23.12.2008

Warum Antica Formula nicht der beste Vermouth der Welt ist

Heute Abend lass ich die letzten Einträge der Chanticleer Society. Es gibt einen Thread über Antica Formula. Jack Hubbard sprach mir aus der Seele... Antica Forumla ist EIN (roter) Vermouth von vielen. Sein Geschmack ist einzigartig, wenn auch sehr dominat. Das man mittlerweile von Bartendern schon schief angeguckt wird, wenn man ihn nicht verwendet, macht mir die Sache langsam etwas anstrengend.

Punt et Mes ist fantastisch und deutlich differenzierter. Noilly Prat Rouge ist ebenfalls ein toller Vertreter seiner Gattung. Ein Green Point Manhattan mit Antica Formula statt mit Punt et Mes ist meinen Augen nicht rund - Punt et mes schlägt hier Antica.

Das Argument, das Antica fast drei bis vier mal so teuer ist, wie herkömmlicher Vermouth, schreckt uns Bartender glücklicher weise nicht vor der Verwendung dieses guten Vermouths zurück. Allerdings, wenn unsere Bar einen größere Auswahl an Vermouth erlaubt, sollten wir die Vorzüge jeden einzelnen Vermouth kennenlernen und auch anwenden. Antica Formula ist nicht das Allheilmittel für Vermouthfreunde. Er war und ist die größte Bereicherung für das Vermouthspektrum in den letzten Jahren. Der ÜBER-Vermouth hingegen ist er nicht. Mein Empfehlung: Beim nächsten Manhattan oder Negroni einfach mal die Flasche Antica unberührt lassen und schauen welche Aromen und Nuancen mit der Verwendung eines anderen Vermouth entdeckt werden.

Hinzu kommt, das ich viele Vermouth noch nicht einmal probiert habe. Kennt jemand z.B. Martelletti Vermouth Classico? Irgenwelche weiteren Vermouth Empfehlungen?

Darauf einen Green Point:

GREEN POINT


1 ½ oz 100 proof bonded Rittenhouse Rye*
½ oz Punt e Mes
½ oz yellow Chartreuse

1 dash orange bitters

1 dash Angostura/Aromatic bitters
stir and strain into cocktail glass

( *derzeit meiner Meinung einer der Besten in Deutschland erhältlichen Rye's - gibt es seit kurzem bei http://www.whisky24.de
)

21.12.2008

Premium Spirituosen - Lektion 1.4: Wie entscheidet der Markt?

Premium, nein besser noch, Super Premium Spirituosen sind derzeit in vieler Munde. Wie beispielsweise die Süddeutsche vor kurzem bemerkte, geht der Konsum bei Spirituosen in der Quantität zurück, die guten Qualitäten allerdings, wachsen in der Nische weiter.

Dieser "Wandel" wird sich sicherlich weiter fortsetzen und, wie auch schon in der Vergangenheit, für eine Vielzahl von selbsternannten Super Premium Spirituosen sorgen. Viel Schein statt Sein, viel Marketing, viel Bla, wenig Qualität! Überteuerte Produkte werden auch in Zukunft dem Gast und Bartender nicht erspart bleiben.

Ich gestehe, ich bin ein schlechter Mensch! Ich freue mich immer großartig, wenn eine dieser Marketing Blasen platzt. Es gibt eine tolle Geschichte zum Thema: Wie entscheidet der Markt und ich möchte mir erlauben, diese hier zu erzählen. Doch immer schön der Reihe nach.

Im Le Lion haben wir seit Beginn eine kleine, aber hoffentlich gute Spirituosenauswahl. Weniger, dafür Gutes und Außergewöhnliches, ist mehr! So haben wir z.B. nur zwei Irish Whiskys im Programm. Powers 12 Jahre und Redbreast 15 Jahre. Den Powers  kannte ich schon seit Jahren. Über den Redbreast hatte ich einiges gelesen und so wurde eine "Probe" bestellt.

Nachdem ich Ihn für die "Karte" probiert hatte, wurde mir klar: "Herr Meyer, dieser Tropfen gehört zu den Besten, die Sie an Whisky je getrunken haben!" Also bestellte ich einige Flaschen nach und der Readbreast fand sich seitdem auf der Barkarte des Le Lion.

Wir empfahlen Ihn gerne und seltsamer weise gab es immer mehr Gäste, die sich freuten, diesen Tropfen auf der Karte zu finden, und Ihn bestellten. Vor kurzem leerten wir die letzte Flasche und als ich versuchte den Whisky nachzubestellen, wurde mir klar, warum sich immer mehr Whisky Freunde freuten, Ihn auf der Karte zu sehen: Redbreast 15 Jahre wird nicht mehr hergestellt.

Folgendes war passiert: In der Midleton Distillery (Redbreast und Jameson) hatte man sich entschieden den erst seit einigen Jahren hergestellten Redbreast 15 Jahre zu Gunsten eines "neuen" teureren Premium Jameson "18 Jahre" zu opfern.  Man erhoffte sich mehr Profit vom exklusiven Jameson und stellte den 15 Jahre alten Redbreast ein.

Mittlerweile allerdings, wurde der Redbreast 15 Jahre unter Whisky Kennern als erstklassiger Whisky gehandelt. Der neue 18 Jahre alte Jameson hingegen wird von vielen Whisky Freunden verhalten gelobt.  Der Redbreast lag vor gut einem halben Jahr bei 40 - 45 €. Der "neue " Jameson 18 Jahre liegt bei ca. 75,00 €. Die Preisexplosion bei Redbreast in den letzten 6 Monaten ist enorm. In Zeiten einer angeblichen Wirtschaftskrise hat sich der Wert der Flasche fast verdreifacht - was die wenigsten Depots von sich behaupten können.

Wenn man Redbreast 15 Jahre bekommt, liegen die Flaschen derzeit oft schon bei 100 Euro. Wer lange sucht, findet welche für knapp über 70,0 Euro. Einige Händler sind bei 120,00 Euro angekommen. Tendenz steigend!  Warum? Weil die Qualität überzeugend ist! Den Profit bei dieser "ungewollten" Premium Spirituose machen in diesem Fall die Händler. Gut so! Der Markt hat entschieden: Redbreast 15 Jahre ist einer der besten Irish Whiskys die es je gab! Jameson 18 Jahre muss den Beweis dafür noch antreten - mich hat er nicht überzeugt.

Also... wer einen 15 Jahre in Bourbon und Sherry Fäßern gereiften Pure Pot Still Irish Whisky sein eigen nennen möchte - sollte mit der Suche beginnen. Es gibt noch Flaschen für um die 70,00 €. Der Lohn, ist einer der besten Whiskys, die ich je getrunken habe.

Preisentwicklung: Redbreast 15 Jahre

19.12.2008

Das Telefoninterview: Heute - vom feindifferenziertem Trendreport zum Vodka Hasser - oder warum mich Kaufmann Vodka vom Vorstellungsgespräch auslädt

Heute, 10:19 Ortszeit,  in einem sehr kleinem Ort in Niedersachen.

Ich stehe im Postamt, auf dem Arm die Gewinner Pakete mit Limetten Pressen der Puro de Agave Gewinn Aktion, eine Paket-Retoure (die 2.) für ein nie bestelltes Haufe Lexware Software Upgrade ( für lächerliche 249 Euro - Verbrecherverein!) und ein Paket mit einer Flasche FF Swedish Punch für eine Dame in Schweden...(mal Gucken was die Schweden zu dem Zeug sagen).

Just als mir die stets freundliche Dame dieses outgesorcten Post Service Centers den Tip gibt "Wenn Alkohol drin ist, schreiben Sie bei Inhalt einfach "Geschenk" klingelt mein Telefon.  Stephan Susen, mein Cousin, Kreuzritter GmbH, am anderen Ende, freudige Stimme, "WIR SIND DRIN!"...

Da schießt einem so einiges durch den Kopf ... wo mögen wir drin seien? Meinerseits etwas Verwunderung ... Dann Susen: "NA ... Süddeutsche ... Du erinnerst Dich?" Stimmt, da war was. Zwar schon gut zwei Monate her, aber es gab ein Telefon Interview mit einem Herrn von der Süddeutschen, zum Thema "Bartrends". Stephan hatte Ihn freundlicher Weise an mich verwiesen, nachdem er Ihm alles zum Thema Kreuzritter offenbart hatte.

Da steht man nun, in der Süddeutschen, mit einem Bild der Kanzlerin und falsch geschriebenen Namen. Jörg Meier, Dr. Stephan Susen  ("Naja... er stellt die Wirkung des Kreuzritters in Frage") und Angela zum Thema "Boom der Edelspirituosen. Prompt klingelt das Telefon - RTL Nachtjournal möchte ein Interview zum Thema. Am liebsten in der Bar, mit Gästen. Ich lehne ab, mit Gästen passt nicht zur Stil des Hauses.

Robert Lückes Text gefällt mir, sein Humor ist ganz nach meinem Geschmack. Auch wenn der Malt ein "e" verpasst bekommt und seine Kurzform meiner 30 minütigen, feindifferenzierten Trend Bericht Erstattung zum Thema Edelspirituosen in Form von "Premium Vodka ist beschiss" meine Kariere Pläne als Wodka Ambassador vor ein jähes Ende stellen. Die Bausparer und Reihenendhausbesitzer, die Seife, der Torf und der Nagellackentferner sind ganz nach meinem Geschmack.

Schnaps, aber oho! Süddeutsche vom 19.12.2009 

16.12.2008

Drinkboy ist Tod - lang lebe die Chanticleer Society

The Chanticleer Society - A Worldwide Organization of Cocktail Enthusiasts - by Robert Hess


Vor einigen Tagen haben ich von der Chanticleer Society gelesen. Robert Hess hat diese neue "wohltätige" Plattform ins Leben gerufen. Wie man auf der Webseite der Gesellschaft lesen kann, wird das Drinkboy Forum im Februar 2009 von Microsoft abgeschaltet.

Zitat Robert Hess: "We were looking for a name to christen a new organization of cocktail enthusiasts, and after a little head scratching David Wondrich uncovered the following quote:

"The Sunday Mercury says that if you are at a hotel, and wish to call for a beverage compounded of brandy, sugar, absynthe, bitters and ice, called by the vulgar a cocktail, ask for une queue de chanticleer-it will be an evidence at once of your knowledge of French and of Chesterfield."
- The New Orleans Daily Picayune, February 2, 1843, p.2

which provides an interesting alternative term for cocktail. Listed here "une queue de chanticleer" is roughly translated as "a tail of the rooster", in which "chanticleer" is used for "rooster" instead of the French "coq".  "Chanticleer" is the name given in some old English myths and fables for a rooster character that sometimes appears.

So that is the origin of the name. But why you may ask create this particular group, at this particular time? Well, that's where things get a little complex. There were several different "pressures" that brought this about.

1. I was wanting to hold some public seminars here in Seattle, but to do this, and be able to serve cocktail samples at them, I had to create a non-profit organization.

2. MSN Groups decided it was going to shut down in February 2009, which meant that my drinkboy discussion forum would be going away. For technical reasons I couldn't host it on the drinkboy.com website, so I decided that I should create a new website for this.

3. There has recently been a lot of activity in regards to Bartenders Guilds, both ones that are officially part of the USBG, as well as some independent groups starting up. They are of course set up to be by, and for, bartenders, but they also are providing some level of "participation" by non-bartenders, but not as a primary focus.

So, I decided to try to take these issues, combine them together, and form an organization that is by, and for, cocktail enthusiasts. Besides providing a discussion forum to replace the drinkboy forum, the plan is for it also to assign "ambassadors" around the world who will take on the responsibility of keeping abreast of the cocktail happenings in their area. They will keep tabs on the bars and bartenders of note in their locale, and be able to report on the status when the need arises.

We will also lock arms with the various other organizations, websites, etc that are cocktail related, hopefully providing a great network of resources and opportunities.

We are still in our formative stages, so various details surrounding what this organization is, and where it is going will surely change over the weeks, months, and years to come.


Robert Hess"

The Chanticleer Society - A Worldwide Organization of Cocktail Enthusiasts


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