30.04.2010

Warum Stefan Raab gute Bars besuchen sollte...

Stefan Raab fragte vorgestern auf TV Total nach dem unbekannten Tagesschau Stalker...

Gut, der Mann kann nicht alles wissen. Er tanzt aber auch auf zu vielen Hochzeiten. Und anscheinend auf den falschen. Bartender Deutschland lacht sich gerade ins Fäustchen und erklärt Christoph Perner und sicherlich auch Stefan Giesbert zu Sonderbeauftragten der Verbreitung der Bar und Trink Kultur! Nur Stephan Raab rätselt noch: Wer könnte das sein? Und tappt im Dunkel, und kennt nur die halbe Geschichte... Würde der Mann mehr gute Bar besuchen, könnte Ihm geholfen werden! Vielleicht kann es Ihm ein Fachkollege aus Köln bei nächsten Besuch stecken...

Mehr noch, die Herren kamen mir schon auf der Beerdigung der Cocktailkirsche extrem kreative vor. Nun, Herr Kappes, so wie wir alle, haben Sie wohl unterschätzt. Ein "Mehr geht nicht" lässt so ein Cocktail Geek nicht auf sich sitzen. Mehr geht IMMER!



Wahnsinn der Herr - Großartig! Ich befürchte es stehen ein paar Kognac Drinks im Le Lion auf unsere Kosten bereit.

29.04.2010

Diesen GIN müssen Sie kaufen! (Wenn Sie Whisky mögen...)


Das erste mal seit langer Zeit dachte ich heute: „ Endlich mal eine innovative Spirituose.“. Normalerweise bin ich nicht so für‘s Innovative. Gin ist Gin, Malt ist Malt und Spirituosen mit „Pfiff“ oder sonstiger grauvoll gewollter Andersheit können mir in der Regel gestohlen bleiben. Neuheiten und Experimenten gegenüber bin ich eher skeptisch eingestellt. 

Manchmal jedoch erwischt es mich. Heute zum Beispiel. Heute durfte ich einen wahnsinnig interessanten Gin probieren, und musste gleich vier Flaschen davon kaufen. 

Alambic‘s Special Islay Gin - Single Cask Scotch Premium Gin
Aged 12 Years in Wood, Distilled 1998, bottled 2010, finished 2 years in ex Port Ellen Whisky Casks. 298 Bottles, Natural colour, non chill filtration, 56,8 %Vol.

Mein Dank geht an Familie Lühmann von der Weinquelle, denn diese riefen mich gestern an und erzählten mir von dieser kleinen Rarität und luden mich heute auf ein Gläschen ein. Duo Kappes/Meyer befandt diese erste Probe für „sehr gut“.

Heute Abend sass ich mit meinem Geschäfts Partner Rainer Wendt vier Stunden auf der Terrasse vorm Café Paris und wir blieben bis nach Mitternacht, unerwartet aber nach letzter Woche durchaus mehr als sinnvoll, alkoholfrei. Herr Baumann war so aufmerksam und brachte uns beiden, nachdem ich Rainer gerade von meinem Neuerwerb berichtete,  „über die Strasse“ noch ein Gläschen dieses guten Tropfens!  Es wurden zwei, und spätestens seit diesen sehr bewusst genossenen Gläsern zählt der Special Islay Gin zu meinen neuen Lieblingen!

Warum?

Nun, die neue Liebe beruht nicht nur auf sensorischen Eindrücken. Aber natürlich eben auch auf diesen: in der Nase breites Wacholder, Gin, Früchte. Der erste Schluck dann Islay „light“. Feine Torf Aromen in ungewohnter Begleitung. Weniger Gin, langsam auch Whisky. Ein ungewohnter Geschmackseindruck.

Für einen eingeschworenen GIN Liebhaber vielleicht keine gute Wahl. Für jemanden der guten Gin liebt aber eben auch Malt, insbesondere Islay zu schätzen weis, eventuelle ein fantastischer Geschmackseindruck.

Gin und Malt Puristen werden sich wahrscheinlich das Maul zerreißen. Ich hab jeden Tropfen heute genossen. Dieser Wechsel zwischen bekannten Wacholder Aromen und dem Whisky hat mir extrem gut gefallen.

Alambic Special Isaly Gin ist sicherlich ein absolutes Nischenprodukt. Er wird nicht jedem gefallen, aber Ich finde Ihn großartig. Ein Sipping Gin der extra Klasse. Pur, ungekühlt hat er mich schon überzeugt...

Viel mehr noch, und da verabschieden wir uns vom Geschmacksbild, finde ich es großartig wie hier mit Kategorien „gespielt“ wird. Was ist Gin? Destilliertes Getreide (wie u.a Wodka) mit hinzugefügten Gewürzaromen, gereift in Whisky ( ebenfalls Getreide Schnaps) Fässern. Großartig! Und das Timing ist perfekt! Als wenn man vor 12 Jahren geahnte hätte das es zehn Jahre später zur Rennaisance des Gin‘s kommt - Wow.

Also, Alambics Special Islay Gin ist meine absolute Kaufempfehlung. Eile ist geboten, den Weinquelle hat nunmehr nur noch weniger als 15 Flaschen - von 298 weltweit - es gab nur ein Fass! Der Preis von 52 € scheint mir in diesem Fall für einen Gin ausnahmsweise gerechtfertigt. Im Vergleichen zu neuen, überteuerten Gin Produkten a la „Vodka Styler“ finde ich diesen Preis für zwölf Jahre Fasslagerung mehr als angemessen.

Ach ja, Alambic Classique Collection kommt übrigens aus Deutschland. Muss ich mir mal näher anschauen... http://www.alambic-classique.com/html/home.html


Gin derzeit noch erhältlich bei www.weinquelle.com

22.04.2010

Jim Meehan is mixing at Le Lion - Part 2

There are still some tickets left for our Grand Opening of PDT Hamburg at the 2th of May 2010. So, please join, if you like - more information about PDT Hamburg and how to get a ticket  - here! Jim Meehans Menu will follow asap!

Jim and PDT NY won Bartender of the Year and Bar of the Year last Tales of the Cocktail in New Orleans. Oh, Yes, and he designed the MEEHAN BAG  ... let's go on with: "Who the f**k is Jim Meehan?":







21.04.2010

20 Flaschen Gold Engel Holunderblüten Likör von der "schmierigen Verwandtschaft"


Vor zwei Wochen erreichten mich die ersten Proben: Kreuzritter bringt Gold Engel! Der Fall ist klar: Meyer ist gekauft und promoted die schmierige Verwandtschaft. Falls Sie diese verdeckte Schleichwerbung in Blogs auch so nervt, lesen Sie einfach nicht weiter. STOP!

Gut, Sie hatten Ihre Chance. Weiter im Text. Ich bin Ihnen noch erste Mixability Tests schuldig. Gestern Abend war es dann soweit. Die spannende Frage: Ist er "besser" als St. Germain, DIE Benchmark für Holunderblüten Ketchup in der Bar?

Um die Spannung vorweg zu nehmen  (Wer dann noch weiter liest, ist selber schuld): Nein, besser ist der  Gold Engel nicht!

"Aha" werden Sie nun erleichtert denken und sich in Ihren Stuhl zurücklehnen - "dachte ich es mir doch! ".

Nun, nicht so voreilig! Ich möchte nun nicht philosophisch klingen aber: Geht es um besser? Nein! Unabhängig vom "Holunderblüten - Battle" ist das eher eine Grundsatzfrage. Bei der heutigen Auswahl an "Vielen" Likören, Spirituosen etc. stellt sich dem erfahrenen Bartender nicht unbedingt sie Frage ob ein Produkt "besser" als das andere ist.

Vielmehr, und das gilt wie gesagt nicht nur für diese beiden Kandidaten, geht es doch oft eher darum, wo die Stärken des einzelnen Produktes liegen. Gold Engel gefällt mir sehr gut, nur, so habe ich festgestellt, ein direkter Vergleich mit St. Germain hinkt, zumindest in der Profiliga.

St. Germain erscheint mir "süßer", Gold Engel hat eine feine "kräutrige" Nebennote, die ich durchaus, je nach Drink, sehr ansprechend finde.

Ein Padovani (50 ml Highland Malt, 20 ml Holunderblüte, auf festem, soliden, eiskaltem Eisstück kühl gerührt) beispielsweise wird mit Gold Engel zu einem "anderen" Drink. Herr Baumann kommentierte gestern meine erste Testreihe Padovanis abschließend mit "mit St. Germain gefällt mir besser, ist kraftvoller". Dabei hat auch er eine Zeit lang gebraucht um in der Blindprobe herauszufinden, welcher der Drinks mit welchem Likör gemixt ist. Mit der Zeit finden sich im Gold Engel Drink feine Kräuter Noten, die in meinen Augen, je nach Whisky, dem Drink eine bis dato unbekannte Dimension geben. Und durch weniger Zucker und die feine Note, mehr vom Whisky stehenlassen, dem geneigtem Malt Trinker eventuelle besser gefallen könnten. Wer sich in diesem Drink an St. Germain gewöhnt hat, tut sich mit diesen "neuen" Aroma eventuelle schwer. Ist das noch "der" Padovani?  Dem Malt Freund, der dies zum ersten mal serviert bekommt, könnte ein Gold Engel Padovani eventuelle besser gefallen. Weniger Süß, mehr Whisky, plus feine Kräuter.

Im Elderflower Collins ein ähnliches Ergebnis. Bei gleichen Mengen wird der Goldengel Drink fast zu frisch, da weniger Süß, hinzu kommen kräutrige Noten. Mit einen kleinen Schuss mehr Zucker dann wieder ein balancierter Drink, erweitert um eine kräutrige Dimension.

Stephan (der schmierige Cousin) ist derzeit noch nicht mit dem Abfüllen auf gelabelte Flaschen fertig. Ich werde in den kommenden Tagen ein wenig weiter probieren, derzeit könnte ich mir eine Koexistenz beider Sorten in meiner Bar vorstellen. Beide haben Ihre Stärken. Auf jeden Fall muss man bislang "bekannte" Rezepte auf Goldengel "anpassen" - wird dafür mit der erwähnten "neuen" Dimension belohnt.

Ich finde das Produkt spannend und möchte hier offizielle um Mithilfe bitten. Stephan hat mich gefragt ob Gold Engel ein Produkt für Bartender/Cocktail Liebhaber ist und die einzige mir sinnvoll erscheinene Antwort auf diese Frage: "Lass Sie selbst entscheiden!". Aus diesem Grund habe ich Stephan angeboten, 20 Flaschen Gold Engel (Aller Wahrscheinlichkeit noch ungelabelt) an die Leser von JRGMYR zu verlosen.

Natürlich habe ich dieses ehrbare Vorhaben mit einer dunklen Absicht gekoppelt. Um an der "Verlosung" teilzunehmen, muss der geneigte Leser sich  h i e r  (oder links am Rand) in meinem "Liquid Letter" eintragen. Ich habe vor einen ,Alt Deutsch:"Newsletter", aufzubauen und nutze die Gunst der Stunde aus, dieses Anliegen hinterhältig mit der Verlosungsteilnahem zu verbinden.

Wer sich bis Sonntag, 25.4.2009 in den Liquid Letter einträgt, nimmt an der Verlosung der 20  Flaschen teil (insofern dort auch eine brauchbare postalische Anschrift vermerkt ist). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wenn alles klappt, wird Stephan am Montag/ Dienstag versenden.  Ich fände es spannend, wenn die "Gewinner" Ihre Meinung hier als Kommentar oder Sonstwie kundtun.

Desweiteren würde ich mich über Elderflower Rezepte in den Kommentaren freuen, um diese dann mit Gold Engel ausprobieren zu können.

Also:

  • Zur Teilnahme an der Verlosung den Liquid Letter hier abonnieren
  • Bitte Elderflower Rezepte als Kommentar posten, um Testreihe fortzusetzen.
  • Bei "Gewinn" bin ich auf die Meinung gespannt.

Disclosure:
  • Der Author dieser Zeilen steht im verwandschaftlichen Verhältniss zum Inhaber des hier masslos angepriesenen Produktes.
  • Der Author wurde "gekauft". Neben ca. 700ml Freiware wurden den Paketen zwei Playmobil Kreuzritter beigelegt.

13.04.2010

Samstag Nacht: Ein guter geschenkter Tropfen „Konzept“, gerne auf Eis - Wider dem Zurückrudern.

Ein komisches Gefühl. Schon einige Monate her, wenn nicht bald ein Jahr. Ich sitze Samstag Nacht zuhause. Alleine. Drücke mich vor einigen halbwichtigen To Do‘s, da nächste Woche nicht viel Zeit bleiben wird. Habe aber eigentlich keine Lust mehr am Schreibtisch weiter zu arbeiten. Zeit umzustellen: vom brandeins Hörbuch auf ein geliebtes Nacht Album:





Night and the City von Charlie Hayden und Kenny Baron. Recorded 1996 live at the Iridium New York City.

So ist das manchmal, viel zu selten. Da sitzt man im kleinen Hamburg, und hängt allein und gedankenverloren in der dunklen Nacht. Und dieses Album transformiert mich immer in eine andere Welt. In eine Welt, die es nur Nachts gibt. In die Bar Welt, meine Welt. Großstadt, Jazz und gute Drinks, viel wichtiger noch, die perfekte Bar, nein mehr noch, die perfekte Atmosphäre. Irgendwie die Mischung aus allem. Ich habe zu diesem Album schon  früher im ATLAS die Bar geputzt. Stundenlang alleine Feierabend gemacht. Flaschen poliert, Staub gewischt. Man verfällt dann irgendwann in eine fantastischen Zustand. Man nimmt sich die Bitters Dash Bottles und ist selig, kleinste Verunreinigungen aus Ihren Ausgießern zu entfernen. Man gräbt sich immer tiefer ins Rückbüffet, räumt die Schubladen auf, in denen sich seit Monaten nicht Sammlungswürdiges sammelt. usw. Und das geht am Besten allein, und Nachts. Nach „Feierabend“. Stundenlang.

Komisch? Eigentlich nicht. Nachts war und ist meine Zeit. Und das Gefühl, die perfekte Bar zu hinterlassen und am nächsten Abend nach kurzem Mise en place zu wissen, das alles, alles, absolut jedes kleine Details gecheckt und ok ist, verlängerte den Trace Zustand um eine weitere Nacht. In der Schicht, in der man mit dem Ultima Ratio an Mise en Place arbeitet, fühlt man sich erhaben. Unangreifbar. Perfekt!

Gedankenverloren habe ich so oft früher mein Mise en place gemacht. Am Tage zu kommen war mir ein Graus. Zu viele Menschen, Frühdienst, Alltagsprobleme, Gerede, Geschwätzt, Ablenkung vom Wesentlichen. Nachts, absolute Stille, Nur Charly Hayden, Benny Baron, ein paar hundert Flaschen die poliert werden wollen und die Bar im gedimmten Licht.  Manchmal war ich so in dem Album versunken, das es mich an einigen Stellen zu Tode erschreckt hat. Live Aufnahme, plötzliches Husten in der Bar und man denkt: „Ist da wer?“.

Das war irgendwann nach 1997 und vor 2004. Bevor ich das ATLAS verkaufte, und mir schließlich mit, vorerst Le Bon Lion, später dann Le Lion, einen Wunsch erfüllte (und, das sei nicht zu vergessen, zusammen mit meinem Partner Rainer Wendt, ohne sich dieser Wunsch nicht so erfüllt hätte.)

Das waren sieben Jahre in denen meine Vorstellung „meiner“ Bar reifte. In Nächten, wo ich es genossen habe „die anderen nach Hause gehen zu sehen“. Jazz zu hören, und Bar einzuatmen. Ist jetzt selten geworden, oder besser „schwierig“ - Le Lion hat einfach zu lange auf. Und das komische ist ja, das man sich theoretisch in diesen perfekten Zustand reindenkt. In der Praxis würde da vielleicht jemand „nerven“. Den nennt man in der Regel „Gast“ - soviel zu Theorie und Praxis.

DIe Atlas Restaurant Bar hatte für mich ein ganz besonderes Flair. Sie hatte viele Fehler. Fängt an bei dem unpraktischstem Arbeitsbereich an, den es je gab. Spülmaschine in der Bar, bei Restaurant “Bespielung“ und hunderten von Gläsern eine Stimmungs Katastrophe. Etc etc etc. Die Fehler waren erstens gut, um aus Ihnen zu lernen. Und zweitens, sind solche Fehler in der Regel durch Bartender/Inhaber überbrückbar. Wo ein Wille, da ein Weg. Wichtig, schien mir schon damals, ein schlüssiges Konzept. Nicht zuviel Versprechen, wissen wo man steht, welche Funktionen eine Restaurantbar zu erfüllen hat. Und mit diesem Wissen dann die eigene Leidenschaft zum Thema Bar nach vorne treiben.  Soweit es geht, soweit es das Konzept zulässt. Aber nicht Dienstags für drei Gäste die Gläser im Froster haben, und Samstags dann direkt mit 40°C aus dem gespültem Rack.

Konzept, Konzept, Konzept. Das ist wichtig. Und, wenn man unsere Freunde aus den Restaurants über die Schulter schaut,  hat es da schon lange stattgefunden. Konzept, immer spezieller, rund ums Essen.

Nun, man darf eines nicht vergessen. Die Kulturgeschichte der Bar in unseren Landen ist verschwinden gering und daher, glaube ich, ist ein zu genauer Vergleich mit  dem „Essen gehen“ schwierig. Restaurants sind „weiter“ - besser aufgestellt. Und dennoch, ist es Zeit für mehr Konzept. In letzter Zeit haben mich wenig Bar Konzepte in Deutschland angenehm „überrascht“. Einiges ist nach wie vor szeniger Hip Schrott, der jenseits guter Drinks, gutem Handwerk, oder nennen wir es einfach „ohne wirklichen Qualitätsanspruch“ daherkommt. Indiskutabel - setzen sechs. Einige, viel zu wenige sind fantastisch und machen Spaß. Dabei geht es mit nicht um einen ausgefeilten Drink in einer Bar, oft einfach nur um Dinge wie ein trinkbarer Gin Tonic, gekühlte Getränke etc. Basics sondergleichen, nach wie vor in vielen Konzepten katastrophal gelöst.

Wenn Sie in Hamburg in einen Club oder wie auch immer Sie das nennen wollen wo nie Erwachsen werden wollende End Dreiziger sich nach 24 Uhr zu fragwürdiger Musik zu entspannen versuchen,  sagen wir nun einmal Club. Wenn Sie als in Hamburg also in einem Club einen trinkbaren Gin Tonic bekommen wollen, ist das wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Die Frage nur: „Warum?“. Gerade, von oft gepriesener gastronomischer „Unternehmerseite“ (Ihr Spinner mit Eurem Bar Quatsch verdient doch eh kein Geld“) werden diese Marginalsfehler begangen. Dabei ist ein Gin & Tonic ein fantastischer Longdrink, ein Schnelldreher, ein Umsatzbringer.

Es geht also oft um ganz einfach Dinge. Weniger ist wie immer mehr, das Wenige dann gut bis aussergewöhnlich gut zu machen wäre schon eine Art Konzept. Aber neben dem Szene Quatsch gibt es halt oft nur auf der anderen Seite den Gral der Klassik Bar. Das ist auch gut so, schließlich liebe ich sie. Dazwischen, finde ich, ist noch unglaublich viel Raum für neues. Denn es zu füllen gilt. Klassik Bar, Traum vieler Bartender, ist, leider, dünnes Eis in Deutschland. Aber dazwischen geht noch einiges, so ziemlich alles. Mit guten Konzepten.

Seit einiger Zeit nun beschleicht mich ein Gefühl, wenn auch nur ganz selten, das seit kurzem in unseren "Bartender Kreisen" kräftig „Zurückgerudert“ wird. Und was ich so lese und höre lässt mich schmunzeln. Da wird, das ist grundsätzlich nicht weiter dramatisch, wir wollten Ihn ja eigentlich auch nicht mehr so nennen, der Mixologe hinter der Bar enthronisiert. Gut, einige haben es auch übertrieben und sind nicht nur mir auf die Nerven gegangen. Nur der allgemeine Tenor der nunmehr an einigen Stellen daraus erwächst ist in meinen Augen falsch. Der Bartender soll als Dienstleister dem Gast die Wünsche von den Lippen ablesen und Ihm Swimming Pool, Red Bull und Chemische Cocktailkirsche servieren, wann immer er möchte und überhaupt. Den schließlich sind wir Dienstleister und unsere Aufgabe ist es den Gast zufrieden zu stellen....

Na, ich weiss nicht. Ein wenig Selbsterhaltungstrieb sollte bestehen bleiben. Es gibt einige Schwarze Scharfe, das ist richtig. Die haben es anscheinend an der einen oder anderen Stelle in der Vergangenheit übertrieben. Auch korrekt. Sie haben, selbst verliebt oder vielleicht einfach unbedacht wie Sie waren, Ihre Stellung als Bartender überzogen, Gäste beleehrt statt Ihnen eine gute Zeit zu bereiten -> No Go!

Wobei, wenn man es richtig macht, sind einem Gäste auch noch unendlich dankbar dafür. Man braucht dafür Talent. Das kann man, anders als Rezepte, glaube ich nicht lernen. Man kann Potenzial fördern, wer aber kein Talent hat, ist verloren. Sollte was anderes machen. Raus aus der Bar. (Kann ja als Gast wiederkommen...)

Nur, das sind einige, wenige Ausnahmen. Und ein Abend macht noch keinen Profession... Und im Grunde genommen hat sich für uns hinter der Bar in den letzten drei Jahren unglaublich viel geändert. Und das ist GUT SO!

Einem Gast zu sagen „Einen Swimming Pool mixe ich Ihnen nicht“ - obwohl man alle Zutaten da hat oder vielleicht noch Arrogant nach zu treten mit „ SO ETWAS serviere ich Ihnen HIER nicht“, ist unmissverständlich. Hätte ich vor einiger Zeit noch gedacht  ...Naja, er hat es ja gut gemeint... ist die einzig richtige Entscheidung: Rausschmeissen, den Bartender wohlgemerkt, nicht die Gäste!

Hingegen beispielsweise keinen Blue Curacao und Kokos zu führen, dem Gast freundlich mitzuteilen „ Dafür fehlen mir leider einige Zutaten“ und ihm dann sofort eine passende Alternative anzubieten die Ihm gefallen wird, ist ein Art Konzept.

Das wichtige ist nur, es muss von Inhabern und Bartendern gemeinsam angegangen werden. Im Löwen beispielsweise führen wir bis auf Limetten, Zitronen, Orangen und Tomatensaft keine Säfte. Das ist nicht der letzter Weisheit Schuß und auch kein Dogma. Nur lässt sich somit konzeptionell eine Aussage treffen. Das sollte höflich gemacht werden  und es muss untereinander Abgestimmt sein. Wenn ein einzelner Bartendern einen Alleingang macht, geht das nicht. Wenn die Bar als solches einen Schritt weg von WIR MACHEN ALLES macht, ist das begrüßenswert.

Das ich persönlich der Meinung bin RED BULL und ähnliche Getränke haben in einer guten Bar nichts, aber auch rein gar nichts, zu suchen, ist meine persönliche Meinung. Wer Argumentiert damit kann man schnell gutes Geld verdienen,fehlt in erster Hinsicht eines: Gute Ideen und eben Talent. Dieser erbrochene Gummibärchensaft ist in meinen Augen ein überteuerter Marketing Coupe.  Geld verdienen kann man mit anderen Sachen. Sicherlich, immer schön KONZEPT KONZEPT KONZEPT im Auge, ist ein 2000 Personen Club auf Abipartyniveau ohne Energy Müll schwer vorstellbar. Aber eine Klassik Bar?

Einem Gast, der danach fragt, werde ich meine Meinung zum Getränk sicherlich nicht merken lassen. Die Antwort lautet „Entschuldigen Sie bitte, wir haben leider kein XYZ, möchten Sie vielleicht einem Vodka Tonic?“.  (Wir haben angefangen gleich eine Alternative anzubieten die zu 90% sofort genommen wird. Reiner Selbstschutz, die Ausweichbestellung lautet sonst nämlich immer Vodka Cranberry - haben wir ja ebenfalls nicht ...)

Wir müssen dem Gast das Gefühl geben, er ist jederzeit willkommen und wir respektieren Ihn und seine Wünsche. Mit etwas Fingerspitzengefühl kann man jemanden ruhig mitteilen, das es xyz oder abc nicht gibt, ohne das dieser sich vor den Kopf gestossen fühlt. Der Ton macht die Musik. Und darin, sollten wir uns üben. Denn ich bin der festen Überzeugung das man nahezu jedes Konzept an den Mann bringen kann. Und wenn man es gut macht, sind einem die Gäste sogar dankbar dafür.

Kommunikation, zwischenmenschliche Interaktion und das Verständnis um diese sind sicherlich die Schlüsselpunkte zum Erfolg im Job als Bartender. Und ein starker Wille + jede Menge Geduld. Man muss sein Konzept „durchsetzen“ - das verwechseln die Hitzköpfe unserer Branche mit jemandem seine Meinung aufdrücken (Die doch eh niemanden interessiert....).

Man darf seinen Traum, seinen größten Wunsch nicht aufgeben.

„Wir machen alles für jeden und haben uns dabei furchtbar lieb“ ist kein Konzept, und schon gar keines das mich reizen würde. Wenn nach Wochen, Monaten und Jahren langsam , Zitat Hanibal Smith (Lektor- war es nicht,danke für den Hinweis) A-TEAM „ Ein Plan funktioniert“ ist das eine fantastische Bestätigung. Können wir also bitte aufhören Zurückzurudern?  Durchhalten ist angesagt. Und seine Träume nicht vergessen. Chemische Stilkirsche in den Müll und kann  jetzt mal jemand den Jazz aufdrehen und das Licht dimmen?

08.04.2010

I love Captain Cork - Meine Art Wine Blog !

Henrik Thoma hat mit TVino einen Meilenstein im Wine TV gesetzt.  Wer es allerdings  auch ein wenig verrückter mag, mit einen Einschlag Monthy Phyton, dem sei nunmehr ebenfalls Captain Cork ans Herz gelegt. Der Youtube Channel von Capatin Cork "made my day"






Manfred Klimek ist Captain Cork und seine Artikel auf seinem Blog bereitem mir erstmals seit langem kontinuierliches Lesevergnügen. Ein Blick ins Impressum verrät, der Betreiber ist die Captain Cork GmbH - und ohne weitere Hintergründe zu kennen, erklärt dies eventuelle wie so ein professioneller Auftritt möglich ist. Killer Wein Web 2.0 -> http://captaincork.com

Um Captain Kork zu verstehen: hier ein Auszug aus seinem "Über uns":

An alle Landratten!

Wir, der Captain und sein Team, befinden uns auf großer Fahrt. Unsere Ziele heißen Information und Qualität. Und damit jeder versteht, was damit gemeint ist, hat uns der Captain in einer windstillen Nacht seine klugen Gedanken auf Pergament diktiert.
10 Thesen von CaptainCork:
  1. Der Weinkonsument wird oft manipuliert, getäuscht und um den Genuss gebracht.
  2. Fünfzig Prozent der Weine schmecken den Konsumenten nicht.
  3. Der Konsument wagt keinen Widerspruch, da er glaubt, von Wein nichts zu verstehen.
  4. Der Milliardenmarkt Wein wird nur von einer Handvoll Leuten kontrolliert.
  5. Robert Parker ist der mächtige Einsager einer unwidersprochen agierenden Händlergemeinschaft.
  6. Viele Weinkellner und Journalisten sind ahnungslose Nachplapperer.
  7. Seltene Weine und autochthone Reben gehen verloren.
  8. Großartiges bleibt unentdeckt.
  9. Die Zeit der großen Modeweine ( z. B. Petrus, Valandraud, viele Supertuscans) ist vorbei.
  10. Kleine, fantastische Winzer wollen entdeckt werden.
und hier gehts zu den wie ich finde gelungenen Antworten:


http://captaincork.com/Ueber-uns

06.04.2010

PDT Hamburg will open 2th of May 2010.

I am very proud to announce that Jim Meehan from PDT NYC will come over at the 2th of may to open his New Hot Spot PDT Hamburg in cooperation with LE LION - Bar de Paris. Adress, like always, is unknown, but some rumors say that Mr. Meehan an Mr. Meyer are going to open a Hot Dog Hangout "Crif Dog Hamburg" at Rathausstrasse 3 the same day and somebody told us that they have also ordered a Phone Box for this Grand Opening.

So, if you like to attend this great opening of maybe the best Hot Dog Grill of Europe and the great new Bar "PDT HAMBURG", do a reservation via mail at joerg @ lelion.net. And hurry up: First come, first serve.

Ticket for the opening are 110,00 €. Jim Meehan will serve you fine Drinks from the PDT HH Menu.
Ticket is including all drinks from PDT HH Menu, Bier, Wine, Soft, Coffee, Fingerfood and for SURE Crif Dogs HH Hot Dogs. Bar will be open from 7.00 pm to at least 3.00 p.m. Please notice: Access only via Reservation.


Bekenntnisse eines Bartenders: Löwen servieren Nespresso

In der aktuellen Ausgabe des Mixology Magazins gibt es einen Artikel zum Thema Kaffee. Verständlicher Weise musste der Artikel bei mehreren „Bars“ gekürzt werden. An dieser Stelle kurz meine Meinung zum Thema: „Kaffee in der Bar“. Fragen von Tanja Bempreiksz, Mixology, Magazin für Barkultur, Berlin:



Welche Rolle spielt Kaffe an Deiner Bar ?

Kurz: Dienstleistung und Eigennutz.

Wir haben ein sehr eingeschränktes Angebot an Kaffee: Espresso. Auf Wunsch verlängert als Café Americano Und ja, ich bin schwach geworden, entgegen meiner ursprünglichen Planung servieren wir nunmehr auch Cappuccino. Das war‘s. Café Latte, Milchkaffe, Entkoffeinierter Kaffee oder irgendwelche Mischungen im Glas servieren wir im Le Lion nicht. Wir möchten uns 100% zu einen Café abgrenzen. Kaffee ist bewusst sehr hoch kalkuliert: Espresso 3,00 €, Cappuccino 4,50 €. Denn in der Regel verstehen wir Espresso Service als Dienstleistung. Wer einen schönen Abend bei uns verbringt und zwischendurch einen Espresso bestellt, wird diesen in der Regel nicht auf der Rechnung wieder finden. Der Eigennutz: Ich selber trinke oft mehr als 10 Espresso am Tag. Die Bartender im Le Lion sind ähnlich „abhängig“. Die Schichten dauern in der Regel bis 4.00/5.00 Uhr. Ohne Espresso wird‘s schwer

Geschätzter Anteil von Kaffee am Gesamtumsatz? 

Unbedeutend. Die, die wird „kassieren“ sind vielleicht 5 Cappuccino und 15 Espresso im Monat. Und das wäre schon viel. Bis zu 15 am Tag gehen aufs Personal.

Welche Marke verwendest Du und warum?

Mittlerweile Nespresso. Und ich halte es für das perfekte System für eine kleine Bar. Am Anfang habe ich für einige tausend  € eine Eingruppige Siebträgermaschine gekauft und mit Filtern etc. einbauen lassen. Dazu die gute Mühle. Dazu dann guter Kaffee etc. Das Ergebnis in Kürze: Horror! Siebträgermaschinen liefern theoretisch nach wie vor den Best möglichen Espresso. Allerdings, bedarf es zum einen einer gewissen „Frequenz“ und sehr aufmerksamer Pflege.  Als ich dann schließlich gemerkt habe, das ich lieber zum Espresso in Café Paris als in meine eigene Bar gehen, dachte ich: Zeit zu handeln! Mit Nespresso serviere ich meiner Meinung nach jederzeit 80% der möglichen Espresso Qualität. Der Unterschied zu anderen Systemen: Die Qualität ist 100% konstant. Ich habe für mich entschieden, das dies die Beste Lösung für das Le Lion ist. Im Gegensatz zu den Drinks arbeiten wir beispielsweise beim Food ebenfalls mit Best möglichem Convenience Angebot. Man muss sich entscheiden, auf was man sich konzentriert. Ich würde derzeit eine Kaffeebar nicht mit Nespresso betreiben, allerdings würde ich wahrscheinlich Drei Viertel aller Kaffeebars empfehlen sich eine Nespresso zu kaufen um das Qualitätslevel zu heben.

Mit was für einer Art von Maschine arbeitest Du und warum (Vollautomat, Siebträger,....)?

Ich weiss gar nicht wie das Modell heißt. Kommt von Krups, ist für Nespresso hergestellt, sieht gut aus und hat unter 400 € gekostet. Es gibt eine „professionelle“ Linie von Nespresso, die wir nicht benutzen. Wir nehmen die „Basic“ Edition, die jeder derzeit im Shop kaufen kann.  Kein weiteren Kosten. Kein Filter, Kein Wasserleitung legen, kein Starkstromanschluss Ein Espresso kostet um die 33 Cent im Einkauf. Nur Siebträgermaschinen schaffen theoretisch den Best möglichen Espresso. Vollautomaten sind mit Vorsicht zu genießen. Mehr als Mittelmass wird in den seltensten Fällen geschafft.

Welche Rolle spielen Kaffee-Cocktails an Deiner Bar?

Einige unserer Gäste ordern Espresso Martini. Das Respektieren wir und servieren dies anstandslos. Ich persönlich verstehe nicht warum man guten Espresso mischen sollte. Kaffeecocktail ist für mich kurz vor „No Go“ - Steigerungsformen sind  Biercocktail und am Ende des „Trinkens wider des Geschmack“ steht selbstverständlich jede erbärmliche Mischung mit Energydrinks

Kreuzritter bringt Goldengel


Das es sich bei der "Firma" Kreuzritter, vielmehr bei Stephan Susen, um "schmierige" Verwandtschaft handelt, hatte ich glaube ich schon einmal bei einer bescheidenen Lobeshyme auf  seinen nicht ganz preiswerten Aquavit HIER bemerkt. 

Nun, seinerzeit habe ich verlauten lassen, das aller guten Dinge drei sind. Und der Dreiling, seiner Zeit drittes Produkt in der kleinen Range des Herstellers, mir erstmals gefiel (Den ersten beiden Produkten kann ich in der Bar nicht zuviel abgewinnen).

Nunmehr hat mein Cousin mich zur PROWEIN überrascht. Mit einen Holunderblüten - Salbei Likör. Gut, der Name ist recht schmissig - aber immerhin eine absolute Verbesserung zur "Herz Dame"...

"Goldengel" heißt der, wie ich finde, gelungene Likör. Ich muss vorsichtig sein, mit "Vorschuss Lorbeeren".  Gut 20 ml, eine knappe halbe Flasche fanden nach der Messe Ihren Weg ins Le Lion. Mehr hatte Stephan gerade nicht mehr da. Pur, das möchte ich sagen, finde ich Ihn sehr gelungen. Sicherlich ist der bekannteste Mitbewerber St. Germain nicht unbedingt dafür berühmt, Pur getrunken zu werden. Und so werde ich auf ein, zwei Flaschen aus der ersten Charge warten, um die Mixability rundum zu testen. Auch der Preis ist mir noch nicht bekannt. Wobei mir Stephan verriet, "Nicht ganz so aufwendig wie der Aquavit" - sprich, vom Preis drunter angesiedelt. Bei einem Gespräch mit Stephan hat er über eine Preisstaffel für Bartender nachgedacht, obwohl er bislang ausschließlich über den Fachhandel geht. Ich bin gespannt, wie er "uns" seinen Engel schmackhaft machen wird. Teurer als der sehr gute St. Germain wird es den Goldengel sicherlich nur sehr begrenz hinter die Barbretter des Landes bringen.

Ich bin gespannt. Auf Mixbarkeit und Preis. Die Verfügbarkeit von St. Germain ist immer noch nicht zu 100% gegeben. Vielleicht findet sich hier eine gelungene Alternative im mittlerweile etwas in Vergessenheit geratenem GSA Ländle.

Schon jemand getestet?