30.09.2010

Bartenderszene Moskau - eine unglaublich faszinierende Begegnung ...

Eine Gruppe Internationale Speaker auf der PIR - und ganz rechts, "Don" Dima.


Ich sitze im Taxi, morgens um 6.00 Uhr. Auf dem Weg zum Flughafen Sheremtyevo. Das gute daran ist, das um diese Uhrzeit, Richtung Stadtausfährts, der Verkehr noch nicht zum Erliegen gekommen ist. Die vierspurige Autobahn Richtung Innenstadt hingegen sieht schon bedrohlich voll aus. Stop and Go. Unsere Fahrtrichtung, wie gesagt, "rollt". Zumindest ist Bewegung drin. Im Vergleich zu den letzten Tagen eine angenehme Erfahrung. Wenn man mich also fragt "Wie war's in Moskau ?" bleibt als ehrliche Antwort:" Stauig". 4 - 5 Stunden am Tag im Auto für Gesamtkilometerleistungen von eventuelle 30 km waren die Regel. Unser Fahrer und unser Gastgeber Dima Sokolov vorne. Ueno San, Ricardo Sporkslede und meine Wenigkeit auf der Rückbank. Wer die Statur von uns Dreien kennt, versteht, das die glückliche Kombination aus einen übergewichtigen Kellner mit zurückgelegten Haaren und den beiden Leichtgewichten, aus meiner Sicht eine sehr Glückliche war.

Moskau also. Zum einem: PIR. Moskaus größte Messe rund ums Gastgewerbe. 3 Tage in einem extra BAR Bereich mit drei Bühnen/Räumen.

Vorträge und --- oh, kurze Unterbrechung: der Fahrer hat die Autobahn verlassen. Stau. Nichts geht mehr. Wir fahren durch total heruntergekommene Industriegebiete. Irgendwie immer noch im Stadtgebiet von Moskau. Das erinnert mich an Havana vor einigen Jahren. Die Strassen vom tagelangem Regen gnadenlos überflutet, man sieht die Schlaglöcher nicht, einige davon sind allerdings 30 und mehr cm tief. Einen Wagen vor uns hat es erwischt, abgesackt im Schlagloch. Die Kolonne aus Ortskundigen fährt stillschweigend an dem fluchendem Fahrer vorbei, der alleine den Wagen dort nicht rausbekommen wird. Auch mein Wagen bahnt sie seinen Weg auf dem Pfad der Vorgänger durch die Wasserlandschaft. Selbstverständlich fährt auch mein Taxi ohne zu Helfen am verunfallten Kollegen vorbei. Gut so, denke ich. Denn es wird langsam knapp ...

Aber zurück zur PIR. Seminare und, ja, die inflationär benutzten Masterclasses. Ich selbst bin für eine angesetzt. Meine Masterclass: "Seven Classic Cocktails Bartenders may do wrong". WOW, wer hätte das gedacht. Alle Stühle besetzt, hinten bilden sich zwei, drei Reihen stehendes Publikum. Eine Stunde habe ich für meinen Vortrag angesetzt. Was man mir verschwiegen hat, ist das die Vorträge gleichzeitig übersetzt werden. Wie ich das hasse. Andererseits die richtige Entscheidung, ein Großteil der Bartender, allesamt unglaublich interessiert und geduldig, sprich kein Englisch.

So wird mein Vortrag, trotz dem ich einige Teile ausließ, gut 100 Minuten lang. Fast niemand ist gegangen, im Nachhinein großes Interesse, Fragen etc... Ich bin begeistert - tolles Publikum. Wissensdurstig!

Sich vor ein Publikum zu stellen und Ihnen zu sagen was Sie falsch machen ist eigentlich das dümmste was ein Bartender tun kann. So war das "may" im Vortrag wichtig. Und selbstverständlich gab es eine Menge Augenzwinkern und Berichte von Fehlern, die mir selbst unterlaufen sind. Am schönsten aber fand ich, das mir beim Vorbereiten des Vortrages klar wurde, das ich selbst einen der großen Klassiker seit Jahren falsch zubereitet. So wie ziemlich jeder Bartender. Denn ich habe Ihn nur einmal in der Form in London serviert bekommen. Also, die Rede ist vom Ramos Gin Fizz. Bislang immer falsch gemacht und dummes Zeug drüber geschrieben. Wer Ihn nunmehr anständig serviert bekommen möchte, möge ins Le Lion kommen. RGF Stufe 2 wartet dort. Man lernt nie aus. Gut so. Auch die unzähligen Seminar von Frau Miller und Herrn Brown habe ich in Moscow genossen. So sehr wie noch auf keiner anderen Messe.

Warum? Weil deren Vorträge unglaublich konzentriert sind und man Zeit braucht, um sich darauf einzulassen. Die Fehlt in der Regel bei vielen anderen Messen. Zuviele bekannte Gesichter, zu viele Verabredungen. In Moscow - angenehm. Ein Dutzend internationaler Speaker die man kennt, zwei, drei Bartender aus Moscow, das war's. Zeit für Geschichtsunterricht. Ich glaube die beiden haben elf Seminare gegeben. Ein paar konnte ich beiwohnen. Deren gerades erschienenes zweites Buch - Spirited Journey - sei hiermit jedem ans Herz gelegt. Erstklassig.

Die PIR war für mich eine voller Erfolg. Und ich glaube auch die Veranstalter des Bar Forums waren mehr als zufrieden. Jeden Tag volle Stuhlreihen und gute Vorträge auf den Bühnen.

Einer der verantwortlichen des Bar Forum ist Dima. Er war unsere Gastgeber, hat Ueno, Ricardo und mich "rübergeholt". Ueno kannte ihn. Über Ueno hat er mich angesprochen. Bislang kannte ich Ihn nicht. Und ich glaube, er ist einer der interessantesten Personen des Bar Business die ich seit langem, wahrscheinlich überhaupt je, getroffen habe.

Die Welt ist groß, und wir doch nur kleine Lichter. Auch in dieser Hinsicht war Moskau jede Sekunde wert (bis auf einige im Auto). Dima ist unglaublich. Es sollte eigentlich um die Welt reisen und auf den Bühnen der Shows stehen. Denn er hat etwas zu erzählen. Etwas echtes, praktisches, und erfolgreiches. Stattdessen holt er alle Namen die wir kennen nach Moskau. So auch Ueno im letzten Winter. Dale fehle im noch, ist er aber dran. Ob ich auf dem BCB ein gutes Wort für ihn bei Dale einlegen könnte? Denn leider bekommt er jetzt kein rechtzeitiges Visa mehr... Werde ich tun Dima. Versprochen.

Wo soll ich Anfangen von Dima zu erzählen? Ich konnte mich viel mit Ihm unterhalten. Statt Sightseeing in Moskau - Stunden im Auto. Statt Moskau at Night mit "Nutten, Champus, Koks" (um hier mal ein Klischee wiederzugeben), ein schlechter Kaffee Americano in einer mittelmäßigen Hotellobby auf einen Messegelände.

Wer nun also denkt, Champus Meyer in Moskau, der lag falsch. Nicht ein Glas, kein Nachtclub, keine wilden Geschichten. Ich, wir, werden älter. Gut so. Um ein Uhr ins Hotel, endlich einmal sechs Stunden schlafen - die Tage sind lang, ein persönliche Zufriedenheit somit relative Simple hergestellt.

Doch zurück zu Dima. Dreissig Jahre jung, kräftige Statur, freundliches Gesicht, langes Haar gebündelt im Pferdeschwanz, Jeans, Turnschuh, Baumwollhemd. Legerer Auftritt. So begrüßte er mich. Gleich sympathisch. Und ich habe einige Tage gebraucht, viele Gespräche, um zu verstehen, wer Dima ist, was er macht, und warum er die treibende Kraft für Bartender in der Weltmetropole Moskau ist. Don Dima, auf die angenehme Art!

In aller Kürze. Er mit 18 Jahren angefangen als Bartender zu arbeiten. Als Student, nebenbei. Er studierte Medizin und hat sein Studium abgeschlossen. Bis dahin aber schon mehr Zeit als Bartender verbracht. Wenn man das im Leben gefunden hat, was einem Freude bereitet sind zwei Jobs zugleich ja nicht wirklich "schwer". Der eine ist dann wie Freizeit, d.h. man kann die Freizeit streichen. Um dann das einzig richtige zu tun: dieses akademische Allerweltsleben an den Nagel zu hängen und Vollzeit Bartender zu werden. Seine eigene Bar zu eröffnen. Das war vor 6 Jahren. Davor hatte er sich bereits einen Namen gemacht. Über diverse Internationale Wettbewerbe, die er gewonnen hat.

Was mir im allgemeinen Aufgefallen ist, haben diese Wettbewerbe in Russland auch heute noch bei fast allen Bartendern einen enorm hohen Stellenwert. Auch bei Dima. Er hat einige gewonnen. Sie haben Ihm in Russland so einige Türen geöffnet. Und nicht nur dort.

Auch Dima war in jungen Jahren Mitglied der IBA. Auch er ist vor einigen Jahren ausgetreten und lässt seit dem wenig gute Worte mehr an den verstaubten Strukturen dieser Organisation. Nun, über einen Wettbewerb traf er den damaligen IBA Judge Peter Dorelli. Sie verbrachten einen Abend zusammen und man einigte sich darauf, wann immer Dima einmal Peter in London über die Schulter schauen möchte, sei er mehr als willkommen. Eine Woche später stand Dima mit Koffer vor dem etwas verdutzend Peter und blieb einige Wochen. Er "arbeitete" bei Peter. Er lernte London kennen, und die Barszene, kurz nach der Jahrtausendwende.

2004 eröffnet er mit seinem Partner Max sein erste Bar in Moskau. "Nicht groß" wie er sagt, knapp 80 Plätze. Aus Löwensicht schon eine grosse Bar. Allerdings somit auch die mindest Grösse um, bei guter Auslastung, Gewinne zu fahren, die weiteres Investment erlauben.

Die Bar war und ist ein voller Erfolg. Und jedes Jahr hat das Duo eine weitere Bar eröffnet. Derzeit haben Sie fünf Bars. Die Dream Bar beispielsweise. Mit mehr als 200qm die Ideale Grösse wie Dima findet. Ansonsten kann er die hohen Mieten in Moskau nicht wieder reinspielen.

Bei der Dream Bar hatte er Glück. Sie kostet nur 14000,00 € Miete. Üblich für ein Lokal dieser Grösse in ähnlicher Lage wären in Moskau 60000,00 €. (Nein, das Komma ist korrekt - Sechszigtausend). Die Wirtschaftskrise kommt ihm zu gute. Die Mieten sind gesunken.

Selbstverständlich auch die Kaufkraft. Das glamoröse Bild vom Edel Night Life in Moskau. Von extrem teuer, ist nicht Dima Geschäft. Er bietet sehr viel "Value für Money". Das ist sein Erfolg. Kleine Marge, hohe Qualität, starke Frequenz. Gerade am Wochenende, wo ein Grossteil des Umsatzes generiert wird.

Seine Bars haben, ob der hohen Mieten, alle 24 Stunden geöffnet, und bieten auch Frühstück und Lunch. Der Schwerpunkt allerdings sind Cocktails. Die Dream Bar hat zwei lange Tresen. Dort werden im Schnitt pro Monat 17.000 Cocktails verkauft, OHNE Cuba libres etc. Das sind Longdrinks. Die anderen Outlets schaffen ähnliche Zahlen. Seine erfolgreichste ca. 25.000 Cocktails. Im Monat!

Unglaublich. Dima beschäftigt derzeit ca. 200 Angestellte, davon sind ca. 80 Bartender. Jemand noch Fragen was den Don Charakter betrifft?

Seine Preise sind im Verhältnis günstig. Umgerechnet um die 5,- / 6,-€ pro Drink. Moskau Nightlife sonst gerne 10 - 15 € pro Drink. Abgesehen von den Jet Set Clubs: 40,- € und mehr.

Dima lächelt ein wenig über seine "teuren" Kollegen. Die Klagen fast alle. Ein Großteil der szenigen, teuren Bars schließt wieder innerhalb eines Jahres. Er lebt lieber von kleiner Marge. Bei den mittlerweile erreichten Absätzen, durchaus vorstellbar.

Die Hippen Nachtclub verkaufen mittlerweile oft Perrier, Vittel und grünen Tee. Das liegt zum einem daran, das die Mittelschicht das Wochenende in günstigen Bars wie denen von Dima beginnt. Und weit nach Mitternacht zum Tanzen in die Ultra teuren Club einfällt.

Zum anderen hat sich dort das Geschäftsmodel geändert. Der Verkauf von Kokain und Pillen ist mittlerweile in Clubs ein nicht ganz legales Standbein geworden. Die Cocktail Umsätze dort rückgängig, von der miesen Qualität und des häufigen Betrugs sprich Warenunterschiebung ganz zu schweigen. Dima Gäste vertrauen seinen Bartendern. Dort wird kein billiger Rum in teure Markenflaschen gefüllt.

Die Auswahlmöglichkeit an hochwertigen Spirituosen ist sehr klein. Uns bekannte Marken sehr teuer. Einfacher Bacardi kostet Dima ca. 23 ,-€. Henricks bei über 50, - €, BOLS Genever, Achtung bitte, über 80,- €!

Mittlerweile hat Dima ob seiner Absatzmengen natürlich gute Konditionen. Kooperationen mit der Industrie sind bei Ihm selten. Er arbeitet mit allen zusammen, solange Sie ihm gute Preise machen. Er verkauft z.B. ca 200 Flaschen Rum pro Woche - sprich gut 10000 Flaschen pro Jahr. Da kann man durchaus recht entspannt am Verhandlungstischsitzen und die Preise langsam " purzeln" sehen...

Neben seiner Absatzmenge ist darüberhinaus ein sehr interessanter Partner für die Industrie. Denn er ist extrem gut Vernetzt. Ein Großteil von Moskaus jungen Bartendern geht durch seine harte Schule. Und er verlangt viel von Ihnen. Harte Arbeit, hartes Training. Wer bei Warenkunde und Co. auf Dauer kein Engagement zeigt, kann gehen.

Als Belohnung für sich und sein Team fungiert er als Tor zur Welt. Er holt Sie alle nach Moskau. Salvatore, Peter, Ueno und Co. Sie alle trainieren seine Bartender und verbreiten für Ihn das Interesse an der Bar und Ihrer Geschichte/Kultur.

Und über den Bartender Kreis hinaus öffnet er den Kreis der Interessierten für Jounalisten und Gäste. Selten hatte ich auf einer gut besuchten Traveling Mixologist Nacht so interessiertes Publikum. Und noch nie darauf hatte ich am Folgetag eine Pressekonferenz mit Vertretern aus Lifestyle Magazinen, Tagespresse und Fachpresse in solch einem Umfang. Dima macht unseren Berufsstand in Moskau, in Russland, zu dem was er leider noch lange nicht überall ist: Ein anspruchsvoller, komplexer Beruf.

Und all das macht er, ohne auch nur eine Sekunde überheblich zu wirken. Wie Eingangs beschrieben, eine mir bislang unbekannte schillernde Person unserer Branche. Er gehört auf die Bühnen dieser Welt. Seine Geschichte ist faszinierend.

Die Barszene in Moskau sieht sich selbst am Anfang, in den Startlöchern. Keine falsche Bescheidenheit die Herren. Alle Signale stehen auf grün und ich glaube das Potential ist enorm.

Vom Rest der Stadt kann ich wenig erzählen. Viel Verkehr, jenseits des Zentrums durchweg hässliche Bauten, viele Oberleitungen, Fabrikschornsteine im Stadtgebiet die alles andere als reinen Rauch von sich geben. Roter Platz und Co - Impossant.

Hab ich Moskau kennen gelernt? Ich glaube nicht. Moskaus Bartendeszene ist mir allerdings jetzt ein Begriff. Ich habe viele Kollegen kennen lernen dürfen und einige interessante Bars. Delicatessen ist meine persönliche Entdeckung. Später mehr davon.

Wer in Moskaus Bartendersszene eintauchen möchte, möge Dima kontaktieren. Ich selber werd nicht das letzte mal dagewesen sein.

Ein Markt in Aufbruchsstimmung. Ein mir bekannter Kollege hat nach einer Masterclass vor einiger Zeit dort gerade einen Consulting Auftrag angenommen. 7 Tage - 10.000 $. Das ist das Schöne am Turbokapitalismus dort. Die Herren mit Geld wachen langsam auf und suchen Hilfe. Die Zahlungsmodalitäten in der Russischen Metropole sind als angenehm zu bezeichnen. "Weiss" ist zumindest der Umschlag in denen die Scheine fein säuberlich gelegt sind. Keine Rechnung, Keine Steuern. Das ist ebenfalls ein Recht interessantes Thema in Moskau. Allerdings: "What Happens in Moscow - stays in Moscow..."

20.09.2010

Sailor Jerry Blog Battle - BCB Montag Nacht - A Bartenders Night - Beyond Tiki

Der eine oder andere wird es bereits auf den sozialen Medien vernommen haben. Am Montag Abend veranstaltet Sailor Jerry im Rahmen des BCB eine Bartenders Night. Ich wurde von der PR Agentur Nicole Weber Communications beauftragt, diese Rum geschwängerte Nacht mit zu gestalten ... nichts lieber als das.

Sailor Jerrys ist noch relative „frisch“ in Deutschland, wird von William Grant and Son produziert (Hendricks, Glenfiddich ...) und in Deutschland über Underberg/Team Spirits vertrieben. Die Kategorie des Spiced Rums war von mir bislang eher „unentdeckt“. Und im Rahmen dieser Veranstaltung habe ich das ganze natürlich durchleuchtet. Ein kleiner Post dazu in kürze. Hiermit kündige ich nach dem BCB das große SPICED RUM TASTING an. Vorher schaffe ich es einfach nicht mehr. Oliver Steffen von der Trinklaune hat schon eine ganze Batterie von Spiced Rums aus dem In und Ausland versammelt und wir werden uns dem Thema Ende Oktober widmen. Wer dabei sein möchte, schickt mir bitte eine Email

Doch, zurück zur Bartenders Night und dem Blog Battle

Nun, für eine anständige Party bedarf es einiger Eckpfeiler. Wichtig, ganz wichtig, sind die Gäste. Dazu kommen Faktoren wie Musik, Location und Getränke. Eine Bartenders Night, im Rahmen des BCB, hingegen gehorcht anderen Gesetzen als eine herkömmliche Feier. Fangen wir bei der Musik an: Sie sollte nicht zu laut sein. An diesen drei tollen Tagen in Berlin kommen so viele fantastische Menschen zusammen, da will man, so glaube ich zumindest, sich unterhalten. Musik: gerne - aber bitte nicht laut oder für zu wichtig nehmen. Viel wichtiger hingegen sind da bei solch einem Abend die Getränke! Dafür braucht man zum einem eine gute „Auswahl“ und zum anderen Profis hinter der Bar.

Für die Auswahl soll das unten beschriebene Blog Battle sorgen, einige Profis hinterm Tresen haben wir gefunden. Und für jede Party braucht man selbstverständlich einen Knaller, eine Attraktion!

Der Reihe nach. Die Location kann ich noch nicht verraten, aber ich beschreibe Sie mal vorsichtig als Ungewöhnlich für so eine Bartenders Night. Gerade in Kombination mit unseren Special Guest des Abends, dem Knaller sozusagen, eine sehr skurielle Mischung. Der geschätzte Ueno San aus Tokyo wird an dem Abend die Drinks zusammen mit Caroline Anais Rex, Mario Kappes, Sven Riebel und Indika Silver zubereiten. Der Dicke Kellner mit den zurückgegelten Haaren wird das Bar Backing mehr schlecht als recht übernehmen. 

Wichtig ist neben der eigentlichen Location die Lage. Die sollte nämlich der Tatsache genügen, das der BCB ein Community Event ist. Sprich, wir versuchen es den Gästen einfach zu machen, z.B. zu anderen tollen Veranstaltungen wie der TIKI Nacht von Herr Becker und Herr Meinke im Rumclub/Triobar zu gelangen. Herr Meinke plant hier ein Shuttle Service. Großartig! Unterstützen wir gerne. Brands die nach wie vor das Spiel spielen „Wir haben den coolsten Event und alle anderen sollen sehen wo Sie bleiben“ haben den Grundgedanken des BCB glaube ich nicht verstanden. Hier gilt: Bartenders first, Brands second (Sollte eigentlich immer so sein ...).  Es geht um die Gemeinschaft von leidenschaftlichen Bartendern, von oft belächelten „Voll Nerds“, die sich tatsächlich dafür interessieren WARUM man 10 verschiedene Bitter in einer Bar haben kann. Es ist des Jahrestreffen von (im Positiven Sinne) leicht Wahnsinnigen und diese Gemeinschaft kann man mit einem Event unterstützen. Man sollte nicht versuchen Sie für seine kleine Brandwork auszunutzen.

Also, ich freue mich einen Haufen „Wahnsinniger“ zur Bartenders Night begrüßen zu dürfen. Location finden Sie in kürze hier -> Beyond Tiki - A Bartenders Night with Sailor Jerrys - BCB Monday auf Facebook ...


Für die Getränke des Abends haben wir 40 Personen aus der Republik angeschrieben, uns zu unterstützen. Blogger, Connaisseure und selbstverständlich die großen Netzwerke wie das Barnetzwerk Frankfurt, dem Barzirkel München oder den Barzirkel Ruhrgebiet. Seht selbst:

Blog Battle zum BCB ... Persönliche Notiz von Herrn Meyer an die Teilnehmer ...

„Geschätzte Freunde der Bar,

Endlich ist es soweit. Der BCB ist nahe! Bartenders Weihnacht steht vor der Tür.

Ich freue mich riesig, Euch an den Berliner Tagen wieder zu treffen, zu fachsimpeln und, nicht ganz unentscheident, einen Drink mit Euch zu nehmen.

Wir ihr sicherlich schon meinen Facebook Aktivitäten entnommen habt, organisiere ich am BCB Montag Abend einen Event für Sailor Jerrys - um genauer zu sein: für deren PR Agentur Nicole Weber Communications, die mich hierfür gebucht haben.

Für Reichtum ist somit meinerseits gesorgt, Rum kommt von Sailor Jerrys, für Ruhm und Ehre allerdings habe ich einen Anschlag auch Euch vor (die ganz schmierige Nummer...).

Heute oder Morgen bekommt Ihr ein Paket von NWC - Frau Meyer-Lohrmann hat Euch zum Blog Battle eingeladen.

Die Adressen kommen von mir - unsere Bekanntschaft - verraten, verhökert und verkauft! Aber ich denke in Eurem Interesse...
Blog Battle - worum geht's ? 

In Kürze: Ihr sollt einen Drink für die Karte des Abends erstellen. Ich nenne das: Beyond Tiki. Warum Beyond? Nun, bei Tiki geht es um eine Vielzahl von Rumsorten, an unserem Abend hingegen ausschließlich um eine: bislang in Deutschland eher unbekannter Spiced Rum.

Euer Können und Eure Kreativität sind gefragt: passt einen Tiki Drink oder Eure Eigenkreation an Sailor Jerrys an. So das das Ergebnis Sailor Jerrys glänzen lässt und Eure Kollegen beim BCB beeindruckt sind.

Weiteres dazu gibt's im Anschreiben. Selbstverständlich sollten weitere Produkte gegebenenfalls aus dem Hause Team Spirit kommen. Und, wer teilnehmen möchte, muss sein Rezept auf (s)einem Blog veröffentlichen.

Dem Gewinner droht ein Gewinn von 500,00 € - schließlich wäre es sonst kein Battle. Und, falls er möchte, ein Slot hinter der Bar am Abend.

Dort kann er dann mit Ueno San, Caroline Anais Rex (München), Indika Silva (Köln), Sven Riebel (Berlin) und Mario Kappes (Hamburg), die Gäste mit seiner Kreation verwöhnen. Oder mit den Gästen eine entspannte Bartenders Night genießen.

Neben unserem Barteam hoffe ich noch auf die eine oder andere Überraschung. Ueno San schuldet mit den Beweis seiner Karaoke Fähigkeit und ich bin dabei, sie an diesem Abend einzufordern - ich hoffe, ich habe Glück.

Alle von Euch, die die Zeit finden, an unserem kleinem Blog Battle teilzunehmen, sind auf jeden Fall unsere VIP Gaste auf der Veranstaltung und werden im Vorfelde von uns zu einem privatem Dinner mit Ueno eingeladen.

Ich hoffe auf Eure Unterstützung und freue mich, Euch am Montag zu begrüßen.

Jörg“

P.S. Herr Kalinke von DRINKMIX.DE war glaube ich der Erste. Hier sein Rezept für den PLUM D' SAILOR

Disclosure: Ich wurde für die Organisation dieses Events gebucht und berechne hierfür angsteinflössende Tagessätze.

09.09.2010

SAVE THE DATE: BCB Sunday -The Night of the Traveling Mixologists


Dear Friends, fellow bartenders and cocktail connaisseurs,

it has become a kind of tradition that the Traveling Mixologists celebrate the night before the BCB, the unofficial opening of the fantastic come together of great people from all over the world. And it is an outstanding oleasure for all of us to again set up an event for you!

Soon we will announce more details. We are very happy to see you all again and enjoy a relaxed evening with great drinks, great company in a nice atmosphere.

AND, good news ... we are going to do the Drinks again ! All of us will try the best they can do. Today I recived an email from TM 007, Mr. Padovani, which says :

"Count me in to bar back, wash and dry the glasses...as I am not too sure I can deliver to the demanding high standard of the German bartender that will attend but I can only promise that I will do my very best!"

So, if you like to join us for a few good drinks and see 007 polishing the glasses (006 - how about ash tray service?) SAVE THE DATE.  Sunday, 3th of Oktober.




 

08.09.2010

Wahre Worte Weiser Wirte



Ab heute ist ein Buch erhältlich, bei dem mitzuwirken, eine Menge Spass gemacht hat. Ich freue mich heute Abend auf die Veröffentlichungsfeier... da werde ich mal wirklich coole Wirte treffen.

www.wahre-worte-weiser-wirte.de

 Seht selbst.
buch"KONZEPT

"WAHRE WORTE WEISER WIRTE ist unsere Verneigung vor den Menschen auf der anderen Seite des Tresens. Sie müssen heute geradezu multiple Persönlichkeiten sein, um all den Anforderungen gerecht zu werden, die die Gesellschaft und ihre Gäste an sie stellen. Dafür wollen wir sie feiern, indem wir sie einfach mal zu Wort kommen lassen.
Unkommentiert. Unzensiert. Unbegrenzt. Und mit hohem Unterhaltungswert."

BMGP 2010 - Back to school.

Vorgestern habe ich begonnen, meine Präsentation für den diesjährigen Bacardi Martini Grand Prix auszuarbeiten. Zusammen mit Salvatore Calabrese habe ich das große Vergnügen, neben der Jury Teilnahme während des Events eben auch ein Seminar "Back to School" für die Teilnehmer des Bacardi Martini Grand Prix auszuarbeiten. Der BMGP hat sich seit Jahren wieder an die Spitze der deutschen Bartender Events gearbeitet und die diesjährige Location, ROOMERS Frankfurt und weitere Details, die mir Steffen Lohr in den letzten Tagen mitgeteilt hat, lassen mich schon heute wissen, das auch der diesjährige BMGP eine großartige Veranstaltung sein wird.

Daher, ein ernst gemeinter Aufruf: TEILNEHMEN. Anmeldeschluss ist der 12.9.2010. Anmeldungen möglich unter -> www.bmgp.de .

Ich freu mich riesig, wird ein Fest.

Disclosure: Die Firma Bacardi ist so freundlich mir meine Teilnahme am BMGP mit einer Schwindel erregenden Summe zu vergüten. Daher möchte ich darauf hinweisen, das Bestechungsversuche, zu denen ich glaube ich noch im letzten Jahr aufgerufen habe, in diesem Jahr zu unterbleiben sind.

Herr Sudeck gibt ne Runde aus! Heute: ein erkenntnisreiches Blindtasting

Spontanes Blind Tasting im Sudeckschen HQ am Winsbergring:  Aufschlussreich....
Achtung: Am Ende dieses Textes erhalten Sie die Chance an einem Blind Tasting teilzunehmen. Der zielstrebige  Leser sei darauf hingewiesen das es im folgenden zu den üblichen Ausschweifungen kommt und er eventuelle einfach direkt zum Teil mit dem Tasting übergeht.

Gestern war ich in Herrn Sudecks Hauptquartier. Dieser Besuch ist schon seit Wochen überfällig und nunmehr hab ich es geschafft. Die Firma Borco war so freundlich Herr Sudeck einen Bartender gerechten Arbeitsplatz einzurichten. Geschätzte 200 qm, großer Seminar Bereich, in der Mitte eine Tasting Area, am anderen Ende eine gut bestückte Bar und etwas bequeme Möbel zum abschließenden Versacken.

Als ich Sven gestern von meiner Entscheidung für Herrn Craig erzählt habe, war Herr Sudeck natürlich mehr als angetan. Sein höflich formuliertes Angebot, ob Borco da denn was "machen sollte", habe ich ebenso höflich abgelehnt. Sein heute zugesandtes "We love Craig" Care Packet bestehend aus 12 Flaschen Elijah habe ich selbstverständlich höflich angenommen. Nicht das noch jemand behauptet ich sei nicht käuflich.

Aber, zurück zum Sudeckschen HQ. Am Winsbergring kann man behaupten, ist die neue Tequila Kaderschmiede Deutschland entstanden. Denn was da, bislang eigentlich im Verborgenen, geschult wird, hat es in sich. Und Herr Sudeck ist wie immer auf der Suche nach Verbesserung. Rund um den Brand Sierra entwickelte er wie ich finde ein sinnvolles Aktionspaket mit dem Title Lady Margarita.

Mehr dazu sicherlich zum BCB. Und wer in naher Zukunft irgendwann einmal behaupten sollte, er habe die Paloma in Deutschland groß gemacht, dem möchte ich schon jetzt sagen: Wer hat es gemacht? Der Herr Sudeck ist schuld.

Aber zurück zum Thema. Herr Sudeck erzählt mir vom Teil der Schulung , dem Blind Tasting, schwarze Gläser, keine Infos. Hört sich interessant an und ich bitte Ihn "einzuschenken". Das Ergebnis ist mehr als verblüffend, vielleicht auch erschreckend. Auf dem Bild fehlt noch ein Patron Silver, aber einer der Kandidaten, den ich bislang für einen Favoriten hielt, ist bei mir  hier im Blind Tasting " durchgefallen". Eigentlich spannend, wenn es um den reinen Geschmack geht - Lust auf mehr bekommen!

Spontan habe ich Sven gefragt ob wir ein BLIND TASTING organisieren können. Und er hat mir freundlich angeboten, eines auf die Beine zu stellen.

Nun ist, zumindest für diejenigen von uns die sich mit Tastings beschäftigen, klar, das man, ähnlich wie bei jeder BWA, man keinem Tasting trauen sollte, was man nicht selbst manipuliert hat. Doch fand ich dieses Blinde verkosten so aufschlussreich, das ich mich mit Sven auf drei Runden an einem Nachmittag einigen konnte. Tequila. Bourbon (kann Don Craig wirklich das, was wir glauben?) und Rum. Mehr wird noch in kürze bekannt gegeben. Das ganze muss noch strukturiert und in Form gegossen werden.

Hier unsere Einladung: 22.9.2010 "Triple Tasting"

Offenes Tequila, Bourbon und Rum Tasting. Am Mittwoch, den 22.9.2010 im Sudeckschen Hauptquartier am Winsbergring in Hamburg. Beginn 14.00 Uhr. Dauer ca. 3 Stunden. Wir werden noch einen "Zeremonien Meister" benennen, der uns die Tropfen einschenkt und nichts verrät. Mit Ihm kann Bring Your Own Bottle abgestimmt werden, um das Angebot interessanter zu gestalten.

Wir haben 15 Plätze zu vergeben, anschließend, wer möchte, legeres Abendessen. Anmeldung bitte hier per Kommentar oder per email an mich. Teilnehmer sollten mindestens 18 Jahre alt sein. Bartender, Personen mit gastronomischen Hintergrund bzw. Personen aus dem "bekannten" erweiterten Connaisseurs Kreisen werden bevorzug behandelt. Bei der Vergabe der Plätze gilt ausnahmslose Ungerechtigkeit, Willkür, kaukasisches Recht und Blutrache (Für angemeldete Nichterscheiner)!

07.09.2010

Gestatten: Elijah Craig, der neue Haus Bourbon des Löwen


Elijah Craig (detail), originally uploaded by Jonny Ho.

Die Weinquelle ist Schuld. Im Prinzip. Kein direkt schuldhaftes Verhalten. Von Teilschuld hingegen könnte die Rede sein. Der monatliche Newsletter hat mich vor kurzem auf ein Angebot hingewiesen. 12 Jähriger Elijah Craig für 19,95€. statt 21,75 €. Nicht die Welt im Unterschied aber irgendwie dachte ich: lange nicht mehr probiert. Warum nicht. Also habe ich Mario angerufen. Der wollte nämlich Nachmittags in die Weinquelle und ich bat Ihn zwei Flaschen EC 12 Years mitzubringen.

In den letzten Tagen haben wir den Bourbon getestet. In aufreibenden Selbstversuchen und selbstverständlich und viel wichtiger: Am Gast.

Das Ergebnis war "leider" eindeutig. Elijah Craig 12 Jahre hat uns und die Probanten mehr als überzeugt. Wow. 47% Vol. und unglaublich komplex und kraftvoll. Einen EC Whisky Sour würde ich mal vorsichtig als "für Fortgeschrittene" bezeichnen. Der Whisky Smash ist ebenfalls "Stufe zwei". Das schlimme daran: Wir, als auch unsere Gäste, sind über die Jahre "versaut" und schätzen genau diesen erweiterten Geschmack.

Daher auch mein "Leider". Denn auch nach Ende des Aktions Monats bei der Weinquelle werden wir nun Elijah Craig 12 Jahre als neuen Haus Bourbon verwenden. Im Vergleich zum vorher benutzen Markers Mark zwar erneut eine fast 10% Wareneinsatz Steigerung, aber wie wir entschieden haben, zu recht.

Ein zwölf Jahre alter Bourbon in dieser Komplexität zu einem solchen Preis ist in meinen Augen ein echte Schnäppchen, Bartenders Best Buy. Trotz zwei Euro mehr zum Vorgänger.

Nicht das man mich Missversteht. Marker's Mark haben wir gerne in den letzten drei Jahren verkauft. Schließlich waren es in den drei Jahren mehrere Hundert Flaschen. Und auch einige Flaschen Four Roses haben Ihren Weg in den Löwen geschaft. Sehr guter Bourbon für gutes Geld. Woodford Reserve nicht zu vergessen. Teils auf Anfrage auch für Sour und Smash genutzt. Wobei ich schon einmal bemert habe. Die Derby Edition erscheint mir hochwertiger als der "herkömmliche".

Doch Elijah Craig hat das ganze für mich in den letzten Wochen getopt. Daher ein eindeutiges: Willkommen im Löwen Herr Craig.

Von einigen Brands werden wir uns denke ich trennen. Profilschärfung ist zur kommenden Wintersaion angesagt. Was in den nächsten Tagen noch ansteht ist ein Überdenken der Bourbon High End Range. Maximale fünf zur Wahl. Für "neat", Old Fashioned und Co. Meine Frage an die erfahrene Leserschaft: Welchen Bourbon Geheim TIp im gehobenen Bourbon Segment gibt es noch zu entdecken?

02.09.2010

Vom richtigen Zitronen Pressen. Eine leider vergessene Kunstform des Bartendings...

Gestern schrieb ich kurz über Herrn Giesberts neue Tätigkeit als Commis de Connaisseur im Le Lion. Ich schrieb, das ich Ihm das Zitronen pressen erklären musste. Darauf hin erhielt ich heute folgenden Kommentar: 

"Anonym hat einen neuen Kommentar zu Ihrem Post "CdCdLL - Commis de Connaisseurs de Le Lion: Offenl..." hinterlassen: 

Entschuldigen Sie diese stümperhafte Frage Herr Meyer, aber mir wollte partout keine Antwort darauf einfallen. Wie kann man eine Zitrone denn "falsch" pressen, abgesehen davon sie verkehrt herum in die Presse zu legen?

Ich hoffe Sie möchten mir diese Information nicht vorenthalten bis ich Ihnen eine Bewerbung zum CdCdLL geschickt habe.:)

Viele Grüße aus München, Timon"

Geschätzter Timon, wo soll ich anfangen. Ich glaube, und ähnliches habe ich gestern auch Herrn Giesbert erzählt, es ist Ansichtssache. Ich glaube kleine Details sehr wichtig sein Können. Z.B. der Umgang mit Zitrusfrüchten. Viele schlechte, bittere Whisky Sour haben mir gezeigt, das viele unsere Kollegen diese Simple Kunstform nicht beherrschen.

Und das interessante daran ist, da es ein so existenzieller Bestandteil der Bar ist, das dies anscheinend manchem gar nicht auffällt.  Bars glänzen mit einer Auswahl an fantastischen Spirituosen und versauen das Getränk oft durch eine schlechte Handhabung von Zitrussaft. 

Was nützt uns all das Gerede, wenn ein durchschnittlicher Whisky Sour, gemacht mit einem durchschnittlichem Handels Bourbon besser schmecken kann, als ein Sour mit > 30,-€ Bourbon und mässigem Zitronensaft.

Ich erinnere mich an einem etwas peinlichen Abend, an dem mich ein Bartender davon überzeugen wollte, das er unserer Gruppe einen weitaus besseren Daiquiri machen könnten mit Rum XYZ anstatt dem von uns zuvor getrunkenem Bacardi Daquiri. Dieser Abend gipfelte in einem Blind Tasting mit 3 weissen Rum Sorten, wo ich ungewollt kurzerhand als Tasting Jury fungierte. Meine ehrlich Meinung: Alle drei Daiquiris waren unterirdisch, weil man den Saft falsch presst und das Süß/Säure Verhältnis nicht beherrscht. Ein Daiquiri ist eben ein Drink mit DREI Komponenten. Rum, Limettensaft und Zucker, und eben nur so gut wie sein "schwächstes" Glied. Und ein Daiquiri mit beispielsweise von Bartendern oft belächeltem  Bacardi kann ein großer Drink sein, wenn der Bartender 1.) die anderen beiden Zutaten beherrscht und 2.) diese im richtigen Verhältnis zum Rum einsetzt.

Nun stand Herr Giesbert im Office und ich hörte das Surren der Santos Presse und wußte gleich, ohne ihm bei der Arbeit gesehen zu haben, das er was falsch macht. Er presst zu stark und zu lang. Das kann man hören. Wenn man ein Ohr dafür hat. Und an der Santos kann man es fühlen. Die Santos hat eine leichte Federung, und man fühlt wenn man die Zitrone genug gepresst hat. 

Ich bin zu Herrn Giesbert und sagte Ihm er "presst falsch" - leicht verwunderter Ausdruck. Darauf bat ich Ihn mir eine Zitrone zu pressen und ich presste Ihm eine im Meyerschen Soft Pressungs Verfahren (TM). Die jeweils ca. 5 cl Zitronensaft habe ich mit gut 15 cl kühlem stillem Wasser aufgefüllt und Herrn Giesbert zum Probieren gegeben. Sein Glas war bitter und sehr sauer. Das Soft Pressungs Glas hingegen war frisch, angenehm sauer.

Bei Zitrusfrüchten gibt es eine Menge zu beachten. Und ich werde heute Nacht nicht dazu kommen das alles runter zuschreiben, vielleicht ein anderes mal. Von den ganzen Stoffen in den Schalen mal zu schweigen hier nun einige, wenige Basics:

  • Starkes Pressen führt zu bitterer Säure. Man sollte leicht pressen und nicht alles rausholen. Weniger ist geschmacklich mehr
  • Zitrusfrüchte haben wie alle Lebensmittel eine Halbwertszeit. Zitronensaft kann vorgepresst werden, Limettensaft sollte nicht - Mojito Mise en place ade. Er wird Bitter. Im High End Bereich ist vorgepresster Limetten Saft ein Qualitätsminus. Wenn es meine Arbeit zulassen würde, würde ich auch jede Zitrone frisch pressen. Das muss jeder für sich entscheiden. Rein Qualitative Betrachtet ist vorbereiten ein Minus.
  • Es fängt beim Einkauf an. Kaufe ich gute Früchte oder Ramsch. Gerade die "schlechten" oft billig Limetten sind klein, hart und geben wenig Saft.
  • Die Mexican Elbow ist KEIN Muskeltrainingsgerät. Dieser oft gesehen London Style  "letzter kräftiger Zudrücker" an der Handpresse führt weder zu einem ausgeprägtem Oberarm, noch zu einem trinkbarem Daiquiri.
  • Die Lagerung der Frucht ist entscheidend. Kühlhaus, Kühlschrank? Schwierig. Kalte Früchte geben erbärmliche Säfte. Ich empfehle beim Vorpressen die Früchte vorher einige Zeit in lauwarmes Wasser zu legen. Sie geben dann deutlich besser und einfacher ihren köstlichen Saft ab.
  • El Rey de Coctels - Constante aus Havana wußte es schon in den golden Zwanzigern. Über Ihn und seine Bar Commis wurden Geschichten geschrieben. Die angeblich mehr als eine Millionen Limetten die er zu Drinks verarbeitete wurden alle vorher sorgfältig auf einen großen Holzbrett mit leichtem Druck gerollt. Das bricht zum einen die Struktur im Inneren leicht auf und man erhält mehr Saft. Zum anderen rollt man einen Großteil der Bitteren Öl in der Schale schon ins Brett. Diese kommen beim Pressen nicht mehr in den Drink. 
Ein Welt Klasse Daiquiri hat wahrscheinlich mehr mir der Art und Weise der Limetten Handhabung zu tun als mit dem verwendetem Rum. Und ähnliches gilt für einen Sour, Collins, Fizz. Eine Frische Zitrone, frisch aufgeschnitten, von Hand vorsichtig gepresst, wird in diesen Getränken eine Offenbarung sein. Und da ein Großteil unserer Drinks mit Zitrusfrüchten zubereitet werden, solltest Du, Timon, falls Du es nicht eh schon machst, mal Dein besonderes Augenmerk Deinen Zitrussäften schenken. 

Ich empfehle ein Zitronensaft Tasting. Alkohol kennen wir zur Genüge

Wer die Kunstform des Zitronenpressens beherrscht, und glaube mir: Geschmacksproben der letzten Jahren lassen immer noch Defizit bei dem einen oder anderen Fachkollegen vermuten, an dessen Bar setze ich mich gerne.

Konnte ich Dir weiterhelfen?

01.09.2010

CdCdLL - Commis de Connaisseurs de Le Lion: Offenlegung des Schriftverkehrs

Stefans erster CdCdLL Arbeitstag: Hart an der Santos...


So, da ist er. Der Erste Commis de Connaisseur de Le Lion. Name: Stefan Giesbert. Auf dem Bild noch gut gelaunt. In drei Minuten werde ich Ihm erzählen das er die Zitronen falsch presst. Es folgt ein mehrstündiger Vortrag über die Handhabung von Zitrusfrüchten in der Bar. Ich hoffe es ist was hängengeblieben. Auf die KLEINEN DETAILS kommt es eben an. Das ist Le Lion.


Aber wahrscheinlich werde ich dann morgen in seinen neuen Blog von seinem ersten Arbeitstag lesen. Berichtsheft 2.0!

Ein anderer Artikel seines Netztagebuches befasst sich mit der Frage: Wie bekommt man solch einen Job? 

Antwort:


Betreff: Bewerbung oder so... 

Am 17.08.2010 um 18:35 schrieb "Stefan Giesbert" :


Hallo Jörg,

mit großer Begeisterung habe ich Deinen Blogeintrag zum Thema Commi de Bar
gelesen. Innerlich habe ich sofort hier geschrieen und wollte mich auf der
Stelle bewerben. Das, genau das wollte ich schon immer machen....

Dann ist mir leider aufgefallen, dass ich ja gerade mit meinem Studium
fertig bin und solche Hirngespinste einem "richtigen" Job hintenanstellen
sollte. Ja, nach langer Zeit Studium drängt es mich auch dorthin, wo es Geld
zu verdienen gibt und in die Arme eines neuen Arbeitgebers, der mir es
dadurch ermöglicht den einen oder anderen Drink im gemütlichen Löwen zu
finanzieren. :-)

...

Ähnlich Deiner Ausschreibung verlangt hier nun meine Eckdaten:

Ich habe in diesem Jahr mein 33. Lebensjahr vollendet und in den letzten
Jahren mein Informatikstudium zu Ende geführt und darf mich jetzt
Diplominformatiker nennen. Eine Ausbildung im Hotelfach oder ähnliches habe
ich nicht. Seit Februar diesen Jahres arbeite ich in unserem Ort in einer
Bar als Barkeeper an 1-3 Tagen in der Woche. Da ich mich leider nicht für
ein ganzes Jahr bewerben kann, freue ich mich für 3-4 Wochen im September
den Barkeepern des Le Lion als Commi de Bar zur Hand zur gehen. Ein Bild von
mir hast Du wahrscheinlich noch im Kopf, würde es aber sonst auch
nachreichen.
Ich bewerbe mich auf diese Stelle, weil die Tätigkeit des Barkeepers, die
wohl zeitlebens nicht mehr als eine Nebentätigkeit bleiben wird, mir große
Freude bereitet und die Art und Weise, wie im Löwen gearbeitet wird, mich
sehr fasziniert und begeistert. Ich möchte "meinen" Gästen, ob ich sie nun
als Teilzeit Barkeeper in einer Bar oder zu Hause bewirte, den best
möglichen Service und Geschmackserlebnis bieten. Dies zu verbessern erhoffe
ich mir durch diese Stelle.

Ich hoffe bald von Dir zu hören und würde mich freuen, wenn sich für mich
diese Möglichkeit ergibt mal in einer der besten Bars arbeiten zu dürfen.

Viele Grüße aus Frankfurt

Stefan Giesbert





Von: Joerg Meyer [mailto:joerg  @  jrgmyr.net]
Gesendet: Dienstag, 17. August 2010 19:43

An: Stefan Giesbert


Herr Giesbert,

Welch Freude, wie könnte ich Ihr Gesicht vergessen? In aller Kürze: eingestellt! Titel: Intern: Super-Prakti ... Externe Bezeichnung: Commis de Connaisseurs de Le Lion

Erster Arbeitstag: 1.9.2010  - Letzter Arbeitstag: 30.09.2010. ?ok?
Fünf Tage Woche .., Bezahlung unterirdisch (bekannt). Arbeit an allen Wochenenden

Der Fairness halber sei erwähnt, das ich im September einige Termine habe ( Moskau, Warschau, Dänemark) und nicht durchgehend vor Ort sein werde.

Herr Kappes wird Sie aber ebenfalls in die Kunst des Gläserpolierens (und andere) einweisen.

Deal?

Gruß
Joerg Meyer
------------------------
Jörg Meyer | jrgmyr
Cell phone +49 170 456 90 41
Sent from my mobile desk


Am 17.08.2010 um 18:35 schrieb "Stefan Giesbert" :

Herr Meyer,

DEAL!!! Sie sehen gerade hier jemanden durch die Wohnung hüpfen!
Darf ich Sie morgen im Laufe des Vormittags (zu bartenderfreundlichen
Zeiten, natürlich) mal anrufen, um einige der mir auf den Nägeln brennenden
Fragen zu klären.

Viele Grüße

Stefan Giesbert, Commis de Connaisseurs de Le Lion





Von: Joerg Meyer [mailto:joerg  @  jrgmyr.net]
Gesendet: Dienstag, 17. August 2010 20:13
An: Stefan Giesbert

Betreff: Re: Bewerbung oder so...

Gerne, darf ich um Hüpf Bilder bitten?
------------------------
Jörg Meyer | jrgmyr
Cell phone +49 170 456 90 41
Sent from my mobile desk"



Die Hüpfbilder ist Herr Giesbert noch schuldig. Ich bin gespannt...

Champagner, der Wein der Bar. Ein manchmal undankbares Geschäft, ein erstklassiger Underdog und empfehlenswerte Champagner Händler

Auf dem BCB 2009 hatte ich das Vergnügen einer Podiumsdiskussion rund um das Thema Wein in der Bar beizuwohnen. In einem seltenen hellem Moment entsprang mir der Satz :"Champagner ist der Wein der Bar". Ein Ausruf, der den geschätzten Kollegen Scholl immer wieder zu Begeisterung auflaufen lässt. (Was meist kurz darauf durch eine Bestellung einer eben guten Flasche als Ausdruck einer gemeinsamen Bestätigung unterstützt wird.)

Wir hatten im Le Lion mit einer umfangreichen Weinkarte gestartet und nur sehr wenige Flaschen verkauft. Im Gegensatz dazu, verkaufen wir seit Eröffnung des Löwen sehr erfolgreich Champagner jeder Gattung. Champager gehört für mich in die Bar, und gelegentlich auch zur einen oder anderen Lebenslage.

Wie formulierte es Frau Bollinger einmal so richtig: "Ich trinke Champagner, wenn ich froh bin, und wenn ich traurig bin. Manchmal trinke ich davon, wenn ich alleine bin; und wenn ich Gesellschaft habe, dann darf er nicht fehlen. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich mir mit ihm Appetit, und wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn mir schmecken. Sonst aber rühre ich ihn nicht an, außer wenn ich Durst habe." Ganz nach meinem Geschmack Lily.

Champagner ist oft ein "Marken Geschäft". Es gibt Marken, die werden von Bartendern müde belächelt. Andere wiederum, werden mit großer Inbrunst verkauft. Und mit großer Regelmässigkeit schaffen es die großen, geschätzten Häuser am Markt, die leidenschaftliche Arbeit des Bartenders mit Füßen zu treten. 

Dann kommt er zum Vorschein, der unschöne Anblick, wenn ein geschätzter Brand am Ende des Tages doch nur eines will. Masse statt Klasse.

Einer dieser großen "Bartenders Choice Brands" hat das ganze in den letzten Wochen mal wieder auf die Spitze getrieben.  Im Katalog des Nationalen Importeurs wird der gute Tropfen für 37,70 € die Flasche netto für Gastronomen angeboten. Ich selber kaufe Ihn, wenn ich Ihn in Deutschland kaufe, für ca. 34,00 € ein fern des eigentlichen Importeurs. Und seit gut zwei Wochen steht er für 28,00 € in der Metro.

Gut, könnte man denken. Dann mach Dir doch den Keller voll Meyer und heul hier nicht rum!

Sicher, eine Art das ganze anzugehen. Nur, stört mich solche hundsmiserable Markenführung eines Champagner Brands außerordentlich. Cash und Carry ist das Ende der Exklusivität. Wenn ein renommiertes Haus einen solchen Weg geht, finde ich das mehr als bedauerlich. Was bleibt ist der wahlweise parallel Eigenimport über Frankreich, da bekommt man den seht guten Tropfen für unter 25,- € oder schlichtweg: Auslisten des fantastischen Champagners. Wir werden sehen...

Da lobe ich mir meinen guten alten Hauschampagner. Kein "bekanntes" Brand, sehr gut gemacht, sehr gutes Preis Leistungs Verhältnis. Gerade im offenen Ausschank und als Filler für Drinks zu Empfehlen. Keinesfalls Anspruchslos, eher das Gegenteil. 

Der Rosé konnte mich bislang noch nicht wirklich überzeugen, aber das von vielen Bekannten Kritikern ausgezeichnete Cuvée Preference ist seltsamer Weise nahezu unbekannt in Deutschland. Für mich einer der Besten Value for Money Champagner, die es in Deutschland gibt.

J. Lassalle - Cuvée Preference BRUT. 


Norddeutschen Gastronomen sei der Händler Johannes Kemnitz ans Herz gelegt. Weitere gute Champagner am Start; z.B. Gosset. Cuvée Preference hier Netto knapp unter 20,00 € für TOP Champagner!

Privatkunden und für kleine Bestellungen sei einer der besten Online Champagner Shops der Republik empfohlen: WEIN NACH MASS. Die Auswahl ist unglaublich gut sortiert - viele hervorragende Häuser statt der Großen (mit der schlechten Markenführung).

Ich freue mich auf den Champagner Slot beim BCB 2010 mit Hendrik Thoma. Und Natürlich über Ihre Meinung zum Thema Champagner in der Bar, Hier im Kommentar und auf dem BCB - würde mich freuen, Sie dort auf ein Glas begrüßen zu dürfen.