29.11.2009

Warum ich aus der Deutschen Barkeeper Union DBU e.V. ausgetreten bin

Vor einigen Tagen bin ich aus der DBU ausgetreten. Ich erhielt einige Emails zu diesem Schritt, und erlaube mir nun hier öffentlich zu antworten. Menschen die sich eigentlich mehr für gute Drinks, als für Vereinsgeschichten interessieren, sei folgendes Empfohlen: NICHT weiterlesen, in eine gute Bar gehen und einen Drink genießen!

Also, Austritt aus der DBU.  Ein Schritt, der schon lange überfällig war,  den ich aber immer vor mich hingeschoben habe. Vor mich hingeschoben, nicht, weil dies nun ein so großer Schritt gewesen wäre, nein, sondern einfach nur so, wie es mit einigen Dingen manchmal so ist.

Überfällig zum einem, da mich einige grundsätzliche Überlegungen zu diesem selbsternannten „Berufsverband“ schon seit langem zu einem Austritt tendieren lassen, Überfällig zum anderen, da mich die Antworten auf meinen Offenen Brief nahezu durchgehend davon überzeugt haben, das der „Verein“ DBU weder in der Vergangenheit, noch so glaube ich in naher Zukunft, das Berufsbild „Bartender/Barkeeper“ angemessen in der Öffentlichkeit repräsentieren kann.

Es wird Ihnen aufgefallen sein: Es geht, das sollte man schön säuberlich auseinander halten, um zwei Dinge. Um das „Repräsentieren“, die DBU nennt sich hier Berufsverband und um einen Verein inklusive Vereinleben selbst.

Persönliches Grundproblem Nummer Eins: Vereine sind nicht mein Ding. Nein, Vereine sind mir in der Regel sogar zuwider. Ich habe einige Bekanntenschaften mit Vereinen in jüngeren Jahren gemacht, die meine Abneigung felsenfest haben werden lassen. Und ich wäre Ihnen jetzt dankbar wenn mir nicht das Wort im Mund umgedreht wird. Weder die DBU, noch die damit verbunden Personen, sind mir zu wider. Hier geht es um ein juristisches Grundkonstrukt, eine Juristische Person, die ich Grundsätzlich nicht mag: Den eingetragen Verein.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber grundsätzlich assoziiere ich mit Vereinen und Vereinsleben dunkle Dinge. Jovialität und Fratalisierungen sind da sicherlich das kleinste Übel. Vereine sollten in der Regel ein „Höheres“ Ziel verfolgen. Das kann noch so abstrakt sein, nur berechtigt dieses Höhere Ziel in Kombination mit einer Zusage, dies nicht mit dem Bestreben des Gelderwerbs zu kombinieren, einen Verein erst dazu, vom Staat den steuerlichen und rechtlichen  Sonderstatus eines eingetragenen Vereins zu bekommen.

Und in der Regel wird diese Sonderstatus ausgenutzt. Entweder agiert der Verein selbst unter der Hand wirtschaftlich. Und manchmal entwickelt der „kleine Mann“, der da draussen oft nichts wird (nein, nicht einmal Wirt!) hier eine besondere Dynamik. Statt sich um seinen Beruf oder seine Firma zu kümmern, wird dann „Sein“ Verein wirtschaftlich  perfektioniert.

Oder aber ein Teil der Vereinsmitglieder nutz den Verein dazu aus, ihre persönliches Wirtschaftliches Unternehmungen zu unterstützen. Von illegalen Machenschaften, persönlicher Bereicherung u.s.w will ich jetzt gar nicht erst anfangen.
Sicherlich, nicht bei allen Vereinen, aber bei fast allen, zumindest den größeren trifft dies zu, zumindest meine Erfahrung. Sehr schade finde ich auch, das statt einer gemeinnützigen „Höheren“ Sache zu dienen (In unserem Falle wäre es vielleicht das Wertschätzung des Berufs Bartender) das Vereinsleben oft irgendwann dazu übergeht von „UNS“, den Mitgliedern, und den anderen zu reden. Es werden gräben gezogen, wo keine sein sollten. Statt „offen“ ein gemeinsames Höheres zu verfolgen, wird oft der kleinste gemeinsame Nenner, die MITGLIEDSCHAFT, glorifiziert und als wichtig erachtet.

Hinzu kommt, das man über die Jahre mit Vereinen Monster erschafft. Generationen von Mitgliedern schrauben an Satzungen etc, bis zur Unkenntlich / Unverständlichkeit. Ganz zu schweigen von der Tatsache, das bei großen Vereinen immer ein Kompromiss gefunden werden muss. Die Ergebnisse sind dann manchmal Mittelmass, statt der gewünschten Klasse. Das ist dann zwar augenscheinlich „Demokratisch“ - aber trotzdem zum heulen. Hilft einen ja auch nicht. Ich such mir lieber die Leute aus, mit denen ich etwas zusammen mache. Egoistisch, ich weiss. Aber gut so, finde ich. Mit einer unüberschaubaren Menge an mir Unbekannten in „einem Boot“ zu sitzen, ist mir grundsätzlich suspekt.

Also im Grunde genommen kosten Vereine Kraft & Zeit. Wenn Du ein Ziel möglichst umständlich, aufwendig zu 65% erreichen willst = Gründe einen Verein. Ich persönlich stehe auf 99%. Vereine verumständlichen Sachverhalte bzw. Lösungsfindungen und sorgen für ein gehöriges Mass an  Mittelmäßigkeit. Sie bremsen um Ihrer selbst willen.

Andererseits bieten Vereine je nach dem natürlich auch vermeintliche Vorteile. Nur sehe ich diese im allgemeinen exponentiell schnell schwinden. Galt ein Verein vor Jahren noch als Treffpunkt von Gleichgesinnten, mag das Anliegen / Hobby noch so speziell sein, hat das Netz diese Funktion nahezu unwichtig gemacht.

Das zählt selbstverständlich auch für die DBU. Der mir wichtigste, vielmehr oft einzig sinnvolle Tagesordnungspunkt bei vielen DBU Sitzungen war die Kaffeepause (und der Gin & Tonic nach der Sitzung).  Mag sich vermessen anhören, aber Produktpräsentationen von „Vertretern der Industrie“ haben mich noch nie interessiert. Mich interessieren Menschen. Und davon hat die DBU selbstverständlich auch viele großartige zu bieten. Und ich freue mich diesem Menschen dann einmal im Monat wieder zu sehen. Eine perfekte DBU Sitzung für mich wäre gewesen: 2 Stunden Small Talk und 20 Minuten Vereinsarbeit + Null Produktpräsentationen und andrer blinder Aktionismuss.

Aber zurück zum Thema: Den Kontakt zu „Gleichgesinnten“ muss heute keiner mehr über einen Verein herstellen. Das Netz bietet viele Möglichkeiten, Gleichgesinnte zu finden. In der Regel vielfach mehr, als es ein Verein jemals kann. Denn das schlimmste was den meisten Vereinen verloren geht, ist der Open Mind. Vereinsmitglieder denken oft  in WIR und die anderen. Was für ein Schwachsinn.

Also, Vereine sind nicht mein Thema. Ein Interessenverband für Bartender hingegen könnte ich eventuelle  etwas abgewinnen. Das dieses meist auch organisiert sein muss, könnte man natürlich notgedrungen, das Konstrukt eines Vereins hierzu missbrauchen, leider wie im Fall der DBU - fehlgeschlagen!

Früher, als ich in die DBU eingetreten bin, fand ich es großartig dem „Berufsverband“ anzugehören. Irgendwann habe ich dann erkannt, das die DBU niemals Berufsverband war und heute denke ich, es bitte auch nie sein sollte.

Die Zeiten haben sich geändert. Netzwerke und Kontakte aus unsere Branche sind heute kein Problem mehr. Daher ist selbst ein Berufsverband in meinen Augen nicht mehr so wichtig. Sollte mann dennoch so einen Art Plattform formieren wollen, gibt einem die fehlende Notwendigkeit eine gewisse Entspanntheit. Da es nicht mehr eilt, hätten wir Zeit, das ganze einmal neu aufzuzäumen. 

Es sollte darum gehen, einige, sehr wenige Ziele zu definieren. Eine Interessenvereinigung sollte sich ganz einfach um zwei Dinge kümmern. Sie sollte die fantastische Vielfalt des Bartender in der Öffentlichkeit fördern. Und Sie sollte Fort- und Weiterbildung für Anfänger und Fortgeschrittene anbieten. Und zwar unter dem 1000% Mantel der Neutralität. Einzig und allein der Qualität verschrieben. Am wichtigsten scheint mir dabei ebenfalls eine Liste zu sein, was man alles NICHT machen sollte. SOnst läuft das aus dem Ruder. Wie in der Vergangenheit.

Hinzu kommt in meinen Augen ein weiterer wichtiger Punkt: Transparenz und Offenheit.  Eine Sache hat mich unglaublich bei allen Antworten der Entscheidungseben DBU auf meinen offenen Brief gestört. Niemand war der Meinung, das die gesamte Buchhaltung der DBU bis aufs letzte sofort online für jedermann zugänglich gemacht werden muss.

Diese Antwort hat mich eindeutig dazu bewegt, aus der DBU auszutreten. Oder besser formuliert, er war der Ausschlaggebende Grund. Wenn die Offenlegung der Finanzen bei einem Verein ein solches Problem zu sein schein, möchte ich Ihm nicht angehören. Punkt!

Gründe auszutreten gibt es viele und ich kann mir auch nicht vorstellen, der DBU wieder beizutreten. Allerdings: Ein gemeinnütziger Verein, der die Gelder vieler Mitglieder verwaltet und nicht von sich aus bereit ist,alles daran zu setzen, sämtliche Geschehnisse so Transparent wie möglich zu gestalten, sollte man in keiner Weise unterstützen. Jede noch so kleine GmbH muss Ihre Ergebnisse im Netz veröffentlichen (mal Lust die Verluste des Le Lion zu recherchieren...?) Bei einem gemeinnützigen Verein sollte das selbstverständlich sein. Auch ohne gesetzliche Auflage ist dies der Ursprung für notwendiges Vertrauen. Da dies anscheinend nicht durchsetzbar ist, meine dringende Empfehlung an alle Mitglieder: Austreten!

Ein Zusammenschluss  vieler zu einem Gemeinnützigen Ziel ist eigentlich eine unmögliche Sache. Dieser Drahtseilakt kann nur halbwegs gelingen, wenn man einander Vertraut. Dieses Vertrauten kann nur ernsthaft gefestigt werden, wenn es als Selbstverständlich gilt, sämtliche Entscheidungen, ob finanzielle oder Administrativer Natur, zu 100% transparent zu gestalten.

Das dieser Wille zur 100% Transparenz nicht zu 110% als Selbstverständlich bei vielen, gerade auch den „jungen“  Entscheidern, nicht kompromisslos vorangetrieben wird, sozusagen selbstverständlich „höchste“  Priorität hat, lässt für mich nur erkennen: Hoffnungsloser Kampf gegen Windmühlen. Zeitverschwendung. Sorry to say.

Aber das einzige was mich wirklich interessiert ist etwas Höheres. Ein Zusammenschluss von Interessierten die sich für unseren Beruf und die Fortbildung / Ausbildung hier kümmern.

Ich persönlich brauche keine Vereinsmeyerei. Ich brauche auch keine „Aktivitäten“ und „Aktionen“ in meinen Verein. Meine wirtschaftlichen Interessen lebe ich da aus, wo Sie hingehören - in meiner Arbeit und meiner Selbstständigkeit. Andererseits, nicht das mich jemand missversteht: Es spricht auch nichts dagegen. Soll jeder machen was er will.

Das einzige, um was ich meinen Ex Verein bitten würde. Rethorik überdenken. Die DBU ist NICHT Berufsverband, und hat in meinen Augen auch kein Recht sich so zu nennen. Das ist dann nunmehr ein Schnittpunkt, wo mich eventuelle Interessen der DBU interessieren. Die DBU behauptet zu unrecht von sich sie sein „Berufs Fachverband und Interessengemeinschaft der Barkeeper in Deutschland“ - Richtig hingegen wäre: „Einiger weniger Barkeeper in Deutschland“. Ich persönlich möchte nicht durch die DBU repräsentiert werden. Und solange die DBU nach aussen hin sich als Repräsentant der Barkeeper Deutschlands gibt, solange finde ich es völlig in Ordnung wenn eben Barkeeper sich öffentlich hinstellen und darauf hinweisen, das die DBU NICHT repräsentative die Bartender in Deutschland vertritt.

Ich erlaube mir hier kurz eine Antwort auch einen Kommentar von der von mir geschätzten Christian Schneider zu meinen DBU Austritt vor einigen Tagen:


Liebe Christina,

ich habe mir erlaubt, meinen Austritt aus der DBU öffentlich zu machen, da die DBU Ihrerseits sich öffentlich als Vertreter unsere Berufsstandes gibt. Obwohl es fantastische Mitglieder in der DBU gibt, und auch teilweise schöne Projekte realisiert werden,  ist die DBU in meinen Augen jedoch eines gerade nicht: Ein Berufsverband. Ich bin ganz sicher nicht auf dem Kriegspfad mit dem Mitgliedern der DBU. Ich suche das Gespräch mit jedem Interessiertem und freue mich über Austausch. Meine kleine Barspezifische Welt unterscheidet sich in Menschen, die Leidenschaft für unseren Beruf haben und sich darüber engagieren wollen und solche die dies nicht tun (was auch nicht weiter dramatisch ist) - Meine Welt unterscheidet sich nicht in DBU Mitglieder und Nicht DBU Mitglieder. Es gibt unter den DBU Mitgliedern fanatische Bartender. Die jeden Tag einen großartigen Job machen. Und viele von Ihnen engagieren sich ehrenamtlich, was jedes Lob verdient.
Nur, trotz all des positiven in diesen Verein, möchte ich eines mit aller Gewissheit feststellen: Die DBU ist weder Berufsverband, noch finde ich sollte Sie sich so in der Öffentlichkeit positionieren. Sie vertritt weder mehrheitliche Interessen von Bartendern, noch kann Sie in Namen derer sprechen. Sehr wohl vertritt Sie die Interessen Ihrer Mitglieder, nur ist das in meinen Augen kein repräsentativer Durchschnitt.

Und Christina, ein Ratschlag meiner Seits: Wenn Du schon mit dem Gedanken spielst auszutreten, tu es doch einfach !

Ich persönlich empfehle es jedem der mich fragt. Andererseits finde ich es überhaupt nicht verwerflich Mitglied der Deutschen Barkeeper Union zu sein. Der Verein gibt es tolle Initiativen von tollen Mitgliedern. Vielleicht mag sich für jemanden da die Mitgliedschaft lohnen. Wunderbar, kein Einspruch. Ich persönliche bin der Meinung das für vieles mittlerweile kein Verein mehr nötig ist. Das geht viel besser ohne. Und man gibt dann seine „Stimme“ nicht mehr an ein administratives Monster, wo jeder Änderungsvorschlag anscheinen von undefinierbaren Mühlen zermahlen wird. Ich verspreche Dir, Du kannst persönlich viel mehr ohne die Hilfe des Vereins auf die Beine stellen, als mit. Das glaube ich, weil ich der Meinung bin, das Du großes Talent hast und sehr gut vernetzt bist. Das Engagement in der DBU ist ein kräfteraubender, unnützer Kamps gegen das große Unbekannte. Warum 2, 3, 5, 10 Jahre warten, wenn wir alles in wenigen Monaten ohne DBU organisieren können? Einige Antworten auf meinen offenen Brief haben mir die Augen geöffnet. Einige der neuen selbsternannten „Jungen Wilden“ Hoffnungsträger sind weder Jung, noch Wild - sondern schon verdammt in der Vereinsmühle gefangen.

Ich glaube das wird nichts mehr. Machen wir an anderer Stelle weiter. Falls ich Dir mit irgend einer Idee, die Dir im Kopf umher schwirrt behilflich sein kann, helfe ich gern.

Die DBU hat tolle Mitglieder. Wirklich. Und zwar nicht zu wenig. Schade das das Talent und das Können dieser vielen in einem völlig überholten Vereinskonstrukt immer wieder versandet. Das muss unglaublich frustrierend sein. Nur, so etwas ist nicht für mich.

Ich würde mich freuen, wenn Du und andere Ihr Talent nicht länger bei diesem Kampf gegen Windmühlen verschwenden.

Gruß

Jörg



Ein paar Nachträge:

  1. Ich freue mich auf den Tag, wo ich per Mouseclick als Aussenstehender den Kontostand der DBU abfragen kann - möge er sechsstellig sein. Man wird ja noch träumen dürfen - so oder so ...Und ob man es glaubt oder nicht. Während ich hier diese Zeilen tippe, wird der Server des Bundesanzeiger gewartet. Ab Montag soll es wieder losgehen. Da könnte mann sich z.B: die Ergebniss der DBU GmbH anschauen, unter: Deutsche Barkeeper Service GmbH. Oder auch die bisherigen Verluste der Lion Barbetriebe GmbH ;-)
  2. Helmut Adam hat auf dem Mixology Blog eine gute Debatte um eine eventuelle Plattform losgetreten. Ich finde die Idee gut, und das Brainstorming dort ebenfalls. Freue mich auf regen Austausch...
  3.  Eine Empfehlung für meine Ex Vereins Mitglieder. Ich habe nicht viele der bisherigen „Verantwortlichen“ gut kennen lernen können. Von einem halte ich aber sehr viel und bin der Überzeugung, das er die Geschicke der DBU auf Bundesebene am besten leiten wir. Für die nächste Wahl, mein persönlicher Tip: Wählt Kent Steinbach !