02.05.2012

Warum ich mich und das Le Lion von FACEBOOK abmelde / lösche .

Vor einigen Tagen habe ich meinen „privaten“ Facebook Account gelöscht. Besser gesagt, nach langer Recherche habe ich rausgefunden, das man einmalig private Accounts in FB-Pages umwandeln kann. Damit einher geht die gesamte Löschung aller Daten, die man auf Facebook hinterlegt hat. Also habe ich meinen Account in eine Page gewandelt. Diese Page, ca. 4000 Kontakte, schalte ich jetzt ebenfalls ab. Hinzu kommt die Page meiner Bar, Le Lion • Bar de Paris, mit knapp 3000 Kontakten. Einige „kleinere“ Pages, wie die zu diesem Blog (ca. 500 Kontakte)  etc.

Ich "trenne" mich somit von knapp 9000 Kontakten. Wobei, man sollte fair bleiben, viele Kontakte doppelt angemeldet waren, auf mehreren Pages. Aber ein paar tausend sind es irgendwie.

Ich glaube zwar nicht, das Facebook tatsächlich meine Daten gelöscht hat.  Aber der Trick mit dieser Wandlung hat mir schonmal gereicht. Alles Weg. Gut 5 Jahre Facebook, mehr als 5000 Status updates, ca. 800 Fotos auf denen ich markiert war, etliche „Check ins“ auf der ganzen Welt, diverse Videos. Gut so.

Seit dem ich dies in eben diesem Medium angekündigt habe, hat doch erstaunlich oft das Telefon geklingelt und mich haben Menschen erstaunlich oft darauf angesprochen. „DU verlässt Facebook??“ Wow. Ich scheine einige Personen mit diese Entscheidung durchaus beeindruckt zu haben. 

Eine PR Agentur hat mich mal in den letzten Jahren in einer Deutschland weiten Studie als Mover und Shaker No. 1 in Bereich Bartender/Bar Branche heraus gearbeit. Deutschland‘s best vernetzter Bartender. Vielen Kollegen, Branchenvertreter und Gäste haben mit mir in den letzten Jahren via Facebook Kontakt gehalten, bzw. mich so erst „kennen gelernt“. Und die Verwunderung scheint durchaus groß. Ich werde der Sache hier und jetzt auf den Grund gehen. Warum melde ich mich von Facebook ab?

Ich warne Sie vor. Dies wird im ganzen gesehen ein furchtbar langer Text. Sie wissen schon, so eine "Es war einmal…" Story. Sie könne die Einleitung "Wie alles begann" überspringen wenn Sie es nicht so mit langen Texten haben. 

Wie alles begann...

2005 besuchte ich die Bar Messe in London. BAR 05 war glaube ich der passende Titel. Ich kannte niemanden. Aber es gab eine Bühne mit einer kleinen Demo Bar. Vom WORLD WIDE COCKTAIL Club. Ich blieb am ersten Tag an dieser Bühne stehen und habe mich einfach nicht mehr weg bewegt. So etwas hatte ich noch nicht gesehen. Dort kamen Bartender aus der ganzen Welt zusammen und sprachen über Cocktails und Ihre Bars. Ich kaufte mir einen Kaffee, setzte mich ins Publikum. Ich sah zwei Gesichter aus Deutschland. Helmut Adam und Jens Hasenbein. Und ansonsten sprach man im Publikum mit Bartender aus der ganzen Welt.

Wow. Ich hatte Blut geleckt. Und fuhr von fort an zu allen Bar Shows die ich in Europa finden konnten. Ich wollte Bartender kennen lernen. Geschichten von Bars und Drinks hören. Ein Netzwerk aufbauen.

London blieb in den ersten drei, vier Jahren der größte Hub, die wichtigste Messe. 2006 war fantastisch: Mauro, Bastian und Helmut "on Stage" - Deutschland zum erstmal mit dabei, im Internationalen Bartender Circus in den Gründer Jahren!

2007 kam Stephan Berg mit nach London. Bitters-Blog Büro Nord und Süd waren von Hendrick's zum ersten Internationalen  Bartender Croquet eingeladen worden. Wir vertraten Deutschland. Würdevoll. Wir siegten! Cucumber TV brach alle je gedachten Rekorde. Das Wetter war fantastisch. Ca. 250 internationale Gäste auf dem grünen Rasen und beim Croquet. es hagelte die coolsten Visitenkarten der Branche. Danach, bei erster lauer Sommerluft, mit diesem Tross durch Londons Bars getrunken - irgendwann um drei im Taxi gefallen. Meine Schweter hat mich und Helmut auf dieser Nacht Fahrt Interviewt. Das Videomaterial liegt in einem Safe. Sicher ist sicher.

Danach zwei Tage Messe. Es hagelte weiter Kontakte. Das Wetter war bombe. Die Beste Barshow aller Zeiten. Und jedes mal beim Karten tauschen fragten die Internationalen Kollegen "Are you on FACEBOOK?"

WTF? FACEBOOK?

Irgendwie, trotz all der Drinks während all der Tage, blieb das hängen: FACEBOOK. Also meldete ich mich 2007 bei FACEBOOK an. Und begann diese internationalen Kontakte zu "adden". Die ersten Deutschen Bartender / Branchen Personen kamen dazu. Helmut Adam, Berg, Heuser, Ginçalo - der "Schwerpunkt war allerdings" international.  Mein Bartender Netzwerk wuchs ungemein. Plötzlich bekam man "Einblick" in die Londoner Bar Szene. Man wußte zeitgleich wie die US Kollegen welche Bars in NY eröffneten. Man begann, die globalen Bartender Gossip aufzusaugen - und das war großartig.

Hinzu kamen andere wichtige Quellen. Die gab es schon vor Facebook. Sie waren wichtig. Facebook war ein nettes Add On.  Einige unglaubliche gute Bartender / Drinksblogs. Das legendäre AOL Cocktail Forum, später dann das Drinksboy (R.I.P) Forum oder auch eGullet.

Meine "legendären" Jahre im LE BON LION -  ohne Paul Clarks Cocktailchronicle hätte es so nie gegeben.

Es entstand unglaublicher Inhalt. Ich war der ausgetrocknete Schwamm der alles, was sich um Drinks drehte, in diesem Bereichen des Netzes aufsog. Und Facebook entwickelte sich zum Backbone dieser Zeit. Hier fand man neue Links und Tips, weitergereicht durch geschätzte Kollegen. Man wurde inspiriert von neuen Ideen und Konzepten, und auch über die Diskussion darüber.

Mit den Jahren wuchs das Netzwerk. Von 2008 bis 2009 waren eine Menge deutscher Kollegen auf Facebook angekommen. Gut so. Was für ein Spaß. Die Abende der Traveling Mixologists in München oder Köln. Legendär.

2010 sind dann so ziemlich alle Branchen relevanten Kontakte auf Facebook angekommen. Spirituosen Brands, deren (Außendienst) Mitarbeiter, deren Agenturen, deren PR Agenturen, alle Medien etc. In der Retrospektive bedingt gut. Allerdings hat das das ganze erst interessant gemacht. Spätestens seit Ende 2009 bzw Anfang 2010 hatte die Peripherie der Branche Facebook verstanden, bzw. glaubt bis heute es verstanden zu haben, und die Kampagnen wurden geändert.

Viral war plötzlich angesagt. Facebook wurde immer wichtiger, schliesslich das Allheilmittel der Branche, die heilige Kuh, um Kontakt mit den "Top" Bartender zu bekommen. Gut so. Meine Web 2.0 Affinität, aber gerade auch der Zuspruch auf Facebook, wurde von den Brands gemonitored. Die Tagessätze stiegen angenehm über 1000,- € und mehr am Tag. Schöne neue Welt.

Ab 2010 wurde Facebook für mich noch "öffentlicher". Gäste, einige Freunde, ehemalige Schulkollegen und Kontakte aus der alten Heimat schicken mir Kontakt Anfragen. Für mich war Facebook immer ein Tool um mit der Bartender Welt in Kontakt zu bleiben. Jetzt wurde es, schleichend, eine breitere Öffentlichkeit… Facebook ist 2012 allgegenwärtig.

Doch zunächst:

Eine Danksagung

Danke Facebook, Danke Mark Zuckerberg. Nein, jetzt ehrlich, ganz ohne Flachs. Ich will hier ja auch gar nicht missverstanden werden. Nur weil man sich bei FACEBOOK abmeldet, muss es ja nicht bedeuten, das man undankbar ist. Also, zunächst einmal ein aufrichtiges Danke. Für die letzten 5 Jahre. Ihr habt viele Menschen zusammen gebracht. Auch die Bartender Welt. Wie toll. Ich habe von Dingen "Wind" bekommen, die ich ohne Euch nie wahrgenommen hätte. Oder erst sehr spät. Ihr habt mich mit der Bartender Welt zusammen gebracht. Ohne Euch hätte ich glaube ich niemals mit dem Le Lion den Preis "Worlds Best New Bar" 2008 in New Orleans, auf den Tales of the Cocktails gewonnen. Wie auch. Vom gesamten Jury Board war maximal einer bis dato mal Gast in meiner Bar. Aber, dank Facebook und anderer Netze hatten die von mir gehört und irgendwie gewußt, das wir verdammt gut drauf sind, was anständige Drinks angeht. Yehaa!

Also, das alles habe ich Euch zu verdanken. Und mindestens eine ordentliche fünfstellige Summe an Tagessätzen in den letzten zwei/drei Jahren. Schwör ich Euch. Das ist verhalten geschätzt. Und wie viel stetiger Umsatz dank Euch mehr im Le Lion geflossen ist, kann ich gar nicht berechnen oder messen. Kommen wir damit in die sechs Stellen? Egal, lass uns mal ausnahmsweise nicht mehr das Geld im Vordergrund sehen. Sehen wir auch all den Spaß, die unzähligen lustigen Momente die Ihr mir beschert habt. Den wirklich großen Spaß, am Leben andere Teil zu haben. Gut, es birgt ein gewisses Suchtpotenzial. Aber dazu später mehr. Zunächst einmal ist es wirklich toll. Ihr habt was außergewöhnliches gemacht.  Bravo! Danke! Toll! Ihr habt meines und vieler anderes Leben bereichert. Monitär und Emotional. Chapeau, oder, als Kompliment an Euch: I LIKE - gefällt mir!

 

 

Also, kommen wir zum wesentlichen

"Warum ich mich von Facebook abmelde."

 

Facebook ist groß - und tritt  mich mit Füßen.

Um die Facebook AGB's zu lesen braucht man derzeit, bei guten English Kenntnissen, ca. 2,5 Stunden. FB sammelt alle nur erdenklichen Daten über seine User. Das ist erschreckend. Etwas zu löschen ist gar nicht so einfach. Kurz gesagt: Facebook ist ein übler Dienstleister. Und auf so etwas kann ich nun einmal gar nicht. Es nervt mich, das jemand so absichtlich "gute" Sitten verstößt.  Die Vorzeichen haben gewechselt. Früher war Facebook neu. es hat Spaß gemacht. Heute ist es allgegenwärtig. Da hat sich mein Paradigma diesbezüglich geändert. Jeden Tag gibt es neue Horrormeldungen über die Sicherheitsfeatures von Facebook. Jeden Tag wächst Facebook. 900 Mio? oder mehr? Bald so mächtig wie China oder Indien - auf jeden fall besser vernetzt. Hunderte male besser als die Stasi im überwachen. Und Augenscheinlich nicht ein kleines bisschen Anstrengungen das ganze transparent und nachvollziehbar zu machen. Mir kommt es so vor, als wenn Facebook seine User mit einem Lächeln verarscht. Und das sollte doch Profi Kellnern vorbehalten sein. Irgendwie gefällt mir diese Entwicklung nicht mehr.

 

Facebook ist allgegenwärtig

Facebook ist jetzt Breiten-Sport. Und, wie man unschwer erkennen kann, bin ich kein Sportler. Facebook ist bei Lieschen Müller so etwas von angekommen. Die ganze Welt scheint sich nur noch um Facebook zu drehen. Facebook ist RTL2 - nicht mehr Arte. Asso-TV sozusagen im Web. Die Einschläge kamen auch in meinen Profil näher. Unglaublich was Menschen so teilen und den ganzen Tag auf Facebook machen. Ich hab es versucht, immer auf meinen Job und die Bartender Welt zu beschränken. Privates ist und war tabu.  Man wird da so über fünf Jahr "reingezogen", verändert sein Verhalten, schleichend. Kümmert sich den lieben langen Tag im Grunde genommen um Klatsch und Tratsch. Plötzlich ist man mitten drin. Ob man will oder nicht. Dann nimmt man einen guten Drink, schaut sich im imaginären Spiegel an, denkt sich: Will ich das? Und die Antwort ist selbstverständlich "nein!".  So fühlt sich das an, wenn etwas plötzlich "groß" wird. Und groß ist nicht meins. Facebook ist masse. Raus da...

 

Facebook ist langweilig geworden.

Klar: tolle Gesichten über den Brand Event hier und Fotos dazu dort. Jede Woche dutzende von Bartender Events etc.  *Gähn* Die "Coolen" posten statt dessen eine Reihe Youtube Musikvideos und ein paar Zitate. Unterhaltsam, Jeder ab und an mal einen Link. Aber im Grunde genommen, alles schön langweilig mit wenig Rock 'n Roll. Und früher wollte ich einfach wissen was in Berlin, München, Köln und sonst wo auf der Welt passiert. Und heute interessiert es mich schlicht weg nicht mehr. Wenn's wichtig war, krieg ich es schon mit. Alle weitere ist zwar manchmal ganz charmante, kurzweilige Unterhaltung - aber im Grunde genommen auch jede Menge langweiliger Stoff...

 

Agenturen haben es verstanden

Das hätte eigentlich ein Warnzeichen sein müssen. In großen roten Lettern hätte da stehen müssen "JETZT WIRD ES LANGWEILIG" - Die Agenturen und Marken erobern Facebook. Sie wollen so ganz entspannt an uns rankommen - so die virale Nummer, sie verstehen schon. Aber da es ja jetzt alle, WIRKLICH ALLE machen, müßte es doch langsam auch allen Agenturen einleuchten: Dieser ganze Mumpitz ist so 2011. Lasst Euch mal was neues einfallen - Facebook ist durch. Die großen Konsum Marken können ja noch nen paar Jahre.

 

Facebook tötet Vielfalt - und LOBO hat recht.

Ich hab an mir selber gemerkt. Ich habe mich immer mehr auf "mein" Facebook Netzwerk verlassen. Jenseits der Links von dort hab ich immer weniger gelesen. Weil Facebook so herrlich bequem ist. Share &  Like. Der gute alte RSS Feed verstarbt langsam, aber sicher. Schwarmintelligenz  kann faszinierend sein, aber in diesem Fall möchte ich gerne drauf verzichten. Was gab es vor einigen Jahren für unglaubliche intensive Kommentar Wechsel zu interessanten Themen auf Blog-Seiten oder in Foren. Heute wird auf Facebook kommentiert, meist eher oberflächlich.  Welch ein Verlust an Diskussionskultur.

Und ein Artikel von Lobo hat mir gut gefallen. Im Spiegel. Euer Internet ist nur geborgt. Recht hat der Mann. Wir legen immer mehr in die Hände von undurchsichtigen Netzwerken etc. Warum betreiben wir nicht einfach "unser" Blog. Selbstverständlich erfordert das etwas mehr Arbeit. Auch das "lesen" der Individuellen Blogs/Meinugen ist nicht ganz so zentralisiert wie auf Facebook. Aber machbar ist es. Und es bringt Vielfalt. Das Netzt ist bunt und groß. Facebook ist nur ein verschwindend kleiner Teil des ganzen. Aber er ist auf der anderen Seite so ein großer Lebensbestandteil geworden, das er alles dominiert. Am Ende des Tage ist es eine simple Webseite mit katastrophalen Benutzer Bedingungen. Mehr nicht. Einfach mal Abschalten. Hab ich von Peter Lustig gelernt...

Also, Danke Herr Lobo. Ihre Artikel bewegen was! (Den Links dazu hab ich übrigens nicht auf Facebook gefunden)

 

Facebook verändert mich - und Dich.

Und dafür muss man sich ja nicht schämen. Schließlich sind wir die erste Generation, die diesen ganzen Social Media Stress mitmachen muss. Wir müssen ja erst lernen damit umzugehen. Ich bekomme jeden Abend den Spiegel vorgesetzt. Mehr und mehr Gäste sitzen an der Bar und legen Ihr Smartphone gar nicht mehr weg. Facebook hat enormes Suchtpotenzial. Ich bin/war ja selber so. Aber wenn denn in einer coolen Bar nicht mehr über Alkohol, Frauen und/oder Männer gesprochen wird, sondern über Social Media und was man so liked und shared dann wird es langsam verdammt unsexy. Können wir mal alle ein bisschen runterkommen?

Sherry Turtle, Web Ikone der ersten Jahre, sprach vor kurzem auf der TED Konferenz zum Thema:  Connected, but alone? Dieser Talk (und ein paar weitere) haben mich nachdenklich gestimmt. Wie gesagt, wir sind ja die Testemonials für Social Media. Aber wir sind ja auf vernunftbegabte, lernfähige Menschen.

 

Facebook nimmt das Geheimnisvolle.

Beim einen oder anderen Gespräch fand ich es unterhaltsam erschreckend, was Menschen so aus meinen Updates rauslesen bzw. was Sie dazu interpretieren. Es besteht eine Menge "Verwechslungsgefahr". Man glaubt mich zu kennen. Dabei tuen das die wenigsten Menschen. Was mir sehr lieb ist.

Barkeeper sind die Gralsritter der Nacht. Uns sollte eine Aura des Unbekannten umgeben. Und ich finde es auch schöner, das ich nicht alles von meinen Gästen weiss. Da dieses Netzwerk aber mittlerweile allgegenwärtig ist, tut ein Gralsritter, was er tun muss. Es leben das Geheimnisvolle!

 

Facebook für sein Unternehmen? Sollte man mal drüber nachdenken. Auf jeden Fall nicht für eine Bar!

Wenn man Gedanklich da angekommen ist, wo ich jetzt stehe, könnte man die gesamten Facebook Aktivitäten von Unternehmen in Frage stellen. Sind wir nicht sonst immer über so ein Blüten reines Image besorgt? Mit Facebook nutzen wir ein Tool, was massive gegen Datenschutzbestimmungen verstößt. Rechtfertigt der Zweck alle Mittel?

Hinzu kommt die Art und Weise. Ist es wirklich so toll, seine Kunden auf dieser viralen Ebene entgegenzutreten? So auf locker? So jetzt einen auf Buddie machen? Können wir nicht einfach ein gutes Produkt servieren, eine fantastische Lösung, zu einen angemessenen Preis und dieses ganze Angegrabe und Anbiedern lassen? Ist das nicht irgendwie uncool?

Meine Bar, Le Lion • Bar de Paris, hatte glaube ich eine der ersten Facebook Pages für eine Bars. Und ich glaube es war in Deutschland eine der erfolgreichsten. Knapp 3000 Freunde auf Facebook und eine fantastische Interaktion mit den Gästen.Ja, wir haben halt einfach super Gäste! Das muss mal gesagt werden.

Es gab viele tolle Momente, tolles Feedback. Ich liebe unsere Gäste. Aber, wie gesagt, Facebook wird größer und ich möchte das alles nicht zu öffentlich machen. Eine Bar muss geheimnisvoll bleiben. Sonst ist es keine Bar mehr. Da sollte man sich mittlerweile Social Media Aktivitäten zweimal überlegen.

Einen Gast ist bei uns vor einigen Wochen an einem Mittwoch Abend "eingecheckt", bzw. wurde "mit-eingecheckt". Der Abend bei uns hat sich fantastisch entwickelt, er und seine Gäste waren großartig. Um fünf Uhr morgens sind wir alle raus. Wir haben ihm eine brutale Rechnung gestellt, er und seine Gäste hatten brutal viel Spaß. Ein großartiger Abend. So wie das Leben sein soll. Er hat um 9.00 Uhr morgens das Meeting verpennt. Es war wichtig. Sein Chef hat den Check in auf unserer Page verfolgt und seine "Ausrede" führte zur Kündigung (zumindest mein Stand der Dinge).

Bars sind die Zufluchtsstätten gegen dieses grausame, unmenschliche Nine to Five Leben einer Großstadt. (Wenn Sie einen Kreativen Beruf haben: Ten to Nine). Wir gewähren Schutz gegen Dummheit, Normalität, Langeweile und Spießigkeit. Wir sind die letzten Bastionen in einer durchgetakteten Welt. Ich will nicht das jemand im Le Lion "eincheckt" bzw. "eingecheckt" wird. Wir gewähren jedem anständigen Trinker Schutz, und bewahren die Geheimnisse. Und wer keine Fenster hat, sollte auch keine Facebook Page betreiben. Ende.

 

Fazit:

Ich weiss nicht, ob ich so alle Gründe erwischt habe, die mich dazu des Bewegen, Facebook zu verlassen. Fakt ist: allein das Feedback auf meinen Entschluss zeigt, das das einige (viele) etwas zu Ernst nehmen. Mich haben Menschen wirklich fast sprachlos kontaktiert und konnten es nicht glauben… Es es denn wirklich so wichtig? Ich glaube nicht. Ich hoffe, es fühlt sich niemand auf den Fuß getreten. Die oben genannten Punkte sind ein wenig spitzt geschrieben - und meine persönlichen Beweggründe. Wahrscheinlich hab ich noch welche vergessen. Ich glaube es gibt viele Möglichkeiten Facebook zu nutzen. Da hat jeder seinen eigenen Weg. Und der kann fantastisch sein. Meine Entwicklung auf Facebook führt mich halt zu der Erkenntnis, das ich es nicht mehr brauche. Ich bin weder "ausgebrannt", noch gestresst. Ich liebe "Vernetzung" und werde weiter auf anderen Kanälen mit Menschen meine Passion teilen und in Kontakt bleiben. Privates wollte ich nie auf Facebook teilen. Widerlich. Aber das darf jeder selbst entscheiden. Facebook ist auf jeden Fall eines nicht. Die Heilige Kuh, als die es derzeit von vielen durchs Web getragen wird.

Lemming oder Löwe hab ich mich gefragt - Löwe ist die Antwort!

 

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Ich werde in Zukunft einen "Liquid Letter" verschicken.  Sozusagen Updates von Jörg Meyer. Melden Sie sich an.

Wenn Sie Updates vom Le Lion • Bar de Paris erhalten wollen, melden Sie sich bitte auf dem Verteiler "Freunde des Löwen" an.

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Sascha Lobos Text: Euer Internet ist nur geborgt

TED TALK: Sherrly Turkle - Connected - but alone?

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