07.05.2010

Quo vadis DBU - Der Fall DIAGEO

Eine kleine Frage an die Leserschaft: Auf der diesjährigen LCM der DBU e.V. in Hamburg waren in den drei „Gewinnerdrinks“ allesamt Produkte aus dem Hause DIAGEO.

Bastian Drews sicherte sich den ersten Platz mit einem überwiegend aus Cuervo Platino Reserva Blanco bestehenen Drink, Platz Zwei und Drei waren, wenn ich mich recht erinnere, mit Tanquerray Gin. (Ob nun Ten oder Regulär bin ich mir nicht mehr ganz sicher).

Nun könnten wir lange über Wettbewerbe philosophieren und z.B. über die Tatsache das der Erstplatzierte eine Spirituose vermixte, die in 97% aller Bar niemals vermixte werden würde und ca. 60,- bis 70,- € im Einkauf kostet. Gibt es dort eine Grenze?

Auch gab es, soweit ich weiss, wie auf jedem Wettbewerb, „weitere“ Regelbrüche. So dürfen, wenn ich richtig informiert bin, kein Teeinfusionen genutzt werden oder andere „selbst gemachte“ Sirups etc. Sollten solche „Regeln“ tatsächlich existieren, sind diese sicherlich nicht mehr zeitgemäß.

Viel Interessanter finde ich aber folgende Regelung: Die Teilnehmer sollen mit den Produkten der  Sponsoren mixen. DIAGEO war, sicherlich auf Engagement von Reserve Brands Botschafter Heiko Tagawa, auf der Hamburger LCM vertreten. DIAGEO Deutschland hingegen hat sich in diesem Jahr entschieden, die Deutsche Meisterschaft der DBU NICHT zu unterstützen.

Ersten Informationen zufolge heißt das:  Die Produkte aus dem Hause DIAGEO dürfen bei der DM der DBU nicht verwendet werden und müssen „ersetzt“ werden.

? Und jetzt wird es interessant...

 „Ach ...Gin ist Gin“ könnte der naive Bartender rufen und uns einen Vodka Red Bull zubereiten. Doch zu einfach dürften wir es uns, insbesondere der „Berufsverband“, nicht machen. Gerade wer mit so vielen „Sponsoren“ mit ähnlichem Portfolio zusammenarbeitet, sollte Wert darauf legen und die Botschaft vermitteln, das Gin nicht Gin und die Vielfalt wichtig ist. Mehr noch, wie bitte schön ersetzt man einen Cuervo Platino Reserva Blanco mit dem vorhandenen Portfolio der DM Sponsoren?

Auf der LCM erzählte ich Heiko davon, des es meines Wissens eine IBA Regel für solche Fälle gibt. Das Produkt ist in neutrale Flaschen zu füllen und wird als Brand nicht auf der Veranstaltung genannt (Man redet dann von z.b. „einem Tequila“ statt von „ Cuervo Platino Reserva Blanco“). Ob diese Regelung a.) noch existiert und b.) auch für die DM  des IBA Mitglieds DBU e.V. zählt, kann ich allerdings nicht sagen.

Gestern Nachmittags nun rief mich Heiko an. Er kam gerade aus Berlin und hatte dort auf einem Branchentreffen ein paar Gespräche mit Vertretern der DBU eben auch zu diesem „Sachverhalt“ geführt. Und war immer noch nicht schlauer ... Niemand konnte Ihm eine 100% verlässliche Aussage machen. Und jetzt kommen SIE ins Spiel! Wer von der geschätzten Leserschaft kennt sich aus und kann helfen?

Ich bin gespannt wie sich die DBU entscheidet. Ein Ausschluss der Zutaten wegen mangelender Teilnahme z.b: DIAGEOS als DM Sponsors wäre in meinen Augen eine schallende Ohrfeige wider eines Berufsverständnisses.

Ein Berufsverband hat sich um den Beruf zu kümmern. In diesem Fall geht es um die Qualität, Authenzität des Drinks. Ein Hinwendung zum „Kaptial“, eine Entscheidung aus „Sponsorengründen“ ist eventuelle wirtschaftlich nachvollziehbar, nur ein meinen Augen eine Bankrotterklärung für einen Berufsverband.

Ich bin gespannt. Also: Quo vadis DBU?