03.08.2010

Ein Geschenk zum 150 jährigen Geburtstag von Campari: Gran Classico Bitter - Kaufempfehlung.

Gran Classico Bitter von Tempus Fugit Spirits, Product of Switzerland


Vor gut drei Monaten, erhielt ich eine Probe von Markus Lion, Absinthe.de . Darin eine Flasche Gran Classico Bitters. Als wir telefonierten, sagte Markus: "im Prinzip Campari nach der alten Machart..."



Ah ja. Nun denn, hörte sich interessant an. "Ja, wenn Du eine Flasche übrig hast, teste ich das Produkt gerne". Kurze Zeit später traf der Gran Classico Bitter im Le Lion ein. Und irgendwie hatte ich in dieser Woche nicht die Zeit für einen Test. Die Herren, mit denen ich in der Regel das Vergnügen habe im Le Lion zu arbeiten, hingegen waren ob des Paketes ganz interessiert. Ich hatte kein Zeit aber sagte Ihnen, probiert wenn Ihr wollt...

Ein paar Tage später sah ich die angebrochene Flasche in der Bar und fragte nach Feedback. Der Tenor im Prinzip: "Nee, das ist nichts. Kein Campari...".

O.K. Irgendwann werde ich auch einmal testen. Dachte ich. bureau Umzug, neue Projekte. Die Flasche wanderte. An einen kühlen Ort (Gut so!). Allerdings damit auch ein wenig "Aus dem Auge, aus dem Sinn."

Vor drei Wochen hatte ich die Flasche wieder in der Hand. Und irgendwie war gerade ein Glas in der Nähe. Und viel wichtiger:  Zeit war da. Also. ein Probe Schluck pur. Ich war angenehm überrascht. Also "soooo" schlecht fand ich Gran Classico nicht. Mir fehlte im bureau der Vergleichs Campari aber das Produkt allein für sich gefällt mir durchaus. 

In der Farbe fehlt viel vom Campari Rot. Eher Gold Töne, Bernstein ist im Glas. Die Nase: Kräuter, Zitrusfrüchte, Bittertöne, Anklänge von Vermouth, Wein. Sehr gelungen.

Der Geschmack ebenfalls. Angenehm öllig, kräutrig, leichte Schärfe. Im ganzen wie ich finde Grand Classico sehr gelungen. Auf Eis ebenfalls ein schöner, leichter Bitter mit feinen Aromen. Und da ich in meinem Lebens schon ziemlich viel Cynar getrunken hab, kann ich behaupten, das es irgendeinen Ton in Grand Classico gibt, der dem Cynar nahe kommt.

Ohne einen Preis für den Deutschen Markt zu wissen (sicherlich jenseits des im LEH so erfolgreichen Camparis) eine Kaufempfehlung von mir - Vorerst zumindest zum testen. Gran Classico erinnert mich an die Anfangszeiten von Antica Formular. 5 bis 6 facher Preis eines Standard LEH Vermouth. Und permanenter Beschaffungsnotstand in Deutschland.

Als professioneller Bartender sollte und darf man nie den Preis und die Wirtschaftlichkeit außer Acht lassen. Nur sollten wir als Profis auch nie eine andere wichtige Sache außer Acht lassen - den Genuss.

Antica Formular ist ein fantastischer Vermouth. Nur eben oft auch sehr dominant, fast süß. Ich selber benutze häufig den kleinen Bruder, Punt et Mes. Aber eben nicht immer. Es ist überhaupt nicht verwerflich mit nur einem roten Vermouth in der Bar zu arbeiten. Nur ab einer gewissen Anspruchshaltung bringt eine größere Auswahl einfach mehr Farbe ins Spiel. Und wenn unser Konzept High End erstklassig sein will, kann sich das auch durch eine größere Produktvielfalt manifestieren. Viel wichtiger noch und seltener anzutreffen, der Bartender der diese Vielfalt zu nutzen weis und diese perfekt einsetzt. Und für mich kommt da nun auch Gran Classico ins Spiel.

In diesem Jahr feiert Campari den 150 jährigen Geburtstags. Und "endlich" gibt es eine interessante Alternative. Nicht das ich glaube, eine Bar könnte ohne Campari auskommen. Aber Gran Classico stellt nun einiges in Frage. Wenn ich versucht habe Menschen das Spirituosen Konzept vom Le Lion zu erklären war meine Erklärung immer: Wir kaufen nichts was es im LEH gibt. Ausnahme ist z.B. Camapri - dafür gibt es keinen Ersatz.

Jetzt schon. Oder genauer gesagt jetzt gibt es ein Upgrade. Ein Add on. Wie gesagt, eine Bar ohne Camapri bleibt für mich undenkbar. Aber jetzt kommt eine für mich hochwertige Alternative in Haus. Weg vom LEH. Jede hochwertige Bar sollte so wenig LEH wie ebend möglich listen. Und jetzt kann man den Gästene ien Alternative anbieten.

Und dennoch ist Vorsicht geboten. Früher galt die goldene Negroni Regel. Du kannst den Gin gegen viele andere oft weße Spirituosen tauschen (Tequila, Genever...) und den Vermouth anpassen aber eine Konstante, der Campari, bleibt. Ein Gran Classico Negroni ist eine doch schmeck bar andere Geschichte.

Die Frage ist ob es uns gelingt, unseren Gästen diesen Schritt zu erklären und Sie zu leiten. Wer einen Campari will, weil er genau SEINEN Campari Geschmack möchte, soll Ihn haben. Nur das Gute an unseren Bars ist ja, der das Barmöbel selbst mehrmals die Woche mir experimentier freudigen "Auch Experten" bevölkert ist und wir uns über Jahre eine Art Vertrauen erarbeitet haben. 

Und wer einen Teil seiner Arbeit darin sieht, diesen Gästen immer wieder auch Neues und Gelungenes zu präsentieren, dem wird mit Grand Classico Bitter ein weiteres, wie ich finde gelungenes, Werkzeug an die Hand gegeben. 

Ähnlich wie beim Gold Engel, der kein echter St. Germain Ersatz ist gilt: Gran Classico ist kein Campari Ersatz. Rezepte müssen auf Gran Classico angepasst werden. Modifiziert. Aber wer sich genusssüchtig darauf einlässt kann in meinen Augen mit neuen "Dimensionen " belohnt werden. Eine Nische, sicherlich. Aber deswegen stehe ich gerne hinter der Bar. Weil es um Kleinigkeiten geht, um die Nische, um den Genuss. Ja doch, auch ums Geld verdienen. Wird schon nicht vergessen...

Was fehlt, ist die derzeitige Bezugsmöglichkeit. Ich bitte um Quellen...

Ich muss vielleicht noch eine Sache "einwerfen". Letzten Endes breche ich hier eine Lanze, weil ich glaube, Gott möge mich vor all zu gutem Marketing schützen, das hier Enthusiasten eine alte Machart wiederentdeckt haben und sich ein beleben lohnt. Die "Italien Bitters of Turin" aus der Mitte des 18.ten Jahrhunderts. Aber darüber haben schon andere gutes geschrieben: