert hat, ist der persönliche Charme des Hauses. Das Blaue Barhaus ist eine von mir leider zu oft vergessene Bar. Zu unrecht. Sie hat Herz und Seele, sehr gutes Personal, Geschichte und gute Drinks. Was will man mehr? Ich zumindest nichts...

 

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Links:

BLAUES BARHAUS

Große Brunnenstrasse 55

Hamburg / Ottensen

www.blaues-barhouse.de

 

Cocktailors - Markus Kohne

Corporate and Private Bartending

www.cocktailors.de

27.07.2012

Dale's Pimento Aromatic Bitter jetzt in Deutschland erhältlich

Bitters sind ja irgendwie ein wenig 2010. Nicht das man mich nicht
missversteht: Sie sind das Salz in der
Suppe, besser gesagt das Gewürz im feinen Drink. Andererseits wurden und werden wir seit einigen Jahren mit Bitters überschwemmt. Und, wenn ich mir so die eine oder andere Kreation auf Wettbewerben oder Barkarten anschaue, denke ich mir manchmal - weniger Bitter ist mehr.

Der Einsatz von Bittern will gekonnt dosiert sein, dann sind Sie das Gramm was nötig ist, für den perfekten Drink.

Ich halte die Bitters Auswahl im Löwen eher klein. Allerdings: als ich lass das der King of Cocktails Bitters produziert,
juckte es in den Fingern.

Markus Lion von Lion Spirits schickte mir heute eine Mail. Dale' s Bitters ab sofort lieferbar.

Ich habe 6 Fl. bestellt und bin gespannt. Der geneigte Bar Owner sollte mal einen Blick auf Markus Shop werfen. Ein, zwei angenehme
Überraschungen sind
zu verbuchen. Dazu später mehr. Mal sehen, wie sich Dale's Würztropfen einsetzen lassen...

Links:

http://www.lion-spirits.de/detail/index/sArticle/517

26.07.2012

Deutsche Ausgabe des PDT Cocktailbook




Heute erhielt ich Post vom Gestalten Verlag Berlin. Das PDT Cocktailbook ist in der Deutschen Version erschienen.

"Das geheime Cocktail Buch - Das Barbuch der New Yorker PDT BAR"

gestalten Verlag • Berlin • New York • London

Jim hatte mich um ein Zitat für das PDT Cocktail Book gebeten:

"Vom PDT Bar-Buch müssen sich Bartender und Liebhaber gleich zwei kaufen. Eins für die Sammlung und eins für die Bar. Sie werden damit arbeiten, es gehört hinter jede Bar - die Rezepte sind perfekt. Ein "Must habe" für Bartender!"
Glückwunsch an Jim Meehan und die Crew vom PDT NYC.

Es bleibt die Frage: Wann erscheint das erste PDTHH Bar Buch ;)

www.pdthh.com


"PLAYBOY" Magazin zur Deutschen Cocktail Meisterschaft 2012

Aus dem aktuellen Playboy Magazin:


Zitat Playboy Magazin:

"Die DEUTSCHE COCKTAIL MEISTERSCHAFT 2012? Darauf wartet die Welt genauso dringend wie auf die nächste Talkshow zum Thema Euro-Bonds. Wobei: Wenn sich alle Tresenclowns mit Vorliebe für bunt beschirmte Mixgetränke am 23. Juli in Leipzig treffen, hat der Rest von Deutschland einen Tag Pause von ihnen. Auch nicht schlecht."

Ich würde mal grob einschätzten, das die Damen und Herren des Lifestyle Magazin keine Vorliebe für komisch dekorierte Drinks haben. Wenn man den Ausführungen von Herrn Hubert bezüglich des "Floristen Cups"folgt, scheinen die Playboys da auch für die aktuelle Meisterschaft einen Nagel auf den Kopf getroffen zu haben.

Schade nur, das die Deutsche Barkeeper Union den PR-lastigen Begriff "28. DEUTSCHE Cocktail Meisterschaft 2012" so unreflektiert benutzt. Deutsche Meisterschaft der DBU wäre die richtige Kommunikation. Denn schließlich vertritt der Verein nur ein paar tausend Mitglieder im Land. Und, so gelungen so ein Vereinstreffen und Wettmixen intern auch sein mag, so wenig spiegelt es  repräsentative unseren Berufstand im Land wieder.

Was auf solchen Wettbewerben, oder auf dieser selbsternannten Deutschen Cocktail Meisterschaft ins Glas gekommen ist, hat nichts mit dem zu tun, was tausende von hart arbeitenden Bartendern jeden Abend bei ihren fantastischen Gästen abliefern. Werte Playboys, tut mir leid, das da jemand meint, für alle Deutschen Bartender sprechen zu müssen. Solche Wettbewerbe sind weit von dem entfernt, was Abends in der Bar passiert. Zum Glück. Sonst könnte ich nicht mehr trinken gehen...

Links:

• Mixology Magazin über die DBU-Cocktailmeisterschaft 2012
• www.playboy.de

TIKI TIME - BALLROOM - at BEEF CLUB PARIS

BALLROOM - the hidden Bar at the Beef Club 58 rue Jean Jacques Rousseau, 1st, Tel. 09-52-52-89-34.

24.07.2012

30 Jahre Schumann's Bar in München...

Schumann's Bar

 

Gestern Abend ist München in den Hofgarten spaziert. Das Schumann's hatte zum Sommerfest geladen. Und es gab einen ganz besonderen Grund: Das Schumann's ist 30 Jahre alt geworden.

Mich erreichte Herr Harrasser eMail einige Tage zuvor. "Herr Meyer, wir würden uns freuen, wenn Sie kommen….". Ich musste nicht zweimal überlegen. Wenn Charles und seine Schumänner einladen, hat man alles stehen und liegen zu lassen!  Man füllt den Champagnerkühlschrank auf, schreibt eine Notiz und hängt sie an die Höhle, äh...  an die Tür des Löwen:

"Ich bin bei Charles. Helft Euch selber! Champagner ist im Kühlschrank...."

Seit Wochen ist das Wetter großartig, fantastischer Sommer - es regnet jeden Tag. Was wünscht man sich mehr. Wenn man eine Bar betreibt. Jeder Regentropfen verwandelte sich im Sommer Abends ins Bares - wer braucht schon Beeachclubs?

Nun, im ICE nach München, hatte ich mich doch gefreut, das das Wetter gut war. Ein Schumann's Gast, einer aus dem inneren Kreis, kam am Wochenende ins Le Lion und verriet, das die Gästezusagen mittlerweile 700 überschritten hätte. Also wäre ein wenig gutes Wetter und Hofgarten charmant. 

Ich hatte den Fehler gemacht, keinen Bekannten in den Hotels in München anzurufen, sondern über HRS zu buchen. Kleines Boutique Hotel, 700 Meter vom Schumann's - absolute Katastrophe. Aber was soll es. Letzten Endes plante ich keinen großen Aufenthalt in diesem Abzocker Witz von Zimmer. Frischmachen - darum ging es. Und bei besten Wetter flanierte ich im Sonnenschein zum Schumanns.

Als ich gegen halb acht beim Schumann's ankam, traf man auf hunderte gute gelaunter Damen und Herren. Elegant, so stand es auf der Einladung. Und das Bild, was sich einem bot, war fantastisch, irgendwie nicht von dieser Welt. Zauberhaftes Wetter, wunderschöne Menschen, hunderte.

Um und im Schumann's, mehrere Bars im Hofgarten, eine bis auf den letzten Mann aufgestockte Schumann's Brigade in blütenweißer Uniform zwischen den immer mehr werdenden Gästen. Es lag der berühmte Münchener Italo Flair über dieser Szenerie. Die Menschen waren Dankbar, das das Wetter Ihnen dieses Geschenk machte. Sie waren dankbar, das Charles befohlen hatte "Zieht auch anständig an" und sie waren dankbar, das die Weiße Brigade in gewohnter Gelassenheit und Profession sie mit Drinks und kleinen Speisen versorgte. Alle waren gekommen um Danke zu sagen. Danke an Charles und sein Team. 

Denn Sie wussten, ohne Ihn, wäre diese Stadt nicht, was sie ist. Sie wäre kleiner, provinzieller, langweiliger, ein Nest an der Isar. Soviel zum Offensichtlichen. Hinzuzufügen sind tausende von Einzelschicksalen. Die Geschichten, die jeder der Anwesenden mit Charles und oder seiner Bar verbindet. All die kleinen und großen "Danke Charles, Danke Schumann's Bar" Geschichten dieser Stadt. 

Die erste halbe Stunde vermied ich Gespräche mit all den ganzen bekannten Gesichtern. Ich hielt mich an meinen guten Glas Champagner fest, was Kostas mir am Eingang serviert hatte und mit dem Ruf "Jungs, Meyer ist da, holt Champagner nach!" an der Aperitif Bar quittierte. Mit diesem Glas stand ich nun im Hofgarten, und genoss diese einmalige Szenerie. Gänsehaut. Diese Vielzahl von unterschiedlichen Menschen und Charakteren, geballt an einen Platz, war nicht von dieser Welt. Es spielte ein Band. Jazz rundete dieser surreale Szenerie ab. 

 

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Der Hofgarten füllte sich enorm, die Gläser leerten sich regelmässig und die Weiße Brigade füllte Sie nach. Stetig, konsequent, lässig aber immer mit einem Lächeln.  Ich bin mir sicher das zu Kernzeiten an die 2000 elegante Gäste den Hofgarten und das Schumanns besuchten. Und jedem wurde irgendwann klar, das die Anzahl der Gäste über allem erwarteten liegen würde. Aber, 30 Jahre Training zahlen sich aus. Man vertraut auf Charles und das Team, behält die Ruhe, und weiss, das es was zu trinken geben wird.

Gerüchten zuflogen kämpften zwei, drei ältere Herren im Smoking mit harten Bandagen am Kücheneingang um einen der heiß begehrten Teller Fleischpflanzerl zu ergattern. Das, so kann ich beruhigen, lag nicht am mangelnden Benehmen der Herren, sondern ausschließlich an der unglaublich guten Qualität des Essens.

Herr Möhring, Bartender Kollege und an diesem Abend zuständig an der Moscow Mule Bar, verriet mir um 20.00 Uhr, das man gut 250 Liter des legendären Schumann's Ginger Beer gebraut hatte, um dann um ca. 22.00 Uhr dessen Ausverkauf zu verkünden. Ähnliche Meldungen kamen von diversen Außenposten an diesem Abend. Und man möge mir glauben, noch NIE in dieser Welt, ist eine Bar so stilvoll leer getrunken worden, wie das Schumann's gestern. 

Charles Schumann nahm sich die Zeit, mich herzlich zu begrüßen, gab der Presse Interviews und sorgte sich, eigentlich wie an jedem Abend, um das Wohl seiner Gäste. Nach Mitternacht beeindruckte er mich dann gleich zweimal: 

Zum einem verkündete er um 00.30 Uhr "So, jetzt müsst Ihr nach Hause gehen, wir sind leer getrunken". Großartig. Nicht ein Gemaule von den immer noch viele hunderte Personen starken Gästeschar. Nein, Standing Ovation für Chalets und sein Team.

Und fünf Minuten später sah ich Charles, in weißer Schürze, Jacket abgelegt, wie er mit seinem Team die Gläser im Aussenbereich einsammelte. Und ich dachte mir, "Meyer, werde ich jemals diese Größe haben?". 

Charles Schumann hat mich mit in die Bar gebracht. Indirekt. Mich inspiriert. Das Feuer geweckt. Ich kann mich noch sehr gut an die Abende erinnern, wo ich in meiner Ein-Zimmer-Lehrlingsbude in Hamburg eine Jazz Scheibe auflegte und immer und immer wieder in seinen drei Büchern gelesen habe. Meine Erste Bar LE BON LION ist ein Tribute an die Kurzgeschichten DER GUTE LÖWE aus seinem Buch. Vieles kommt von Ihm.

Und viele seiner Lehren sind mir heute noch wichtige Massstäbe bei meiner täglichen Arbeit. Irgendwann um das Jahr 2000 gab es dann ein Tagesseminar mit Charles Schumann. Das waren noch die Zeiten, bei denen man ich glaube 70 € als Teilnehmer zum Seminar dazugezahlt hat, statt dieses geschenkt zu bekommen. Und ich habe keinen Euro bereut. Ein Tag mit  Charles Schumann. Wow, großartige Geschichten. Und die Person Charles hat mich ebenso beeindruckt wie seine Bücher. Es folgte  meine  Zeit im Le Bon Lion und im Le Lion und sehr viele Besuche in Schumanns neuer Bar. Ein Besuch von Charles im Le Lion - Red Basil Smash testen. Heute kennen wir uns gut - hätte ich das an all den Abenden in meiner Lehrlingsbude je gedacht?

Wo sonst, in diesem Land oder diesem Kontinent, findet man eine so gut besuchte Bar, an der jeden Abend dutzende von Bartendern unsere Profession leben und perfekt ausüben und die aufgrund Ihres unbeschreiblichen Gäste Mix ein gesellschaftlicher Verdichtungspunkt ist?  Nirgends, glaube ich. Nicht in dem Umfang. Außer in München. Bei Charles.

Dieser Charles, der bei eigentlich jedem Besuch im Schumann's irgendwo mitarbeitet. Seit 30 Jahren. Ein kurzes Hallo, ein kurzes Gespräch, und zurück an die Arbeit. So wie gestern Abend. Vielleicht kann mich Herr Kappes am dreißigsten Geburtstag des Le Lion daran erinnern, das ich mit Ihm und dem Rest des Team zusammen aufräume, falls ich mich gerade in die Menge stürzen möchte.

Das beeindruckt mich. Es gibt dutzende von "bekannten" Bartendern. Consultern und schlimmere Auswüchse in unserer Branche. "Missionierende" die auch mal hinter einer Bar standen.  Manchmal "Journalisten" /Schreiber die sich Dank ihrer ein, zwei Jahren hinter irgendwelchen Tresen zu großen Meinungen und Urteilen über unseren Beruf hinreisen lassen.

Und es gibt Charles Schumann. Der fast jeden Abend in seiner Bar steht. Mit Siebzig. Und arbeitet. Mit seinem fantastischem Team. Ich denke nicht weil er muss. Sondern weil er will. Weil man nur so ein Bartender ist. Und weil man nur so ein wahres Vorbild ist. 

Danke Charles und danke an Euch Schumänner. Danke das es Euch gibt. Ihr seid mein Ansporn.

 

 

18.07.2012

Kaufempfehlung: Rum Opthimus 25 Jahre Malt Whisky Barrel 43%Vol

Ich gestehe, es gibt bessere Fotos. Der abgebildete Rum allerdings, ist einer der besten, die ich seit langem getrunken habe.

Nein, der Pudel im Hintergrund der Flasche gehört nicht zur Standardausstattung.

Wohl aber ein vielschichtiger Körper, der sich dank des Whisky Fass finishings angenehm von den mittlerweile gehäuften sehr süssen, dunklen, "alten" Qualitäten abhebt.

Ein Unterschied zu diesen Vertretern, das gilt es zu betonen, ist allerdings auch der Preis.

Unter 100€ brutto im Einzelhandel nicht zu bekommen. Dennoch, für den geneigten finanzstarken Connaisseur oder den Bar-Owner mit eben solchem Klientel eine, meine, Kaufempfehlung.

Opthimus Malt Whisky Barrel 25 years

• Solera Cuvee
• Tomatin Highland Barrels
• Domenikanische Republik
• Bottle 1126 de 1350 Año 2011
• 43 Vol. %

12.07.2012

"Der Papageno" , der vergessene Beruf des Barkellners und das Löwen Rezept Tool EVERNOTE

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Ich bin ausgebildeter Kellner. Zweieinhalb Jahre Ausbildung zum Kellner. Am Tisch vorlegen, Flambieren, Filetieren. der ganze Spaß. Toller Beruf. Ich glaube nach wie vor das eine Kellner Ausbildung die beste Ausbildung für einen Bartender ist. Schlägt jeden Bar-Mixer und Barmeister Kurs haushoch. Danach noch ein, zwei Jahre in einer guten Bar arbeiten, fertig ist ein gescheiter Bartender.
Thomas Domenig hat bei uns 6 Monate als Commi de Bar gearbeitet. Er hat vorher schon etliche Jahre als Kellner gearbeitet. Seit gut drei Monaten ist seine halbes Jahr Commi im Löwen um und Thomas arbeitet seit dem bei uns als Barkellern. Und es ist eine Freude ihm bei der Arbeit zu zusehen.
Er vereint die hohe Schule des Kellners mit den ergänzenden Kenntnissen der Bar  ausgesprochen gut - habe ich so selten gesehen. Die Beratungsgespräche am Gast sind elegant, anregend und nie langweilig. Vom immer gefüllten Glas Wasser zu schweigen. Man merk Thomas Arbeit unter anderem an der stetig zunehmenden Anzahl der "Diverse Getränke" Bon mit individuellen Empfehlungen an der Mix Station.
Vor einigen Tagen lag da wieder so ein "Domenischer" Divers Zettel. "1 X PAPAGENO" stand drauf. Ich stand am Service Ausgang, schaute dem begnadeten Kappes beim Mixen zu, musterte die Gästeschar und musste nachdenken. Wie war noch einmal das genau Rezept?
Mein fragender Blick schien Thomas zu verwirren. "Aeh - der Gast fragte mich nach einen Drink mit weisser Schokolade - da fiel mir gleich der Papageno ein. Ist doch eine passende Empfehlung, oder?"
Ich musste Lachen. "Sicher", sagte ich "gute Empfehlung!". Das Rezept fiel mir wieder ein. Ich selber mag Ihn mit einem Schuss mehr Strega, der Kräutrigkeit wegen. Überhaupt ist Strega ein großer, unterschätzter Likör. Aber das ist ein anderes Thema.
Ich lachte eher eines anderen Umstandes wegen. Die Umstände, zu denen heute junge Kollegen an der Bar anfangen haben sich wahnsinnig geändert. Als Kappes oder Meyer hinter der Bar anfingen, fragten Profi Gäste unsicher "Haben Sie Gin?" und wir antworteten stolz "Sicher doch, nicht nur Gordons sondern auch Gilbeys, Beefeater,  Tanquerray und Bombay!". Damit waren wir wohl die best sortierte Gin Bar der Stadt.
Heute Fragen Gäste "Ich hätte gerne einen Drink mit weisser Schokolade" und die neue Generation Barkeller hat drei verschiedene Empfehlungen zur Hand. Das beeindruckt mich. Es lebe der Barkellner!
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Fußnote: Das Bild zeigt den Screenshot unsere "Rezeptdatenbank"  im Le Lion.  Ich benutze ein Tool / App namens EVERNOTE. Mit einem Premium Account kann ich die Daten allen Mitarbeitern via Smartphone zur Verfügung stellen. Jeder Mitarbeiter kann von Smartphone, Rechner Zuhause  und Unterwegs darauf zugreifen und die Daten pflegen, ohne selbst einen kostenpflichtigen Premium Account zu unterhalten. Ich selber nutze Evernote in vielen Dingen. Ich finde es ein Wahnsinns App - einen Blick wert.

www.evernote.com

Rezept Papageno

11.07.2012

Mixology Bar Awards 2012 - Die Nominierungen, Barkarte des Jahres und Tony Montana

Es ist vollbracht. Sonntag traf sich die Jury der Mixology Bar Awards 2012. Ein arbeitsreicher Tag, ein schwungvoller Abend. Es zeichnet die Jury aus, das die Mitglieder allesamt eine sehr späte Samstag Nacht hatten. Dienst am Gast! Der Espresso Verbrauch in der Arbeits-Bar des Restaurant Schneeweiss war ungewöhnlich hoch, das Arbeitstempo, dank des Jury Vorsitzenden Gregor Scholl, ungewöhnlich schnell und effektive. Vielleicht trieb uns indirekt der in Aussicht gestellte respektable Aperitife - dazu später mehr.
Die Mixology Bar Awards entwickeln sich von Jahr zu Jahr weiter. Ich habe mich sehr gefreut, das in diesem Jahr ein Vorschlag aus meiner Hand aufgegriffen und vertieft wurde. Der Rahmen wurde geändert. Die Awards 2012 finden im Rahmen eines Seated Dinners statt. Ich verspreche mir sehr viel davon und zolle den Organisatoren Respekt, diesen Schritt gegangen zu sein. Zeitgleich zum gesetzten Dinner mit begrenztem Karten Kontingent gibt es in Berlin eine Award Party mit, nennen wir es "EM like": Public Viewing.
Zum andern feilen Jury, Barworkz und Mixology jedes Jahr an dem Nominierungs Procedere und der Gewinner Ermittlung. Denn, auch wenn der eine oder andere Kritiker bzw. enttäuschte Nicht-Gewinner schnell von Klüngel, Vetternwirtschaft und anderen Vorwürfen eines unfairen Systems redet, bemühen wir uns jedes Jahr, das System zu verbessern.
In diesem Jahr wurde der Einfluss der sogenannten Beiräte verstärkt. Es gibt drei Arten von Beiräten: Industrie, Gastro und Medien. Mehr als 60 Stimmen aus diesen Kreisen, sowie die Stimmen der Jury haben Namen und Bars für die einzelnen Kategorien bewertet. Aus diesen Listen ergaben sich die Top 10 der Nominierten. Aus den finalen Top 5 konnte die Jury Ihre Favoriten einzeln und geheim wählen. D.h. Alle Nominieren und die einzelnen Gewinner der Kategorien stehen bereits jetzt fest.
Allerdings sind uns als Jury Mitgliedern die Gewinner, im Gegensatz zu den Nominierten, nicht bekannt. Sanjay von Barworkz und sein Rechner haben die Stimmen zusammengeführt und wissen um die Gewinner. Wer es also nicht mehr abwarten kann, möge Sanjay "knacken" oder seinen Rechner hacken. Viel Spaß dabei.
In diesem Jahr gibt es eine neue Kategorie. Barkarte des Jahres. Das Studium der vielen Exemplare war ein Vergnügen. Von Geschichtsbüchern über Designstudien. Die Mischung ist entscheidend, ich bin gespannt wer das Rennen gemacht hat.
Frau Hindermann, Victoria Bar Berlin,  brachte ein beachtenswertes Exemplar mit:
Barkarte des Jahres?

Wird es DIE Barkarte des Jahres?
Nach getaner Arbeit lud uns Herr Scholl in die Chapel Bar Berlin. Es wurde ein selten gewordener Booth High and Dry Gin Martini gemixt. Der Sherry Fass gelagerte Wacholder Brand spülte die Müdigkeit vom Vortag und Vormittag weg. Er küsste uns wach.
Am frühen Abend war es in der Chapel Bar noch eher ruhig. aber die Bar gefällt mir gut. Das war definitive nicht mein letzter Besuch hier.
Chapel Bar

Es ging in Ritz Carlton, Check In und zweiter Aperitif im Curtain Club. Es folgten ausgezeichnetes und langes Dinner im THE GRAND BERLIN - dazu gute Drinks von Kai, ehemals Butchers Bar. Unser Abschluss bei einem alten Bekannten:  Oliver Ebert, Becketts Kopf - Bar zur Verfeinerung der Sinne.  Frau Hindermann führte Gabányi und Co. noch auf ein bis zwei Abschlussbiere in ein paar Berliner Gaststätten, ich war raus.
Umso verwunderter war ich am nächsten Morgen zum Frühstück: Stefan, mit Sonnenbrille, und Markus Blattner waren "frisch"  im Frühstücksraum anzutreffen. Das Frühstück im Hotel ist mir immer wichtiger Bestandteil jeder Bar-Show. Dort habe ich in den vergangen Jahren immer wieder stundenlange Gespräche mit fantastischen Personen unserer Branche geführt und diese kennen und lieben gelernt.
Nun sass ich also neben Stefan und Markus und ich verschob im Kopf meine Zug-Abfahrt um ein bis zwei Stunden. Gut so. Großartige Geschichten aus der Bartender Welt. Ich bin süchtig nach solchen Geschichten. Und Gabányi servierte meine Droge perfekt.
Kostprobe gefällig?
Im alten Schumanns gab es an vielen Tischen eine feste Sitzordnung. Einige der Stammgäste hatten Metallschilder an Ihren Plätzen. "Ihr" Tisch!
"Die Arbeit war ein Spaziergang" so Gabányi, " das einzig Anstrengende war das Platzieren der Gäste und das Tisch Managment". Ein Ecktisch gehörte sozusagen dem Barteam. Den hielten Sie immer frei für Ihre Lieblinge. Der Tisch war grundsätzlich reserviert und auf dem Reserviert Schild stand "Reserviert für Tony Montana". Öfter fragten unbekannte Gäste ob Sie dort Platz einnehmen könnten. Selbstverständlich nicht. "Wir haben es völlig übertrieben. Das war eigentlich "unmenschlich"", so Gabányi. " Andererseits, geben solche Geschichten einer Bar erst Ihren Ruf".
__
"Entschuldigen Sie, kommt dieser Tony heute Abend noch?"
"Tony, nein, der kommt nicht mehr, der kommt nie!"
"Könnten wir dann dort Platz nehmen?"
"Nein, das ist Tony's Tisch!"
"Wir würden aber so gerne ein, zwei Flaschen guten Champagner trinken…."
"Dann trinken Sie den wohl heute im Stehen…"
Gast, diskret: "Hören Sie, hier sind fünfhundert Mark fürs Team. Das sind wichtige Gäste für mich, für würden einfach gerne Platz nehmen"
Der Gast wurde gebeten zu gehen…
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Diese Geschichten sind das Salz in meiner Suppe. Der Grund warum es immer wieder Sinn macht, Kollegen aus Deutschland und der ganzen Welt zu treffen. Bei all den langen Stunden, der schlechten Bezahlung und den anstrengenden Abenden, haben wir einen wundervollen Beruf.  Wir stehen am Ende der nächtlichen Begehrlichkeitskette. Wir bedienen Tony Montana.

10.07.2012

Happy Birthday Gin Basil Smash... !


Gin Basil Smash - GIN PESTO


Heute, vor genau 4 Jahren, habe ich zum ersten mal über unseren neuen Sommer Drink (2008) geschrieben. Der Gin Basil Smash. Heute wird unser "Gin Pesto" 4 Jahre alt. Happy Birthday.

Ein bisschen stolz bin ich schon auf meinen kleinen, grünen Sprössling. Wow. Wer hätte gedacht, das eine Sommerlaune um die Welt geht. Manchmal möchte ich gerne wissen, wievielt Basilikum allein durch diesen Drink in Deutschland täglich mehr verbraucht wird? Und Global? Ob es jemand in Italien gemerkt hat? Wer weiss, vielleicht gibt es irgendwann die Grüne Ehrennadel vom Italienischen Basilikum Verband...


Ich bin heute außerhalb Hamburgs und werde ein wenig wehmütig Richtung Löwe anstoßen. Herr Kappes und Team Le Lion laden allerdings ein: 

Eingefleischte Gin Basil Smash Fans sind heute im Le Lion • Bar de Paris eingeladen. Von 19.00 bis 21.00 Uhr geht der erste Gin Basil Smash auf uns. Oder solange der Vorrat reicht. 


Der Gedanke, das eine Kreation tausend, zehntausendfach an warmen Sommertagen täglich gemixt und getrunken wird, gefällt mir. "Meyer's Fluch", so wurde mir verraten ist der "interne Name" für einen Gin Basil Smash in München. Großartig!

Gibt es noch mehr? Ich freue mich über Gin Basil Smash Geschichten, Karten, Interpretationen oder Fotos an joerg @ jrgmyr.net


Wenn Sie also heute Abend einen Gin Basil Smash mixen und/oder trinken, wünschen Sie ihm, auch in meinem Namen, eine schwungvollen Geburtstag!

Greatest Bartender Line of All Time...


"Mac... you ever been in love?"

05.07.2012

Falsch zugeordnete Zitate - BCB Street Art Anregungen ...

"Zwischen Leber und der Milz - passt immer noch ein Pils!"
Jerry Thomas, Bartender, New York

Marc Uwe Kling räumt ab. Mit dem Känguru. Ein Preis nach dem anderen. Kleinkunst. Großartig.
Die Geschichte ist so banal wie alltäglich. Ein schnorrendes Känguru, ehemaliger Vietcong Kämpfer, zieht beim einem Berliner Kleinkünstler ein und man gründet eine WG. Die Känguru Chroniken waren der Auftakt, das Känguru Manifest das Meisterstück. Die Bücher eigenen sich ideal als Feld Guide für Neu-Bartender in Berlin. "Gentrifizierung"  - Berlins Vokabel Nr. 1 ist endlich kein Fremdwort mehr, Berliner Schnauze wird dank des Hertha Exkurs nahezu fließend verstanden.
Darüber hinaus aber, kam mir noch eine ganz andere Idee: Die Street Art Initiative des Kängurus sehe ich schon zum BCB 2012 vor mir.  Bartender Shirts mit falsch zugeordneten Zitaten. Großartig. Oben mein Erstlingswerk. Sicherlich: ausbaufähig. Ich bitte um Unterstützung.


  

03.07.2012

Adjektiv Attacken im Löwen. Über das G.

Ein ruhiger Montag Abend. Ich hatte bei den warmen Temperaturen eigentlich so gut wie keinen Gast erwarte aber der Abend lief anders, als ich dachte. Um Zehn war die Bar recht gut gefüllt. Thomas versorgte den Floor mit Adjektiven. Seine Drinks-Beschreibungen sorgen für ein "Oh" und "Ah" am Gast. Er legt Bons vor mir ab. Drinks die ich seit langem nicht mehr gemacht habe. TRIPLE G stand da fein säuberlich unter GETRÄNKE DIVERSE.

Hmm. Gute Wahl. Warum ist mir der schon so lange nicht mehr in den Shaker gewandert? Ein Drink von Ginçalo. Die Gäste an der Bar belauschen Thomas, wie er Adjektiv, gut verpackt, zum Thema TRIPLE G beständig am Tisch abfeuert. Nicht ohne Wirkung zu erzielen!

"So einen wollen wir auch!" beenden die Gäste an der Bar Ihren Lauschangriff.

Ich überlege wofür das dreifach G steht. Das Rezept ist auch nach Jahren sofort zur Hand. Ich beginne zu mixen und überlege: Äh, wie war das noch einmal. Gin, Gurke & Ginger? Gin Ginger Ginçalo?

"Ginger Gin Gimlet" kommt es trocken aus Richtung Österreich. Oder war es doch Ginçalos Ginger Gimlet?

Wie auch immer. Guter Drink. Gerade jetzt, bei steigenden Temperaturen.

TRIPLE G, von Ginçalo de Sousa de Monteiro

  • 5,8 cl Gin
  • 2,6 cl Roses Lime Juice
  • Spur frische Limette
  • Etwas frischer Ginger
  • Gurke
Ingwer reiben, Drink Schütteln, served straight, Ganitur: Gurke

02.07.2012

Shorts...

Ich betrete die Bar. Es ist nach halb elf. Ich hatte Mario und Thomas gesagt, ich bin um zehn da. Naja.

Es ist Freitag. Es könnte schon sehr voll sein. Andererseits ist Sommer. Vielleicht habe ich Glück...

Ich schiebe den schweren Vorhang beiseite. Alle Plätze belegt, aber niemand steht in zweiter, dritter Reihe.

Thomas macht einen entspannten Eindruck. Alles im Griff. Mario hat keine langen Bon Reihen liegen. Gut, denke ich, mein zu spät kommen scheint nicht problematisch.

Ich scanne die Tische, vielmehr die Gäste. Einige bekannte Gesichter, hier und da ein begrüßendes Kopfnicken.

Da entdecke ich ihn. Arrrggh. Ein Gast. Männlich. In kurzen Hosen bzw. Shorts . Oh mein Gott. Ich bekomme schlechte Laune. Warum quälen einen Gäste so niederträchtig?

Ich gehe ins Office, und trinke einen Espresso. Irgendwie muss ich mich beruhigen, zumindest ablenken.

Ich werde nie verstehen, warum Männer das tun. Shorts, Abends, in einer Großstadt, in Bars und Restaurants. Lächerlich. Ein absolutes No-Go.

Der Espresso schmeckt, ich beruhige mich.

Ich gehe raus, bleibe freundlich, auch zu dem Gast in kurzen Hosen.

Verstehen werde ich es nie.